Gewitter über Göttingen – Teil 2

Zu Teil 1

Schlagartig war das Licht aus, und die Studierenden saßen vor schwarzen Bildschirmen. Reflexartig wollte ich zum Telefon greifen, doch auch das funktionierte nicht mehr. Was war gerade geschehen?

Einige Studierende sahen sich hilfesuchend um, andere lachten. Vielleicht ein bisschen verzweifelt. Mitten in der Klausur völlig aus der Konzentration gerissen. Schnell war klar, dass es sich um einen Stromausfall handeln musste. Das hatte ich auch noch nicht erlebt. Die Blicke richteten sich auf mich, und die ersten Fragen kamen: „Ist die Klausur jetzt weg?“ oder „Was passiert jetzt?“, „Sind meine Antworten noch da?“. Fragen, auf die ich keine sicheren Antworten geben konnte. Eigentlich sollte alles gespeichert sein. Wenn ein PC abstürzt, ist ja auch alles noch da. Aber gilt das auch bei einem Stromausfall? Was, wenn auch der Prüfungsserver betroffen wäre? Theoretisch müsste noch alles da sein. Dies teilte ich den Studierenden sowie der besorgten Dozentin mit und sagte, dass alle erstmal versuchen sollten, ruhig zu bleiben, wir würden sofort daran arbeiten.

Um Bescheid zu geben und Rücksprache zum weiteren Verlauf zu halten, fuhr ich in die 5. Etage – der Fahrstuhl funktionierte immerhin wieder. Entlang des Flurs der 5. Etage standen fast alle Türen offen, und man tauschte sich munter darüber aus, was gerade passiert war. Der Stromausfall betraf den gesamten Blauen Turm. Somit hatte Holger Markus vom Team für die E-Prüfungen, dessen Büro ich aufsuchte, bereits vor meiner Ankunft geahnt, was sich gerade unten abgespielt hatte. Auch für ihn war dies ein neues Erlebnis. Stromausfall mitten in einer Klausur. Konnte die Prüfung noch zu Ende geschrieben werden? War noch alles da, oder müssten die Studierenden Antworten erneut eingeben? Dies galt es so schnell es ging herauszufinden.

Die Computer fuhren der Reihe nach wieder hoch, doch lange Zeit sahen wir nur die Ansicht des Verbindungsaufbaus mit dem Software-Verwaltungs- und -Verteilungssystem OPSI vor uns, weiter tat sich nichts. Vermutlich war der Server überlastet, schließlich waren nicht nur die Computer des E-Prüfungsraums betroffen. Wir fragten uns, wie lange es wohl dauern würde, bis wir wieder ins System kämen, um zu sehen, ob noch alles da war und um die Zeit zu verlängern. Denn das Problem war die feste Bearbeitungszeit der Klausur: Einmal angefangen, läuft die Zeit serverseitig runter, auch wenn die Computer gerade nicht funktionieren und die Studierenden gar nicht an der Klausur arbeiten. Wir mussten also unbedingt die Zeit verlängern, damit die Klausur nicht beendet sein würde, sobald die PCs wieder hochgefahren waren und sich die Prüflinge wieder einloggen konnten. Somit verblieben wir so, dass Holger Markus, sowie er wieder im System war, die Zeit immer wieder verlängern würde, bis unten alle Computer hochgefahren und im Prüfungsmodus wären…

Fortsetzung folgt: Zu Teil 3

Bendig (2018)

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