Der Nationalfeiertag der Samen

Der 6. Februar ist der Nationalfeiertag der Samen. An diesem Tag im Jahre 1917 kamen die Samen aus Norwegen und Schweden das erste Mal zusammen, um Lösungen für gemeinsame Probleme zu finden. Bei der 15. samischen Konferenz 1992 wurde der 6. Februar zum Nationalfeiertag bestimmt.

Die Samen (Sámi) sind das einzige indigene Volk der EU. Sie wohnen im nördlichen Fennoskandien und in Russland, in Sápmi, dem Kulturraum der Samen. Traditionell waren die Samen Nomaden und lebten von Rentierzucht, Robbenjagd und Fischerei. Die Anzahl der Samen kann nur geschätzt werden und beträgt etwa 50 000–100 000 Menschen. Die große Variation kommt dadurch zustande, dass die Definition eines Samen auf Merkmalen wie z. B. Sprache, nationale und kulturelle Identifizierung oder Ausübung der traditionellen Berufe basiert.

Bild: Ningyou/Drieakko

Samisch wird von etwa 24 000 Menschen gesprochen. Es handelt sich nicht um eine Sprache, sondern eine Gruppe von samischen Sprachen. Sie zählen zu den finnisch-ugrischen Sprachen und ihre nächsten Sprachverwandten sind die ostseefinnischen Sprachen. Die größte samische Sprache ist Nordsamisch (5), das von etwa 70%–80% der Sprecher des Samischen gesprochen wird. Weitere samische Sprachen mit bis zu 800 Sprechern sind Südsamisch (1), Lulesamisch (4), Skoltsamisch (6), Inarisamisch (7) und Kildinsamisch (8). Fast ausgestorben sind Umesamisch (2), Pitesamisch (3) und Tersamisch (9), als ausgestorben gelten Akkalasamisch und Kemisamisch.

Bild: Juanjo Marin

Zur samischen Kultur gehören eng die samischen Trachten, auf die die Samen sehr stolz sind. Häufig sind sie von Familienmitgliedern, Verwandten oder Bekannten gemacht worden und einzigartig nicht nur wegen des dekorativen Äußeren, sondern auch wegen der beinhalteten Informationen: Aus dem Anzug und seinen Teilen kann man sowohl das Geschlecht als auch die Heimat, die Familie und den Familienstand seines Trägers lesen. Die Trachten sind von großer Bedeutung und werden immer noch aktiv getragen.

Die samische Volksmusik nennt man Joik. Es handelt sich um relativ eintönigen Gesang, bei dem die Musik wichtiger ist als der Text. Traditionell hatte der Joik mehrere Funktionen im Alltag: Der Joik des Rentierhirten hat die Raubtiere von den Rentieren ferngehalten, gleichzeitig war er eine gute Erinnerungshilfe beim Denken an die Freunde oder an Ereignisse mit ihnen. In der Zeit vor der Christianisierung hat sich der Schamane mit Hilfe des Joiks und der Zaubertrommel in Ekstase versetzt. Da, wo die Joiktradition heute noch lebhaft ist, bejoiken die Menschen Orte, Plätze und Tiere aber als eine Art Guten-Tag-Gruß auch sich gegenseitig.

Wie viele Minderheiten, haben auch die Samen stark unter der Staatsgewalt der Mehrheiten leiden müssen: Bis zu den 1970ern wurde strenge Assimilationspolitik mit Internatsschulen und Wohnheimen ausgeübt, das ILO-Übereinkommen Nr. 169 der indigenen Völker wurde beispielsweise in Finnland immer noch nicht ratifiziert und die Besonderheiten der samischen Kultur, vor allem die Trachten, wurden zu Werbezwecken missbraucht.

Heute am 6. Februar empfehlen die Behörden in Norwegen, Schweden und Finnland, überall die offizielle samische Flagge mit den Farben aus den Saamitrachen und dem Bild einer Sonnen- und Mondscheibe hochzuhissen und den Nationalfeiertag der Samen zu feiern.

Quellen:

https://fi.wikipedia.org/wiki/Saamelaiskielet

https://fi.wikipedia.org/wiki/Saamelaiset

http://sanosesaameksi.yle.fi

https://www.suomenkielet100.fi/

Die Donauschwaben

Ungarn war schon immer ein Land, in dem auch andere Völker wohnten. Eine große Minderheit sind die Ungarndeutschen, auch Donauschwaben genannt. Sie kamen im 18. Jahrhundert in drei Wellen, die ersten unter Kaiser Karl VI. (1722-1726), die zweiten unter Maria Theresia (1763-1773) und die dritten unter Joseph II. (1782-1787). Sie stammten aus mehreren Gebieten Deutschlands, u.a. aus Schwaben, Bayern, Hessen und dem Rheinland. Als Siedlungsgebiete dienten das Ungarische Mittelgebirge, die Schwäbische Türkei, Batschka, Banat, Slawonien und Syrmien (heutiges Kroatien und Serbien) und das Gebiet um Sathmar im heutigen Rumänien. Man siedelte die Deutschen an, um das vom Krieg zerstörte Land wieder aufzubereiten und durch Fachkräfte die Orte aufzubauen. Sie brachten neue Techniken im Acker- und Hausbau mit und führten dort u.a. den heutigen Weinbau ein. Es entwickelten sich ganze ungarndeutsche Dörfer, oft auch nach den Ansiedlungswellen unterteilt, um nicht zwei Konfessionen in einem Dorf zu haben. Es gab aber auch Dörfer, in denen Ungarndeutsche und Ungarn friedlich nebeneinander lebten.

Von den Ungarn unterschied sie nicht nur ihre Sprache, auch in den Charakterzügen und Verhaltensweisen gab es Unterschiede. Die Deutschen arbeiteten hart, und das mussten sie auch, denn der Wiederaufbau und die Aufbereitung der Gebiete kostete viel Arbeit und trug erst nach der dritten Generation Früchte. Man sagt auch: Dem ersten der Tod, dem zweiten die Not, dem dritten das Brot. Die Donauschwaben betrieben hauptsächlich Ackerbau, weswegen ihr Leben durch die Pflichten des Hofes geregelt war. Sie hielten – im Gegensatz zu den Ungarn – ihre Tiere in Ställen, schickten ihre Kinder in die Schule, die aber trotzdem schon früh am Hof mitarbeiten mussten. Die Arbeit wurde nicht wie bei den Ungarn scharf nach Geschlecht aufgeteilt, sondern jeder half dort mit, wo er konnte. In den Dörfern entwickelte sich ein großes Gemeinschaftsgefühl, wozu auch die gemeinsame, sich gegen die Ungarn abgrenzende Muttersprache beitrug. Musik und Tanz auf gemeinsamen Festen schafften einen guten Ausgleich zu der harten Arbeit.

Donauschwäbische Dörfer

Die Dörfer, die sich bildeten, haben einen planmäßigen Aufbau. Im Zentrum steht die Kirche, die im Nachbarock, auch „Siedlerbarock“ genannt, errichtet wurde. Auch bei den Häusern gab es einen Haupttyp. Aus dem Urtyp, dem Ansiedlerhaus, entwickelten sich das Kleinhaus und das Langhaus. Das Kleinhaus hat einen ähnlichen Aufbau wie das ursprüngliche Ansiedlerhaus, es umfasst ebenso ein Zimmer, Küche, eine Kammer, einen Stall und hatte die Schmalseite zur Gasse. Zudem war es mehrere Stufen höher, unterkellert, hatte mehr Fenster und großzügig gestaltete Türen. Das um 1800 entstandene Langhaus ist aus einem verlängerten Ansiedlerhaus entstanden. Es war ebenfalls ein paar Stufen höher und hatte an der Seite einen Säulengang. Vorne war der Wohnhof und hinten ein abgezäunter Wirtschaftshof mit Garten.

Die Trachten

Auch eine eigene Tracht brachten die Donauschwaben aus ihrer Heimat mit. Jedes Dorf hatte seine eigenen Trachten und Varianten, da die Siedler ja aus mehreren Gebieten Deutschlands stammten. Man unterschied die dörfische Tracht, das „schwowische Gwand“ von der „herrischen“ Kleidung der Stadtbevölkerung. Das wichtigste Material der dörfischen Werkstracht war Hanfleinen. Die Männer trugen ein langärmliges weißes Hemd, darüber eine schwarze Weste und ggf. auch eine Jacke. Dazu ein schwarzer Hut mit Krempe. Die Frauen trugen breite Hüftröcke, darunter viele schwere Unterröcke, damit sie von der Hüfte ab schön breit aussahen. Obenrum trugen sie eine weiße Bluse, darüber ein besticktes Jäckchen oder ein großes umgebundenes, besticktes Tuch. Auf dem Kopf trugen sie ein besticktes Häubchen und darüber ein Kopftuch. Je jünger die Frauen, desto bunter die Tracht, bis hin zur alten Frau mit schwarzer Tracht. An den Füßen trug man Lederschlappen oder Patschker, gestrickte Schuhe mit Verzierungen. Im Winter trug man auch höhere Schnürschuhe, die Bakantschen. Heutzutage tragen nur noch wenige ältere Frauen die Tracht im Alltag, die jüngeren nur bei donauschwäbischen Festen und Tanzveranstaltungen der Volkstanzgruppen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man die in Ungarn lebenden Deutschen möglichst nicht mehr im Land haben. Es wurde etwa die Hälfte der Ungarndeutschen vertrieben, etwa 250 000; die im Land verbliebenen wurden enteignet.

 

Quellen
Sulinet.hu
Vemend.hu
Fichtner, Christoph (1995): Deutsche Siedlung in Südosteuropa. Ein Überblick. Bederkesa.
Gehl, Hans (2003): Donauschwäbische Lebensformen an der mittleren Donau. Interethnisches Zusammenleben und Perspektiven. Marburg.

Bild: Privat