Erfahrungsbericht: Online Praktikum an einer Schule in Norwegen

Über ca. 4 Monate absolviere ich ein online Schulpraktikum an der Skedsmo Viderengaende Skole in Norwegen. Es handelt sich hierbei um eine weiterführende Schule, in der Schüler*innen die 11., 12. und 13. Klasse besuchen. Dabei suchen sie sich vorher aus, ob sie nach der Schule eine Ausbildung machen oder studieren möchten und werden dementsprechend verschiedenen Kursen zugewiesen.

Als ich das Praktikum begann, tauschte ich mich mit meinem Betreuer und zwei Lehrkräften aus. Wir einigten uns darauf, dass ich bei den beiden Lehrkräften im Unterricht mitmachen könnte. Dazu stellten sie mir einen Stundenplan vor und wir arbeiteten gemeinsam heraus, welche Zeiten mir passen würden. Als es mit der Unterrichtsbeobachtung online losgehen sollte, lief anfangs nicht alles nach Plan, da es aufgrund der Pandemie in Bezug auf Präsenz- und Onlineunterricht immer wieder zu Änderungen kam und zusätzlich einige Klassen sich in Schulprojekten befanden. Inzwischen kann ich aber regelmäßig beim Englischunterricht zugucken. Ich bin ca. bei 12 Stunden Unterricht pro Woche dabei. Zum einen besuche ich den Unterricht von einer Lehrkraft, die Schüler*innen unterrichtet, die eine berufliche Ausbildung machen möchten. Zudem besuche ich den Unterricht einer Lehrkraft, die Schüler*innen für ein Studium vorbereitet. Dieser Kurs ist auf englische Literatur spezialisiert.

Die Schüler*innen wurden zu Beginn darauf hingewiesen, dass ich die nächsten Wochen teilnehmen werde und sie darauf achten sollten, Englisch zu sprechen. Ich durfte mich anfangs in den Kursen vorstellen. Ich werde ab und zu mit in den Unterricht eingebunden, wenn die Lehrkräfte mir Fragen zum Unterrichtsinhalt stellen oder zu einem bestimmten Thema den Vergleich zu Deutschland hören möchten. Außerdem höre ich bei den Gruppenarbeiten der Schüler*innen zu, ob sie auf Englisch sprechen und wie sie ihre Aufgaben bewältigen. Darüber hinaus habe ich von einer Lehrkraft einige Präsentationen der Schüler*innen zugeschickt bekommen, die ich evaluieren sollte. In der Zukunft soll ich weitere Aufgaben der Schüler*innen evaluieren, um in dem Bereich Benotung Erfahrungen zu sammeln.

Die Kommunikation mit den Lehrkräften funktioniert sehr gut. Die Schule benutzt Microsoft Teams und hat mich darin eingebunden. So stehen wir zu jeder Zeit in Kontakt, indem wir „chatten“ oder per Videochat telefonieren. Ich habe mindestens einmal die Woche ein Meeting mit einer Lehrkraft oder beiden Lehrkräften, um meine Fortschritte zu diskutieren oder das weitere Vorgehen zu besprechen. Wir tauschen uns beispielsweise darüber aus, dass ich in der Zukunft auch mal eine Klasse unterrichten könnte, da die Schule gerade nach dem Hybridmodell unterrichtet. Das bedeutet, eine Gruppe wird in Präsenz unterrichtet, während die andere Gruppe simultan online dazugeschaltet wird (Dies kann sich aber abhängig von der Pandemie bzw. den Fallzahlen immer wieder ändern). So könnte ich also mit der Unterstützung der Lehrkräfte die Gruppe unterrichten, die von zuhause aus arbeitet. 

Die Lehrkräfte kümmern sich sehr darum, dass ich mich wohl fühle. So werde ich zum Beispiel öfter gefragt, ob ich Fragen, Einwände, Wünsche usw. habe. Aufgabenstellungen werden z.B. für mich auf Englisch formuliert und es wird stets darauf geachtet, dass ich Dingen wie dem Semesterplan oder dem Unterricht folgen kann.  Ich habe definitiv das Gefühl, dass sich meine Kommunikationsfähigkeit in Englisch verbessert, da ich jedes Gespräch auf Englisch führe und keine Möglichkeit besteht, Deutsch zu sprechen. Wir unterhalten uns nicht nur in den wöchentlichen Meetings, sondern auch fast jedes Mal nach den Unterrichtsstunden. 

In Bezug auf den interkulturellen Austausch, ist mir bewusst, dass ein Online Austausch nicht so authentisch sein kann, wie der in Präsenz. Allerdings habe ich schon das Gefühl, dass durch die verschiedenen Gespräche mit den Lehrkräften ein interkultureller Austausch stattfindet. Ich lerne durch die beiden viel über Norwegen, während sie aber auch sehr interessiert an Deutschland sind. Wir unterhalten uns neben Themen wie Unterricht oder Schulsystemen auch über andere Themen, die beispielsweise die Unterschiede deutscher und norwegischer Kultur und Mentalität aufzeigen. Aber auch der norwegische Unterricht, das Schulsystem und die Schüler*innen tragen dazu bei, dass ich einige Dinge aus einer neuen Perspektive betrachte, da ich Unterschiede zu Deutschland sehe, bzw. zu dem was ich vorher kannte.

Es ist sehr schade, dass es nicht möglich ist, das Praktikum in Präsenz zu absolvieren, da es mir sehr gefällt und ich äußert gerne die Möglichkeit hätte vor Ort zu sein. Ich denke auch, dass es in Präsenz mehr Möglichkeiten gegeben hätte, auch mal selbst zu unterrichten. Diese Erfahrung fehlt mir leider ein wenig. Da selbst Unterrichten für mein Praktikum nicht vorgegeben ist, ist es nicht weiter dramatisch. Bisher erlebe ich auch online, auch wenn es ungewohnt ist, eine positive Erfahrung. Ich denke außerdem, dass der digitale Unterricht auch in Zukunft an Wichtigkeit zunehmen wird. Aus dieser Perspektive betrachtet, ziehe ich einen großen Vorteil aus diesem Online Praktikum, da ich sehr viel über digitale Unterrichtsmethoden und Konzepte lerne, die ich für meinen späteren Berufsweg sicherlich gebrauchen kann. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.