Was man in und um Göttingen alles machen kann…

Ein Studium zu beginnen, ist für viele der erste Schritt in ein ganz neues Leben und das Wunschfach ist oft schnell gefunden. Doch was, wenn gleich mehrere Studienorte zur Auswahl stehen? Wir wollen euch die schönen Seiten der Universitätsstadt aufzeigen und erklären, was es neben dem Studium der Finnougristik noch alles zu sehen gibt.

Göttingen hat etwa 134 000 Einwohner und auch wenn diese Zahl vermuten lässt, dass es sich um einen eher kleinen Studienort handelt, so gibt es doch vielfältige Möglichkeiten, in der Freizeit etwas zu unternehmen. Durch die große Anzahl an Studierenden, die in der Stadt leben, ist eigentlich immer etwas los.

Zunächst wären da die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ganz am Anfang steht natürlich das Gänseliesel, über das wir hier schon berichtet haben. Das Rathaus, vor dem es steht, ist auch einen kleinen Besuch wert, denn die große Rathaushalle, in der auch Veranstaltungen stattfinden, ist mit ihren Malereien sehr schön anzusehen. Wer sich besonders für Stadtgeschichte interessiert, kann hier eine Stadtführung buchen.

Das Stadtbild der Innenstadt ist geprägt von vielen Fachwerkhäusern, die häufig ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen haben. Wer die Augen offen hält, wird die vielen Gedenktafeln sehen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Dort erfährt man, welche Wissenschaftler oder anderen berühmten Personen wie lange in Göttingen verweilt haben. Wer genau aufpasst, wird auch einige Finnougrier finden und Wissenschaftler, die auch in der Finnougristik ein Begriff sind.

Wer gerne Kultur erlebt, hat gleich mehrere Optionen. Es gibt die verschiedensten Theaterhäuser (das Deutsche Theater, das Junge Theater und das universitätseigene Theater im OP, kurz ThOP), Göttingen hat ein Symphonieorchester und neben dem städtischen Museum laden auch die Sammlungen der Universität dazu ein, Exponate zu betrachten. Wer Filme mag, kommt auch auf seine Kosten, denn neben einem Kino, das Blockbuster zeigt, gibt es auch ein Kulturkino und das Unikino. Das Kulturticket, das Studierende der Universität bekommen, ermöglicht bei vielen Veranstaltungen einen vergünstigten, teilweise sogar einen kostenlosen Eintritt.

Nach so viel Kultur bekommt man natürlich Durst und wie es sich für eine Universitätsstadt gehört, gibt es eine Vielzahl an Cafés, Restaurants und Kneipen. Für jeden ist etwas dabei und es gibt die unterschiedlichsten Richtungen – von italienischem über indischem bis zu afrikanischem Essen ist alles dabei.

Auch für die Leute, die es lieber sportlich mögen, gibt es genug Spielraum, sich ordentlich auszutoben, denn neben den Sportvereinen bietet auch der Unisport ein breit gefächertes Programm. Reinklicken lohnt sich!

Wenn man ein wenig aus Göttingen herauskommen möchte, kann man viele Ausflüge in die Gegend machen. Ein Besuch auf den Gleichen ist immer schön und die Burg Plesse und die Burg Hardenberg sind auch nicht sehr weit entfernt. Die Leineauen laden zu Spaziergängen ein und in der Region gibt es viele Badeseen.

Quellen:
https://www.goettingen.de/leben/goettingen-ueberblick/stadtportrait.html
https://www.goettingen-tourismus.de/index.php
Bildquelle: pixabay.de

Ostern in Ungarn

Fleisch nehmen, Frauen begießen, Ostereier verteilen

Húsvét ‚Fleisch nehmen‘ heißt in Ungarn das Fest zu Auferstehung Christi. Am Ostersonntag gehen die Gläubigen mit Körben voller Lammfleisch, Schinken, Osterbrot, Eier und Wein in die Kirche, um die Speisen dort vom Priester segnen zu lassen. Die gesegneten Speisen werden anschließend im Familienkreis verspeist. Nach der vierzigtägigen Fastenzeit bereiten auch die Nichtkatholiken ein großes Frühstücksbuffet mit Schinken, Osterbrot, Paprika, Radieschen, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Kuchen und Eiern vor. Der Schnaps darf natürlich auch nicht fehlen.

Vorher werden die Eier gefärbt und mit schönen Mustern versehen. Es wird z. B. flüssiges Wachs mit einem Gänsefederkiel auf das Ei aufgetragen, so dass es an dieser Stelle beim Färben keine Farbe annimmt.

Am Ostermontag findet das größte und spannendste weltliche Ereignis des Osterfests, das „Ostergießen“ (ung. húsvéti locsolkodás), statt. Die Frauen bleiben an diesem Tag zu Hause und warten auf die Männer, die in Gruppen von Haus zu Haus ziehen und nach den Frauen suchen, um sie dann mit einem Eimer Wasser – heutzutage eher mit Kölnischwasser oder Sodawasser – zu begießen, damit sie nicht „verwelken“. Vorher aber müssen sie ein kleines Gedicht aufsagen und die Frauen um Erlaubnis bitten.

Zöld erdőben jártam,
Kék ibolyát láttam,
El akart hervadni.
Szabad-e locsolni?

Ich ging in den grünen Wald,
Ich sah ein blaues Veilchen,
Es wollte verwelken.
Darf ich es gießen?

Zum Dank werden die Männer von den Frauen mit Schinken, Osterbrot, gekochten Eiern, Kuchen und Schnaps bewirtet und bekommen ein gefärbtes Ei geschenkt. Für Kinder gibt es Schokoladeneier oder -hasen und von den Verwandten auch etwas Geld.

Der Ursprung dieses Osterbrauchs ist nicht ganz klar. Einerseits wird er auf ein heidnisches Fruchtbarkeitsritual zurückgeführt. Das Begießen mit frischem Wasser war eine symbolische Reinigung zum Frühlingsbeginn. Anderseits war es auch ein Spiel der Geschlechter: das Mädchen, das trocken blieb, würde in diesem Jahr nicht mehr heiraten. Andere Deutungen dieser Tradition stehen mit der christlichen Taufe in Verbindung.

Osterschinken-Rezept

Den rohen Schinken gut abwaschen und für einige Stunden in reichlich kaltes Wasser legen. Dann mit viel kaltem Wasser aufsetzen, langsam zum Kochen bringen und solange köcheln lassen, bis man mit einem Messer leicht in die Schwarte stechen kann. Es empfiehlt sich, das Kochwasser mindestens einmal zu tauschen. Anschließend den Schinken im Kochwasser abkühlen lassen. Dazu Weissbrot, Meerrettich und in der Schinkenbrühe gekochte Eier servien.

Quellen:
https://www.arcanum.hu/en/online-kiadvanyok/Lexikonok-magyar-neprajzi-lexikon-71DCC/h-7297A/husveti-locsolas-72BC2/
http://debrecen.imami.hu/husvet/mi-husvet-szokasok-hagyomanyok-es-eredetuk
http://mek.oszk.hu/02100/02115/html/2-1455.html


Sieben Gründe Finnougristik zu studieren

Die Finnougristik ist ein Studienfach, das einem nicht jeden Tag begegnet. Wir wollen euch heute sieben Gründe vorstellen, warum es sich lohnt, ein solches Studium aufzunehmen!

  1. Spannende Sprachen, die nicht jeder spricht
    Wie viele Menschen kennst du, die Finnisch, Ungarisch oder gar Estnisch sprechen? Bei uns in Göttingen kann man alle drei Sprachen studieren und man lernt auch noch einige der sogenannten “kleinen Sprachen” kennen – zum Beispiel Udmurtisch, Karelisch, Livisch oder Mordwinisch. Von diesen spannenden Sprachen haben die meisten Leute noch nie etwas gehört und bei uns gehören sie zum Fachgebiet.
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  3. Sehr großes Fachgebiet
    Die Sprachwissenschaft ist bei uns in Göttingen der Hauptschwerpunkt, aber die Finnougristik hat auch noch weitere Themenfelder zu bieten: In den Landeskundekursen beschäftigt man sich mit der Kultur und Geschichte der Länder. Es gibt auch Kurse zu Literatur und Folklore, sodass jeder bei uns auf sein Kosten kommt.
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  5. Immer ein interessantes Gesprächsthema
    Wer sich für ein Finnougristik-Studium entscheidet, hat immer ein Gesprächsthema parat. Wenn die Verwandten auf dem nächsten Geburtstag oder die Freunde auf der nächsten Party fragen, was man so macht, hat man direkt viel zu erklären – und zu erzählen!
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  7. Auslandsaufenthalte
    Bei uns hat man auch die Möglichkeit, für ein bis zwei Semester im Ausland zu studieren. Wir haben Partneruniversitäten in Estland, Finnland und Ungarn und diese Austauschprogramme können sogar mit Stipendien gefördert werden. Sie sind immer eine gute Möglichkeit, Land, Leute und Sprache direkt und vor Ort besser kennenzulernen und man knüpft viele neue Kontakte. Erst im letzten Monat haben wir hier einen Bericht zu einem Erasmusaufenthalt in Finnland veröffentlicht.
    Zusätzlich gibt es auch Sommerkurse in allen drei Ländern und teilweise bei den kleinen finnougrischen Völkern in Russland. Auch bei derartigen Kursen nehmen viele unserer Studierenden regelmäßig teil, um ihre Sprachkenntnisse vor Ort zu verbessern. Auch darüber kann man auf unserem Blog Berichte nachlesen.
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  9. Andere Länder – andere Sitten
    Man lernt bei uns nicht nur fremde Sprachen, sondern auch neue Kulturen kennen. Wie ticken die Finnen? Was ist das Nationaltier der Esten und was steckt hinter den Klischees, die wir über Ungarn kennen? Aus den verschiedensten Themenfeldern ist für jeden etwas dabei: Geschichte, Literatur, Kunst, Geographie, Wirtschaft oder auch Brauchtum.
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  11. Vielseitige Kenntnisse
    Bei uns erwirbt man nicht nur sprachwissenschaftliche Kenntnisse und die Fähigkeit, eine neue Fremdsprache zu sprechen. Man trainiert im Studium seine Auffassungsgabe und das Verständnis von neuen Inhalten. Man lernt, mit neuen Sprachen zu arbeiten, selbst wenn man sie bisher nicht oder nicht so gut beherrscht. Man lernt Texte zu verarbeiten, selbst zu schreiben und entwickelt seine Methodikkompetenzen.
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  13. Mehr als nur Inhalte
    Ein Studium der Finnougristik bedeutet mehr als nur Inhalte zu lernen, denn es ist eine Bereicherung. Wer Interesse an besonderen Sprachen, die nicht mit Sprachen wie Englisch oder Französisch verwandt sind, und fremden Kulturen hat, ist in der Finnougristik genau richtig. Neben den Vorlesungen gehören auch gemeinsame Unternehmungen wie regelmäßige Treffen zum Mölkky zu unserem Programm. Die Studierenden besuchen zusammen die jährlich stattfindende Studierendenkonferenz IFUSCO (International Finno-Ugric Students’ Conference), die in Göttingen ihre Wurzeln hat, und organisieren gemeinsam Sommer- und Weihnachtsfeiern, sowie Veranstaltungen zu den wichtigsten Feiertagen der drei großen finnougrischen Nationen.

 

Wenn du jetzt Lust auf ein Studium bei uns bekommen hast, kannst du dich auf unserer Homepage über die genauen Inhalte informieren oder dich noch bis zum 30. September direkt bei uns an der Universität einschreiben. Wir freuen uns auf dich!

 

Bildquelle: pixabay

Auslandssemester in Finnland

Im Herbstsemester 2017 war ich für vier Monate in der südwestfinnischen Stadt Turku und habe dort an der finnischsprachigen Universität studiert. Dort hatte ich die Möglichkeit, Kurse für die Finnougristik und auch mein Zweitfach Skandinavistik zu belegen, auch wenn ich schlussendlich fast ausschließlich in Finnischkursen war.

In Turku habe ich im Retrodorm gewohnt, ein Wohnheim, in dem ausschließlich Austauschstudierende untergebracht sind. Deswegen hat es ein besonderes internationales Flair. Es gab eigentlich immer jemanden, mit dem man sich unterhalten konnte, aber wenn man sich zurückziehen wollte, war das auch kein Problem. Da ich mit so vielen internationalen Studierenden zusammengewohnt habe, konnte ich dort kaum Finnisch sprechen, aber dafür hatte ich ja die Kurse in der Uni.

Dort waren auch zum größten Teil Studierende aus anderen Ländern als Finnland, aber ich habe trotzdem einiges von meinen Dozentinnen und auch von meinen Kommiliton_innen gelernt. Wenn ich nicht gerade in einem Kurs oder im Retrodorm war, habe ich viel Zeit in der Bibliothek verbracht. Die Turun yliopisto hat mehrere Bibliotheken, aber ich war meistens im Feeniks, da dort die Sprachen untergebracht sind. Die Bibliothek ist zwar etwas ungewohnt sortiert, aber dafür sehr gemütlich.

In der Freizeit waren wir häufig in einer Sauna direkt an der Ostsee oder in Cafes oder Bars, aber wir haben auch gerne Ausflüge in Städte in der Nähe oder den Nationalpark gemacht.

Während des Semesters hatten wir auch die Möglichkeit, größere Touren zu unternehmen, sodass ich mit ein paar Freund_innen nach Estland, Lappland und sogar Sankt Petersburg reisen konnte. Durch diese recht spontanen Reisen habe ich noch einmal ganz andere Erfahrungen sammeln können und Ecken gesehen, an die ich vermutlich ohne das ERASMUS-Semester nie gekommen wäre. Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt, noch mehr zu reisen, wenn nur mehr Zeit dagewesen wäre.

Im Großen und Ganzen habe ich während meines Auslandssemesters tolle Erfahrungen gemacht und nette Leute kennengelernt, zu denen ich auch jetzt nach meiner Rückkehr noch Kontakt habe. Natürlich läuft nicht immer alles so, wie es eigentlich geplant ist, aber dafür öffnen sich viele andere Türen. Daher würde ich jederzeit wieder ein oder zwei Semester ins Ausland gehen um dort zu studieren. Gerne auch wieder nach Turku!

Foto: Patrick Wachs

Mikael Agricolan ja suomen kielen päivä

(Deutsche Version s. u.)

Vuodesta 1960 alkaen on 9. huhtikuuta ollut suomalaisissa kalentereissa Mikael Agricolan päivä. Myöhemmin päivän määreeksi lisättiin vielä suomen kielen päivä ja siitä tehtiin virallinen liputuspäivä.

Kuka sitten oli Mikael Agricola? Hänen tarkkaa syntymäpäiväänsä tai edes -vuotta ei tunneta eikä myöskään tiedetä, oliko Mikaelin äidinkieli suomi vai ruotsi. Hän syntyi noin vuonna 1510 Pernajassa, itäisellä Uudellamaalla. Hän kävi koulua Viipurissa, missä hän otti isänsä ammatin mukaan nimekseen Agricola. Viipurin kouluvuosien jälkeen Agricola siirtyi Turkuun piispan sihteeriksi ja sieltä hänet lähetettiin vuonna 1536 opiskelemaan Wittenbergin yliopistoon, josta hän 1539 valmistui maisteriksi. Opintojen jälkeen Kustaa Vaasa nimesi Mikael Agricolan Martti Lutherin ja Philip Melanchtonin suosituskirjeiden perusteella Turun katedraalikoulun rehtoriksi. Myöhemmin Kustaa Vaasa nimesi Agricolan Turun hiippakunnan piispaksi. Agricola kuoli Viipurin lähellä 9. huhtikuuta vuonna 1557 ollessaan paluumatkalla rauhanneuvotteluista Moskovasta.

Agricolaa pidetään Suomen uskonpuhdistajana, sillä hän toi Lutherin opit Suomeen. Hän suomensi Uuden testamentin ja runsaasti muutakin uskonnollista kirjallisuutta tarkoituksenaan tehdä suomenkieliset jumalanpalvelusmenot mahdollisiksi. Jo ennen Uutta testamenttia Agricola julkaisi vuonna 1543 suomenkielisen Abckirian, uskonnollissisältöisen aapisen. Vaikka Agricola ei ollut ensimmäinen suomen kieltä kirjoittanut, pidetään Abckiriaa suomalaisen kirjallisuuden esikoisteoksena. Koska Agricolan aikaan suomen kielellä ei ollut vakiintunutta kirjoitusmuotoa, oli Agricolan kirjoittaessaan luotava oikeinkirjoitus. Tämä toi hänelle myöhemmin lisänimen suomen kirjakielen isä.

Asiaa opiskelemattoman nykysuomalaisen on usein vaikea ymmärtää Agricolan kirjoittamia tekstejä: kieli on 500 vuodessa muuttunut ja lisäksi Agricolan oikeinkirjoitus noudattelee pitkälti germaanisten kielten oikeinkirjoituksen periaatteita, esimerkiksi suomelle tärkeitä pitkien ja lyhyiden äänteiden eroja ei merkitä kuten nykysuomessa. Agricolan tekstit saattaisivat aueta nykysuomalaiselle paremmin, jos hän laittaisi suomea osaamattoman saksalaisen lukemaan niitä itselleen ääneen. Abckirian etulehdeltä löytyy näytteeksi seuraava runo:

Oppe nyt wanha ia noori / joilla ombi Sydhen toori.
Jumalan keskyt / ia mielen / iotca taidhat Somen kielen.
Laki / se Sielun Hirmutta / mutt Cristus sen taas lodhutta.
Lue sijs hyue lapsi teste / Alcu oppi ilman este.
Nijte muista Elemes aina / nin Jesus sinun Armons laina.
 

Agricolan jälkeen suomen kielen kehitys oli hyvin hidasta, 1700-luvulla taantuvaakin, kunnes kansallisromanttisten aatteiden myötä Suomessa 1800-luvulla heräsi tarve kehittää ja uudistaa suomen kieltä. Huhtikuun 9. päivänä tasan 245 vuotta Agricolan kuoleman jälkeen syntyi Sammatissa Elias Lönnrot, joka muun muassa kokosi Kalevalan, kirjoitti sanakirjan ja kehitti suomen kieltä Agricolan luomalta perustalta monin uudissanoin ja joka laajasta elämäntyöstään on saanut ansaitun suomen kielen uudistajan lisänimen.

Lähteet:

Lehikoinen, Laila/Kiuru, Silva: Kirjasuomen kehitys. Helsinki, 1989.

https://kansallisbiografia.fi/kansallisbiografia/henkilo/14

Mikael-Agricola-Tag und Tag der finnischen Sprache

Seit 1960 ist der 9. April in den finnischen Kalendern der Mikael-Agricola-Tag. Später wurde der Zusatz Tag der finnischen Sprache hinzugefügt und der Tag wurde zu einem offiziellen Tag der öffentlichen Beflaggung erklärt.

Wer war denn Mikael Agricola? Den genauen Geburtstag oder das Geburtsjahr kennt man nicht, ebenso weiß man nicht, ob Mikaels Muttersprache Finnisch oder Schwedisch war. Er wurde ungefähr im Jahr 1510 in Pernaja, im östlichen Uusimaa geboren. Er besuchte die Schule in Wyborg, wo er dem Beruf seines Vaters entsprechend den Namen Agricola annahm. Nach den Schuljahren wurde er Bischofssekretär in Turku und von dort wurde er zum Studium an die Universität Wittenberg geschickt, wo er 1539 Magister wurde. Nach dem Studium ernannte ihn Gustav Wasa auf Grund der Empfehlungsbriefe von Martin Luther und Philip Melanchton zum Rektor der Kathedralschule in Turku. Später ernannte Gustav Wasa ihn zum Bischof von Turku. Agricola starb am 9. April in der Nähe von Wyborg, als er auf der Rückfahrt von Friedensverhandlungen in Moskau war.

Agricola gilt als Reformator Finnlands, denn er brachte die Lehre Luthers nach Finnland. Er übersetzte das Neue Testament und zahlreiche weitere religiöse Texte ins Finnische mit der Absicht, einen finnischsprachigen Gottesdienst zu ermöglichen. Schon vor dem Neuen Testament veröffentlichte Agricola im Jahr 1543 das finnischsprachige Abckiria, eine Fibel mit religiösem Inhalt. Obwohl Agricola nicht der erste war, der Finnisch schrieb, hält man das Abckiria für das Erstlingswerk der finnischsprachigen Literatur. Weil die finnische Sprache zu Agricolas Zeiten noch keine feste Rechtschreibung besaß, musste Agricola beim Schreiben eine Orthographie entwickeln. Das gab ihm später den Beinamen Vater der finnischen Schriftsprache.

Einem modernen Finnen, der Agricolas Sprache nicht studiert hat, fällt es oft schwer, seine Texte zu verstehen: die Sprache hat sich in 500 Jahren verändert und darüber hinaus folgt Agricolas Rechtschreibung weitgehend den orthographischen Prinzipien der germanischen Sprachen. Beispielsweise wird der für das Finnische wichtige Unterschied zwischen langen und kurzen Lauten nicht so wie heute markiert. Agricolas Texte könnten für den heutigen Finnen leichter zu verstehen sein, wenn sie ihm von einem deutschen Muttersprachler, der kein Finnisch kann, laut vorgelesen werden würden. Als Probe bietet sich das folgende Gedicht aus dem ersten Blatt des Abckiria an:

Oppe nyt wanha ia noori / joilla ombi Sydhen toori.
Jumalan keskyt / ia mielen / iotca taidhat Somen kielen.
Laki / se Sielun Hirmutta / mutt Cristus sen taas lodhutta.
Lue sijs hyue lapsi teste / Alcu oppi ilman este.
Nijte muista Elemes aina / nin Jesus sinun Armons laina.

Nach Agricola war die Entwicklung der finnischen Sprache sehr langsam, im 18. Jahrhundert sogar rückgängig, bis im 19. Jahrhundert mit der nationalromantischen Ideologie der Bedarf entstand, die finnische Sprache zu entwickeln und zu erneuern. Am 9. April, genau 245 Jahre nach Agricolas Tod wurde in Sammatti Elias Lönnrot geboren, der unter anderem das Kalewala verfasste, ein Wörterbuch schrieb, die finnische Schriftsprache auf Agricolas Grundlage mit vielen neuen Wörtern weiterentwickelte und der für sein umfangreiches Lebenswerk den verdienten Beinamen Reformator der finnischen Sprache trägt.

Quellen:

Lehikoinen, Laila/Kiuru, Silva: Kirjasuomen kehitys. Helsinki, 1989.

https://kansallisbiografia.fi/kansallisbiografia/henkilo/14

 

 

Tag der ungarischen Kultur

Seit 1989 wird am 22. Januar, am Geburtstag der ungarischen Nationalhymne, der Tag der ungarischen Kultur gefeiert: Ferenc Kölcsey (1790-1838), einer der wichtigsten Lyriker, Literaturkritiker und Politiker seiner Zeit, schrieb sein Gedicht Hymne. Aus den stürmischen Jahrhunderten des ungarischen Volks am 22. Januar 1823 zu Ende. Das Gedicht wurde 1829 veröffentlicht. 

Um die Hymne zu vertonen, ließ der Direktor des Ungarischen Nationaltheaters 1844 einen Wettbewerb durchführen. Der Opernkomponist Ferenc Erkel (1810-1893) verfasste die passende Musik zum Gedicht und gewann die Preisausschreibung. Zum ersten Mal wurde das Werk im Juli desselben Jahres präsentiert. Von den acht Strophen der Hymne wird nur die erste gesungen und dient bis heute als ungarische Nationalhymne. Allerdings ist sie mit dem Tonumfang von über einer Oktave recht schwer zu singen.

Der Text enthält ein Gebet an Gott, den Ungarn beizustehen und ihm eine glücklichere Zukunft zu schenken, “Denn es büsste hart genug Schuld für alle Zeiten” (Übersetzung von Annemarie Boestrom). Der zentrale Gedanke von Schuld und Sühne geht auf eines der ältesten Topoi der ungarischen Literaturgeschichte zurück: die Querela Hungariae, die Beweinung Ungarns. Die ungarische Geschichte als Strafe Gottes ist ebenfalls ein wichtiges, immer wiederkehrendes Thema der ungarischen Literatur.

Während des Aufstandes von 1848/1849 verbreitete sich das Lied schnell, doch den offiziellen Status einer Nationalhymne erhielt es erst später. Obwohl das Königreich Ungarn ein Vielvölkerstaat war und Ungarn auch im 20. Jahrhundert kein homogener Nationalstaat wurde, existiert nur eine ungarische Fassung des Textes.

Zum ersten Mal wurde die Hymne 1989 in der Verfassung erwähnt. Sie gehört zu den wichtigsten Symbnolen Ungarns und wird traditionell bei offiziellen Anlässen und auch bei Ereignissen wie Gottesdiensten und Neujahrsfeiern gesungen. Sie wird am Silvesterabend um Mitternacht im Ungarischen Fernsehen und im Radio gespielt. Wenn sie erklingt, singen die Ungarn mit oder hören sich die Hymne stehend mit dem Sektglas in der Hand an, ehe sie auf das neue Jahr anstoßen.

Quelle: http://www.nemzetijelkepek.hu/himnusz.shtml

Bildquelle: Wikipedia

Suomi 100

Finnland feiert am 6. Dezember 2017 seine hundertjährige Unabhängigkeit. Das Kolosseum in Rom, die Niagarafälle, das Wiener Riesenrad, Cristo Redentor in Rio de Janeiro und viele andere Sehenswürdigkeiten überall auf der Welt werden blau-weiß beleuchtet. Artek, Arabia, Marimekko, Fiskars, Fazer und andere finnische Marken verkaufen massenweise ihre meistens blau-weißen Suomi-100-Produkte. Zahlreiche Facebook-Profilbilder bekommen einen Suomi-100-Rahmen. Als Höhepunkt des Jubiläumsjahres mit über 5000 Suomi-100-Projekten sitzen die Finnen zu Hause vor dem Fernseher und schauen sich die Prominenz bei dem Empfang des Staatspräsidenten an. Über das schönste Abendkleid wird mit Hilfe einer mobilen App abgestimmt.

Was passierte eigentlich vor hundert Jahren?

In Europa herrschen Krieg, Hungersnot und Krankheiten. In Amerika arbeitet Donald Trumps Großvater als Barbier auf Manhattan, nachdem er mit Bordellen in Klondyke reich geworden ist. Finnland ist ein autonomes Großfürstentum, das seinen Großfürsten, den russischen Zaren durch die Februarrevolution verloren hat.

Die politische Situation in Finnland ist chaotisch und die Nation weitgehend zweigeteilt: die Bürgerlichen, die für ein unabhängiges Finnland sind, und die Sozialdemokraten, die von Lenin als Staatsoberhaupt des sozialistischen Finnlands träumen. Russische Befestigungsarbeiten sind eingestellt worden und ein Schiff, das lebenswichtiges Importgetreide bringen sollte, ist ausgefallen – Armut und Hunger erhitzen die Gemüter. Am 4. Dezember legt der bürgerliche Senat dem Parlament eine Unabhängigkeitserklärung vor. Zwei Tage später, am 6. Dezember verabschiedet das Parlament sie mit 100 zu 88 Stimmen und bevollmächtigt den Senat, die Anerkennung der Unabhängigkeit anzustreben. Am nächsten Tag berichtet Helsingin Sanomat in gerade mal zwei Spalten auf der Seite 4 über den Ablauf und das Ergebnis der Abstimmung. Keine große Sache. Am Silvesterabend erkennt das bolschewistische Russland die Unabhängigkeit Finnlands an. Bereits 1918 wird der 6. Dezember in kleineren Kreisen als Unabhängigkeitstag gefeiert.

In diesem Sinne: Hyvää itsenäisyyspäivää, satavuotias Suomi! 

Quellen
Ilkka Malmberg: 1917 – samaan aikaan toisaalla.
Helsingin Sanomat vom 7.12.1917

Bildquellen
Titelbild: Suomi100/Suvi-Tuuli Kankaanpää. Suomen lippu saarella. http://kuvapankki.valtioneuvosto.fi/suomi100
Suomi100-Logo: http://suomifinland100.fi/media

Die finnische Minderheit in Schweden

Vielen ist bekannt, dass das Schwedische in Finnland die zweite Amtssprache ist. Dass es jedoch in Schweden eine finnische Minorität gibt, wissen außerhalb von Schweden und Finnland die wenigsten Menschen.

Das Finnische hat seit dem Jahr 2000 den Status einer offiziell anerkannten Minderheitensprache in Schweden, auch wenn sich die Statistiken im Hinblick darauf unterscheiden, wie viele Menschen dieser Minderheit wirklich angehören. Die Zahlen variieren zwischen 70 000 und 450 000 Menschen, je nachdem wie eng die Kriterien gefasst werden. Geschätzt wird, dass es in ganz Schweden etwa 200 000 Menschen gibt, deren Muttersprache Finnisch ist. Auch hier variieren die Annahmen.

Im Laufe der Zeit gab es verschiedene Einwanderungswellen von Finnland nach Schweden. Bereits zu Zeiten Gustav Vasas wurden finnische Arbeitskräfte in Schweden gebraucht; es gab die Kriegskinder, die von ihren Eltern während des zweiten Weltkriegs nach Schweden geschickt wurden, aber auch die Einwanderungswelle, die in den 1960ern begann und lange Zeit nicht abriss. Schätzungsweise rund 40 000 Menschen wanderten Ende der 1960er und Anfang der 1970er jährlich aus Finnland nach Schweden aus, um dort Arbeit zu finden und nur ein Teil kehrte irgendwann wieder in seine Heimat zurück. Für die in Schweden gebliebenen Finnen war das Leben nicht immer leicht. Repression und Diskriminierung waren an der Tagesordnung, die Frage nach der eigenen Identität nur schwer zu beantworten. Dies galt für die Elterngeneration wie die Generation ihrer Kinder gleichermaßen.

Die Situation hat sich in der heutigen Zeit gebessert: es gibt besonders geförderte Unterrichtsstunden für Kinder in ihrer Muttersprache, die Diskriminierung hat nachgelassen und Autoren, Musiker und Filmschaffende beschäftigen sich intensiver mit der Frage nach der schwedenfinnischen Identität. Doch wie sieht die Situation für die Finnen in Schweden heute wirklich aus? Welche Erfahrungen machen Angehörige dieser Minderheit und wie gehen sie damit um? Antworten auf diese und viele weitere Fragen sollen im Rahmen der Lesung mit Kristian Borg am kommenden Donnerstag, den 16.11.2017, um 18.15 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Zentrum, Raum 1.601, gegeben werden. Borg wird aus der Artikelsammlung Finnjävlar ‘Scheißfinnen’ lesen und über seine persönlichen Erfahrungen als Schwedenfinne sprechen. Borg ist Chefredakteur der Zeitung Stockholms fria Tidning und Verleger beim Verbal förlag. Er lebt in Stockholm, wo er 1975 geboren ist. Seine Eltern haben sich auf der Finnlandfähre getroffen und haben u. a. in der Reinigungs- und Restaurantbranche gearbeitet.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Tervetuloa & välkomna!

Quellen:
Borg, Kristian (Hrsg.). 2016. Finnjävlar. Verbal förlaget. Stockholm.
Parkvall, Mikael. 2009. Sveriges språk – vem talar vad och var? Rapporter från Institutionen för lingvistik vid Stockholms Universitet. Stockholm.
Bild: pixabay.de

Aleksis Kivi und der Tag der finnischen Literatur

Am 10. Oktober werden überall in Finnland die Fahnen hochgehisst. Es ist der Geburtstag von Aleksis Kivi.

Aleksis Kivi war der Schriftstellername von Alexis Stenvall, der 1834 als Sohn eines Dorfschneiders in Nurmijärvi geboren wurde. Die Familie war finnischsprachig und arm, aber Alexis schaffte seinen Weg durch das damals schwedischsprachige Bildungssystem und machte das Abitur mit 23 Jahren. Danach beschloss er, finnischsprachiger Schriftsteller zu werden und war also der Erste, der das Schreiben von Literatur auf Finnisch zum Beruf machte. Reich wurde er mit seiner Berufswahl allerdings nicht; er lebte in erster Linie von der Unterstützung guter Freunde. Die Bücher verkauften sich nicht, weil die gebildete Bevölkerung schwedischsprachig war. Das Finnisch sprechende, einfache Volk las keine Bücher.

Seine Schaffensphase dauerte etwa 10 Jahre an. In der Zeit schrieb er unter anderem 15 Dramen, von denen nur eins, Lea, zu seinen Lebzeiten die Premiere hatte, und den ersten finnischsprachigen Roman, Die sieben Brüder, der 1870 veröffentlicht und gleich derart vernichtend von dem damaligen Professor für Finnisch August Ahlqvist kritisiert wurde, dass der Verlag ihn wieder aus dem Markt zog. Kivis Sprache und Ausdruck wurden aber auch gelobt und er erhielt mehrere Literaturpreise für seine Texte.

Aleksis Kivis Leben war geprägt von Geldmangel, Schulden, Krankheiten und Alkoholismus. 1871 verschlechterte sich sein Zustand und er wurde in die Psychiatrie eingeliefert. Dort wurde ihm „chronische Melancholie“ diagnostiziert, die unerfolgreich mit u.a. Chinin und Morphin behandelt wurde. Er wurde entlassen und lebte seine letzten Monate bei seinem Bruder, der dafür ein paar Säcke Getreide bekam. Er starb mit 38 Jahren an Silvester 1872. Über die Todesursache wird heute noch spekuliert.

Auf Grund seiner Pionierarbeit, der Dramen, die heute noch aufgeführt werden, und des ersten auf Finnisch geschriebenen Romans wird Aleksis Kivi als Nationalschriftsteller Finnlands betrachtet. Die sieben Brüder gilt heute als ein Grundstein der finnischen Literatur, der in über 30 Sprachen übersetzt worden ist. In den Charakteren der Brüder finden auch die modernen Finnen sich und ihre Wurzeln wieder. Er verband Realismus mit Humor und entwickelte so einen Stil, der auch heute noch in der finnischen Literatur sehr beliebt ist.

Deshalb wird sein Geburtstag als Tag der finnischen Literatur gefeiert.

 

Quelle: Kansallisbiografia.fi

10. Deutsche Mölkkymeisterschaft

Mölkky ist ein finnisches Wurfspiel, das draußen gespielt wird. Dabei geht es darum, 12 durchnummerierte Hölzer taktisch umzuwerfen. Punkte gibt es je nach Anzahl der umgeworfenen Hölzer oder, wenn man nur eines umwirft, je nach der Nummer, die auf dem Holz steht. Gewonnen hat das Team, das als erstes auf genau 50 Punkte gekommen ist. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Hölzer dort aufgestellt werden, wo sie umgefallen sind, wodurch sie sich immer weiter verteilen.

Wenn man das liest, klingt dieses Spiel erst kompliziert, aber beim Spielen stellt man fest, dass die Regeln ganz einfach sind. Es eignet sich also gut, um zwischen Veranstaltungen in der Universität ein wenig auf andere Gedanken zu kommen und die Zeit gut mit anderen Menschen zu verbringen.

Wie bei vielen Teamspielen gibt es auch beim Mölkky eine Weltmeisterschaft. Bei der Weltmeisterschaft 2006 entstand die Idee, eine deutsche Meisterschaft im Mölkky zu veranstalten. Seit 2008 finden die Mölkkymeisterschaften jedes Jahr an einem Wochenende im Juni statt und werden immer populärer.

In diesem Jahr sind 64 Mannschaften mit Teilnehmern aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Frankreich, den USA, Brasilien und Finnland für ein Wochenende nach Erlangen gefahren, um bei den 10. Deutschen Meisterschaften dabei zu sein.

Wir von der Finnougristik Göttingen sind dieses Jahr mit zwei Mannschaften, Gölkky 1 und Gölkky 2, angetreten. Bei der Meisterschaft spielen sowohl Teams, die seit Jahren trainieren, als auch Teams, die – so wie wir – vor allem zum Vergnügen spielen.

In der Vorrunde am Samstag hat sich Gölkky 2 recht gut geschlagen, jedoch das 1/32-Finale verloren. Das Team konnte Platz 46 erreichen. Gölkky 1 hat sich im 1/32-Finale in die obere Hälfte gekämpft und erreichte am Sonntag Platz 24. Gewonnen hat Team Tuppi aus Finnland, das seit fast 40 Jahren regelmäßig gemeinsam trainiert.

Wir werden auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder mit mindestens zwei Teams bei den Deutschen Mölkkymeisterschaften teilnehmen und freuen uns schon auf ein holzreiches Wochenende.