Erfahrungsbericht: Fremdsprachenassistent am Tornbjerg Gymnasium in Odense

Montagmorgen, Mitte August: Ich durchtrete etwas nervös die Eingangstür des Tornbjerg Gymnasiums Odense in Dänemark. Hier würde ich für die nächsten neun Wochen als Fremdsprachenassistenz im Fach Deutsch dänische Schülerinnen und Schüler beim Lernen unterstützen. An diesem Morgen wusste ich noch nicht, wie schnell diese neun Wochen vorbeigehen würden und wie viel Spaß ich haben würde.

Aber von vorne: Anfang Mai bewarb ich mich auf die von der ZELB beworbene Stelle als Fremdsprachenassistenz am TG. Nach einem netten Video-Bewerbungsgespräch mit zwei Deutschlehrkräften des TG kam dann die Bestätigung und die Vorbereitungen begannen. Die Stipendienbewerbung darf vom Zeitaufwand her nicht unterschätzt werden, vor allem wenn dies so kurz vor der respektiven Deadline geschieht wie bei mir. Mit tatkräftiger Unterstützung vom internationalen Koordinator des TG und aus dem ZELB bekam ich dann aber doch noch fristgerecht ein Stipendium über Erasmus+ und begann mit der Suche einer Unterkunft. Über AirBnB findet man viele, mehr oder weniger erschwingliche, Unterkünfte überall in Dänemarks drittgrößter Stadt, aber auch mit diesem Aspekt der Vorbereitung sollte man dementsprechend besser früher als später beginnen. Über das von Erasmus beworbene Versicherungspaket des DAAD kann man sich kostengünstig im Ausland versichern, sehr zu empfehlen, auch wenn man es hoffentlich nicht brauchen wird.

Nach einer erschöpfenden Zugreise nach Odense wurde ich dort am Hauptbahnhof vom Fachgruppenleiter des Fachs Deutsch am TG in Empfang genommen und bei einem netten Gespräch zu meiner Unterkunft geleitet. Das war der erste Vorgeschmack auf die Offenheit und Sympathie der Kolleginnen und Kollegen am TG.

Zwei Tage drauf, am besagten Montagmorgen begann dann für alle, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte, aber eben auch für mich, die Schule – die Sommerferien waren vorbei.
Im Lehrerzimmer wurde ich nett von einem Lehrer empfangen, machte es mir gemütlich und wartete auf meine Verabredung mit besagtem Fachgruppenleiter. Er zeigte mir die Schule, stellte mich überall vor, gab mir Zugangsdaten und Schlüssel. Wie selbstverständlich war ich nun ein Teil des TG.
Es folgten dann auch gleich meine ersten Unterrichtsstunden in zwei Klassen des zweiten Jahrgangs (= 12. Klasse im deutschen G9), in denen ich mich vorstellte und zunächst nur hospitierte und mir ein Bild von den Schülerinnen und Schülern, ihren Fähigkeiten und dem Lehrstil der Lehrkräfte zu machen. Da ich Germanistik nicht studiere, war es so auch sehr interessant zu sehen, wie eigene Muttersprache von Anderen als Fremdsprache erlernt wird.
Für die dänischen Schülerinnen und Schüler am TG ist Deutsch die zweite Fremdsprache nach Englisch. Viele zeigen großes Interesse an der Sprache und Kultur, da Deutschland für Dänemark einen andere Bedeutung hat als anders herum. So fiel es dann auch nicht schwer nach nur einer Stunde des Hospitierens direkt die „richtigen“ Aufgaben einer Sprachassistenz aufzugreifen und eng mit den Schülerinnen und Schülern zu arbeiten.
Dass am TG sehr viel Gruppenarbeit betrieben wird, kam dem Ganzen zugute – so konnte ich eng mit wenigen SuS zusammenarbeiten und ihnen so den wahren Mehrwert einer Sprachassistenz aufzeigen. In Gruppenarbeitsphasen und beim Stationenlernen übernahm ich häufig eine der Gruppen und führte Aufgaben wie z.B. zur Aussprache, dem lauten Lesen, Spiele, Gespräche, aber auch gewöhnliche Textaufgaben wie Zusammenfassungen, Analysen und Interpretationen durch.

Die Schülerinnen und Schüler schätzen die Möglichkeit eines Austauschs mit einer Sprachassistenz in vielerlei Hinsicht, bspw. hinsichtlich der Aspekte der Muttersprachlichkeit oder der interkulturellen Austauschmöglichkeiten.

Eine meiner Befürchtungen im Vorhinein war gewesen, dass ich ohne ein Deutschstudium nicht adäquat ausgestattet sein würde für die Stelle als Deutsch Fremdsprachenassistenz. Dies erwies sich jedoch als Trugschluss, da Grammatikeinheiten hauptsächlich durch die verantwortlichen Lehrkräfte direkt durchgeführt und betreut wurden und ich mir diejenigen grammatikalischen Fähigkeiten, die tatsächlich auch von mir gebraucht wurden, schnell wieder ins Gedächtnis rufen konnte, da diese relativ simple Dinge wie die vier grammatikalischen Fälle umfassten.
So kann man auch ohne Germanistik-Studium die Schülerinnen und Schüler adäquat beim Deutschlernen unterstützen.

Neben meinen Haupttätigkeiten als Fremdsprachenassistent im Deutschunterricht bekam ich auch die Möglichkeit in eines meiner beiden Fächer, in den Politikunterricht, hineinzuschnuppern. Das TG bietet ein internationales Profil an, in welchem viele Fächer auf Englisch unterrichtet werden, so u.a. auch Sozialkunde. In diesen Unterrichtsstunden hospitierte ich ebenfalls und nahm ähnliche Aufgaben wie im Deutschunterricht wahr, so z.B. die Betreuung von Gruppen und einzelnen Schülerinnen und Schülern.

Neben den Hauptaufgaben im Fach Deutsch gibt es also je nach Fach auch noch andere Möglichkeiten, sich in die Schulkultur einzubringen, in die man nett aufgenommen wird. Vom ersten Tag an wird man vom Kollegium mit offenen Armen empfangen, viele sprechen sogar Deutsch, alle aber Englisch und unterhalten sich gerne. Auch zu den am TG unregelmäßig stattfindenden, aber in der dänischen Gesellschaft fest verankerten „Freitagsbars“ und zu anderen außerschulischen Zusammenkünften wird man eingeladen, sodass ein Austausch mit den Lehrkräften auch außerhalb der Schule im Privaten stattfindet. Davon ab bietet Odense und die Insel Fünen im Allgemeinen vielseitige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, natürlich auch abhängig von der Jahreszeit. Für die Sportinteressierten besteht auch die Möglichkeit der kostenlosen Mitbenutzung des gut ausgestatteten schuleigenen Fitnessraums während und außerhalb der Schulzeiten. Ferner stellt die Schule auf Wunsch ein Fahrrad inkl. Zubehör zur Verfügung, aber auch der Stadt- und Inselbus bietet eine Möglichkeit zur Fortbewegung.

Alles in allem waren es sehr schöne neun Wochen in Odense mit tollen Erfahrungen und interessanten Einblicken ins dänische Schulsystem, Land und Leute. Sehr empfehlenswert!

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