Die Finnenbrücke

Die Finnenbrücke symbolisiert die Verbindung zwischen Estland und Finnland. Sie stammt ursprünglich aus dem estnischen Nationalepos Kalevipoeg, in dem eine riesige gefällte Eiche von Finnland nach Estland
reicht:

Mis sest tammest tehtanessa?
Tüvist tehti tugev silda,
Painutati kena parve
Kahel aarul üle mere.
Üks viis saarelt Viru randa,
Teine aaru Soome randa,
Seep se kuulus Soomesilda.

Kreutzwald 1862, VI laul.

Was denn ward nun aus der Eiche?
Aus dem Stamm entstand ’ne Brücke,
War ein starker Steg gezimmert
Übers Meer in zweien Zweigen.
Ein Arm dringt nach Wierlands Küste,
Bis nach Finnland führt der andre
Weltberühmte Finnenbrücke.

Deutsch von Ferdinand Löwe

Die estnische Dichterin, später Nationaldichterin, Lydia Koidula träumte von der Wiedervereinigung der beiden Nationen mit gemeinsamen Wurzeln und griff das Thema in ihrem Gedichtzyklus 1881 auf:

Das Symbol wurde später vielfach benutzt und besonders in den frühen
Jahren der Unabhängigkeit wollte man damit die Idee eines estnischfinnischen Staatenbundes vorantreiben. Die Finnenbrücke wurde für den Weg der finnischen Freiwilligen in den estnischen Unabhängigkeitskampf gegen die Bolschewiken benutzt und später für den der estnischen Freiwilligen in den Winterkrieg und Fortsetzungskrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion. Eine Art Finnenbrücke bildeten auch die Tausenden von Spirituskanistern, die während der finnischen Prohibitionszeit von Estland nach Finnland geschmuggelt wurden.

In der Sowjetzeit wurde der Kontakt abgebrochen, bis in den 1960ern die Schiffsverbindung zwischen Helsinki und Tallinn eingerichtet wurde und die Finnen wieder nach Tallinn reisen konnten. Für die Esten war die Verbindung virtuell: Sie konnten das Programm des finnischen Fernsehens empfangen.

Als Estland 1990 die Unabhängigkeit wiedererlangte, druckte man auf die neuen 100-Kronen-Geldscheine das Bild von Lydia Koidula sowie einige handschriftliche Zeilen ihres Gedichts:

Nach dem EU-Beitritt beider Länder ist das Traumbild des Staatenbundes wahr geworden. Auch die Finnenbrücke wird vermutlich in der nächsten Zukunft in Form eines Eisenbahntunnels zwischen Tallinn und Helsinki realisiert.

Quellen:
Esko Ollila: Suomen silta. http://www.lyska.net/seniorit/ollila.html
Seppo Zetterberg: Suomen silta monikasvoinen symboli. http://www.finland.ee/public/default.aspx?contentid=147459&nodeid=40600&contentlan=1&culture=fi-FI

Aleksis Kivi und der Tag der finnischen Literatur

Am 10. Oktober werden überall in Finnland die Fahnen hochgehisst. Es ist der Geburtstag von Aleksis Kivi.

Aleksis Kivi war der Schriftstellername von Alexis Stenvall, der 1834 als Sohn eines Dorfschneiders in Nurmijärvi geboren wurde. Die Familie war finnischsprachig und arm, aber Alexis schaffte seinen Weg durch das damals schwedischsprachige Bildungssystem und machte das Abitur mit 23 Jahren. Danach beschloss er, finnischsprachiger Schriftsteller zu werden und war also der Erste, der das Schreiben von Literatur auf Finnisch zum Beruf machte. Reich wurde er mit seiner Berufswahl allerdings nicht; er lebte in erster Linie von der Unterstützung guter Freunde. Die Bücher verkauften sich nicht, weil die gebildete Bevölkerung schwedischsprachig war. Das Finnisch sprechende, einfache Volk las keine Bücher.

Seine Schaffensphase dauerte etwa 10 Jahre an. In der Zeit schrieb er unter anderem 15 Dramen, von denen nur eins, Lea, zu seinen Lebzeiten die Premiere hatte, und den ersten finnischsprachigen Roman, Die sieben Brüder, der 1870 veröffentlicht und gleich derart vernichtend von dem damaligen Professor für Finnisch August Ahlqvist kritisiert wurde, dass der Verlag ihn wieder aus dem Markt zog. Kivis Sprache und Ausdruck wurden aber auch gelobt und er erhielt mehrere Literaturpreise für seine Texte.

Aleksis Kivis Leben war geprägt von Geldmangel, Schulden, Krankheiten und Alkoholismus. 1871 verschlechterte sich sein Zustand und er wurde in die Psychiatrie eingeliefert. Dort wurde ihm „chronische Melancholie“ diagnostiziert, die unerfolgreich mit u.a. Chinin und Morphin behandelt wurde. Er wurde entlassen und lebte seine letzten Monate bei seinem Bruder, der dafür ein paar Säcke Getreide bekam. Er starb mit 38 Jahren an Silvester 1872. Über die Todesursache wird heute noch spekuliert.

Auf Grund seiner Pionierarbeit, der Dramen, die heute noch aufgeführt werden, und des ersten auf Finnisch geschriebenen Romans wird Aleksis Kivi als Nationalschriftsteller Finnlands betrachtet. Die sieben Brüder gilt heute als ein Grundstein der finnischen Literatur, der in über 30 Sprachen übersetzt worden ist. In den Charakteren der Brüder finden auch die modernen Finnen sich und ihre Wurzeln wieder. Er verband Realismus mit Humor und entwickelte so einen Stil, der auch heute noch in der finnischen Literatur sehr beliebt ist.

Deshalb wird sein Geburtstag als Tag der finnischen Literatur gefeiert.

 

Quelle: Kansallisbiografia.fi