Wissenschaftler stirbt für die Muttersprache

Am 10. September 2019 zündete sich der 79 Jahre alte udmurtische Wissenschaftler Albert Rasin vor dem Gebäude des Udmurtischen Parlaments in Ischewsk an, um so gegen die Sprachpolitik der Russischen Föderation zu protestieren. Er hielt zwei Plakate mit den Worten Wenn morgen meine Sprache verschwindet, bin ich bereit, heute zu sterben und Habe ich noch eine Heimat? in der Hand. Neben ihm standen ein weiterer Aktivist und ein Fotograf, die das Geschehen fotografieren und in den sozialen Netzwerken verbreiten sollten. Zuvor drückten sie den Volksvertretern Flugblätter mit folgender Überschrift in die Hand: Das udmurtische Volk verschwindet. Es ist Ihre Pflicht, es zu retten. Die Sitzung wurde unterbrochen. Albert Rasin starb wenige Stunden später im Krankenhaus.

Rasin war Aktivist der udmurtischen Nationalbewegung Udmurt Keneš und gehörte zu den vierzehn Unterzeichnern des offenen Briefes vom 14. Juni 2018, in dem der Präsident und die Abgeordneten des Udmurtischen Parlaments aufgefordert wurden, das neue Sprachgesetz der Russischen Föderation nicht zu unterstützen.

Das neue Sprachgesetz schwächt deutlich den Status der Minderheitensprachen im polyethnischen Russland: früher war der Unterricht der Minoritätssprachen in den Schulen der Titularrepubliken – d.h. in den Teilrepubliken mit einer kulturell eigenständigen einheimischen Bevölkerung – Pflicht. Nun sollen sie auf freiwilliger Basis unterrichtet werden und sind nicht mehr Teil des Lehrplans. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg der Russifizierung der Minderheiten.

Warum müssen Minderheitensprachen wie das Udmurtische in den Schulen unterrichtet werden? Reicht es nicht, wenn die Kinder zu Hause mit ihren Eltern udmurtisch sprechen? Nein. Über bestimmte Themen spricht man zu Hause gar nicht. Fehlt der breite Wortschatz zu allen Themenbereichen des Lebens, müssen die Sprecher immer wieder die Sprache wechseln, bis nur noch russisch gesprochen wird.

Die eigene Sprache ist wichtig für die nationale Identifikation ethnischer Gemeinschaften und einzelner Personen. Wem seine Muttersprache genommen wird, verliert auch einen Teil seiner Identität.

Udmurtien und die Udmurten

Die Republik Udmurtien liegt im europäischen Teil Russlands, westlich des Uralgebirges. Die Hauptstadt der Republik ist Ischewsk. Die Udmurten sind ein finnisch-ugrisches Volk, das aber in seiner Heimatrepublik nur noch eine Minderheit ist. Die Amtsprachen der Republik Udmurtien sind Udmurtisch und Russisch.

2019 – Jahr der indigenen Sprachen

Um auf die Gefährdung indigener Sprachen aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen 2019 zum »Internationalen Jahr der indigenen Sprachen« erklärt. Das Jahr soll zeigen, wie wichtig der Schutz, die Wiederbelebung und Förderung dieser Sprachen für eine nachhaltige Entwicklung sind.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.

Quellen:

https://dgvn.de/meldung/2019-internationales-jahr-der-indigenen-sprachen/
https://www.hs.fi/ulkomaat/art-2000006233904.html?fbclid=IwAR1iwNzRJUTRfbNDAUmpAPGX5bkpSvjqWc2roHDRqu1KWIie-AIs-lcoNq8
https://www.idelreal.org/a/30156700.html?fbclid=IwAR069IX1qKx-YhmWVlbUYgptouuSfa07qmQ0TWO3ZMdR_9w24CtqmPobfYg
https://www.idelreal.org/a/30156215.html?fbclid=IwAR1F1Zme8TYGQdoWTeAlzwwQQNfAgqxpT0TJ4O4HbsjyU_wMrEpE
http://izhlife.ru/incidents/89625-svidetel-sobytiy-u-gossoveta-udmurtii-v-slovah-razina-chuvstvovalos-volnenie.html
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A0%D0%B0%D0%B7%D0%B8%D0%BD,_%D0%90%D0%BB%D1%8C%D0%B1%D0%B5%D1%80%D1%82_%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87

Du studierst Finnowas?!

“Du studierst Finnowas?!”

So oder so ähnlich lautet meist die erste Frage, die man beantworten muss, wenn man als Studierender der Finnougristik anderen Menschen von seinem Studienfach erzählt. Die wenigsten können mit dem Begriff etwas anfangen und sind meist sehr überrascht, wenn sie hören, dass es so etwas gibt wie eine finnisch-ugrische Sprachfamilie und dass Finnisch und Ungarisch miteinander verwandt sind. Dies und noch weitaus mehr lernt man, wenn man sich für ein Studium der Finnougristik (oder auch: Finnisch-Ugrische Philologie) entscheidet.

Bei uns in Göttingen gibt es zwei wesentliche Studienbestandteile, die Sprachwissenschaft und die Sprachlehre. Man lernt also nicht nur einige der Sprachen, sondern beschäftigt sich auch damit, was diese Sprachen ausmacht und warum sie miteinander verwandt sind. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Sprachen werden analysiert und man studiert die historische Entwicklung, nur um einige Beispiele zu nennen. Natürlich gibt es in der Sprachwissenschaft noch viele weitere Bereiche, die auch für ein Studium unseres Faches eine Rolle spielen und die man im Laufe des Studiums kennenlernen wird.

Finnisch-ugrische Sprachen gibt es insgesamt 15, auf die sich ca. 22 Millionen Muttersprachler verteilen. Die bekanntesten dieser Sprachen sind Finnisch, Estnisch und Ungarisch. Finnisch und Ungarisch kann man an unserem Seminar als Schwerpunkt studieren. Aus den beiden “großen” Sprachen wählt jeder Studierende zu Anfang seine Wunschsprache als Erstsprache aus – aber keine Sorge! Auf die andere Sprache muss man keineswegs verzichten, denn man belegt während des Bachelor-Studiums auch einen Anfängerkurs in der Zweitsprache. In diesem erlernt man die wichtigsten Grundlagen und Strukturen.

Ein paar weniger bekannte Sprachen, die ebenfalls zur finnisch-ugrischen Sprachfamilie gehören, sind beispielsweise Wotisch, Ingrisch, Udmurtisch, Mordwinisch oder auch Mansi. Die Namen mögen am Anfang vielleicht noch etwas seltsam klingen, aber spätestens nach zwei Semestern sind sie etwas, was jedem leicht über die Lippen gehen wird.

Dass die Finnen in Finnland, die Esten in Estland und die Ungarn in Ungarn leben, ist natürlich keine große Überraschung, doch wo leben die Völker der anderen 12 Sprachen?
Sie verteilen sich auf ein sehr großes Gebiet, das von Skandinavien über das Baltikum bis nach Sibirien reicht. So gibt es beispielsweise die Sami in Norwegen, Schweden, Finnland und auf der Kola-Halbinsel, die Liven lebten im heutigen Lettland und die meisten finnougrischen Völker haben ihre Heimat auf russischem Staatsgebiet.

Wer sich für ein Finnougristik-Studium entscheidet, hat es also mit einer Vielzahl an interessanten Sprachen und Kulturen zu tun und lernt, wie Sprachwissenschaft funktioniert. Seiner Familie und seinen Freunden hat man immer wieder etwas Spannendes zu erzählen, denn man lernt jede Woche neue Dinge, die man vorher noch nicht über die Finnougrier und ihre Sprachen wusste.

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Was man in und um Göttingen alles machen kann…

Ein Studium zu beginnen, ist für viele der erste Schritt in ein ganz neues Leben und das Wunschfach ist oft schnell gefunden. Doch was, wenn gleich mehrere Studienorte zur Auswahl stehen? Wir wollen euch die schönen Seiten der Universitätsstadt aufzeigen und erklären, was es neben dem Studium der Finnougristik noch alles zu sehen gibt.

Göttingen hat etwa 134 000 Einwohner und auch wenn diese Zahl vermuten lässt, dass es sich um einen eher kleinen Studienort handelt, so gibt es doch vielfältige Möglichkeiten, in der Freizeit etwas zu unternehmen. Durch die große Anzahl an Studierenden, die in der Stadt leben, ist eigentlich immer etwas los.

Zunächst wären da die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ganz am Anfang steht natürlich das Gänseliesel, über das wir hier schon berichtet haben. Das Rathaus, vor dem es steht, ist auch einen kleinen Besuch wert, denn die große Rathaushalle, in der auch Veranstaltungen stattfinden, ist mit ihren Malereien sehr schön anzusehen. Wer sich besonders für Stadtgeschichte interessiert, kann hier eine Stadtführung buchen.

Das Stadtbild der Innenstadt ist geprägt von vielen Fachwerkhäusern, die häufig ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen haben. Wer die Augen offen hält, wird die vielen Gedenktafeln sehen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Dort erfährt man, welche Wissenschaftler oder anderen berühmten Personen wie lange in Göttingen verweilt haben. Wer genau aufpasst, wird auch einige Finnougrier finden und Wissenschaftler, die auch in der Finnougristik ein Begriff sind.

Wer gerne Kultur erlebt, hat gleich mehrere Optionen. Es gibt die verschiedensten Theaterhäuser (das Deutsche Theater, das Junge Theater und das universitätseigene Theater im OP, kurz ThOP), Göttingen hat ein Symphonieorchester und neben dem städtischen Museum laden auch die Sammlungen der Universität dazu ein, Exponate zu betrachten. Wer Filme mag, kommt auch auf seine Kosten, denn neben einem Kino, das Blockbuster zeigt, gibt es auch ein Kulturkino und das Unikino. Das Kulturticket, das Studierende der Universität bekommen, ermöglicht bei vielen Veranstaltungen einen vergünstigten, teilweise sogar einen kostenlosen Eintritt.

Nach so viel Kultur bekommt man natürlich Durst und wie es sich für eine Universitätsstadt gehört, gibt es eine Vielzahl an Cafés, Restaurants und Kneipen. Für jeden ist etwas dabei und es gibt die unterschiedlichsten Richtungen – von italienischem über indischem bis zu afrikanischem Essen ist alles dabei.

Auch für die Leute, die es lieber sportlich mögen, gibt es genug Spielraum, sich ordentlich auszutoben, denn neben den Sportvereinen bietet auch der Unisport ein breit gefächertes Programm. Reinklicken lohnt sich!

Wenn man ein wenig aus Göttingen herauskommen möchte, kann man viele Ausflüge in die Gegend machen. Ein Besuch auf den Gleichen ist immer schön und die Burg Plesse und die Burg Hardenberg sind auch nicht sehr weit entfernt. Die Leineauen laden zu Spaziergängen ein und in der Region gibt es viele Badeseen.

Quellen:
https://www.goettingen.de/leben/goettingen-ueberblick/stadtportrait.html
https://www.goettingen-tourismus.de/index.php
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Ostern in Ungarn

Fleisch nehmen, Frauen begießen, Ostereier verteilen

Húsvét ‚Fleisch nehmen‘ heißt in Ungarn das Fest zu Auferstehung Christi. Am Ostersonntag gehen die Gläubigen mit Körben voller Lammfleisch, Schinken, Osterbrot, Eier und Wein in die Kirche, um die Speisen dort vom Priester segnen zu lassen. Die gesegneten Speisen werden anschließend im Familienkreis verspeist. Nach der vierzigtägigen Fastenzeit bereiten auch die Nichtkatholiken ein großes Frühstücksbuffet mit Schinken, Osterbrot, Paprika, Radieschen, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Kuchen und Eiern vor. Der Schnaps darf natürlich auch nicht fehlen.

Vorher werden die Eier gefärbt und mit schönen Mustern versehen. Es wird z. B. flüssiges Wachs mit einem Gänsefederkiel auf das Ei aufgetragen, so dass es an dieser Stelle beim Färben keine Farbe annimmt.

Am Ostermontag findet das größte und spannendste weltliche Ereignis des Osterfests, das „Ostergießen“ (ung. húsvéti locsolkodás), statt. Die Frauen bleiben an diesem Tag zu Hause und warten auf die Männer, die in Gruppen von Haus zu Haus ziehen und nach den Frauen suchen, um sie dann mit einem Eimer Wasser – heutzutage eher mit Kölnischwasser oder Sodawasser – zu begießen, damit sie nicht „verwelken“. Vorher aber müssen sie ein kleines Gedicht aufsagen und die Frauen um Erlaubnis bitten.

Zöld erdőben jártam,
Kék ibolyát láttam,
El akart hervadni.
Szabad-e locsolni?

Ich ging in den grünen Wald,
Ich sah ein blaues Veilchen,
Es wollte verwelken.
Darf ich es gießen?

Zum Dank werden die Männer von den Frauen mit Schinken, Osterbrot, gekochten Eiern, Kuchen und Schnaps bewirtet und bekommen ein gefärbtes Ei geschenkt. Für Kinder gibt es Schokoladeneier oder -hasen und von den Verwandten auch etwas Geld.

Der Ursprung dieses Osterbrauchs ist nicht ganz klar. Einerseits wird er auf ein heidnisches Fruchtbarkeitsritual zurückgeführt. Das Begießen mit frischem Wasser war eine symbolische Reinigung zum Frühlingsbeginn. Anderseits war es auch ein Spiel der Geschlechter: das Mädchen, das trocken blieb, würde in diesem Jahr nicht mehr heiraten. Andere Deutungen dieser Tradition stehen mit der christlichen Taufe in Verbindung.

Osterschinken-Rezept

Den rohen Schinken gut abwaschen und für einige Stunden in reichlich kaltes Wasser legen. Dann mit viel kaltem Wasser aufsetzen, langsam zum Kochen bringen und solange köcheln lassen, bis man mit einem Messer leicht in die Schwarte stechen kann. Es empfiehlt sich, das Kochwasser mindestens einmal zu tauschen. Anschließend den Schinken im Kochwasser abkühlen lassen. Dazu Weissbrot, Meerrettich und in der Schinkenbrühe gekochte Eier servien.

Quellen:
https://www.arcanum.hu/en/online-kiadvanyok/Lexikonok-magyar-neprajzi-lexikon-71DCC/h-7297A/husveti-locsolas-72BC2/
http://debrecen.imami.hu/husvet/mi-husvet-szokasok-hagyomanyok-es-eredetuk
http://mek.oszk.hu/02100/02115/html/2-1455.html


Sieben Gründe Finnougristik zu studieren

Die Finnougristik ist ein Studienfach, das einem nicht jeden Tag begegnet. Wir wollen euch heute sieben Gründe vorstellen, warum es sich lohnt, ein solches Studium aufzunehmen!

    1. Spannende Sprachen, die nicht jeder spricht
      Wie viele Menschen kennst du, die Finnisch, Ungarisch oder gar Estnisch sprechen? Bei uns in Göttingen kann man alle drei Sprachen studieren und man lernt auch noch einige der sogenannten “kleinen Sprachen” kennen – zum Beispiel Udmurtisch, Karelisch, Livisch oder Mordwinisch. Von diesen spannenden Sprachen haben die meisten Leute noch nie etwas gehört und bei uns gehören sie zum Fachgebiet.

    2. Sehr großes Fachgebiet
      Die Sprachwissenschaft ist bei uns in Göttingen der Hauptschwerpunkt, aber die Finnougristik hat auch noch weitere Themenfelder zu bieten: In den Landeskundekursen beschäftigt man sich mit der Kultur und Geschichte der Länder. Es gibt auch Kurse zu Literatur und Folklore, sodass jeder bei uns auf sein Kosten kommt.

    3. Immer ein interessantes Gesprächsthema
      Wer sich für ein Finnougristik-Studium entscheidet, hat immer ein Gesprächsthema parat. Wenn die Verwandten auf dem nächsten Geburtstag oder die Freunde auf der nächsten Party fragen, was man so macht, hat man direkt viel zu erklären – und zu erzählen!

    4. Auslandsaufenthalte
      Bei uns hat man auch die Möglichkeit, für ein bis zwei Semester im Ausland zu studieren. Wir haben Partneruniversitäten in Estland, Finnland und Ungarn und diese Austauschprogramme können sogar mit Stipendien gefördert werden. Sie sind immer eine gute Möglichkeit, Land, Leute und Sprache direkt und vor Ort besser kennenzulernen und man knüpft viele neue Kontakte. Erst im letzten Monat haben wir hier einen Bericht zu einem Erasmusaufenthalt in Finnland veröffentlicht.
      Zusätzlich gibt es auch Sommerkurse in allen drei Ländern und teilweise bei den kleinen finnougrischen Völkern in Russland. Auch bei derartigen Kursen nehmen viele unserer Studierenden regelmäßig teil, um ihre Sprachkenntnisse vor Ort zu verbessern. Darüber kann man auf unserem Blog ebenfalls Berichte nachlesen.

    5. Andere Länder – andere Sitten
      Man lernt bei uns nicht nur fremde Sprachen, sondern auch neue Kulturen kennen. Wie ticken die Finnen? Was ist das Nationaltier der Esten und was steckt hinter den Klischees, die wir über Ungarn kennen? Aus den verschiedensten Themenfeldern ist für jeden etwas dabei: Geschichte, Literatur, Kunst, Geographie, Wirtschaft oder auch Brauchtum.

    6. Vielseitige Kenntnisse
      Bei uns erwirbt man nicht nur sprachwissenschaftliche Kenntnisse und die Fähigkeit, eine neue Fremdsprache zu sprechen. Man trainiert im Studium seine Auffassungsgabe und das Verständnis von neuen Inhalten. Man lernt, mit neuen Sprachen zu arbeiten, selbst wenn man sie bisher nicht oder nicht so gut beherrscht. Man lernt Texte zu verarbeiten, selbst zu schreiben und entwickelt seine Methodikkompetenzen.

    7. Mehr als nur Inhalte
      Ein Studium der Finnougristik bedeutet mehr als nur Inhalte zu lernen, denn es ist eine Bereicherung. Wer Interesse an besonderen Sprachen, die nicht mit Sprachen wie Englisch oder Französisch verwandt sind, und fremden Kulturen hat, ist in der Finnougristik genau richtig. Neben den Vorlesungen gehören auch gemeinsame Unternehmungen wie regelmäßige Treffen zum Mölkky zu unserem Programm. Die Studierenden besuchen zusammen die jährlich stattfindende Studierendenkonferenz IFUSCO (International Finno-Ugric Students’ Conference), die in Göttingen ihre Wurzeln hat, und organisieren gemeinsam Sommer- und Weihnachtsfeiern, sowie Veranstaltungen zu den wichtigsten Feiertagen der drei großen finnougrischen Nationen.

 

Wenn du jetzt Lust auf ein Studium bei uns bekommen hast, kannst du dich auf unserer Homepage über die genauen Inhalte informieren und dich noch bis zum 30. September direkt bei uns an der Universität einschreiben. Wir freuen uns auf dich!

 

Bildquelle: pixabay

Auslandssemester in Finnland

Im Herbstsemester 2017 war ich für vier Monate in der südwestfinnischen Stadt Turku und habe dort an der finnischsprachigen Universität studiert. Dort hatte ich die Möglichkeit, Kurse für die Finnougristik und auch mein Zweitfach Skandinavistik zu belegen, auch wenn ich schlussendlich fast ausschließlich in Finnischkursen war.

In Turku habe ich im Retrodorm gewohnt, ein Wohnheim, in dem ausschließlich Austauschstudierende untergebracht sind. Deswegen hat es ein besonderes internationales Flair. Es gab eigentlich immer jemanden, mit dem man sich unterhalten konnte, aber wenn man sich zurückziehen wollte, war das auch kein Problem. Da ich mit so vielen internationalen Studierenden zusammengewohnt habe, konnte ich dort kaum Finnisch sprechen, aber dafür hatte ich ja die Kurse in der Uni.

Dort waren auch zum größten Teil Studierende aus anderen Ländern als Finnland, aber ich habe trotzdem einiges von meinen Dozentinnen und auch von meinen Kommiliton_innen gelernt. Wenn ich nicht gerade in einem Kurs oder im Retrodorm war, habe ich viel Zeit in der Bibliothek verbracht. Die Turun yliopisto hat mehrere Bibliotheken, aber ich war meistens im Feeniks, da dort die Sprachen untergebracht sind. Die Bibliothek ist zwar etwas ungewohnt sortiert, aber dafür sehr gemütlich.

In der Freizeit waren wir häufig in einer Sauna direkt an der Ostsee oder in Cafes oder Bars, aber wir haben auch gerne Ausflüge in Städte in der Nähe oder den Nationalpark gemacht.

Während des Semesters hatten wir auch die Möglichkeit, größere Touren zu unternehmen, sodass ich mit ein paar Freund_innen nach Estland, Lappland und sogar Sankt Petersburg reisen konnte. Durch diese recht spontanen Reisen habe ich noch einmal ganz andere Erfahrungen sammeln können und Ecken gesehen, an die ich vermutlich ohne das ERASMUS-Semester nie gekommen wäre. Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt, noch mehr zu reisen, wenn nur mehr Zeit dagewesen wäre.

Im Großen und Ganzen habe ich während meines Auslandssemesters tolle Erfahrungen gemacht und nette Leute kennengelernt, zu denen ich auch jetzt nach meiner Rückkehr noch Kontakt habe. Natürlich läuft nicht immer alles so, wie es eigentlich geplant ist, aber dafür öffnen sich viele andere Türen. Daher würde ich jederzeit wieder ein oder zwei Semester ins Ausland gehen um dort zu studieren. Gerne auch wieder nach Turku!

Foto: Patrick Wachs

Mikael Agricolan ja suomen kielen päivä

(Deutsche Version s. u.)

Vuodesta 1960 alkaen on 9. huhtikuuta ollut suomalaisissa kalentereissa Mikael Agricolan päivä. Myöhemmin päivän määreeksi lisättiin vielä suomen kielen päivä ja siitä tehtiin virallinen liputuspäivä.

Kuka sitten oli Mikael Agricola? Hänen tarkkaa syntymäpäiväänsä tai edes -vuotta ei tunneta eikä myöskään tiedetä, oliko Mikaelin äidinkieli suomi vai ruotsi. Hän syntyi noin vuonna 1510 Pernajassa, itäisellä Uudellamaalla. Hän kävi koulua Viipurissa, missä hän otti isänsä ammatin mukaan nimekseen Agricola. Viipurin kouluvuosien jälkeen Agricola siirtyi Turkuun piispan sihteeriksi ja sieltä hänet lähetettiin vuonna 1536 opiskelemaan Wittenbergin yliopistoon, josta hän 1539 valmistui maisteriksi. Opintojen jälkeen Kustaa Vaasa nimesi Mikael Agricolan Martti Lutherin ja Philip Melanchtonin suosituskirjeiden perusteella Turun katedraalikoulun rehtoriksi. Myöhemmin Kustaa Vaasa nimesi Agricolan Turun hiippakunnan piispaksi. Agricola kuoli Viipurin lähellä 9. huhtikuuta vuonna 1557 ollessaan paluumatkalla rauhanneuvotteluista Moskovasta.

Agricolaa pidetään Suomen uskonpuhdistajana, sillä hän toi Lutherin opit Suomeen. Hän suomensi Uuden testamentin ja runsaasti muutakin uskonnollista kirjallisuutta tarkoituksenaan tehdä suomenkieliset jumalanpalvelusmenot mahdollisiksi. Jo ennen Uutta testamenttia Agricola julkaisi vuonna 1543 suomenkielisen Abckirian, uskonnollissisältöisen aapisen. Vaikka Agricola ei ollut ensimmäinen suomen kieltä kirjoittanut, pidetään Abckiriaa suomalaisen kirjallisuuden esikoisteoksena. Koska Agricolan aikaan suomen kielellä ei ollut vakiintunutta kirjoitusmuotoa, oli Agricolan kirjoittaessaan luotava oikeinkirjoitus. Tämä toi hänelle myöhemmin lisänimen suomen kirjakielen isä.

Asiaa opiskelemattoman nykysuomalaisen on usein vaikea ymmärtää Agricolan kirjoittamia tekstejä: kieli on 500 vuodessa muuttunut ja lisäksi Agricolan oikeinkirjoitus noudattelee pitkälti germaanisten kielten oikeinkirjoituksen periaatteita, esimerkiksi suomelle tärkeitä pitkien ja lyhyiden äänteiden eroja ei merkitä kuten nykysuomessa. Agricolan tekstit saattaisivat aueta nykysuomalaiselle paremmin, jos hän laittaisi suomea osaamattoman saksalaisen lukemaan niitä itselleen ääneen. Abckirian etulehdeltä löytyy näytteeksi seuraava runo:

Oppe nyt wanha ia noori / joilla ombi Sydhen toori.
Jumalan keskyt / ia mielen / iotca taidhat Somen kielen.
Laki / se Sielun Hirmutta / mutt Cristus sen taas lodhutta.
Lue sijs hyue lapsi teste / Alcu oppi ilman este.
Nijte muista Elemes aina / nin Jesus sinun Armons laina.
 

Agricolan jälkeen suomen kielen kehitys oli hyvin hidasta, 1700-luvulla taantuvaakin, kunnes kansallisromanttisten aatteiden myötä Suomessa 1800-luvulla heräsi tarve kehittää ja uudistaa suomen kieltä. Huhtikuun 9. päivänä tasan 245 vuotta Agricolan kuoleman jälkeen syntyi Sammatissa Elias Lönnrot, joka muun muassa kokosi Kalevalan, kirjoitti sanakirjan ja kehitti suomen kieltä Agricolan luomalta perustalta monin uudissanoin ja joka laajasta elämäntyöstään on saanut ansaitun suomen kielen uudistajan lisänimen.

Lähteet:

Lehikoinen, Laila/Kiuru, Silva: Kirjasuomen kehitys. Helsinki, 1989.

https://kansallisbiografia.fi/kansallisbiografia/henkilo/14

Mikael-Agricola-Tag und Tag der finnischen Sprache

Seit 1960 ist der 9. April in den finnischen Kalendern der Mikael-Agricola-Tag. Später wurde der Zusatz Tag der finnischen Sprache hinzugefügt und der Tag wurde zu einem offiziellen Tag der öffentlichen Beflaggung erklärt.

Wer war denn Mikael Agricola? Den genauen Geburtstag oder das Geburtsjahr kennt man nicht, ebenso weiß man nicht, ob Mikaels Muttersprache Finnisch oder Schwedisch war. Er wurde ungefähr im Jahr 1510 in Pernaja, im östlichen Uusimaa geboren. Er besuchte die Schule in Wyborg, wo er dem Beruf seines Vaters entsprechend den Namen Agricola annahm. Nach den Schuljahren wurde er Bischofssekretär in Turku und von dort wurde er zum Studium an die Universität Wittenberg geschickt, wo er 1539 Magister wurde. Nach dem Studium ernannte ihn Gustav Wasa auf Grund der Empfehlungsbriefe von Martin Luther und Philip Melanchton zum Rektor der Kathedralschule in Turku. Später ernannte Gustav Wasa ihn zum Bischof von Turku. Agricola starb am 9. April in der Nähe von Wyborg, als er auf der Rückfahrt von Friedensverhandlungen in Moskau war.

Agricola gilt als Reformator Finnlands, denn er brachte die Lehre Luthers nach Finnland. Er übersetzte das Neue Testament und zahlreiche weitere religiöse Texte ins Finnische mit der Absicht, einen finnischsprachigen Gottesdienst zu ermöglichen. Schon vor dem Neuen Testament veröffentlichte Agricola im Jahr 1543 das finnischsprachige Abckiria, eine Fibel mit religiösem Inhalt. Obwohl Agricola nicht der erste war, der Finnisch schrieb, hält man das Abckiria für das Erstlingswerk der finnischsprachigen Literatur. Weil die finnische Sprache zu Agricolas Zeiten noch keine feste Rechtschreibung besaß, musste Agricola beim Schreiben eine Orthographie entwickeln. Das gab ihm später den Beinamen Vater der finnischen Schriftsprache.

Einem modernen Finnen, der Agricolas Sprache nicht studiert hat, fällt es oft schwer, seine Texte zu verstehen: die Sprache hat sich in 500 Jahren verändert und darüber hinaus folgt Agricolas Rechtschreibung weitgehend den orthographischen Prinzipien der germanischen Sprachen. Beispielsweise wird der für das Finnische wichtige Unterschied zwischen langen und kurzen Lauten nicht so wie heute markiert. Agricolas Texte könnten für den heutigen Finnen leichter zu verstehen sein, wenn sie ihm von einem deutschen Muttersprachler, der kein Finnisch kann, laut vorgelesen werden würden. Als Probe bietet sich das folgende Gedicht aus dem ersten Blatt des Abckiria an:

Oppe nyt wanha ia noori / joilla ombi Sydhen toori.
Jumalan keskyt / ia mielen / iotca taidhat Somen kielen.
Laki / se Sielun Hirmutta / mutt Cristus sen taas lodhutta.
Lue sijs hyue lapsi teste / Alcu oppi ilman este.
Nijte muista Elemes aina / nin Jesus sinun Armons laina.

Nach Agricola war die Entwicklung der finnischen Sprache sehr langsam, im 18. Jahrhundert sogar rückgängig, bis im 19. Jahrhundert mit der nationalromantischen Ideologie der Bedarf entstand, die finnische Sprache zu entwickeln und zu erneuern. Am 9. April, genau 245 Jahre nach Agricolas Tod wurde in Sammatti Elias Lönnrot geboren, der unter anderem das Kalewala verfasste, ein Wörterbuch schrieb, die finnische Schriftsprache auf Agricolas Grundlage mit vielen neuen Wörtern weiterentwickelte und der für sein umfangreiches Lebenswerk den verdienten Beinamen Reformator der finnischen Sprache trägt.

Quellen:

Lehikoinen, Laila/Kiuru, Silva: Kirjasuomen kehitys. Helsinki, 1989.

https://kansallisbiografia.fi/kansallisbiografia/henkilo/14

 

 

Tag der ungarischen Kultur

Seit 1989 wird am 22. Januar, am Geburtstag der ungarischen Nationalhymne, der Tag der ungarischen Kultur gefeiert: Ferenc Kölcsey (1790-1838), einer der wichtigsten Lyriker, Literaturkritiker und Politiker seiner Zeit, schrieb sein Gedicht Hymne. Aus den stürmischen Jahrhunderten des ungarischen Volks am 22. Januar 1823 zu Ende. Das Gedicht wurde 1829 veröffentlicht. 

Um die Hymne zu vertonen, ließ der Direktor des Ungarischen Nationaltheaters 1844 einen Wettbewerb durchführen. Der Opernkomponist Ferenc Erkel (1810-1893) verfasste die passende Musik zum Gedicht und gewann die Preisausschreibung. Zum ersten Mal wurde das Werk im Juli desselben Jahres präsentiert. Von den acht Strophen der Hymne wird nur die erste gesungen und dient bis heute als ungarische Nationalhymne. Allerdings ist sie mit dem Tonumfang von über einer Oktave recht schwer zu singen.

Der Text enthält ein Gebet an Gott, den Ungarn beizustehen und ihm eine glücklichere Zukunft zu schenken, “Denn es büsste hart genug Schuld für alle Zeiten” (Übersetzung von Annemarie Boestrom). Der zentrale Gedanke von Schuld und Sühne geht auf eines der ältesten Topoi der ungarischen Literaturgeschichte zurück: die Querela Hungariae, die Beweinung Ungarns. Die ungarische Geschichte als Strafe Gottes ist ebenfalls ein wichtiges, immer wiederkehrendes Thema der ungarischen Literatur.

Während des Aufstandes von 1848/1849 verbreitete sich das Lied schnell, doch den offiziellen Status einer Nationalhymne erhielt es erst später. Obwohl das Königreich Ungarn ein Vielvölkerstaat war und Ungarn auch im 20. Jahrhundert kein homogener Nationalstaat wurde, existiert nur eine ungarische Fassung des Textes.

Zum ersten Mal wurde die Hymne 1989 in der Verfassung erwähnt. Sie gehört zu den wichtigsten Symbnolen Ungarns und wird traditionell bei offiziellen Anlässen und auch bei Ereignissen wie Gottesdiensten und Neujahrsfeiern gesungen. Sie wird am Silvesterabend um Mitternacht im Ungarischen Fernsehen und im Radio gespielt. Wenn sie erklingt, singen die Ungarn mit oder hören sich die Hymne stehend mit dem Sektglas in der Hand an, ehe sie auf das neue Jahr anstoßen.

Quelle: http://www.nemzetijelkepek.hu/himnusz.shtml

Bildquelle: Wikipedia

Suomi 100

Finnland feiert am 6. Dezember 2017 seine hundertjährige Unabhängigkeit. Das Kolosseum in Rom, die Niagarafälle, das Wiener Riesenrad, Cristo Redentor in Rio de Janeiro und viele andere Sehenswürdigkeiten überall auf der Welt werden blau-weiß beleuchtet. Artek, Arabia, Marimekko, Fiskars, Fazer und andere finnische Marken verkaufen massenweise ihre meistens blau-weißen Suomi-100-Produkte. Zahlreiche Facebook-Profilbilder bekommen einen Suomi-100-Rahmen. Als Höhepunkt des Jubiläumsjahres mit über 5000 Suomi-100-Projekten sitzen die Finnen zu Hause vor dem Fernseher und schauen sich die Prominenz bei dem Empfang des Staatspräsidenten an. Über das schönste Abendkleid wird mit Hilfe einer mobilen App abgestimmt.

Was passierte eigentlich vor hundert Jahren?

In Europa herrschen Krieg, Hungersnot und Krankheiten. In Amerika arbeitet Donald Trumps Großvater als Barbier auf Manhattan, nachdem er mit Bordellen in Klondyke reich geworden ist. Finnland ist ein autonomes Großfürstentum, das seinen Großfürsten, den russischen Zaren durch die Februarrevolution verloren hat.

Die politische Situation in Finnland ist chaotisch und die Nation weitgehend zweigeteilt: die Bürgerlichen, die für ein unabhängiges Finnland sind, und die Sozialdemokraten, die von Lenin als Staatsoberhaupt des sozialistischen Finnlands träumen. Russische Befestigungsarbeiten sind eingestellt worden und ein Schiff, das lebenswichtiges Importgetreide bringen sollte, ist ausgefallen – Armut und Hunger erhitzen die Gemüter. Am 4. Dezember legt der bürgerliche Senat dem Parlament eine Unabhängigkeitserklärung vor. Zwei Tage später, am 6. Dezember verabschiedet das Parlament sie mit 100 zu 88 Stimmen und bevollmächtigt den Senat, die Anerkennung der Unabhängigkeit anzustreben. Am nächsten Tag berichtet Helsingin Sanomat in gerade mal zwei Spalten auf der Seite 4 über den Ablauf und das Ergebnis der Abstimmung. Keine große Sache. Am Silvesterabend erkennt das bolschewistische Russland die Unabhängigkeit Finnlands an. Bereits 1918 wird der 6. Dezember in kleineren Kreisen als Unabhängigkeitstag gefeiert.

In diesem Sinne: Hyvää itsenäisyyspäivää, satavuotias Suomi! 

Quellen
Ilkka Malmberg: 1917 – samaan aikaan toisaalla.
Helsingin Sanomat vom 7.12.1917

Bildquellen
Titelbild: Suomi100/Suvi-Tuuli Kankaanpää. Suomen lippu saarella. http://kuvapankki.valtioneuvosto.fi/suomi100
Suomi100-Logo: http://suomifinland100.fi/media

Die finnische Minderheit in Schweden

Vielen ist bekannt, dass das Schwedische in Finnland die zweite Amtssprache ist. Dass es jedoch in Schweden eine finnische Minorität gibt, wissen außerhalb von Schweden und Finnland die wenigsten Menschen.

Das Finnische hat seit dem Jahr 2000 den Status einer offiziell anerkannten Minderheitensprache in Schweden, auch wenn sich die Statistiken im Hinblick darauf unterscheiden, wie viele Menschen dieser Minderheit wirklich angehören. Die Zahlen variieren zwischen 70 000 und 450 000 Menschen, je nachdem wie eng die Kriterien gefasst werden. Geschätzt wird, dass es in ganz Schweden etwa 200 000 Menschen gibt, deren Muttersprache Finnisch ist. Auch hier variieren die Annahmen.

Im Laufe der Zeit gab es verschiedene Einwanderungswellen von Finnland nach Schweden. Bereits zu Zeiten Gustav Vasas wurden finnische Arbeitskräfte in Schweden gebraucht; es gab die Kriegskinder, die von ihren Eltern während des zweiten Weltkriegs nach Schweden geschickt wurden, aber auch die Einwanderungswelle, die in den 1960ern begann und lange Zeit nicht abriss. Schätzungsweise rund 40 000 Menschen wanderten Ende der 1960er und Anfang der 1970er jährlich aus Finnland nach Schweden aus, um dort Arbeit zu finden und nur ein Teil kehrte irgendwann wieder in seine Heimat zurück. Für die in Schweden gebliebenen Finnen war das Leben nicht immer leicht. Repression und Diskriminierung waren an der Tagesordnung, die Frage nach der eigenen Identität nur schwer zu beantworten. Dies galt für die Elterngeneration wie die Generation ihrer Kinder gleichermaßen.

Die Situation hat sich in der heutigen Zeit gebessert: es gibt besonders geförderte Unterrichtsstunden für Kinder in ihrer Muttersprache, die Diskriminierung hat nachgelassen und Autoren, Musiker und Filmschaffende beschäftigen sich intensiver mit der Frage nach der schwedenfinnischen Identität. Doch wie sieht die Situation für die Finnen in Schweden heute wirklich aus? Welche Erfahrungen machen Angehörige dieser Minderheit und wie gehen sie damit um? Antworten auf diese und viele weitere Fragen sollen im Rahmen der Lesung mit Kristian Borg am kommenden Donnerstag, den 16.11.2017, um 18.15 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Zentrum, Raum 1.601, gegeben werden. Borg wird aus der Artikelsammlung Finnjävlar ‘Scheißfinnen’ lesen und über seine persönlichen Erfahrungen als Schwedenfinne sprechen. Borg ist Chefredakteur der Zeitung Stockholms fria Tidning und Verleger beim Verbal förlag. Er lebt in Stockholm, wo er 1975 geboren ist. Seine Eltern haben sich auf der Finnlandfähre getroffen und haben u. a. in der Reinigungs- und Restaurantbranche gearbeitet.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Tervetuloa & välkomna!

Quellen:
Borg, Kristian (Hrsg.). 2016. Finnjävlar. Verbal förlaget. Stockholm.
Parkvall, Mikael. 2009. Sveriges språk – vem talar vad och var? Rapporter från Institutionen för lingvistik vid Stockholms Universitet. Stockholm.
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