Runebergs Törtchen

J. L. Runeberg (5.2.1804 – 6.5.1877) ist der Nationaldichter Finnlands. Berühmt ist er vor allem für den Text der finnischen Nationalhymne, aber auch für seine Vorliebe für Süßes. Hier das Rezept der Törtchen, die man bis heute zu Feier seines Geburtstags am 5. Februar in ganz Finnland isst:

Für den Teig:

  • 100 g     Butter
  • 100 g     Zucker (zur Hälfte braun)
  • 1            Ei
  • 100 g     Weizenmehl
  • 40 g       Mandeln gemahlen
  • 30 g       Pfefferkuchen oder Lebkuchen gebröselt, notfalls auch Semmelbrösel
  • 1 TL      Backpulver
  • ¼ TL     Kardamom
  • 75 g       Schlagsahne
  • (1 Tropfen Bittermandelaroma)

In die Mitte:

Himbeerkonfitüre

Zum Befeuchten:

  • 2 EL        heißes Wasser
  • 1 EL        Zucker
  • 2 EL        Punsch, Brandy, Rum oder Mandellikör

Zur Deko:

  • Himbeerkonfitüre
  • Zuckerguss (80 g Puderzucker + 2 TL Wasser oder Zitronensaft)

Zucker und Butter schaumig schlagen. Das zimmerwarme Ei unter Rühren hinzufügen. Alle trockenen Zutaten zusammenmischen und in den Teig unterrühren. Die Sahne (und das Bittermandelaroma) hinzufügen.

Sechs hohe, runde Formen (notfalls uneingefettete Papierkaffeebecher nehmen) zur Hälfte füllen, einen halben Teelöffel Himbeerkonfitüre in die Mitte hinzufügen und die Formen mit dem Teig zu ¾ füllen.

Bei 175 Grad etwa 20 Minuten backen. Etwas abkühlen lassen.

Das heiße Wasser, den Zucker und den Punsch zusammenmischen und die Törtchen mit Hilfe eines Pinsels gut befeuchten. Mehrere Stunden, am besten über Nacht durchziehen lassen.

Die Törtchen aus den Formen nehmen. Mit einem Klecks Himbeerkonfitüre oben drauf dekorieren und einen Ring aus Zuckerguss um die Konfitüre herum spritzen.

Quelle: https://www.valio.fi/reseptit/runebergin-torttu-2/

Bildquelle: Bengt Oberger, Runebergstårtor, CC BY-SA 4.0

Ferenc Erkel – der Komponist der ungarischen Nationalhymne

Am 22. Januar wird in Ungarn der Tag der ungarischen Kultur gefeiert. Der Dichter und Politiker Ferenc Kölcsey schrieb am 22. Januar 1823 sein Gedicht zu Ende, das später die ungarische Nationalhymne wurde. Über das Gedicht und den Dichter haben wir hier schon berichtet. Aber wer war der Komponist, der die Hymne vertonte?

Die Melodie der ungarischen Nationalhymne stammt von Ferenc Erkel (1810-1893). Erkel, im südungarischen Gyula geboren, wuchs als Spross einer donauschwäbischen Musikerfamilie auf. Von 1822 bis 1825 besuchte er das Gymnasium des Benediktinerordens in Pressburg. Sein Musiklehrer dort war der angesehene Musikpädagoge Heinrich Klein, ein Vertrauter Beethovens. In Pressburg besuchter Erkel Opernvorstellungen und Konzerte von Franz Liszt und dem Violinisten János Bihari. Mit 18 Jahren wurde er Klavierlehrer in Klausenburg.

Seinen ersten Auftritt als Klaviervirtuose hatte Erkel im Jahre 1834. Ein Jahr später zog er nach Pest und übernahm den Posten des Kapellmeisters am Deutschen Theater und am Budaer Ungarischen Theater. In sehr jungen Jahren dirigierte er bereits berühmte Opern. 

Von 1838 an war er als Dirigent am Pester Ungarischen Theater (Pesti Magyar Színház) tätig: dort baute er das Orchester und den Chor auf und gründete später die Philharmonische Gesellschaft. Im Theater traten berühmte Persönlichkeiten der Zeit auf: die Opernsängerin Róza Déryné Széppataki und der Schauspieler, Komponist und Librettist Béni Egressy. Egressy vertonte das Gedicht des ungarischen Dichters Mihály Vörösmarty Szózat, Mahnruf, das später die inoffizielle zweite Nationalhymne Ungarns wurde.

Aber zurück zu Erkel. Am 8. August 1840 wurde seine erste Oper Báthori Mária im neugegründeten Nationaltehater uraufgeführt – die ungarische Nationaloper war geboren. Später wurde Erkel erster Dirigent des Nationaltheaters und blieb hier 30 Jahre. Er war Mitbegründer, Direktor und Klaivierlehrer der Musikakademie und später übernahm er den Posten des Obermusikdirektors am 1884 gegründeten Opernhaus.

Die ungarische Nationalhymne

Um Kölcseys Hymnus zu vertonen, ließ 1844 der Direktor des Nationaltheaters einen Wettbewerb durchführen. Preisgekrönt wurde die Musik von Erkel. Die Hymne, wie sie heute gesungen wird, ist jedoch mit dem Original nicht ganz identisch, denn die ursprüngliche Version wurde in einem etwas schnelleren Tempo gespielt. Die Melodie wurde erst nach dem Friedensvertrag von Trianon (4. Juni 1920), bei dem Ungarn ein Drittel seines Gebiets verlor, langsamer und tragischer.

Im 19. Jahrhundert wurden die beiden Nationallieder Hymne und Mahnruf abwechselnd gesungen, aber in den 1850-ern Jahren gewann die Hymne allmählich an Bedeutung.

Der Opernkomponist

Erkel komponierte insgesamt neun Opern, die den Stil Rossinis mit der im 18. Jahrhunder entstandenen ungarischen Verbunkos-Musik vereinen. Das Wort Verbunkos geht auf das deutsche Wort werben zurück: diese Tanzmusik wurde nämlich ursprünglich bei der Anwerbung von Soldaten gespielt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam der Verbunkos auch in den Operhäusern an: die bekanntesten Opern Erkels, Hunyadi László und Bánk bán, waren stark von ihm beeinflusst.

Der Schachspieler

Erkel gehörte lange Zeit zu den stärksten Schachspielern Ungarns und war 28 Jahre lang Vorsitzender des Pester Schachklubs.

Die Hymne kann man hier anhören: https://www.youtube.com/watch?v=M_1XePK1DAk

Link zum Palotás aus der Oper Hunyadi László: https://www.youtube.com/watch?v=R9S-06wV0VM

Quellen:

https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_E/Erkel_Familie.xml
http://www.fszek.hu/konyvtaraink/kozponti_konyvtar/zenei_gyujtemeny/erkel_ferenc_elete_es_muvei/?article_hid=3332
Bildquelle: pixabay

Einfach lecker: Finnisches Weihnachtsessen

Was isst man eigentlich in Finnland an Weihnachten? Dieser Frage möchten wir heute auf unserem Blog nachgehen.
Im hohen Norden ist dieses Fest mit vielen Traditionen verbunden. Wenn der Winter kalt ist und im Kerzenschein die weihnachtliche Stimmung erst aufgekommen ist, darf natürlich auch das Festessen zu den Feiertagen nicht fehlen. In Finnland ist dies sehr reichhaltig und beinhaltet Deftiges und süße Speisen gleichermaßen.

Aufläufe sind ein wesentlicher Bestandteil des finnischen Weihnachtstischs. Ein Auflauf ist nicht nur praktisch, weil er im Voraus zubereitet werden kann, er schmeckt auch sehr gut! In Finnland isst man traditionell Steckrüben-, Karotten- und Kartoffelauflauf.

Auch der Weihnachtsschinken darf auf einem echten finnischen Joulupöytä, wie der Weihnachtstisch auf Finnisch heißt, nicht fehlen. Es handelt sich dabei um gepökelten Schinken, der mit einer Senfsoße bestrichen und im Ofen gegart wird. Für die Zubereitung sollte man einige Stunden einplanen.

Weitere Weihnachtsgerichte werden aus Fisch zubereitet. Einerseits gibt es Glasmeisterhering, der erst gewässert und dann in einer leckeren Marinade aus Essig und Gewürzen eingelegt wird und einige Tage gut durchziehen muss. Andererseits mögen die Finnen auch gebeizten Lachs. Dieser wird ebenfalls mariniert, allerdings nur mit Gewürzen.

Zum Abschluss darf es noch etwas Süßes sein:
Neben Pfefferkuchen werden in Finnland auch die sogenannten Weihnachtssterne gebacken. Sie bestehen aus Blätterteig, haben in der Mitte einen Kern aus Pflaumenmarmelade und sind sternförmig.
An Weihnachten nimmt auch der Milchreis eine wichtige Rolle ein. In diesem verstecken die Finnen nämlich zum Schluss eine Glücksmandel. Wer diese in seinem Milchreis findet, hat im neuen Jahr besonders viel Glück!

Hast du jetzt auch Hunger bekommen? Dann empfehlen wir diesen Link, der eine Vielzahl an Rezepten in deutscher Sprache beinhaltet. Dort findest du nicht nur die hier angesprochenen Gerichte, sondern auch noch viele weitere, die zu einem traditionellen Weihnachtsessen in Finnland dazu gehören.

Hyvää joulua – Frohe Weihnachten!

Quellen:
Der Finnische Weihnachtstisch. In: FINFO.
https://www.ruokatieto.fi/ruokakulttuuri/nykypaivan-ruokajuhla/vuodenajat/talvi/joulu/jouluruokien-historiaa
Foto: privat

Was ist das Besondere an den Liven?

Sprachen sind alle einzigartig, das ist klar. Aber manche sind durch die aktuelle Situation, Geschichte oder Sprachstruktur einfach ein bisschen interessanter. Seitdem ich 2016 in Kurland bei der livischen Sommer­schule war, hat mich die Sprache irgendwie gepackt. Nach der einen Woche an der schönen und kalten kurländischen Küste habe ich mir Vokabel­karten geschrieben, sie sogar gelernt (!) und meinen Freunden nur noch „Gute Nacht“ auf Livisch gewünscht. „Jõvvõ īedõ!“

Aber warum? Was ist so besonders am Livischen? Vielleicht, dass die Sprache ausgestorben, aber trotzdem nicht tot ist. Dass es keine Muttersprachler mehr gibt, ist kein Hindernis für all die begeisterten Livisch-Lernenden. In Tartu gibt es livische Sprachkurse und jeden Sommer gibt es Schulen für Kinder, die Livisch lernen wollen. Man möchte die Sprache wiederbeleben. Ob diese Maß­nahmen so viel bringen, weiß man nicht. Vielleicht sollte man doch lieber seine eigenen Kinder mit Livisch als Muttersprache großziehen. (Das ist ja immernoch heimlich mein Ziel – mir fehlt nur ein Livisch sprechender Mann dazu.)

Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass das Livische ausgestorben ist? Vor dem 13. Jahrhundert waren die Liven noch ziemlich groß. Größer als die Letten. Die Liven lebten um den Rigaer Meerbusen und hatten durch das Meer und die Flüsse wichtige Handelswege gesichert. Aber die Liven waren kein riesiges Imperium, was mit einem starken Anführer die umliegenden Völker abge­schlachtet hat. (Vielleicht hätten sie genau das tun müssen, um jetzt noch aktiv zu sein, wer weiß…) Es gab fünf livische Stämme mit lokalen Anführern und ohne gemeinsames Zentrum. Anfang des 13. Jahrhunderts kamen die Deu­tschen und Riga wurde gegründet. Dadurch waren Livland und Kurland und somit das livische Siedlungsgebiet getrennt. In den folgenden Jahrhunderten starben die Liven durch Krieg und Krankheiten und ihre Identität durch die Assi­milierung mit den Letten. Als das Schrifttum in diesem Gebiet gefördert wurde, wurde das Livische von den einheimischen Sprachen dort am wenigsten geför­dert. Das Bürgertum war deutsch und für die Bauernbevölkerung musste wohl eine Sprache in Kirchen und Schulen genügen: das Lettische. Und das galt bis heute.

Dabei ist das Livische doch so interessant! Und sehr zeitsparend. In Bezug auf die Kürze ist das Livische nämlich unschlagbar – sogar im Vergleich zum Estnischen, was man an folgenden Wörtern ganz gut sehen kann: kūvaʼl (est. kuuvalgus ‘Mondlicht’), īʼž (est. isegi ‘sogar’), jūs (est. juures ‘bei’), pand (est. pannud ‘gestellt’).

Ein paar Fakten zur Sprache:

  • Lange Vokale werden wie im Lettischen durch einen Längenstrich markiert, z. B. sūr (est. suur ‘groß’), (est. luu ‘Knochen’); sogar über schon markierten Vokalen: lǟlam (‘schwer’)
  • Es gibt wie im Estnischen den reduzierten Vokal õ, z. B. als Infinitivendung (vȯtšõ ‘suchen’, irgõ ‘anfangen’, kītõ ‘fragen’). Auch schön ist das Wort für Abend: ȭdõg
  • Es gibt palatalisierte (weiche) Konsonanten, die durch eine Cedille, das kleine “Komma” hier unter rr und tt, markiert werden, z. B. kuoŗŗõ ‘sammeln’, kuoțțõ, Partitiv von ‘Tasche’.
  • Es gibt einen Stoßton (= Knacklaut), den heute im Livischen wahrscheinlich keiner mehr richtig aussprechen kann, der aber trotzdem bedeutungsunterscheidend sein kann: mit Stoßton bedeutet tu‘ļ ‘Feuer’ und ohne tuļ ‘er kam’. Dieser glottale Verschlusslaut wird phonetisch als ʔ transkribiert und es gibt ihn auch im Dänischen. Gut beschrieben wird er für das Dänische auch hier.
  • Im Wort können Vokal- und Konsonantwechsel auftreten, die es schwierig machen, zusammengehörige Formen zu erkennen: lǟ’dõ : ligīd (Imperativ 2. Pers. Pl.) ‘gehen’, ǭla : allõ (Part.) ‘Nachtfrost’, tei : tēd̜i Part.Pl. ‘Laus’, sǭdõ : sai (Prät. 3. Pers. Sg.) ‘bekommen’
  • Unterschiedliche grammatische Formen (z.B. Verbformen oder Kasus) sind zusammengefallen, d.h. der Kontext ist nicht gerade unwichtig. Z. B. sind die Formen der 1. und 3. Person Singular im Präsens gleich, deswegen braucht man das Personalpronomen: ma tulāb : ta tulāb ‘ich komme; er kommt’. Kruțk ‘Stelze’ hat im Partitiv, Dativ, Instrumental und im Illativ Singular die selbe Form: kruțkõ.

Zum Abschluss noch ein paar Links, die ihr euch unbedingt anschauen solltet:

Livisch-estnisches Wörterbuch:
sonad.oahpa.no/livM/est/

Viel mehr zu den Liven:
www.livones.net/en
fennougria.ee/rahvad/laanemeresoome-rahvad/liivlased/

Facebookseiten:
www.facebook.com/livonianlanguage/
www.facebook.com/livuval/
www.facebook.com/livones.net/

Bildquelle: pixabay
Text: Karin Fichtner

Büchereien in Finnland

Lesen ist das Lieblingshobby der Finnen. Sie gehören nicht nur zu den Spitzenreitern der Welt in Lesefertigkeit, in der Anzahl der jährlichen Neuveröffentlichungen sowie in der Zahl der publizierten Zeitungen, sondern auch zu den fleißigsten Bibliotheksbesuchern. Es gibt 817 öffentliche Büchereien in Finnland, 134 davon sind mobil und fahren über 10.000 Haltestellen an. Sie sind kostenlos und werden von den Kommunen mit staatlicher Hilfe finanziert. Ihre Aufgaben wurden bereits in den 1920ern durch Gesetz geregelt. In der jungen Republik hat man kommunale Büchereien als Voraussetzung für die Erhaltung der eigenen Sprache und Kultur betrachtet, und selbst in den wirtschaftlich schwierigsten Jahren hat man auf die Gebührenfreiheit der Büchereien nicht verzichten wollen.

Das Büchereigesetz garantiert der gesamten Bevölkerung gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Kultur und Information. Dass Informationen und Wissen allen zur Verfügung stehen müssen, bildet einen der Grundsteine des nordischen Wohlfahrtsstaatsmodells. Die Büchereien haben die Aufgabe, Materialien, Informationen und Kulturinhalte zu bieten, eine vielseitige und ständig aktuelle Sammlung aufrechtzuerhalten sowie Räumlichkeiten für das Lernen, für Hobbys und Arbeiten anzubieten.

https://fi.wikipedia.org/wiki/Tiedosto:Oodi_double-helix_staircase.jpg CC-By-TuukkaH

Das alles bietet auch Oodi, die neue Zentrumsbibliothek der Stadt Helsinki, die sich Finnland zur Feier der 100-jährigen Unabhängigkeit geschenkt hat. Sie steht auf dem zentralen Platz zwischen Bahnhof, Parlamentsgebäude, Musikhaus und Finlandia-Haus. Neben Büchern und sonstigen gedruckten Materialien kann man sich Hörbücher, Filme, Musik, Noten, Computer- und Konsolenspiele, Karten, Brettspiele aber auch Werkzeug oder eine Nähmaschine ausleihen bzw. diese vor Ort alleine oder mit Freunden benutzen.

Oodi wurde am 05.12.2018 eröffnet. In den ersten Wochen war die Bibliothek so beliebt, dass man bei Wind und Wetter Schlange stehen musste, um hereinzukommen. In den ersten acht Monaten gab es bereits weit über 2 Millionen Besucher. Ende August 2019 wurde Oodi bei der internationalen Fachkonferenz des Dachverbands des Bibliothekswesens in Athen zur besten neuen öffentlichen Bibliothek gewählt.

Quellen:
https://www.stat.fi/tup/suomi90/huhtikuu.html
https://fi.wikipedia.org/wiki/Kirjasto
http://www.lukukeskus.fi/
https://finland.fi/de/leben-amp-gesellschaft/finnland-liestsich- gut/
https://www.sanomalehdet.fi/sanomalehtitieto
http://tilastot.kirjastot.fi
https://yle.fi/uutiset/3-10940050

Quelle des Titelbildes:
https://fi.wikipedia.org/wiki/Tiedosto:Oodi_July_2019_2.jpg, CC-By-Vadelmavene





Finnish weird

Auf dem riesigen deutschen Buchmarkt ist der Anteil finnischer Literatur verschwindend klein – dank der Ehrengastrolle auf der Frankfurter Buchmesse 2014 allerdings zunehmend. Für die finnische Literatur ist die Bedeutung des deutschen Marktes sehr wichtig: Ins Deutsche werden jährlich fast doppelt so viele finnische Bücher übersetzt wie in die zweithäufigste Übersetzungssprache, Schwedisch. Anders als die Bücher der skandinavischen Nachbarn, gehören die aus dem Finnischen übersetzten Titel nicht überwiegend zu dem Genre nordic noir. Sie sind oft Kinder- oder Jugendbücher, oder sie zählen in letzter Zeit immer häufiger zu dem sog. Finnish weird.

Finnish weird verbindet den traditionellen finnischen Realismus mit Elementen aus der Science-Fiction- und Fantasyliteratur. Es ist magischer Realismus mit Schnee, Dunkelheit, Melancholie und ewigen Wäldern, aber auch Realfantasy oder spekulative Fiktion mit finnischer Folklore und Themen aus der Mythologie. Auf Deutsch kann man Finnish weird u. a. von Johanna Sinisalo, Emmi Itäranta, Pasi Ilmari Jääskeläinen und Seita Vuorela lesen.

Quellen:
https://yle.fi/uutiset/3-6224605
https://www.kirjasampo.fi/fi/node/2876
Bildquelle: bäume-wald-lichtstimmung-503930 by blickpixel [CC0 1.0] (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de), via Pixabay

Du studierst Finnowas?!

“Du studierst Finnowas?!”

So oder so ähnlich lautet meist die erste Frage, die man beantworten muss, wenn man als Studierender der Finnougristik anderen Menschen von seinem Studienfach erzählt. Die wenigsten können mit dem Begriff etwas anfangen und sind meist sehr überrascht, wenn sie hören, dass es so etwas gibt wie eine finnisch-ugrische Sprachfamilie und dass Finnisch und Ungarisch miteinander verwandt sind. Dies und noch weitaus mehr lernt man, wenn man sich für ein Studium der Finnougristik (oder auch: Finnisch-Ugrische Philologie) entscheidet.

Bei uns in Göttingen gibt es zwei wesentliche Studienbestandteile, die Sprachwissenschaft und die Sprachlehre. Man lernt also nicht nur einige der Sprachen, sondern beschäftigt sich auch damit, was diese Sprachen ausmacht und warum sie miteinander verwandt sind. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Sprachen werden analysiert und man studiert die historische Entwicklung, nur um einige Beispiele zu nennen. Natürlich gibt es in der Sprachwissenschaft noch viele weitere Bereiche, die auch für ein Studium unseres Faches eine Rolle spielen und die man im Laufe des Studiums kennenlernen wird.

Finnisch-ugrische Sprachen gibt es insgesamt 15, auf die sich ca. 22 Millionen Muttersprachler verteilen. Die bekanntesten dieser Sprachen sind Finnisch, Estnisch und Ungarisch. Finnisch und Ungarisch kann man an unserem Seminar als Schwerpunkt studieren. Aus den beiden “großen” Sprachen wählt jeder Studierende zu Anfang seine Wunschsprache als Erstsprache aus – aber keine Sorge! Auf die andere Sprache muss man keineswegs verzichten, denn man belegt während des Bachelor-Studiums auch einen Anfängerkurs in der Zweitsprache. In diesem erlernt man die wichtigsten Grundlagen und Strukturen.

Ein paar weniger bekannte Sprachen, die ebenfalls zur finnisch-ugrischen Sprachfamilie gehören, sind beispielsweise Wotisch, Ingrisch, Udmurtisch, Mordwinisch oder auch Mansi. Die Namen mögen am Anfang vielleicht noch etwas seltsam klingen, aber spätestens nach zwei Semestern sind sie etwas, was jedem leicht über die Lippen gehen wird.

Dass die Finnen in Finnland, die Esten in Estland und die Ungarn in Ungarn leben, ist natürlich keine große Überraschung, doch wo leben die Völker der anderen 12 Sprachen?
Sie verteilen sich auf ein sehr großes Gebiet, das von Skandinavien über das Baltikum bis nach Sibirien reicht. So gibt es beispielsweise die Sami in Norwegen, Schweden, Finnland und auf der Kola-Halbinsel, die Liven lebten im heutigen Lettland und die meisten finnougrischen Völker haben ihre Heimat auf russischem Staatsgebiet.

Wer sich für ein Finnougristik-Studium entscheidet, hat es also mit einer Vielzahl an interessanten Sprachen und Kulturen zu tun und lernt, wie Sprachwissenschaft funktioniert. Seiner Familie und seinen Freunden hat man immer wieder etwas Spannendes zu erzählen, denn man lernt jede Woche neue Dinge, die man vorher noch nicht über die Finnougrier und ihre Sprachen wusste.

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Was man in und um Göttingen alles machen kann…

Ein Studium zu beginnen, ist für viele der erste Schritt in ein ganz neues Leben und das Wunschfach ist oft schnell gefunden. Doch was, wenn gleich mehrere Studienorte zur Auswahl stehen? Wir wollen euch die schönen Seiten der Universitätsstadt aufzeigen und erklären, was es neben dem Studium der Finnougristik noch alles zu sehen gibt.

Göttingen hat etwa 134 000 Einwohner und auch wenn diese Zahl vermuten lässt, dass es sich um einen eher kleinen Studienort handelt, so gibt es doch vielfältige Möglichkeiten, in der Freizeit etwas zu unternehmen. Durch die große Anzahl an Studierenden, die in der Stadt leben, ist eigentlich immer etwas los.

Zunächst wären da die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ganz am Anfang steht natürlich das Gänseliesel, über das wir hier schon berichtet haben. Das Rathaus, vor dem es steht, ist auch einen kleinen Besuch wert, denn die große Rathaushalle, in der auch Veranstaltungen stattfinden, ist mit ihren Malereien sehr schön anzusehen. Wer sich besonders für Stadtgeschichte interessiert, kann hier eine Stadtführung buchen.

Das Stadtbild der Innenstadt ist geprägt von vielen Fachwerkhäusern, die häufig ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen haben. Wer die Augen offen hält, wird die vielen Gedenktafeln sehen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Dort erfährt man, welche Wissenschaftler oder anderen berühmten Personen wie lange in Göttingen verweilt haben. Wer genau aufpasst, wird auch einige Finnougrier finden und Wissenschaftler, die auch in der Finnougristik ein Begriff sind.

Wer gerne Kultur erlebt, hat gleich mehrere Optionen. Es gibt die verschiedensten Theaterhäuser (das Deutsche Theater, das Junge Theater und das universitätseigene Theater im OP, kurz ThOP), Göttingen hat ein Symphonieorchester und neben dem städtischen Museum laden auch die Sammlungen der Universität dazu ein, Exponate zu betrachten. Wer Filme mag, kommt auch auf seine Kosten, denn neben einem Kino, das Blockbuster zeigt, gibt es auch ein Kulturkino und das Unikino. Das Kulturticket, das Studierende der Universität bekommen, ermöglicht bei vielen Veranstaltungen einen vergünstigten, teilweise sogar einen kostenlosen Eintritt.

Nach so viel Kultur bekommt man natürlich Durst und wie es sich für eine Universitätsstadt gehört, gibt es eine Vielzahl an Cafés, Restaurants und Kneipen. Für jeden ist etwas dabei und es gibt die unterschiedlichsten Richtungen – von italienischem über indischem bis zu afrikanischem Essen ist alles dabei.

Auch für die Leute, die es lieber sportlich mögen, gibt es genug Spielraum, sich ordentlich auszutoben, denn neben den Sportvereinen bietet auch der Unisport ein breit gefächertes Programm. Reinklicken lohnt sich!

Wenn man ein wenig aus Göttingen herauskommen möchte, kann man viele Ausflüge in die Gegend machen. Ein Besuch auf den Gleichen ist immer schön und die Burg Plesse und die Burg Hardenberg sind auch nicht sehr weit entfernt. Die Leineauen laden zu Spaziergängen ein und in der Region gibt es viele Badeseen.

Quellen:
https://www.goettingen.de/leben/goettingen-ueberblick/stadtportrait.html
https://www.goettingen-tourismus.de/index.php
Bildquelle: pixabay.de

Ostern in Ungarn

Fleisch nehmen, Frauen begießen, Ostereier verteilen

Húsvét ‚Fleisch nehmen‘ heißt in Ungarn das Fest zu Auferstehung Christi. Am Ostersonntag gehen die Gläubigen mit Körben voller Lammfleisch, Schinken, Osterbrot, Eier und Wein in die Kirche, um die Speisen dort vom Priester segnen zu lassen. Die gesegneten Speisen werden anschließend im Familienkreis verspeist. Nach der vierzigtägigen Fastenzeit bereiten auch die Nichtkatholiken ein großes Frühstücksbuffet mit Schinken, Osterbrot, Paprika, Radieschen, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Kuchen und Eiern vor. Der Schnaps darf natürlich auch nicht fehlen.

Vorher werden die Eier gefärbt und mit schönen Mustern versehen. Es wird z. B. flüssiges Wachs mit einem Gänsefederkiel auf das Ei aufgetragen, so dass es an dieser Stelle beim Färben keine Farbe annimmt.

Am Ostermontag findet das größte und spannendste weltliche Ereignis des Osterfests, das „Ostergießen“ (ung. húsvéti locsolkodás), statt. Die Frauen bleiben an diesem Tag zu Hause und warten auf die Männer, die in Gruppen von Haus zu Haus ziehen und nach den Frauen suchen, um sie dann mit einem Eimer Wasser – heutzutage eher mit Kölnischwasser oder Sodawasser – zu begießen, damit sie nicht „verwelken“. Vorher aber müssen sie ein kleines Gedicht aufsagen und die Frauen um Erlaubnis bitten.

Zöld erdőben jártam,
Kék ibolyát láttam,
El akart hervadni.
Szabad-e locsolni?

Ich ging in den grünen Wald,
Ich sah ein blaues Veilchen,
Es wollte verwelken.
Darf ich es gießen?

Zum Dank werden die Männer von den Frauen mit Schinken, Osterbrot, gekochten Eiern, Kuchen und Schnaps bewirtet und bekommen ein gefärbtes Ei geschenkt. Für Kinder gibt es Schokoladeneier oder -hasen und von den Verwandten auch etwas Geld.

Der Ursprung dieses Osterbrauchs ist nicht ganz klar. Einerseits wird er auf ein heidnisches Fruchtbarkeitsritual zurückgeführt. Das Begießen mit frischem Wasser war eine symbolische Reinigung zum Frühlingsbeginn. Anderseits war es auch ein Spiel der Geschlechter: das Mädchen, das trocken blieb, würde in diesem Jahr nicht mehr heiraten. Andere Deutungen dieser Tradition stehen mit der christlichen Taufe in Verbindung.

Osterschinken-Rezept

Den rohen Schinken gut abwaschen und für einige Stunden in reichlich kaltes Wasser legen. Dann mit viel kaltem Wasser aufsetzen, langsam zum Kochen bringen und solange köcheln lassen, bis man mit einem Messer leicht in die Schwarte stechen kann. Es empfiehlt sich, das Kochwasser mindestens einmal zu tauschen. Anschließend den Schinken im Kochwasser abkühlen lassen. Dazu Weissbrot, Meerrettich und in der Schinkenbrühe gekochte Eier servien.

Quellen:
https://www.arcanum.hu/en/online-kiadvanyok/Lexikonok-magyar-neprajzi-lexikon-71DCC/h-7297A/husveti-locsolas-72BC2/
http://debrecen.imami.hu/husvet/mi-husvet-szokasok-hagyomanyok-es-eredetuk
http://mek.oszk.hu/02100/02115/html/2-1455.html


Busójárás in Mohács

Jedes Jahr in der Faschingszeit findet in der südungarischen Stadt Mohács nahe der kroatischen Grenze das größte Faschingsfest Ungarns, der Umzug der Busó (ung. busójárás), statt. Seine Tradition geht auf die südslawische Bevölkerungsgruppe der Schokatzen (kroatisch šokci, ung. sokácok) zurück, die in Kroatien, Serbien, Rumänien und Ungarn beheimatet ist. Das Spektakel dauert sechs Tage und gehört seit 2009 zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Wort Busó ist südslawischer Herkunft. Die Busó sind furchterregende Männer, die zottelige Schafspelze, mit Stroh ausgestopfte Hosen und gehörnte Holzmasken tragen. Während des Festes dürfen sie tun und lassen, was sie wollen. Alles ist erlaubt. Ihre Identität decken sie niemals auf.


“Am Schweif des Faschings” (von Faschingssonntag bis Dienstag) ziehen die Busó umher, um mit Viehglocken, Knarren und Gestampfe den Winter zu vertreiben. Sie versammeln sich in Kismohács auf der anderen Seite der Donau und setzen dann mit Booten ans Festland über. Dort angekommen, ziehen sie zu Fuß und mit Pferdekutschen weiter. Begleitet werden sie von in Lumpen verkleideten Kindern (Jankele) und von Schaulustigen, die in diesen Tagen zu tausenden in die Stadt strömen. Die Busó machen Lärm, erschrecken die Menschen.

Eine Gesandtschaft aus 100 Busó zieht vor das Rathaus, wo sie vom Bürgermeister mit Schnaps und Wein bewirtet werden. Es beginnt die Herrschaft der Busó: Sie tanzen, umarmen die Frauen und scherzen mit ihnen. In der Stadt ist es laut: überall wird musiziert, Kanonen werden angezündet. Die tapfersten Busó werden von einem Pferd auf dem Teufelsrad sitzend oder stehend durch die Straßen der Stadt gezogen: das Teufelsrad ist ein Holzrad, das auf einer langen Stange waagerecht fixiert ist und während der Fahrt auf der Straße kippelt.

Abends wird ein riesiger Scheiterhaufen entzündet und von den Busó umtanzt. Ein Sarg, der den Winter symbolisiert, wird auf den Scheiterhaufen geworfen und verbrannt.

Woher kommt dieses Fest?


Es gibt zwei Theorien zur Entstehung der Busójárás. Der Legende zufolge sollen die Busó die Türken in Angst und Schrecken versetzt und vertrieben haben. Nach der Schlacht bei Mohács (1526) besetzten die Türken große Gebiete Ungarns, vertrieben oder versklavten die Einwohner. Immer mehr Ungarn versteckten sich im Sumpfgebiet an der Donau. Die Türken trauten sich nicht, dieses Gebiet zu betreten. Viele ihrer Soldaten kamen hier ums Leben. Die hier lebenden Ungarn wurden aber immer mutiger: sie konnten sich hier tagsüber frei bewegen, abends haben sie sich am Feuer gewärmt.

Eines Abends, als die Ungarn beim Feuer saßen, erschien ein alter Schokatze und sagte den Ungarn, dass sie die Hoffnung nicht verlieren sollen, denn die Befreiung werde bald kommen. Sie sollten Waffen und furchteinflößende Masken aus Holz schnitzen und solange warten, bis eine stürmische Nacht komme und mit ihr ein goldbekleideter, maskierter Reiter, um sie dann in den Kampf gegen die Osmanen zu führen.


Am nächsten Tag fingen die Menschen mit den Vorbereitungen an: sie fertigten Gewehre, Masken, Kleidung und warteten auf den Reiter.

Einmal während eines Gewitters erschien tatsächlich ein stolzer, junger Reiter und winkte, ohne ein Wort zu sagen, den Männern zu. Die Mohácser standen auf, um dem Reiter zu folgen. Die Türken, die in ihren Häusern schliefen, wurden von einem fürchterlichen Lärm geweckt und als sie zum Fenster hinausschauten, sahen sie viele maskierte Männer, die sie für Dämonen hielten. Die Osmanen ergriffen die Flucht und verließen Mohács Hals über Kopf.


Das ist zwar eine sehr interessante Geschichte, aber die zweite Theorie ist wahrscheinlicher. Der Maskenkarneval dient der Vertreibung des Winters und die Busójárás gilt als ein altes Fruchtbarkeitsritual südslawischen Ursprungs. Kroatische Siedler, die nach der Vertreibung der Türken ins Land gezogen sind, sollen die Tradition mitgebracht haben. Zum ersten Mal wurde das Fest im 18. Jh. erwähnt, seinen endgültigen Charakter entfaltete es im Lauf der Jahrhunderte im Zusammenleben von Ungarn und Südslawen. Die Gestaltung der Kostüme und Masken ist seit Jahrhunderten unverändert erhalten geblieben.


Quellen:

www.mohacs.hu/info/buschofest

www.mohacsibusojaras.hu