Als Praktikantin die Arbeit in der Finnougristik kennenlernen – ein Erfahrungsbericht

Chiara Stephan, Schülerin am HG Göttingen, war im Februar 2020 während der Semesterferien für ein zweiwöchiges Schnupperpraktikum an unserem Seminar. In ihrem Bericht schreibt sie über ihre Erfahrungen als Praktikantin.

Mein Arbeitstag

Mein Arbeitstag am finnisch-ugrischen Seminar bestand immer aus sieben Arbeitsstunden und einer Stunde Pause. Der Beginn war nur ein wenig später als der in der Schule, denn ich konnte im Zeitraum von 8 Uhr bis 8:30 Uhr anfangen. Feierabend war bei mir allerdings erst um 16 Uhr, also später als in meinem normalen Schulalltag. Trotzdem war der Wechsel nicht schwierig, da ich zwar länger arbeiten musste, allerdings danach nicht mehr so viel für die Schule tun musste als sonst. In meiner Abteilung hatte ich größtenteils mit zwei Mitarbeiterinnen Kontakt, eine wissenschaftliche Mitarbeiterin und eine Lektorin, die gleichzeitig beide meine Praktikumsbetreuerinnen waren. Da ich zusammen mit einer anderen Praktikantin im der gleichen Abteilung war, war die Umstellung nochmal ein wenig leichter, da wir oft zusammenarbeiten konnten und auch sollten.

Die Aufgaben

Neben den eher kleineren Aufgaben wie das Signieren von Büchern für die Bibliothek oder die Auswertung von Tagesnachrichten aus Ungarn, Finnland und Estland, war eine meiner Tätigkeiten im Betrieb die Recherche für relevante Themen für den Unterricht, beispielsweise Recherche für ungarische Literatur, welche geeignet für den Kurs und auch schon übersetzt ist. Eine andere war die Recherche und das Erstellen von Präsentationen. Ich habe zum Beispiel eine Präsentation mit dem Titel „Ungarische Minderheiten in den Nachbarländern Ungarns“ erstellt. Entgegen meiner Erwartungen habe ich aufgrund der Semesterferien eher weniger an der Unterrichtsvorbereitung mitgeholfen, dafür aber mehr Einblicke in das Aufgabenfeld einer Lektorin außerhalb des Unterrichts mitbekommen. Dieses umfasst, ähnlich wie bei meinen eigenen Aufgaben, viel Recherche aber auch das Korrigieren von Arbeiten und die Organisation von Veranstaltungen. Am meisten recherchieren musste ich dann aber für die Blogeinträge des Studierendenblogs, die ich verfassen durfte. Ich habe vier Artikel zu Themen im kulturellen Bereich betreffend Finnland, Ungarn und Estland geschrieben, die Quellen geprüft und auch im Blog online gestellt. Aber auch außerhalb des fachlichen Themenbereiches des Seminars habe ich Aufgaben erhalten. So habe ich mitgeholfen, den Stand der Finnougristik bei den Informationstagen der Universität zu organisieren und auch Präsentation und Vorstellung dieses Faches anschaulicher und einprägsamer zu gestalten, um möglichst viel Interesse zu wecken.

Mir haben die Arbeiten, wie die Recherche und das Artikelschreiben sehr viel Freude bereitet, allerdings brauchte es bei manchen Themen ein großes Maß an Ausdauer, passende und auch auf Englisch oder Deutsch übersetzte Quellen zu finden, da viele Bereiche der Kultur und auch der Sprache aus den Minderheitsvölkern der finnisch-ugrischen Sprachfamilie nicht digitalisiert beziehungsweise übersetzt sind. Aber auch das Übersetzten von Nachrichtentexten aus dem Englischen ins Deutsche hat mir sehr viel Spaß gemacht, da ich an meine Vorliebe für die englische Sprache hier anknüpfen konnte, obwohl es keine zentrale Sprache im Themenbereich des finnisch-ugrischen Seminars ist. Ich habe viel über das professionelle Übersetzen gelernt, was das Finden von passenden Fachbegriffen und zum Beispiel auch die Lokalisierung eines Textes angeht. Obwohl es sehr viel Konzentration über einen längeren Zeitraum erfordert hat, habe ich sehr viel Gefallen am Übersetzen und auch am generellen Arbeiten mit Sprachen gefunden. Meine Fragen, die ich mir vor dem Praktikum hinsichtlich des Arbeitsklimas gestellt hatte, konnte ich mir auch beantworten. Die Mitarbeiter des Seminars arbeiten sehr eng zusammen in ganz verschiedenen Bereichen und alle waren sehr rücksichtsvoll und freundlich.

Was ich aus dem Praktikum mitnehme

Da ich jetzt in der Finnougristik tätig war und nicht am Seminar für romanische Sprachen, konnte ich eher weniger mit den Sprachen an sich arbeiten, was mir einen noch besseren Einblick verschafft hätte. Aber auch so konnte ich von diesem Praktikum viel mitnehmen und habe etwas über meine berufliche Zukunft gelernt. Ich hatte in meinen Betrieb die Möglichkeit einen Einblick in zwei Berufe zu bekommen, denn wie gesagt wurde ich von einer Lektorin und einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin betreut und habe so von beiden viel Hilfe und Anregungen bekommen. Die Tätigkeiten, die ich in meinem Betrieb hatte, haben mir gefallen. Allerdings ist der Beruf einer Lektorin keiner, den ich mir in meinem späteren Leben vorstellen könnte, da ich mich selbst nicht vor größeren Mengen an Menschen sprechen oder unterrichten sehe. Der Beruf der wissenschaftlichen Mitarbeiterin entspricht eher meiner Vorstellung von einem zu mir passenden Job, aber auch ob das Zukunft hat, müsste ich mir nochmal in einem Betrieb/Seminar anschauen, das auch sprachlich zu mir passt. Auch wenn die einzelnen Berufe, die ich mir angeguckt habe, nicht ganz meiner eigenen Vorstellung entsprechen, konnte ich auf jeden Fall etwas für meine berufliche Zukunft lernen, denn egal wo ich im sprachlichen Bereich arbeiten möchte ist das Übersetzen, Schreiben und Wissen über gute Recherche und Quellen hilfreich. Außerdem konnte ich aus dem Praktikum mitnehmen, wo ich meine Stärken und Schwächen oder auch Vorlieben für meine Zukunft habe.

Text: Chiara Stephan, HG Göttingen

Bist auch du an einem Praktikum bei uns interessiert? Du kannst dich jederzeit dafür bewerben. Eine Ausschreibung mit den wichtigsten Informationen findest du auf unserer Homepage.

Chiaras Beiträge aus dem Praktikum findest du auf unserem Blog:
Hyvää ystävänpäivää! – Guten Freundetag
Finnland – das glücklichste Land der Welt?
Zum ersten Mal übersetzen – am Beispiel von Orbáns Berlinbesuch
Tag der Muttersprache
Karkauspäivä – eine Tradition für etwas andere Heiratsanträge

Quelle des Titelbildes: You X Ventures auf Unsplash

Schnupperpraktikum in der Finnougristik – ein Erfahrungsbericht

Caroline Sophie Heimrich, Schülerin am OHG Göttingen, war im Februar 2020 während der Semesterferien für ein zweiwöchiges Schnupperpraktikum an unserem Seminar. In ihrem Bericht schreibt sie über ihre Erfahrungen als Praktikantin.

Finnougristik! Aber was ist das denn überhaupt?

Unter dem Begriff Finnougristik können sich wohl die wenigsten etwas vorstellen, genauso wie ich es anfangs nicht wirklich konnte. Aber gerade das hat mein Interesse geweckt, was man denn da genau studieren kann. Am Finnisch-Ugrischen Seminar der Universität Göttingen setzen sich die Studierenden nicht nur mit einfachen Informationen über die finnisch-ugrischen Völker und deren Sprachen auseinander, sondern beschäftigen sich intensiv mit der Geschichte einzelner Völker, mit dem Hintergrund der Sprachen und mit verschiedensten Traditionen und Bräuchen.

Da ich sehr gerne Neues über verschiedene Länder, Sprachen und deren Kulturen lerne, hat mich diese Praktikumsstelle sehr angesprochen, weil ich mich zuvor noch nicht mit dem Bereich der Finnougristik auseinandergesetzt habe. Meine Erwartungen lagen darin, dass ich die Arbeit in einem wissenschaftlichen Betrieb näher kennenlernen konnte, also wie man Lehrveranstaltungen vorbereitet, selbstständig zu geisteswissenschaftlichen Themen recherchiert, den Studierendenblog pflegt oder gar selbstständig einen professionellen Blogeintrag verfasst.

Meine Tätigkeiten im Praktikum

Während meines Praktikums habe ich mich hauptsächlich dem Recherchieren zu geisteswissenschaftlichen Themen sowie dem professionellen Schreiben von Blogeinträgen gewidmet. Außerdem war das Vorbereiten von Folien für Seminare ein Teil meiner täglichen Aufgaben. Bei allen Aufgaben war es wichtig, konzentriert und aufmerksam zu arbeiten, denn sowohl die Blogeinträge, als auch die vorbereiteten Folien waren für die Öffentlichkeit bestimmt. Aus diesem Grund war es wichtig, gründlich zu recherchieren und viele verschiedenen Methoden zu nutzen. Denn damit es sich schließlich um professionelle Einträge und Folien handelt, müssen die Informationen mehrfach auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Dabei ist ein Gang in die Bibliothek kaum vermeidbar. Das alleinige Recherchieren im Internet reicht an dieser Stelle nicht. Viel Recherchieren und das Verfassen von verschiedenen Texten strengt an, vor allem wenn dies zu den täglichen Aufgaben gehört. Genau deshalb musste man häufig sehr geduldig sein.

Was ich gelernt habe

Dadurch, dass ich mich intensiv mit der finnisch-ugrischen Philologie auseinandergesetzt habe, habe ich viele verschiedene Kenntnisse über Finnland, Estland und Ungarn erlangen können. Ich habe aktuelle Informationen über die verschiedenen Länder erhalten und habe mich wie erwartet mit der Geschichte der einzelnen Völker sowie mit der Sprache und vielen weiteren Dingen auseinandergesetzt. Da ich mich zuvor noch nicht mit diesen Ländern beschäftigt habe, empfand ich es als besonders interessant, diese Kulturen besser kennenzulernen.

Außerdem habe ich allgemeine Lebenserfahrungen gemacht, indem ich gelernt habe, dass es wichtig ist, nicht direkt aufzugeben, wenn nicht alles einwandfrei verläuft. Bei der Recherche, sowohl als auch bei dem Schreiben der Blogeinträge musste man mit Kritik umgehen, denn die hundertprozentige Richtigkeit von Informationen steht an erster Stelle, um keine falschen Daten an die Öffentlichkeit zu übertragen. [Anm. des Seminars: Konstruktive Kritik gehört zum Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens und die Prüfung der Quellen ist unabdingbar.] Ich habe gelernt, dass es ausschlaggebend ist, von welchen Quellen man die Informationen erhält und wie professionell diese sind. Dies ist auch der Grund, weshalb Bücher eine wichtige Quelle sind. Gerade dies ist auch in der Schule und im späteren Berufsleben notwendig, denn auch da ist es wichtig, gründlich zu arbeiten.

Haben sich meine Erwartungen erfüllt?

Grundlegend lagen meine Erwartungen darin, die Kulturen der finnisch-ugrischen Länder besser kennenzulernen. Diese wurden erfüllt, da ich mich durch das intensive Beschäftigen mit diesen Ländern nun deutlich besser auskenne als zuvor. Zudem habe ich mir erhofft, selbstständig professionelle Blogeinträge verfassen zu können und diese zu veröffentlichen. Gerade hier wurden meine Erwartungen sowie die Erwartungen der Mitarbeiter deutlich übertroffen, da weder ich, noch sie damit gerechnet haben, dass ich insgesamt sogar vier Beiträge über verschiedenste Themen veröffentliche. Ich bin sehr froh darüber, dass ich diese Möglichkeit hatte, denn hierbei habe ich wirklich viel gelernt. Auch für die Zukunft kann so etwas sehr wichtig werden, gerade wenn man in einem Unternehmen arbeitet, bei dem es wichtig ist, möglichst viele Menschen dafür zu begeistern. Allerdings hätte ich es noch als sinnvoll empfunden, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, bei einem Seminar zuzuschauen. [Anm. des Seminars: Eine Seminarteilnahme ist nur möglich, wenn das Praktikum zur Vorlesungszeit stattfindet.]
Das Arbeitsklima habe ich als sehr angenehm wahrgenommen, da einem bei auftretenen Problemen beim Recherchieren immer weitergeholfen wurde und man nie alles alleine bewältigen musste, was die Arbeit deutlich erleichtert hat. Zudem haben mir die Mitarbeiterinnen gute und nützliche Tipps gegeben, indem sie mir professionelle Seiten genannt haben. Außerdem haben sie mir Texte von finnisch-ugrischen Internetseiten ins Deutsche übersetzt, damit ich diese für meine Arbeit verwenden konnte. Insgesamt haben sich meine Erwartungen erfüllt. Wenn man also am Kennenlernen von verschiedenen Ländern sowie an dem Verfassen von Einträgen für die Öffentlichkeit und am Recherchieren interessiert ist, empfinde ich das Praktikum als nützlich und sinnvoll.

Text: Caroline Sophie Heimrich, OHG Göttingen

Bist auch du an einem Praktikum bei uns interessiert? Du kannst dich jederzeit dafür bewerben. Eine Ausschreibung mit den wichtigsten Informationen findest du auf unserer Homepage.

Carolines Beiträge aus dem Praktikum findest du auf unserem Blog:
Finnland weiß, wie man die Obdachlosigkeit beendet
Warum erhöhen E-Visa das Interesse Estlands an Reisen nach Russland
Sind die Ungarn eigentlich religiös?
Minna Canth

Quelle des Titelbildes: Photo by Brooke Cagle on Unsplash

Minna Canth

Minna Canth ist die wichtigste Autorin des finnischen Realismus. Sie wurde am 19. März 1844 in Tampere unter dem Namen Ulrika Wilhelmina Johnsson geboren. Sie war eine finnische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin und setze sich stets für die Rechte der Frau und gegen die sozialen Ungleichheiten ein. Aufgrund ihres sozialen Engagements wird ihr zu Ehren jedes Jahr an ihrem Geburtstag in ganz Finnland die finnische Flagge gehisst und somit war sie die erste Frau in Finnland mit einem eigenen Flaggentag.

Minna Canth kam aus einem einfachen Elternhaus. Sowohl ihr Vater Gustav William, als auch ihre Mutter Lovisa Ulrika Johnsson waren Finnlandschweden. Sie sprach also Finnisch und Schwedisch und lernte auch Französisch.

Minna Canth hatte das Glück, eine gute schulische Ausbildung genießen zu können und besuchte ab dem Jahre 1863 das Lehrerseminar in Jyväskylä. Selbstverständlich war dieses Studium nicht, denn das Seminar war das erste, welches auch Frauen zum Studium zuließ.

Ihr Studium gab Canth ein paar Jahre später auf, da sie eine Familie mit ihrem acht Jahre älteren Naturkundelehrer Johan Ferdinand Canth gründete. Das Paar bekam sieben Kinder.

Sie war eine von wenigen Frauen, welche Selbstvertrauen entwickelten und ihre Meinung frei äußerten und vertraten. Ihr Mann war bei der Zeitung Keski-Suomi angestellt und konnte dort die Artikel seiner Frau veröffentlichen, welche zu Beginn vor allem Alkoholmissbrauch thematisierten.

So wurde sie die erste finnische Journalistin, die immer mehr Kurzgeschichten verfasste und Artikel in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte.

Nicht nur der Journalismus und das Verfassen von Geschichten und Artikeln lagen ihr, sondern auch das Schreiben von Theaterstücken. Auch in diesem Bereich hatte sie viel Erfolg und wurde 1882 für ihr erstes Stück Murtovarkaus (Der Einbruch, 1878) mit dem Preis der Finnischen Literaturgesellschaft (Suomalainen Kirjallisuuden Seura) belohnt. Im Stück Työmiehen vaimo (Die Frau des Arbeiters, 1885) schildert sie, wie eine Frau ihr gesamtes Vermögen verliert, weil der alkoholabhängige Ehemann es binnen kurzem vertrinkt.

Mehrere ihrer Werke waren zeitweise verboten. Mit der Kritik der Gesellschaft lernte sie aber umzugehen und vertrat weiterhin ihre Meinung und setzte sich weiterhin für die Frauenrechte ein. Ihren Werken ist es zu verdanken, dass Finnland im Jahre 1907 als erstes europäisches Land das Frauenwahlrecht einführte.

Quellen:

https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/minna-canth/

Laitinen, Kai 1991: Suomen kirjallisuuden historia. Otava, Helsinki. 218-222.

Bild: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7826155

Text: Caroline Sophie Heimrich, OHG Göttingen, Praktikantin

Tag der Muttersprache

Am 21. Februar 2020 wird jetzt offiziell zum 20. Mal der Internationale Tag der Muttersprache gefeiert. Aber dieser Gedenktag hat nicht nur die Funktion, seine Muttersprache zu feiern, er dient vielmehr der „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“.

Genau deswegen ist dieser Tag ein wichtiger Tag unter anderem für die finnisch-ugrischen Völker. Denn außer Finnisch, Ungarisch und Estnisch gehören zu dieser Sprachfamilie auch noch viele weitere kleine Sprachen. Für solche kleinen Sprachen ist die Pflege der Sprache sehr wichtig, da aufgrund der unterschiedliche Hauptsprachen in den jeweiligen Ländern diese oft vernachlässigt werden. Das führt dann dazu, dass diese Minderheitensprachen schnell gefährdet sind. Und da mittlerweile gut die Hälfte aller rund 6700 Sprachen auf der Welt vom Aussterben bedroht ist, wurde von der UNESCO dieser Tag ausgerufen, um die Sprachen und die Sprachpflege zu fördern. Denn mit jeder aussterbenden Sprache geht auch immer ein Stück Kultur verloren.  

 „When languages fade, so does the world’s rich tapestry of cultural diversity.“

Quelle: https://www.un.org/en/observances/mother-language-day

Der historische Grund für den Ausruf dieses Tages findet sich am 21. Februar 1952. An diesem Tag wurde gegen die Einführung von Urdu als Amtssprache in der pakistanischen Provinz Bengalen protestiert. Denn dafür sollte Bengali zurückgedrängt werden, obwohl es in der Bevölkerung viel mehr vertreten war als Urdu.

Heutzutage wird man sich immer bewusster darüber, dass die Pflege der Sprachen eine große Rolle in der Kultur spielt, zum Beispiel für stärkere Kooperation und auch qualitativ hochwertige Bildung.

Quellen:

https://www.un.org/en/observances/mother-language-day

https://www.unesco.de/kultur-und-natur/kulturelle-vielfalt/21-februar-ist-internationaler-tag-der-muttersprache

Bildquelle:

https://pixabay.com/de/illustrations/fahnen-l%C3%A4nder-staaten-flaggen-welt-69190/

Chiara Stephan, HG Göttingen, Praktikantin

Sind die Ungarn eigentlich religiös?

Im Rahmen meines Praktikums habe ich die Aufgabe bekommen, mich mit den verschiedenen Religionen Ungarns auseinanderzusetzen. Ich habe die Informationen so zusammengetragen, dass man aus diesen Folien erstellen kann und dass sie anschließend für den Unterricht genutzt werden können.

Aufgrund der zahlreichen Informationen ist mir der Gedanke gekommen, dass dieses Thema dem Blog nicht vorenthalten bleiben soll, weswegen ich mich letztlich dazu entschieden habe, einige meiner Ergebnisse hier zu veröffentlichen.

Im Rahmen der Volkszählungen 2001 und 2011 wurde auch nach der Religionszugehörigkeit gefragt. Sowohl im Jahr 2001 als auch 2011 war der Anteil der Katholiken am größten. Die Reformierten (Kalvinisten) bilden die zweitgrößte Religionsgemeinschaft des Landes. Doch während die Mitgliederzahlen der beiden größten Religionsgemeinschaften in innerhalb von zehn Jahren deutlich abgenommen haben, steigt die Anzahl der Konfessionslosen und der Befragten, welche die Frage nach ihrer Religionszugehörigkeit unbeantwortet ließen. Auch die Zahl der Anhänger der evangelisch-lutherischen Kirche ist gesunken die Zahl der Mitglieder kleinerer christlicher Kirchen und anderer Weltreligionen, die in Ungarn vertreten sind, stieg dagegen leicht an.

Religion: 2001 (%): 2011 (%):
Katholiken 54,5 39
Reformierte
(Kalvinisten)
15,9 11,6
Lutheraner 3 2,2
Kleinere
christliche
Kirchen
1 1,5
Andere
Weltreligionen
0,3 0,5
Konfessionslos 14,5 18,2
Keine Antwort 10,8 27,2

Quelle: Máté Olga: Egyházak, vallásosság Magyarországon – Képviselői Információs Szolgálat, 2019/3. Infotabló.

Allgemein lässt sich feststellen, dass die Zahl der Mitglieder der großen Religionsgemeinschaften rückläufig ist, während an kleineren Religionen immer mehr Interesse gezeigt wird. Sowohl Einwanderung, als auch Auswanderung spielen dabei eine große Rolle, genauso wie Übertritte von einer Religion zu einer anderen.

Prognose bis 2050: Anzahl der Mitglieder von Glaubensgemeinschaften sinkt

Laut Prognosen werden christliche Glaubensgemeinschaften weiter Mitglieder verlieren, während die Zahl der Konfessionslosen wächst und das Interesse an Kirche und Religion deutlich abnimmt.

2010 20302050
Christliche
Glaubensge-
meinschaften
8 090 0007 250 000 6 500 000
Konfessionslos 1 860 0002 040 0001 990 000

Quelle: https://de.statista.com

Kirchenfinanzierung durch Mandatssteuer Was ist das?

In Ungarn gibt es statt einer Kirchensteuer eine Mandatssteuer. Die Mandatssteuer dient sozialen, kulturellen und humanitären Zwecken und wird von allen Steuerzahlern gezahlt. Der Steuerzahler kann selbst entscheiden, wer seinen Steuerbeitrag erhalten soll: so geht 1% der Einkommenssteuer an eine vom Steuerzahler selbst gewählte Organisation oder Institution. Die Mandatssteuer ist auch eine gute Alternative zur Kirchensteuer und kommt vielen kirchlichen und religiösen Einrichtungen zugute.

Die katholische und die reformierte Kirche profitieren am meisten von den Mandatssteuern, da diese auch die größten Religionsgemeinschaften Ungarns sind. Die evangelisch-lutherische Kirche, die Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein, sowie die Baptistenkirche folgen mit erheblichem Abstand, da diese Religionen auch deutlich weniger Mitglieder haben. Ein kleiner Anteil geht an andere Kirchen, das sind meist die kleineren christliche Kirchen oder Einrichtungen anderer Glaubensgemeinschaften.

Kirchliche Bildungseinrichtungen

In Ungarn waren 2019 insgesamt 10,6 % der Bildungseinrichtungen, wie zum Beispiel Schulen oder Kindergärten, in kirchlicher Trägerschaft. Die Kirche spielt in diesen Einrichtungen eine sehr große Rolle, indem sie beispielsweise vorgibt, wie die Lehrer unterrichten und welche Themenbereiche sie behandeln sollen.

Allerdings werden 89,4 % der Bildungseinrichtungen nicht von der Kirche finanziert und stehen dementsprechend nicht in einer engen Verbindung mit einer Religion.

Im Gegensatz zu Ungarn, gibt es in Deutschland deutlich mehr Bildungseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft. Es gibt alleine 904 katholische Schulen in Deutschland (Stand 2016), welche von Kirchensteuereinnahmen finanziert werden.

Quellen:

https://fowid.de/meldung/konfessionsfreie-ungarn

Máté Olga: Egyházak, vallásosság Magyarországon – Képviselői Információs Szolgálat, 2019/3. Infotabló.

https://religion.orf.at

https://de.statista.com

https://de.wikipedia.org/wiki/Mandatssteuer

Bild: Daniel Olah on Unsplash

Text: Caroline Sophie Heimrich, OHG Göttingen, Praktikantin