Albert Rasin – der Wissenschaftler, der für seine Sprache starb

Aus Sorge um seine Muttersprache zündete sich der udmurtische Wissenschaftler Albert Rasin im September 2019 in Ischewsk vor dem Gebäude des udmurtischen Parlaments an. Er protestierte gegen das neue Sprachgesetz Russlands, das die Position der Minderheitensprachen schwächt.

Am 10. September versammelten sich Abgeordnete und Mitglieder der Regierung zur nächsten Sitzung des udmurtischen Parlaments. Vor dem Gebäude saß ein älterer Mann. Seine Anwesenheit war nichts Aussergewöhnliches, denn viele Menschen, die den Behörden etwas mitteilen wollen, kommen vor der Sitzung hierher, weil sie hier alle wichtigen Persönlichkeiten der Politik treffen können: Abgeordnete, Minister, die Stadt- und Bezirksleitung.

Albert Rasin hielt zwei Plakate. Auf einem stand: Habe ich noch eine Heimat? Auf dem zweiten – ein Zitat des Dichters Rassul Gamsatow: Wenn meine Sprache morgen verschwindet, bin ich bereit, heute zu sterben. Rasins Begleiter verteilte ein Schreiben über die Lage der udmurtischen Sprache. Dann schaltete er seine Videokamera ein und bat Rasin, über die Aktion zu erzählen. Auf dem Video wirft Rasin der Politik vor, nichts für die Aufrechterhaltung der udmurtischen Sprache und Kultur zu tun.

Nach einiger Zeit verließ Rasin seinen Posten, fuhr nach Hause, zog sich um und kehrte dann zurück. Er nahm ein Feuerzeug und zündete sich an. Sein Begleiter versuchte, das Feuer zu löschen, aber dem Wissenschaftler kam jede Hilfe zu spät: er erlitt schwere Verbrennungen am ganzen Körper und starb wenige Stunden später im Krankenhaus.
 
Mit seiner Selbsttötung protestierte Rasin gegen das neue Sprachengesetz Russlands, das, wie er fand, die udmurtische Sprache als Sprache zweiten Ranges behandelt. Wie viele Vertreter anderer Minderheitensprachen der Russisschen Föderation fragte er sich auch, warum Kinder in der Schule Fremdsprachen lernen müssen, die eigene Muttersprache jedoch nicht. In seinem Schreiben schlug er Maßnahmen vor, die seiner Meinung nach für das Überleben der udmurtischen Sprache und des udmurtischen Volkes notwendig sind. Er plädierte dafür, das Bildungsgesetz zu ändern und die udmurtische Sprache in den Schulen verpflichtend zu unterrichten. Er hat auch gefordert, dass in Udmurtien zweisprachige Ortstafeln und Straßenschilder angebracht werden. Die Aufrechterhaltung der udmurtischen Kultur in den Dörfern war für ihn ebenfalls eine Herzensangelegenheit.

Die Meinungen zu Albert Rasins Selbsttötung sind geteilt. Einige Politiker sprechen von geplanter Provokation und sind der Meinung, Rasin habe keinen Grund für die Tat gehabt. Es gäbe doch genug Bemühungen, die Sprache zu erhalten, Rasin habe sich aber mit modernen Lösungen und Methoden nicht identifizieren können.

Zur Stellung des Udmurtischen in der Udmurtien

Eingang des Ministeriums für Sport und Tourismus der Republik Udmurtien
© Tina Fricke

Die Republik Udmurtien hat ca. 1,5 Millionen Einwohner. Die Udmurten machen 30 % der Bevölkerung aus, 60 % der Bevölkerung sind Russen. Udmurtisch wird  hauptsächlich in den Dörfern gesprochen. Die gößeren Städte – Ischewsk, Wotkinsk und Glasow – sind russischsprachig. Schülerinnen und Schüler, die die obligatorische Zentralabiturprüfung in Russisch, die auch als Aufnahmeprüfung für die Hochschulen dient, nicht ablegen, weil sie in der Schule Udmurtisch belegten, können nicht studieren. Das ist ein Grund, warum Rasins Anliegen selbst von Gleichgesinnten nicht bedingungslos unterstützt wird. Die Bildung einer nationalen Intelligenz – egal, in welcher Sprache – ist für viele wichtiger als der Erhalt der udmurtischen Sprache und Traditionen. Viele finden, dass die Vorstellung Rasins, zu den Wurzeln der udmurtischen Kultur zurückzukehren, nicht realisierbar und nicht mehr zeitgemäß ist.

Die nationale Intelligenz bemüht sich, die udmurtische Sprache im modernen städtischen Leben zu etablieren. Viele erinnern sich noch an die Gesangsgruppe Buranowskije Babuschki, die Russland beim Eurovision Song Contest 2012 in Baku vertreten und dort den zweiten Platz belegt hat. Die Gruppe singt auch udmurtischsprachige Lieder und dient als Vorbild für Rock- und Popbands, die ebenfalls auf Udmurtisch singen. Es gibt udmurtische Bücher, Filme, Webseiten und Blogs, Designer entwerfen Kleidung nach alten udmurtischen Mustern. All diese Bemühungen konnten Albert Rasin nicht überzeugen.

Änderungen im Sprachengesetz der Russischen Föderation

Seit dem Sommer 2018 lernen Schulkinder in den Nationalrepubliken Russlands nicht mehr verpflichtend die Sprache der dortigen Titularnation. Sie, bzw. ihre Eltern müssen sich vor dem Eintritt in die erste, bzw. fünfte Klasse für eine „Muttersprache“ entscheiden. Das kann auch Russisch sein, welches ohnehin ein Pflichtfach ist. Alternativ kann eine nichtrussische Muttersprache erlernt werden. Bei einer Entscheidung für Russisch wird die Stundenzahl im Fach Russisch erhöht. Was die Sprachen der Titularnationen betrifft, ist zu befürchten, dass ethnisch russische Schülerinnen und Schüler diese viel weniger lernen werden als bisher. Weil das Prestige des Russischen unvergleichbar höher ist als das der Minderheitensprachen, besteht die Gefahr, dass sich Verterterinnen und Vertreter dieser Minderheiten ebenfalls für das Russische entscheiden werden.

Quellen:
https://www.bbc.com/russian/features-49745671
http://duma.gov.ru/news/27720
/
https://udmpravda.ru/tag/albert-razin/ 

Bilderrechte: © Tina Fricke



ZHG? KWZ? SUB? Häh?

Kommt man für ein Studium in eine fremde Stadt, so sind viele Dinge erstmal neu. Insbesondere im Studienalltag wirst du direkt zu Beginn der Vorlesungen mit einer Vielzahl an Abkürzungen konfrontiert, die du vorher noch nie gehört hast. Oder weißt du, was eine BBK ist oder was man im LSG so macht? Nein? Keine Sorge, wir schaffen mit diesem kleinen Beitrag heute Abhilfe, stellen dir die für unser Fach wichtigsten Abkürzungen vor und erklären, was dahinter steckt!

BBK – Bereichsbibliothek Kulturwissenschaften
Diese Bibliothek findest du im KWZ (s. u.) und sie beherbergt nicht nur den Bücherbestand der Finnougristik, sondern auch weiterer Kulturwissenschaften, wie zum Beispiel der Romanistik, Slavistik oder auch der Kulturanthropologie. Es gibt hier eine Vielzahl an Arbeitsplätzen, an denen man lernen oder Hausarbeiten schreiben kann, man kann die Kopiergeräte, Scanner und Computer nutzen oder auch Schließfächer mieten.

KWZ – Kulturwissenschaftliches Zentrum
Hier wirst du einen Großteil deines Finnougristikstudiums verbringen, denn nicht nur die eben vorgestellte Bibliothek findet sich in diesem Gebäude, sondern auch unser Seminar und viele Vorlesungsräume. Andere Institute findest du hier ebenfalls und, ganz wichtig, ein Café, in dem du in der Pause Kaffee, Brötchen und andere Leckereien kaufen kannst.

LSG – Lern- und Studiengebäude
Das LSG gehört zu den neueren Universitätsgebäuden und ist extra zum Lernen und für Gruppenarbeiten gedacht. Du kannst dort Räume über das elektronische Studierendenportal buchen und dort in Ruhe deine Hausarbeiten schreiben oder mit anderen Studierenden Referate erarbeiten. Da das LSG direkt neben dem ZHG (s. u.) steht, ist der Weg in die Zentralmensa gar nicht weit.

SUB – Staats- und Universitätsbibliothek
Die SUB ist die Hauptbibliothek der Universität und beherbergt eine Vielzahl an Titeln. Insbesondere in Sachen Finnougristik ist die Bibliothek gut ausgestattet, da hier lange Zeit das Sondersammelgebiet des Faches Zuhause war und es nun einen Fachinformationsdienst gibt, der eine große Bandbreite an Literatur in diesem Bereich anschafft. Neben wichtigen sprachwissenschaftlichen Werken findest du hier z. B. auch Bücher, die sich mit den einzelnen Ländern und der Kultur der Finnougrier befassen, aber genauso gibt es auch Romane und Dokumentationen auf DVD.

VG – Verfügungsgebäude
Im VG wirst du wahrscheinlich im Laufe des Studiums die ein oder andere Veranstaltung besuchen. Es liegt direkt hinter der SUB und dient vor allem Unterrichtszwecken. Neben einem Arbeitsraum findest du im Keller auch einen Ruheraum, um dich vom Lernstress entspannen zu können.

ZESS – Zentrale Einrichtung für Sprachen und Schlüsselkompetenzen
An der ZESS wird eine große Anzahl an Sprachkursen und anderen Kursen zur Erweiterung deiner Kenntnisse angeboten. Du kannst dort zum Beispiel Russisch oder Spanisch lernen oder einen Kurs zum Thema Rhetorik besuchen. Für alle Interessen ist im Programm dieser Einrichtung etwas dabei und die Kurse kannst du dir anrechnen lassen.

ZHG – Zentrales Hörsaalgebäude
Die großen Hörsäle auf dem Hauptcampus findest du im ZHG – genauso wie u. a. zwei Cafés, die Zentralmensa, den Unishop und den Glaskasten, bei dem du dir zu Studienbeginn deinen Ausweis abholen musst. Veranstaltungen unseres Faches finden selten hier statt, aber dennoch wird dich der Weg bestimmt häufig in dieses Gebäude führen.

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Wissenschaftler stirbt für die Muttersprache

Am 10. September 2019 zündete sich der 79 Jahre alte udmurtische Wissenschaftler Albert Rasin vor dem Gebäude des Udmurtischen Parlaments in Ischewsk an, um so gegen die Sprachpolitik der Russischen Föderation zu protestieren. Er hielt zwei Plakate mit den Worten Wenn morgen meine Sprache verschwindet, bin ich bereit, heute zu sterben und Habe ich noch eine Heimat? in der Hand. Neben ihm standen ein weiterer Aktivist und ein Fotograf, die das Geschehen fotografieren und in den sozialen Netzwerken verbreiten sollten. Zuvor drückten sie den Volksvertretern Flugblätter mit folgender Überschrift in die Hand: Das udmurtische Volk verschwindet. Es ist Ihre Pflicht, es zu retten. Die Sitzung wurde unterbrochen. Albert Rasin starb wenige Stunden später im Krankenhaus.

Rasin war Aktivist der udmurtischen Nationalbewegung Udmurt Keneš und gehörte zu den vierzehn Unterzeichnern des offenen Briefes vom 14. Juni 2018, in dem der Präsident und die Abgeordneten des Udmurtischen Parlaments aufgefordert wurden, das neue Sprachgesetz der Russischen Föderation nicht zu unterstützen.

Das neue Sprachgesetz schwächt deutlich den Status der Minderheitensprachen im polyethnischen Russland: früher war der Unterricht der Minoritätssprachen in den Schulen der Titularrepubliken – d.h. in den Teilrepubliken mit einer kulturell eigenständigen einheimischen Bevölkerung – Pflicht. Nun sollen sie auf freiwilliger Basis unterrichtet werden und sind nicht mehr Teil des Lehrplans. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg der Russifizierung der Minderheiten.

Warum müssen Minderheitensprachen wie das Udmurtische in den Schulen unterrichtet werden? Reicht es nicht, wenn die Kinder zu Hause mit ihren Eltern udmurtisch sprechen? Nein. Über bestimmte Themen spricht man zu Hause gar nicht. Fehlt der breite Wortschatz zu allen Themenbereichen des Lebens, müssen die Sprecher immer wieder die Sprache wechseln, bis nur noch russisch gesprochen wird.

Die eigene Sprache ist wichtig für die nationale Identifikation ethnischer Gemeinschaften und einzelner Personen. Wem seine Muttersprache genommen wird, verliert auch einen Teil seiner Identität.

Udmurtien und die Udmurten

Die Republik Udmurtien liegt im europäischen Teil Russlands, westlich des Uralgebirges. Die Hauptstadt der Republik ist Ischewsk. Die Udmurten sind ein finnisch-ugrisches Volk, das aber in seiner Heimatrepublik nur noch eine Minderheit ist. Die Amtsprachen der Republik Udmurtien sind Udmurtisch und Russisch.

2019 – Jahr der indigenen Sprachen

Um auf die Gefährdung indigener Sprachen aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen 2019 zum »Internationalen Jahr der indigenen Sprachen« erklärt. Das Jahr soll zeigen, wie wichtig der Schutz, die Wiederbelebung und Förderung dieser Sprachen für eine nachhaltige Entwicklung sind.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.

Quellen:

https://dgvn.de/meldung/2019-internationales-jahr-der-indigenen-sprachen/
https://www.hs.fi/ulkomaat/art-2000006233904.html?fbclid=IwAR1iwNzRJUTRfbNDAUmpAPGX5bkpSvjqWc2roHDRqu1KWIie-AIs-lcoNq8
https://www.idelreal.org/a/30156700.html?fbclid=IwAR069IX1qKx-YhmWVlbUYgptouuSfa07qmQ0TWO3ZMdR_9w24CtqmPobfYg
https://www.idelreal.org/a/30156215.html?fbclid=IwAR1F1Zme8TYGQdoWTeAlzwwQQNfAgqxpT0TJ4O4HbsjyU_wMrEpE
http://izhlife.ru/incidents/89625-svidetel-sobytiy-u-gossoveta-udmurtii-v-slovah-razina-chuvstvovalos-volnenie.html
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A0%D0%B0%D0%B7%D0%B8%D0%BD,_%D0%90%D0%BB%D1%8C%D0%B1%D0%B5%D1%80%D1%82_%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87

Du studierst Finnowas?!

“Du studierst Finnowas?!”

So oder so ähnlich lautet meist die erste Frage, die man beantworten muss, wenn man als Studierender der Finnougristik anderen Menschen von seinem Studienfach erzählt. Die wenigsten können mit dem Begriff etwas anfangen und sind meist sehr überrascht, wenn sie hören, dass es so etwas gibt wie eine finnisch-ugrische Sprachfamilie und dass Finnisch und Ungarisch miteinander verwandt sind. Dies und noch weitaus mehr lernt man, wenn man sich für ein Studium der Finnougristik (oder auch: Finnisch-Ugrische Philologie) entscheidet.

Bei uns in Göttingen gibt es zwei wesentliche Studienbestandteile, die Sprachwissenschaft und die Sprachlehre. Man lernt also nicht nur einige der Sprachen, sondern beschäftigt sich auch damit, was diese Sprachen ausmacht und warum sie miteinander verwandt sind. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Sprachen werden analysiert und man studiert die historische Entwicklung, nur um einige Beispiele zu nennen. Natürlich gibt es in der Sprachwissenschaft noch viele weitere Bereiche, die auch für ein Studium unseres Faches eine Rolle spielen und die man im Laufe des Studiums kennenlernen wird.

Finnisch-ugrische Sprachen gibt es insgesamt 15, auf die sich ca. 22 Millionen Muttersprachler verteilen. Die bekanntesten dieser Sprachen sind Finnisch, Estnisch und Ungarisch. Finnisch und Ungarisch kann man an unserem Seminar als Schwerpunkt studieren. Aus den beiden “großen” Sprachen wählt jeder Studierende zu Anfang seine Wunschsprache als Erstsprache aus – aber keine Sorge! Auf die andere Sprache muss man keineswegs verzichten, denn man belegt während des Bachelor-Studiums auch einen Anfängerkurs in der Zweitsprache. In diesem erlernt man die wichtigsten Grundlagen und Strukturen.

Ein paar weniger bekannte Sprachen, die ebenfalls zur finnisch-ugrischen Sprachfamilie gehören, sind beispielsweise Wotisch, Ingrisch, Udmurtisch, Mordwinisch oder auch Mansi. Die Namen mögen am Anfang vielleicht noch etwas seltsam klingen, aber spätestens nach zwei Semestern sind sie etwas, was jedem leicht über die Lippen gehen wird.

Dass die Finnen in Finnland, die Esten in Estland und die Ungarn in Ungarn leben, ist natürlich keine große Überraschung, doch wo leben die Völker der anderen 12 Sprachen?
Sie verteilen sich auf ein sehr großes Gebiet, das von Skandinavien über das Baltikum bis nach Sibirien reicht. So gibt es beispielsweise die Sami in Norwegen, Schweden, Finnland und auf der Kola-Halbinsel, die Liven lebten im heutigen Lettland und die meisten finnougrischen Völker haben ihre Heimat auf russischem Staatsgebiet.

Wer sich für ein Finnougristik-Studium entscheidet, hat es also mit einer Vielzahl an interessanten Sprachen und Kulturen zu tun und lernt, wie Sprachwissenschaft funktioniert. Seiner Familie und seinen Freunden hat man immer wieder etwas Spannendes zu erzählen, denn man lernt jede Woche neue Dinge, die man vorher noch nicht über die Finnougrier und ihre Sprachen wusste.

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Was man in und um Göttingen alles machen kann…

Ein Studium zu beginnen, ist für viele der erste Schritt in ein ganz neues Leben und das Wunschfach ist oft schnell gefunden. Doch was, wenn gleich mehrere Studienorte zur Auswahl stehen? Wir wollen euch die schönen Seiten der Universitätsstadt aufzeigen und erklären, was es neben dem Studium der Finnougristik noch alles zu sehen gibt.

Göttingen hat etwa 134 000 Einwohner und auch wenn diese Zahl vermuten lässt, dass es sich um einen eher kleinen Studienort handelt, so gibt es doch vielfältige Möglichkeiten, in der Freizeit etwas zu unternehmen. Durch die große Anzahl an Studierenden, die in der Stadt leben, ist eigentlich immer etwas los.

Zunächst wären da die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ganz am Anfang steht natürlich das Gänseliesel, über das wir hier schon berichtet haben. Das Rathaus, vor dem es steht, ist auch einen kleinen Besuch wert, denn die große Rathaushalle, in der auch Veranstaltungen stattfinden, ist mit ihren Malereien sehr schön anzusehen. Wer sich besonders für Stadtgeschichte interessiert, kann hier eine Stadtführung buchen.

Das Stadtbild der Innenstadt ist geprägt von vielen Fachwerkhäusern, die häufig ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen haben. Wer die Augen offen hält, wird die vielen Gedenktafeln sehen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Dort erfährt man, welche Wissenschaftler oder anderen berühmten Personen wie lange in Göttingen verweilt haben. Wer genau aufpasst, wird auch einige Finnougrier finden und Wissenschaftler, die auch in der Finnougristik ein Begriff sind.

Wer gerne Kultur erlebt, hat gleich mehrere Optionen. Es gibt die verschiedensten Theaterhäuser (das Deutsche Theater, das Junge Theater und das universitätseigene Theater im OP, kurz ThOP), Göttingen hat ein Symphonieorchester und neben dem städtischen Museum laden auch die Sammlungen der Universität dazu ein, Exponate zu betrachten. Wer Filme mag, kommt auch auf seine Kosten, denn neben einem Kino, das Blockbuster zeigt, gibt es auch ein Kulturkino und das Unikino. Das Kulturticket, das Studierende der Universität bekommen, ermöglicht bei vielen Veranstaltungen einen vergünstigten, teilweise sogar einen kostenlosen Eintritt.

Nach so viel Kultur bekommt man natürlich Durst und wie es sich für eine Universitätsstadt gehört, gibt es eine Vielzahl an Cafés, Restaurants und Kneipen. Für jeden ist etwas dabei und es gibt die unterschiedlichsten Richtungen – von italienischem über indischem bis zu afrikanischem Essen ist alles dabei.

Auch für die Leute, die es lieber sportlich mögen, gibt es genug Spielraum, sich ordentlich auszutoben, denn neben den Sportvereinen bietet auch der Unisport ein breit gefächertes Programm. Reinklicken lohnt sich!

Wenn man ein wenig aus Göttingen herauskommen möchte, kann man viele Ausflüge in die Gegend machen. Ein Besuch auf den Gleichen ist immer schön und die Burg Plesse und die Burg Hardenberg sind auch nicht sehr weit entfernt. Die Leineauen laden zu Spaziergängen ein und in der Region gibt es viele Badeseen.

Quellen:
https://www.goettingen.de/leben/goettingen-ueberblick/stadtportrait.html
https://www.goettingen-tourismus.de/index.php
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Ostern in Ungarn

Fleisch nehmen, Frauen begießen, Ostereier verteilen

Húsvét ‚Fleisch nehmen‘ heißt in Ungarn das Fest zu Auferstehung Christi. Am Ostersonntag gehen die Gläubigen mit Körben voller Lammfleisch, Schinken, Osterbrot, Eier und Wein in die Kirche, um die Speisen dort vom Priester segnen zu lassen. Die gesegneten Speisen werden anschließend im Familienkreis verspeist. Nach der vierzigtägigen Fastenzeit bereiten auch die Nichtkatholiken ein großes Frühstücksbuffet mit Schinken, Osterbrot, Paprika, Radieschen, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Kuchen und Eiern vor. Der Schnaps darf natürlich auch nicht fehlen.

Vorher werden die Eier gefärbt und mit schönen Mustern versehen. Es wird z. B. flüssiges Wachs mit einem Gänsefederkiel auf das Ei aufgetragen, so dass es an dieser Stelle beim Färben keine Farbe annimmt.

Am Ostermontag findet das größte und spannendste weltliche Ereignis des Osterfests, das „Ostergießen“ (ung. húsvéti locsolkodás), statt. Die Frauen bleiben an diesem Tag zu Hause und warten auf die Männer, die in Gruppen von Haus zu Haus ziehen und nach den Frauen suchen, um sie dann mit einem Eimer Wasser – heutzutage eher mit Kölnischwasser oder Sodawasser – zu begießen, damit sie nicht „verwelken“. Vorher aber müssen sie ein kleines Gedicht aufsagen und die Frauen um Erlaubnis bitten.

Zöld erdőben jártam,
Kék ibolyát láttam,
El akart hervadni.
Szabad-e locsolni?

Ich ging in den grünen Wald,
Ich sah ein blaues Veilchen,
Es wollte verwelken.
Darf ich es gießen?

Zum Dank werden die Männer von den Frauen mit Schinken, Osterbrot, gekochten Eiern, Kuchen und Schnaps bewirtet und bekommen ein gefärbtes Ei geschenkt. Für Kinder gibt es Schokoladeneier oder -hasen und von den Verwandten auch etwas Geld.

Der Ursprung dieses Osterbrauchs ist nicht ganz klar. Einerseits wird er auf ein heidnisches Fruchtbarkeitsritual zurückgeführt. Das Begießen mit frischem Wasser war eine symbolische Reinigung zum Frühlingsbeginn. Anderseits war es auch ein Spiel der Geschlechter: das Mädchen, das trocken blieb, würde in diesem Jahr nicht mehr heiraten. Andere Deutungen dieser Tradition stehen mit der christlichen Taufe in Verbindung.

Osterschinken-Rezept

Den rohen Schinken gut abwaschen und für einige Stunden in reichlich kaltes Wasser legen. Dann mit viel kaltem Wasser aufsetzen, langsam zum Kochen bringen und solange köcheln lassen, bis man mit einem Messer leicht in die Schwarte stechen kann. Es empfiehlt sich, das Kochwasser mindestens einmal zu tauschen. Anschließend den Schinken im Kochwasser abkühlen lassen. Dazu Weissbrot, Meerrettich und in der Schinkenbrühe gekochte Eier servien.

Quellen:
https://www.arcanum.hu/en/online-kiadvanyok/Lexikonok-magyar-neprajzi-lexikon-71DCC/h-7297A/husveti-locsolas-72BC2/
http://debrecen.imami.hu/husvet/mi-husvet-szokasok-hagyomanyok-es-eredetuk
http://mek.oszk.hu/02100/02115/html/2-1455.html


Sieben Gründe Finnougristik zu studieren

Die Finnougristik ist ein Studienfach, das einem nicht jeden Tag begegnet. Wir wollen euch heute sieben Gründe vorstellen, warum es sich lohnt, ein solches Studium aufzunehmen!

    1. Spannende Sprachen, die nicht jeder spricht
      Wie viele Menschen kennst du, die Finnisch, Ungarisch oder gar Estnisch sprechen? Bei uns in Göttingen kann man alle drei Sprachen studieren und man lernt auch noch einige der sogenannten “kleinen Sprachen” kennen – zum Beispiel Udmurtisch, Karelisch, Livisch oder Mordwinisch. Von diesen spannenden Sprachen haben die meisten Leute noch nie etwas gehört und bei uns gehören sie zum Fachgebiet.

    2. Sehr großes Fachgebiet
      Die Sprachwissenschaft ist bei uns in Göttingen der Hauptschwerpunkt, aber die Finnougristik hat auch noch weitere Themenfelder zu bieten: In den Landeskundekursen beschäftigt man sich mit der Kultur und Geschichte der Länder. Es gibt auch Kurse zu Literatur und Folklore, sodass jeder bei uns auf sein Kosten kommt.

    3. Immer ein interessantes Gesprächsthema
      Wer sich für ein Finnougristik-Studium entscheidet, hat immer ein Gesprächsthema parat. Wenn die Verwandten auf dem nächsten Geburtstag oder die Freunde auf der nächsten Party fragen, was man so macht, hat man direkt viel zu erklären – und zu erzählen!

    4. Auslandsaufenthalte
      Bei uns hat man auch die Möglichkeit, für ein bis zwei Semester im Ausland zu studieren. Wir haben Partneruniversitäten in Estland, Finnland und Ungarn und diese Austauschprogramme können sogar mit Stipendien gefördert werden. Sie sind immer eine gute Möglichkeit, Land, Leute und Sprache direkt und vor Ort besser kennenzulernen und man knüpft viele neue Kontakte. Erst im letzten Monat haben wir hier einen Bericht zu einem Erasmusaufenthalt in Finnland veröffentlicht.
      Zusätzlich gibt es auch Sommerkurse in allen drei Ländern und teilweise bei den kleinen finnougrischen Völkern in Russland. Auch bei derartigen Kursen nehmen viele unserer Studierenden regelmäßig teil, um ihre Sprachkenntnisse vor Ort zu verbessern. Darüber kann man auf unserem Blog ebenfalls Berichte nachlesen.

    5. Andere Länder – andere Sitten
      Man lernt bei uns nicht nur fremde Sprachen, sondern auch neue Kulturen kennen. Wie ticken die Finnen? Was ist das Nationaltier der Esten und was steckt hinter den Klischees, die wir über Ungarn kennen? Aus den verschiedensten Themenfeldern ist für jeden etwas dabei: Geschichte, Literatur, Kunst, Geographie, Wirtschaft oder auch Brauchtum.

    6. Vielseitige Kenntnisse
      Bei uns erwirbt man nicht nur sprachwissenschaftliche Kenntnisse und die Fähigkeit, eine neue Fremdsprache zu sprechen. Man trainiert im Studium seine Auffassungsgabe und das Verständnis von neuen Inhalten. Man lernt, mit neuen Sprachen zu arbeiten, selbst wenn man sie bisher nicht oder nicht so gut beherrscht. Man lernt Texte zu verarbeiten, selbst zu schreiben und entwickelt seine Methodikkompetenzen.

    7. Mehr als nur Inhalte
      Ein Studium der Finnougristik bedeutet mehr als nur Inhalte zu lernen, denn es ist eine Bereicherung. Wer Interesse an besonderen Sprachen, die nicht mit Sprachen wie Englisch oder Französisch verwandt sind, und fremden Kulturen hat, ist in der Finnougristik genau richtig. Neben den Vorlesungen gehören auch gemeinsame Unternehmungen wie regelmäßige Treffen zum Mölkky zu unserem Programm. Die Studierenden besuchen zusammen die jährlich stattfindende Studierendenkonferenz IFUSCO (International Finno-Ugric Students’ Conference), die in Göttingen ihre Wurzeln hat, und organisieren gemeinsam Sommer- und Weihnachtsfeiern, sowie Veranstaltungen zu den wichtigsten Feiertagen der drei großen finnougrischen Nationen.

 

Wenn du jetzt Lust auf ein Studium bei uns bekommen hast, kannst du dich auf unserer Homepage über die genauen Inhalte informieren und dich noch bis zum 30. September direkt bei uns an der Universität einschreiben. Wir freuen uns auf dich!

 

Bildquelle: pixabay

Auslandssemester in Finnland

Im Herbstsemester 2017 war ich für vier Monate in der südwestfinnischen Stadt Turku und habe dort an der finnischsprachigen Universität studiert. Dort hatte ich die Möglichkeit, Kurse für die Finnougristik und auch mein Zweitfach Skandinavistik zu belegen, auch wenn ich schlussendlich fast ausschließlich in Finnischkursen war.

In Turku habe ich im Retrodorm gewohnt, ein Wohnheim, in dem ausschließlich Austauschstudierende untergebracht sind. Deswegen hat es ein besonderes internationales Flair. Es gab eigentlich immer jemanden, mit dem man sich unterhalten konnte, aber wenn man sich zurückziehen wollte, war das auch kein Problem. Da ich mit so vielen internationalen Studierenden zusammengewohnt habe, konnte ich dort kaum Finnisch sprechen, aber dafür hatte ich ja die Kurse in der Uni.

Dort waren auch zum größten Teil Studierende aus anderen Ländern als Finnland, aber ich habe trotzdem einiges von meinen Dozentinnen und auch von meinen Kommiliton_innen gelernt. Wenn ich nicht gerade in einem Kurs oder im Retrodorm war, habe ich viel Zeit in der Bibliothek verbracht. Die Turun yliopisto hat mehrere Bibliotheken, aber ich war meistens im Feeniks, da dort die Sprachen untergebracht sind. Die Bibliothek ist zwar etwas ungewohnt sortiert, aber dafür sehr gemütlich.

In der Freizeit waren wir häufig in einer Sauna direkt an der Ostsee oder in Cafes oder Bars, aber wir haben auch gerne Ausflüge in Städte in der Nähe oder den Nationalpark gemacht.

Während des Semesters hatten wir auch die Möglichkeit, größere Touren zu unternehmen, sodass ich mit ein paar Freund_innen nach Estland, Lappland und sogar Sankt Petersburg reisen konnte. Durch diese recht spontanen Reisen habe ich noch einmal ganz andere Erfahrungen sammeln können und Ecken gesehen, an die ich vermutlich ohne das ERASMUS-Semester nie gekommen wäre. Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt, noch mehr zu reisen, wenn nur mehr Zeit dagewesen wäre.

Im Großen und Ganzen habe ich während meines Auslandssemesters tolle Erfahrungen gemacht und nette Leute kennengelernt, zu denen ich auch jetzt nach meiner Rückkehr noch Kontakt habe. Natürlich läuft nicht immer alles so, wie es eigentlich geplant ist, aber dafür öffnen sich viele andere Türen. Daher würde ich jederzeit wieder ein oder zwei Semester ins Ausland gehen um dort zu studieren. Gerne auch wieder nach Turku!

Foto: Patrick Wachs

Mikael Agricolan ja suomen kielen päivä

(Deutsche Version s. u.)

Vuodesta 1960 alkaen on 9. huhtikuuta ollut suomalaisissa kalentereissa Mikael Agricolan päivä. Myöhemmin päivän määreeksi lisättiin vielä suomen kielen päivä ja siitä tehtiin virallinen liputuspäivä.

Kuka sitten oli Mikael Agricola? Hänen tarkkaa syntymäpäiväänsä tai edes -vuotta ei tunneta eikä myöskään tiedetä, oliko Mikaelin äidinkieli suomi vai ruotsi. Hän syntyi noin vuonna 1510 Pernajassa, itäisellä Uudellamaalla. Hän kävi koulua Viipurissa, missä hän otti isänsä ammatin mukaan nimekseen Agricola. Viipurin kouluvuosien jälkeen Agricola siirtyi Turkuun piispan sihteeriksi ja sieltä hänet lähetettiin vuonna 1536 opiskelemaan Wittenbergin yliopistoon, josta hän 1539 valmistui maisteriksi. Opintojen jälkeen Kustaa Vaasa nimesi Mikael Agricolan Martti Lutherin ja Philip Melanchtonin suosituskirjeiden perusteella Turun katedraalikoulun rehtoriksi. Myöhemmin Kustaa Vaasa nimesi Agricolan Turun hiippakunnan piispaksi. Agricola kuoli Viipurin lähellä 9. huhtikuuta vuonna 1557 ollessaan paluumatkalla rauhanneuvotteluista Moskovasta.

Agricolaa pidetään Suomen uskonpuhdistajana, sillä hän toi Lutherin opit Suomeen. Hän suomensi Uuden testamentin ja runsaasti muutakin uskonnollista kirjallisuutta tarkoituksenaan tehdä suomenkieliset jumalanpalvelusmenot mahdollisiksi. Jo ennen Uutta testamenttia Agricola julkaisi vuonna 1543 suomenkielisen Abckirian, uskonnollissisältöisen aapisen. Vaikka Agricola ei ollut ensimmäinen suomen kieltä kirjoittanut, pidetään Abckiriaa suomalaisen kirjallisuuden esikoisteoksena. Koska Agricolan aikaan suomen kielellä ei ollut vakiintunutta kirjoitusmuotoa, oli Agricolan kirjoittaessaan luotava oikeinkirjoitus. Tämä toi hänelle myöhemmin lisänimen suomen kirjakielen isä.

Asiaa opiskelemattoman nykysuomalaisen on usein vaikea ymmärtää Agricolan kirjoittamia tekstejä: kieli on 500 vuodessa muuttunut ja lisäksi Agricolan oikeinkirjoitus noudattelee pitkälti germaanisten kielten oikeinkirjoituksen periaatteita, esimerkiksi suomelle tärkeitä pitkien ja lyhyiden äänteiden eroja ei merkitä kuten nykysuomessa. Agricolan tekstit saattaisivat aueta nykysuomalaiselle paremmin, jos hän laittaisi suomea osaamattoman saksalaisen lukemaan niitä itselleen ääneen. Abckirian etulehdeltä löytyy näytteeksi seuraava runo:

Oppe nyt wanha ia noori / joilla ombi Sydhen toori.
Jumalan keskyt / ia mielen / iotca taidhat Somen kielen.
Laki / se Sielun Hirmutta / mutt Cristus sen taas lodhutta.
Lue sijs hyue lapsi teste / Alcu oppi ilman este.
Nijte muista Elemes aina / nin Jesus sinun Armons laina.
 

Agricolan jälkeen suomen kielen kehitys oli hyvin hidasta, 1700-luvulla taantuvaakin, kunnes kansallisromanttisten aatteiden myötä Suomessa 1800-luvulla heräsi tarve kehittää ja uudistaa suomen kieltä. Huhtikuun 9. päivänä tasan 245 vuotta Agricolan kuoleman jälkeen syntyi Sammatissa Elias Lönnrot, joka muun muassa kokosi Kalevalan, kirjoitti sanakirjan ja kehitti suomen kieltä Agricolan luomalta perustalta monin uudissanoin ja joka laajasta elämäntyöstään on saanut ansaitun suomen kielen uudistajan lisänimen.

Lähteet:

Lehikoinen, Laila/Kiuru, Silva: Kirjasuomen kehitys. Helsinki, 1989.

https://kansallisbiografia.fi/kansallisbiografia/henkilo/14

Mikael-Agricola-Tag und Tag der finnischen Sprache

Seit 1960 ist der 9. April in den finnischen Kalendern der Mikael-Agricola-Tag. Später wurde der Zusatz Tag der finnischen Sprache hinzugefügt und der Tag wurde zu einem offiziellen Tag der öffentlichen Beflaggung erklärt.

Wer war denn Mikael Agricola? Den genauen Geburtstag oder das Geburtsjahr kennt man nicht, ebenso weiß man nicht, ob Mikaels Muttersprache Finnisch oder Schwedisch war. Er wurde ungefähr im Jahr 1510 in Pernaja, im östlichen Uusimaa geboren. Er besuchte die Schule in Wyborg, wo er dem Beruf seines Vaters entsprechend den Namen Agricola annahm. Nach den Schuljahren wurde er Bischofssekretär in Turku und von dort wurde er zum Studium an die Universität Wittenberg geschickt, wo er 1539 Magister wurde. Nach dem Studium ernannte ihn Gustav Wasa auf Grund der Empfehlungsbriefe von Martin Luther und Philip Melanchton zum Rektor der Kathedralschule in Turku. Später ernannte Gustav Wasa ihn zum Bischof von Turku. Agricola starb am 9. April in der Nähe von Wyborg, als er auf der Rückfahrt von Friedensverhandlungen in Moskau war.

Agricola gilt als Reformator Finnlands, denn er brachte die Lehre Luthers nach Finnland. Er übersetzte das Neue Testament und zahlreiche weitere religiöse Texte ins Finnische mit der Absicht, einen finnischsprachigen Gottesdienst zu ermöglichen. Schon vor dem Neuen Testament veröffentlichte Agricola im Jahr 1543 das finnischsprachige Abckiria, eine Fibel mit religiösem Inhalt. Obwohl Agricola nicht der erste war, der Finnisch schrieb, hält man das Abckiria für das Erstlingswerk der finnischsprachigen Literatur. Weil die finnische Sprache zu Agricolas Zeiten noch keine feste Rechtschreibung besaß, musste Agricola beim Schreiben eine Orthographie entwickeln. Das gab ihm später den Beinamen Vater der finnischen Schriftsprache.

Einem modernen Finnen, der Agricolas Sprache nicht studiert hat, fällt es oft schwer, seine Texte zu verstehen: die Sprache hat sich in 500 Jahren verändert und darüber hinaus folgt Agricolas Rechtschreibung weitgehend den orthographischen Prinzipien der germanischen Sprachen. Beispielsweise wird der für das Finnische wichtige Unterschied zwischen langen und kurzen Lauten nicht so wie heute markiert. Agricolas Texte könnten für den heutigen Finnen leichter zu verstehen sein, wenn sie ihm von einem deutschen Muttersprachler, der kein Finnisch kann, laut vorgelesen werden würden. Als Probe bietet sich das folgende Gedicht aus dem ersten Blatt des Abckiria an:

Oppe nyt wanha ia noori / joilla ombi Sydhen toori.
Jumalan keskyt / ia mielen / iotca taidhat Somen kielen.
Laki / se Sielun Hirmutta / mutt Cristus sen taas lodhutta.
Lue sijs hyue lapsi teste / Alcu oppi ilman este.
Nijte muista Elemes aina / nin Jesus sinun Armons laina.

Nach Agricola war die Entwicklung der finnischen Sprache sehr langsam, im 18. Jahrhundert sogar rückgängig, bis im 19. Jahrhundert mit der nationalromantischen Ideologie der Bedarf entstand, die finnische Sprache zu entwickeln und zu erneuern. Am 9. April, genau 245 Jahre nach Agricolas Tod wurde in Sammatti Elias Lönnrot geboren, der unter anderem das Kalewala verfasste, ein Wörterbuch schrieb, die finnische Schriftsprache auf Agricolas Grundlage mit vielen neuen Wörtern weiterentwickelte und der für sein umfangreiches Lebenswerk den verdienten Beinamen Reformator der finnischen Sprache trägt.

Quellen:

Lehikoinen, Laila/Kiuru, Silva: Kirjasuomen kehitys. Helsinki, 1989.

https://kansallisbiografia.fi/kansallisbiografia/henkilo/14

 

 

Tag der ungarischen Kultur

Seit 1989 wird am 22. Januar, am Geburtstag der ungarischen Nationalhymne, der Tag der ungarischen Kultur gefeiert: Ferenc Kölcsey (1790-1838), einer der wichtigsten Lyriker, Literaturkritiker und Politiker seiner Zeit, schrieb sein Gedicht Hymne. Aus den stürmischen Jahrhunderten des ungarischen Volks am 22. Januar 1823 zu Ende. Das Gedicht wurde 1829 veröffentlicht. 

Um die Hymne zu vertonen, ließ der Direktor des Ungarischen Nationaltheaters 1844 einen Wettbewerb durchführen. Der Opernkomponist Ferenc Erkel (1810-1893) verfasste die passende Musik zum Gedicht und gewann die Preisausschreibung. Zum ersten Mal wurde das Werk im Juli desselben Jahres präsentiert. Von den acht Strophen der Hymne wird nur die erste gesungen und dient bis heute als ungarische Nationalhymne. Allerdings ist sie mit dem Tonumfang von über einer Oktave recht schwer zu singen.

Der Text enthält ein Gebet an Gott, den Ungarn beizustehen und ihm eine glücklichere Zukunft zu schenken, “Denn es büsste hart genug Schuld für alle Zeiten” (Übersetzung von Annemarie Boestrom). Der zentrale Gedanke von Schuld und Sühne geht auf eines der ältesten Topoi der ungarischen Literaturgeschichte zurück: die Querela Hungariae, die Beweinung Ungarns. Die ungarische Geschichte als Strafe Gottes ist ebenfalls ein wichtiges, immer wiederkehrendes Thema der ungarischen Literatur.

Während des Aufstandes von 1848/1849 verbreitete sich das Lied schnell, doch den offiziellen Status einer Nationalhymne erhielt es erst später. Obwohl das Königreich Ungarn ein Vielvölkerstaat war und Ungarn auch im 20. Jahrhundert kein homogener Nationalstaat wurde, existiert nur eine ungarische Fassung des Textes.

Zum ersten Mal wurde die Hymne 1989 in der Verfassung erwähnt. Sie gehört zu den wichtigsten Symbnolen Ungarns und wird traditionell bei offiziellen Anlässen und auch bei Ereignissen wie Gottesdiensten und Neujahrsfeiern gesungen. Sie wird am Silvesterabend um Mitternacht im Ungarischen Fernsehen und im Radio gespielt. Wenn sie erklingt, singen die Ungarn mit oder hören sich die Hymne stehend mit dem Sektglas in der Hand an, ehe sie auf das neue Jahr anstoßen.

Quelle: http://www.nemzetijelkepek.hu/himnusz.shtml

Bildquelle: Wikipedia