Allgemeine Saunariten

An unserem Institut gibt es nicht nur sprachwissenschaftliche Kurse. Die Studierenden befassen sich auch mit der Kultur und Folklore der finnougrischen Völker und den wesentlichen Themen der materiellen und immateriellen Kultur. In der nächsten Zeit wollen wir euch Einblicke in dieses Themengebiet geben und bringen euch daher das wohl bekannteste Kulturgut der Finnougrier näher: die Sauna.

Ursprünglich ging man nach Geschlechtern getrennt in die Sauna, was einen praktischen Hintergrund hatte: erst waren der Bauer und seine Knechte nach der Arbeit dran, später (nach dem Melken) die Bäuerin und die Mägde.

Die Sauna dauerte den ganzen Tag, da man sie reinigen musste, Holz hacken und Wasser herantragen, den Ofen bzw. die Sauna langsam aufheizte. Dann wurde der Rauch abgelassen und anschließend machte man mehrere Saunagänge. Zur Vorbereitung der Sauna gehörte auch das Binden der Birkenquaste (vihta). Zu den Quasten sind verschiedene Aberglauben überliefert, beispielsweise, dass die Birkenzweige am besten vor Mittsommer gesammelt werden müssen, um gut zu werden, und dass man keine Sumpfbirken verwenden sollte.

Die Sauna fand in der Regel samstags statt, bei Krankheit oder staubigen Arbeiten (wie Heumahd) auch an Werktagen, und die Vorbereitung der Sauna und die Durchführung der Riten ist traditionell Aufgabe der Frauen.
In der Sauna wird anständiges Benehmen gefordert: „Saunassa ollaan kuin kirkossa“, wie ein finnisches Sprichwort besagt. Das bedeutet, man soll sich benehmen wie in einer Kirche, beipielsweise nicht laut reden, nicht fluchen, lästern oder furzen.

Bis zum 2. Weltkrieg war der Saunaraum der Ort der Geburt, da Hitze und Rauch dort regelmäßig Keime abtöten und es sich somit um den hygienischsten Raum eines Hofes handelte, auch wenn der wissenschaftliche Hintergrund noch nicht klar war.

Aus der Zeit der Schwendbauern ist die Initiationssauna, ikäkylpy, bekannt. Dabei handelt es sich um die symbolische Waschung von Mädchen beim Eintritt ins heiratsfähige Alter: danach dürfen Männer ihnen den Hof machen.

Von mehreren finnougrischen Völkern ist der symbolische Saunabesuch vor der Bärenjagd bekannt, um Kräfte zu sammeln.

Weitere Aberglauben sind beispielsweise, dass man immer barfuß zur Sauna gehen sollte, solange noch kein Schnee liegt, damit man Winter nicht so friert, oder dass es Unglück bringt, wenn einem auf dem Weg zur Sauna ein Mann entgegen kommt, aber Glück, wenn einem eine Frau entgegenkommt.

Text: Marina Loch

Quellen:
Helamaa, Erkki; Pentikäinen, Juha: FInfo-Broschüre Sauna – eine finnische Nationalinstitution. Helsinki.
Sarmela, Matti. 2009: Finnisch Folklore Atlas. Helsinki.

Bildquelle: Lassi auf Unsplash

Die Sauna – Nutzung und Riten

An unserem Institut gibt es nicht nur sprachwissenschaftliche Kurse. Die Studierenden befassen sich auch mit der Kultur und Folklore der finnougrischen Völker und den wesentlichen Themen der materiellen und immateriellen Kultur. In der nächsten Zeit wollen wir euch Einblicke in dieses Themengebiet geben und bringen euch daher das wohl bekannteste Kulturgut der Finnougrier näher: die Sauna.

Die Nutzung der Sauna

Die Sauna hat die Hauptfunktion der (porentiefen) Körperreinigung sowie zahlreiche soziale, praktische und spirituelle Nebenfunktionen. Dazu zählen die rituelle Reinigung, die Unterstützung der Gesundheit – sowohl durch die Stärkung des Immunsystems als auch heilend bei Erkrankungen z. B. des Bewegungsapparates – und soziale Funktionen. In privaten wie öffentlichen Saunen kann man sich über Klassengrenzen hinweg unterhalten, persönliche und politische Gespräche führen und Abmachungen treffen.

Die Reinigung findet durch das Schwitzen und anschließende Abwaschen mit klarem Wasser statt, die Durchblutung der Haut wird durch das (gegenseitige) Massieren mit dem vihta angeregt.

Traditionell wurde die Sauna auch zum Trocknen von Malz benutzt sowie (in Võrumaa bis heute) zum Räuchern von Schinken. Diese Arbeiten können zu Zusammenkünften der Dorfjugend führen und soziale Aktionen sein.

Saunariten

Riten, also Traditionen, die nicht primär der Reinigung dienen, sondern auch spirituelle Bedeutung haben, sind bei den meisten finnougrischen Völkern bekannt. Die Überlieferungslage ist vor allem bei den Ostseefinnen sehr gut.

Man findet Saunariten namentlich erwähnt bei den Finnen, Esten (und Setu), Kareliern, Wepsen, Liven, Woten und Ingriern. Bei den Völkern auf russischem Boden ist meist unklar, ob die Traditionen finnougrischer oder russischer Herkunft sind, da sie sich stark ähneln. Dies wird dann häufig als „großrussische Saunakultur“ bezeichnet. Quellen gibt es zu Komi, Mordwinen und Mansen. Bei den Mari und Udmurten handelt es sich um eine relativ junge Kultur mit starkem russischem und christlichem Einfluss. Die Ungarn haben keine eigene Saunakultur, sondern Thermalbäder, die zuerst im 2. Jahrhundert nach Vorbild der Römer gebaut wurden und unter türkischem Einfluss im 16. Jahrhundert neu auflebten. Diese noch heute sehr beliebten Thermen haben eine soziale und eine Hygienefunktion, jedoch keine spirituelle. Ebenso sind diese Anlagen immer öffentlich, nie privat.

Zu den Sami liegen keine spezifischen Quellen vor, die werden meist in einem Atemzug mit den Finnen erwähnt.

Text: Marina Loch

Quellen:
Sarmela, Matti. 2009. Finnisch Folklore Atlas. Helsinki.
Vahros, Igor. 1966. Zur Geschichte und Folklore der Grossrussischen Sauna. Helsinki.
https://web.archive.org/web/20100608113726/http://cyberbohemia.com/Pages/russianbaniahistory.htm, zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Bildquelle: Santtu Perkiö auf Unsplash

Wie sieht eine Sauna aus?

An unserem Institut gibt es nicht nur sprachwissenschaftliche Kurse. Die Studierenden befassen sich auch mit der Kultur und Folklore der finnougrischen Völker und den wesentlichen Themen der materiellen und immateriellen Kultur. In der nächsten Zeit wollen wir euch Einblicke in dieses Themengebiet geben und bringen euch daher das wohl bekannteste Kulturgut der Finnougrier näher: die Sauna.

Ursprünglich handelte es sich bei der Sauna um ein freistehendes kleines Gebäude, das etwas abseits des viereckig konstruierten Hofes lag. Es befand sich in Wassernähe. Beides dient dem Brandschutz, letzteres hat jedoch auch den praktischen Hintergrund der einfacheren Versorgung mit Waschwasser. Diese Konstellation findet sich unter anderem in Setomaa. Das Saunahaus kann jedoch auch in das Viereck des Hofes integriert sein (weiterhin freistehend) oder eine Scheune wurde zusätzlich als Sauna genutzt. Für Setomaa liegen beispielsweise genaue Beschreibungen zum Aufbau des Saunahauses vor. Es besteht aus einem Vorraum zur Ablage von Kleidung und Handtüchern, der zusätzlich als Wärmespeicher dient, und dem eigentlichen Saunaraum. Dieser ist mit einem 30 auf 50 Zentimeter großen Glasfenster ausgestattet, kleinen Luken zum Ablassen des Rauches, dem 20 Zentimeter von der Wand abgerückten Steinofen, den Pritschen oder Bänken (fin./est. lava) sowie Waschbottichen.

Innenraum einer finnischen Sauna (Foto: privat)

Grundsätzlich werden zwei Typen der Sauna unterschieden. Erstens die Sauna mit Schornstein (est. korstnaga saun), durch den der Rauch kontinuierlich entweichen kann, und deren Ofen vom Vorraum aus erreichbar ist, sodass ein kontinuierliches Nachheizen leicht und gefahrlos möglich ist. Der zweite Typus ist die Rauchsauna (fin. savusauna/est. suitsusaun/võru savvusann) ohne Schornstein. Dabei handelt es sich um den ursprünglichen Typus. Der Ofen ist aus Stein, manchmal nur ein Steinhaufen, der beheizt wird, bis die Sauna die erwünschte Nutzungstemperatur erreicht hat. Dann wird der Rauch aus dem Gebäude abgelassen. Danach kann die Sauna genutzt, aber nicht mehr nachgeheizt werden. Bis um zweiten Weltkrieg war dies die am mesiten verbreitete Sauna. Im estnischen Regierungsbezirk Võrumaa wird sie noch heute genutzt und zählt zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. Beide Saunatypen können als eigenständiges Holzhaus, als Anbau, oder als Erdhügelsauna (est. maasaun) vorliegen.

Die Lage des Ofens im Saunaraum unterscheidet sich je nach Region. Am häufigsten befindet sich der Ofen in der Türecke mit der Öffnung zur Tür gewandt, diese Bauweise ist unter anderem bei den Kareliern, Esten, Wepsen und Woten belegt. Die archaische Position ist jene in der Hinterecke mit der Öffnung in Richtung Tür, die sich bei Mordwinen, Mari und Komi findet.

In Städten gab es statt privaten Saunen meist öffentliche, die von (männlichen) Saunameistern geleitet wurden.

Text: Marina Loch

Quellen:
Külvik, Helen. 2014. Setomaa Traditsioonilise arhitektuuri põhijooni. SA Seto Instituut. 41-45.
Vahros, Igor. 1966. Zur Geschichte und Folklore der Grossrussischen Sauna. Helsinki.
https://monistemuuseum.ee/saunalugu/saunade-ajaloost/, zuletzt aufgerufen am 12.07.2020
https://ich.unesco.org/en/RL/smoke-sauna-tradition-in-voromaa-00951, zuletzt aufgerufen am 14.07.2020

Bildquelle (Titelbild): Anne Nygård auf Unsplash

Woher kommt eigentlich die Sauna?

An unserem Institut gibt es nicht nur sprachwissenschaftliche Kurse. Die Studierenden befassen sich auch mit der Kultur und Folklore der finnougrischen Völker und den wesentlichen Themen der materiellen und immateriellen Kultur. In der nächsten Zeit wollen wir euch Einblicke in dieses Themengebiet geben und bringen euch daher das wohl bekannteste Kulturgut der Finnougrier näher: die Sauna.

Die Sauna ist in der finnougrischen Welt allgegenwärtig und global bekannt und beliebt. Die finnische Sauna und der finnische Begriff dazu sind in aller Munde.
Doch für die Finnougrier ist die Sauna nicht einfach ein Raum im Hotel oder Schwimmbad, in den man geht, um sich schwitzend und schweigend zu entspannen. Es ist ein Ort des Austauschs, kulturell und auch spirituell bedeutend. Man kennt das Bild eines Saunahäuschens am See, es wirkt gemütlich und gesellig.

In der kommenden Serie soll die folkloristische Bedeutung der Sauna bei den finnougrischen Völkern herausgestellt werden, das Vorhandensein und die Durchführung von Riten bei den einzelnen Völkern werden analysiert, Glauben und Aberglauben werden zusammengetragen sowie die Bauweise und Herkunft der Sauna erläutert.

Herkunft

Es ist davon auszugehen dass die Finnen der Sauna, wie wir sie heute kennen, zum weltweiten Siegeszug verholfen haben. Sowohl Finnen als auch Esten beanspruchen die Erfindung dieser Schwitzkultur für sich. Doch woher stammt die Sauna wirklich?

Bereits Herodot (ca. 490-420 v. Chr.) beschreibt eine Sauna bei den Skythen. Unter deren Einfluss entstand offenbar die russische banya, die namentlich 1113 erwähnt wird. Dabei handelt es sich um einen Raum oder eine Hütte mit Ofen und Bänken auf mehreren Ebenen, in der man schwitzt, sich mit Birkenquasten (russ. venik, веник, fin, vihta/vasta, est. viht) massiert und sich wäscht. Man trägt dabei häufig spezielle Kopfbedeckungen aus Filz, die der Thermoregulation dienen, wie sie auch bei den Finnougriern bekannt sind. In der banya werden ebenfalls Gespräche mit Freunden, Familie oder Politikern bzw. Geschäftsleuten geführt.

Insgesamt vermutet man aufgrund der Ähnlichkeiten die Herkunft der russischen bzw. finnougrischen Sauna am Ural. Ähnliche Institutionen finden sich jedoch auch in den römischen und türkischen Thermalbädern sowie Schwitzhütten in Japan und bei indigenen Völkern Südamerikas.

Etymologisch wurde lange Zeit eine germanische Entlehnung angenommen, da die semantische Entwicklung von stakna („Holzstapel“, „Holzhütte“) zu „Badehaus“ jedoch fraglich ist, ist man davon heute bereits abgekommen.

Text: Marina Loch

Quellen:
Häkkinen, Kaisa. 2004. Nykysuomen etymologinen sanakirja. Helsinki. 1131–1132.
Kulonen, Ulla-Maija. 2000. Suomen Sanojen Alkuperä III. Helsinki.
Vahros, Igor. 1966. Zur Geschichte und Folklore der Grossrussischen Sauna. Helsinki.
https://web.archive.org/web/20100608113726/http://cyberbohemia.com/Pages/russianbaniahistory.htm, zuletzt aufgerufen am 12.07.2020
https://monistemuuseum.ee/saunalugu/saunade-ajaloost/, zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Bildquelle: Estonian Saunas auf Unsplash

Göttingen – pieni ja ihana vaihtokohde

(Deutsche Version s. u.)

Keskeinen sijainti, ymmärrettävä murre ja mielenkiintoiset kurssit. Nämä ovat vain muutamia syistä, miksi me, Maisa ja Sanni, päädyimme vaihtoon Göttingeniin. Nykyisen tilanteen takia vaihtomme ei mennyt aivan suunnitelmien mukaan, mutta keskitymme tässä tekstissä positiiviseen. 

Me olemme kaksi saksanopiskelijaa Turun yliopistosta, jotka alkavat tänä vuonna kirjoittaa kandejaan. Opiskelimme lukuvuoden 2019/2020 Göttingenin yliopistossa saksaa ja sivussa pyörimme myös suomen kursseilla. Sanni kävi suomen Sprachpraxis-kurssilla puhumassa suomea opiskelijoille ja Maisa avusti alkeiskurssilla. Kesälukukaudella suoritimme myös yhden käännöskurssin fennougristiikan laitokselta. Opintojemme ohessa istuimme tuntikausia junissa, ihastelimme saksalaista joulumarkkinakulttuuria ja tutustuimme Göttingeniin. 

Saavuttuamme Göttingeniin kaikki tuntui hieman vieraalta ja kaupunki oli odotettua pienempi. Totuimme uusiin olosuhteisiin kuitenkin muutamassa viikossa. Asuimme molemmat opiskelija-asuntolassa parin kilometrin päässä pääkampuksesta. Asumismuoto oli meille kummallekin uusi ja eteen tuli muutamia haasteita, kuten suihkujonot ja yhteistilojen sotkuisuus. Vuosi asuntolassa toi uusia kokemuksia, joita emme ikinä tule unohtamaan. Hyviä puolia asuntola-asumisessa oli halpa vuokra, suuri opiskelijoiden yhteisö ja asuntolan omat tuutorit, jotka auttoivat arkipäiväisissä ongelmissa. Elinkustannukset olivat Saksassa huomattavasti halvemmat kuin mihin olimme Suomessa tottuneet, mikä oli positiivinen yllätys opiskelijabudjettiin.

Opintoihin Saksassa kuuluu enemmän massaluentoja ja niille valmistautumista sekä enemmän materiaalia seminaari-istunnoille. Alun kielishokin jälkeen seminaareilla ja luennoilla pystyi seuraamaan opetusta ilman suurempia ongelmia ja nopeatempoiseen opetustyyliin sopeutui hyvin. Annetut tehtävät tukivat oppimista kivasti, ja kurssit Turussa tuntuvat tämän jälkeen varmasti helpommilta. Opetushenkilökunta kuunteli hyvin vaihto-opiskelijoiden tarpeita ja auttoi tarpeen tullen. Kurssimateriaalit löytyivät pääsääntöisesti yliopiston kirjastoista, joiden käyttö vaati hieman totuttautumista. Isoin muutos Suomen kirjastoihin verrattuna oli opiskelijakortilla tai kolikolla toimivat säilytyslokerot, joihin takit ja reput oli pakko jättää.

Saksan korkeampi lukukausimaksu maksoi itsensä hyvin nopeasti takaisin, koska suurin osa vapaa-ajasta kului Ala-Saksia kierrellen ja loppuvuonna tulikin kierrettyä kymmenet joulumarkkinat. Osa matkoista oli paikallisen ESN:n järjestämiä ja loput teimme kaveriporukalla. Suosikeiksemme nousivat pieni ja hyvin saksalainen Hameln, Goslarin upeat joulumarkkinat sekä monipuolinen Hannover.  Göttingenistä oli myös loistavat kulkuyhteydet  muihin isompiin kaupunkeihin sekä Saksan naapurimaihin.

Vaikka Göttingen on kooltaan pieni, löytyi sieltä yllättävän paljon viihdettä vapaa-ajalle. Vaihtokaupunkiamme kierrellessä löytyi aina uusia ihania kahviloita, herkullisia jäätelöitä ja upeita maisemia. Varsinkin näköala Jacobi-kirkon tornista Göttingenin ylle oli mahtava. Talvilukukaudella otimme myös osaa Typisch Deutsch -workshoppiin, jossa saimme harjoittaa kielitaitoa, tutustua uuteen ympäristöömme ja tavata muita vaihto-opiskelijoita.

Koronakeväästä huolimatta meidän vaihtomme oli kokonaisuutena erittäin onnistunut ja voimme suositella Göttingeniä vaihto-tai opiskelukohteeksi kenelle tahansa. Kaupungista löytyi kaikki tarvittava, kampus oli sopivan kompakti ja opiskelijaelämä oli selvästi osa Göttingenin arkea. Kaupungista tuli hetkessä jo kuin toinen kotimme ja odotamme innolla mahdollisuutta palata.

Kiitos Göttingen ihanasta vaihtovuodesta!

Maisa ja Sanni

Göttingen – die kleine und wunderbare Stadt für einen Austausch

Die zentrale Lage, ein verstehbarer Dialekt und interessante Kurse. Diese sind nur einige der Gründe, warum wir, Maisa und Sanni, uns für einen Austausch in Göttingen entschieden haben. Aufgrund der derzeitigen Situation ist unserer Austausch allerdings nicht komplett nach dem Plan gelaufen.

Wir sind zwei Deutschstudierende aus der Universität Turku, die nächstes Semester ihre Bachelorarbeiten schreiben werden. Im Studienjahr 2019/2020 haben wir Germanistik an der Universität Göttingen studiert und daneben auch einige Finnischkurse besucht. Sanni war Sprachassistentin beim Sprachpraxiskurs, Maisa ihrerseits hat beim Anfängerkurs geholfen. Im Sommersemester haben wir auch an einem Übersetzungskurs am Finnisch-Ugrischen Seminar teilgenommen. Neben unserem Studium haben wir stundenlang in Zügen gesessen, die deutsche Weihnachtsmarktkultur bewundert und Göttingen kennengelernt.

Nach unserer Ankunft in Göttingen war alles ein bisschen fremd und die Stadt war kleiner als gedacht. An die neue Umgebung haben wir uns in nur ein paar Wochen gewöhnt. Wir haben beide in einem Studentenwohnheim nur ein paar Kilometer vom Zentralcampus gewohnt. Die Wohnform war neu für uns beide und wir haben einige kleine Schwierigkeiten getroffen, zum Beispiel die Warteschlange zum Duschen und die unordentlichen Gemeinschaftsräume. Das Jahr in dem Studentenwohnheim hat viele Erlebnisse mit sich gebracht, die wir nie vergessen werden. Die Vorteile des Wohnheimlebens waren die billige Miete, die große Gemeinschaft von Studierenden und die Tutoren des Wohnheims, die den Einwohnern bei alltäglichen Problemen geholfen haben. Die Lebenshaltungskosten in Deutschland waren beträchtlich niedriger als in Finnland, was eine positive Überraschung für unseren Studentenhaushalt war.

Zum Studium in Deutschland gehören häufiger Vorlesungen als Seminare, mehr Vorbereitung dafür und mehr Material zu den Seminaren als in Finnland. Am Anfang war es schwierig, das schnelle Sprechtempo des Lehrpersonals und die vielen wissenschaftlichen Artikel zu verstehen, aber wir haben den “Schock” schnell überstanden. Die Aufgaben, die wir bekommen haben, waren sehr hilfreich, um das theoretische Wissen zu verstehen, und wir glauben, dass uns nach unserem Austausch die Kurse in Turku leichter fallen werden. Die Dozenten haben sich unsere Sorgen gut angehört und uns Austauschstudierenden immer gut geholfen. Die Kursmaterialien fand man meistens in den Bereichsbibliotheken, deren Nutzung am Anfang für uns ein bisschen verwirrend war. Der größte Unterschied im Vergleich zu den finnischen Universitätsbibliotheken war, dass man die Jacken und Rucksäcke in die Schließfächer entweder mithilfe des Studentenausweises oder einer Münze einschließen musste.

Das Bezahlen des höheren Semesterbeitrags in Göttingen hat sich auf jeden Fall gelohnt, da wir den größten Teil unserer Freizeit mit den Zügen quer durch Niedersachsen unterwegs waren. Gegen Weihnachten haben wir sogar zehn Weihnachtsmärkte nah und fern besucht. Einige der Reisen haben wir mit dem lokalen ESN und die restlichen Ausflüge mit unserem Freundeskreis von Austauschstudierenden gemacht. Zu unseren Spitzenreitern sind das kleine und sehr stereotypisch deutsche Hameln, der wunderschöne Weihnachtsmarkt in Goslar und das vielseitige Hannover geworden. Die Reisemöglichkeiten von Göttingen aus zu den größeren Städten und zu den Nachbarländern Deutschlands waren wunderbar.

Obwohl Göttingen klein ist, hat es viele Freizeitmöglichkeiten angeboten. Als wir durch die Stadt spazieren gegangen sind, haben wir immer neue tolle Cafés, leckere Eissorten und herrliche Aussichten gefunden. Besonders der Blick aus dem Turm der Jacobikirche über die Stadt war beeindruckend. Im Wintersemester haben wir an dem Workshop “Typisch Deutsch” teilgenommen. Dort haben wir unsere Sprachkenntnisse verbessert, die neue Umgebung besser kennengelernt und einige andere Austauschstudierende aus aller Welt getroffen.

Trotz der Corona-Krise war unser Austausch an sich richtig schön gelungen und wir können Göttingen allen als Austausch- oder Studienstadt nur herzlich empfehlen. Alles, was man braucht, kann man leicht in der Stadt finden, der Campus ist schön kompakt und das Studentenleben ist ein sichtbarer Teil des Alltages. Göttingen wurde in einigen Wochen unser zweites Zuhause und wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen.

Danke Göttingen für das wunderschöne Austauschjahr! 

Maisa ja Sanni

Master Cheng in Pohjanjoki

Der Meisterkoch Cheng (Chu Pak Hong) aus Shanghai steigt mit seinem kleinen Sohn Nunjo (Lucas Hsuan) in dem finnischen Kleindorf Pohjanjoki im dünnbesiedelten Lappland aus dem Bus. Er geht in das lokale Gasthaus – viel Anderes gibt es in dem Ort auch nicht – und fragt höflich nach Fongtron. Aber niemand scheint Fongtron zu kennen. Abends, als die Wirtin Sirkka (Anna-Maija Tuokko) ihr Gasthaus schließen will, sitzt der Chinese mit seinem Sohn immer noch vor seiner Teetasse und hofft, Fongtron zu finden. Sirkka bietet Cheng und Nunjo eine Unterkunft an und versucht zusammen mit weiteren Dorfbewohnern das Fongtron-Rätsel zu lösen. Cheng landet in Sirkkas Gasthausküche und begeistert mit seinen Köstlichkeiten nicht nur die chinesischen Touristen, sondern nach Überwindung der Vorurteile auch das ganze Dorf, das bisher nur Sirkkas Kartoffelbrei und Würstchen gewohnt war. Bald spricht es sich herum, dass sein Essen nicht nur köstlich ist, sondern sogar heilsame Kräfte hat.

Der finnische Regisseur Mika Kaurismäki wollte einen positiven Film über die Begegnung der Kulturen machen. In einer Welt voller Hassrede und Populisten wollte er einen Feelgood-Film drehen, der Menschen verbindet. Das ist Mika Kaurismäki mit der Dramakomödie Master Cheng in Pohjanjoki sehr gut gelungen. Es ist ein warmherziger und ruhiger Film ohne Gewalt und überflüssige Wendungen oder Schnickschnack im Plot. Er ist langsam und baut auf die Präsenz der Schauspieler, auf Stimmung und Landschaft und auf kleine Details. Die schönen, nordfinnischen Landschaften kombiniert mit den nicht weniger schönen Köstlichkeiten der chinesischen Küche bieten einen ästhetisch perfekten Ausgangspunkt für Völkerverständigung.

Chu Pak Hong, Kari Väänänen und Mika Kaurismäki

Meister Cheng wurde 2018 in Raattama, einem kleinen Dorf in Kittilä, Lappland gedreht. Die Dreharbeiten dauerten ca. sechs Wochen, was etwa eine Woche länger ist als normalerweise. Die Filmcrew integrierte sich in die Dorfgemeinschaft, wie Cheng im Film, so dass bei den Arbeiten mehr oder weniger die gesamte Dorfbevölkerung, 120 Menschen, beteiligt war. Das Budget betrug 2,9 Millionen Euro, was etwa doppelt so viel ist, wie bei einem finnischen Durchschnittsfilm.

Mit dabei sind natürlich Kaurismäkis Vertrauensschauspieler Vesa-Matti Loiri und Kari Väänänen als alte Stammkunden. Zu hören gibt es auch Loiris Interpretation des Gedichts Lapin kesä (Sommer in Lappland) von Eino Leino, das seit den 1960ern zu den beliebtesten Liedern in Finnland gehört. Sonst ist die sehr gut zu der ruhigen Stimmung passende Filmmusik von Anssi Tikanmäki komponiert, der bereits in den 1980ern für die Musik bei Kaurismäkis frühen Werken zuständig war.

Die finnisch-chinesische Gemeinschaftsproduktion hatte ihre Premiere im September 2019 in Finnland. Auf den 61. Nordischen Filmtagen in Lübeck wurde Master Cheng mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Der deutsche Verteiler MFA+ Filmdistribution hat den Kinostart in Deutschland für den 30. Juli 2020 festgelegt.

Das Fongtron-Rätsel wird im Übrigen gelöst.

Quellen:

https://yle.fi/uutiset/3-10989464

https://yle.fi/uutiset/3-10980545

http://www.film-o-holic.com/haastattelut/mika-kaurismaki-mestari-cheng/

https://www.mfa-film.de/kino/id/master-cheng-in-pohjanjoki/

Bilder: Marianna Films Oy 2019

Von unglücklichen Männern, Typenhäusern und davon, wie “Der Pate” nach Finnland kam

All diese Dinge finden sich in Kari Hotakainens Werken. Der Schriftsteller wurde 1957 in Pori geboren und ist einer der erfolgreichsten finnischen Autoren auf dem Gebiet der Männerliteratur. Neben Romanen schreibt er Kinder- und Jugendliteratur, Biographien, Gedichte und Theaterstücke. Seine Werke wurden mitunter sogar verfilmt. Hotakainens bisher größte Erfolge waren wohl der Finlandia-Preis im Jahr 2002 und der Literaturpreis des Nordischen Rates im Jahr 2004, die er beide für den Roman Aus dem Leben eines unglücklichen Mannes (Original: Juoksuhaudantie, z. Dt. Schützengrabenstraße) bekam.

In Helsinki, wo Hotakainen seit 1986 lebt, studierte er finnische Literatur. Die Hauptstadt ist zudem meist der Spielort seiner Romane, kommen seine Figuren doch immer aus dem städtischen Millieu. Hotakainens Protagonisten sind meist männlich, ihr Leben verändert sich nach einem schicksalhaften Wendepunkt stark. Sie sind gescheiterte Existenzen, die ihren Platz in der Welt suchen, aber dabei häufig an ihre Grenzen stoßen.

In Hotakainens wohl erfolgreichstem Roman Juoksuhaudantie wird der Hauptcharakter Matti Virtanen nach einem Ausraster von seiner Frau verlassen. Er setzt sich in den Kopf, sie und die gemeinsame Tochter zurückzugewinnen, indem er ihr das Haus besorgt, das sie sich immer gewünscht hat: ein Typenhaus.* Die Suche nach dem perfekten Heim wird jedoch zur Besessenheit und Matti selbst merkt nicht, wie sehr er sich immer mehr von der Wirklichkeit und dem richtigen Leben entfremdet. Für ihn zählt nur noch das perfekte Haus, weil es ein Symbol für die heile Welt ist, in der die Familie wieder zusammenkommt.

Etwa 20 Jahre früher spielt Hotakainens Roman Sydänkohtauksia, eli, Kuinka tehtiin kummisetä (Lieblingsszenen) von 1999. Dieser Roman erzählt die Geschichte des arbeitslosen Familienvaters Raimo, einem begeisternten Fernsehzuschauer mit einer Vorliebe für Filme, in denen Waffengewalt an der Tagesordnung ist und nicht viel geredet wird. Er will die Gelegenheit am Schopf packen, den großen Filmgrößen ganz nah zu kommen, als der Film Der Pate plötzlich in Finnland gedreht wird. Raimo ernennt sich selbst ungefragt zum Berater der Filmcrew und stürzt damit nicht nur das Set, sondern auch sein eigenes Lebens ins Chaos.

Finden Hotakainens Romane ein versöhnliches Ende und die Protagonisten ihr Glück? Diese Beurteilung bleibt dem Leser selbst überlassen. Nur so viel sei gesagt: Der Pate wird gedreht und Matti findet das perfekte Haus. Aber zu welchem Preis?

*Typenhäuser (fi. tyyppitalo) sind Häuser, die gleich aussehen und nach einem bestimmten Muster gebaut sind. Im konkreten Fall des Charakters Matti geht es dabei um das sog. Rintamamiestalo – ein Frontkämpferhaus. Die Baupläne für diese Häuser wurden Kriegveteranen nach dem 2. Weltkrieg geschenkt. Sie waren für eine Familie ausgelegt.

Quellen:
https://www.kirjasampo.fi/fi/kulsa/kauno%253Aperson_123175927844363
https://fi.wikipedia.org/wiki/Tyyppitalo#Rintamamiestalo
https://www.kirjasampo.fi/fi/kulsa/kauno%253Aateos_29882
https://www.perlentaucher.de/buch/kari-hotakainen/lieblingsszenen.html

Bildquelle: Photo by Timothy Eberly on Unsplash

Schrill, bunt, auffällig – Rosa Liksom

Die finnische Künstlerin Rosa Liksom wurde am 07.01.1958 in Ylitornio im Norden Finnlands unter dem Namen Anni Ylävaara geboren. Sie ist nicht nur als Autorin tätig, sondern auch als Regisseurin, Malerin oder Fotografin. Liksoms Repertoire ist vielseitig – genauso wie ihre Literatur: Sie schreibt Kurzgeschichten und Dramen, Kinderbücher, Comics und Romane. 1985 debütierte sie mit Kurzgeschichten. Ihr erster Roman, Crazeland (Original: Kreisland), erschien in Finnland 1996, auf Deutsch nur drei Jahre später. Ihre Werke sind in eine Vielzahl von Sprachen übersetzt worden und werden in ihrem Heimatland regelmäßig zu Bestsellern. Für ihren Roman Abteil Nr. 6 (Original: Hytti nro 6) wurde sie 2011 mit Finnlands wichtigstem Buchpreis ausgezeichnet – dem Finlandia-Preis.

Liksom studierte unter anderem Anthropologie in Helsinki, Kopenhagen und Moskau, lebte auch in Amerika. Ihre Texte schreibt sie auf Finnisch und Meänkieli und die Themen variieren. Mal schreibt sie über das Leben in der Stadt oder die Einsamkeit auf dem Land, mal über die Suche nach sich selbst. So auch in ihrem Roman Abteil Nr. 6, in dem eine junge finnische Frau eine Reise mit dem Zug durch ganz Russland bis in die Mongolei unternimmt und hofft, dort Abstand von ihrem jetzigen Leben zu gewinnen. Dabei lernt sie nicht nur ihren Reisegefährten, einen russischen Mann mittleren Alters, kennen, sondern erfährt auch, wie vielschichtig die russische Seele ist.

In der Rede zur Preisverleihung des Finlandie-Preises heißt es:

Hytti nro 6 on äärettömin tiivis, runollinen ja monikerroksinen kuvaus junamatkasta läpi Venäjän. […] Tytön sisäinen kaaos rinnastuu hajoavaan maisemaan, hajoavaan kulttuuriin, hajoavaan Neuvostoliittoon.

Abteil Nr. 6 ist eine grenzenlos dichte, lyrische und vielschichtige Beschreibung einer Zugreise durch Russland. […] Das innere Chaos des Mädchens wird gleichgesetzt mit der sich auflösenden Landschaft, der zerbrechenden Kultur, der zerfallenden Sowjetunion.

Pekka Milonoff, Theaterregisseur
https://kirjasaatio.fi/files/output/5965/kaunokirjallisuuden-finlandia-vanhat-puheet-ja-perustelut.pdf

Im Februar 2020 gewann Liksom den Nordic Prize der Schwedischen Akademie. Liksoms aktueller Roman, Die Frau des Obersts (Original: Everstinna) von 2017, thematisiert Liebe und Ideologie zur Zeit des zweiten Weltkriegs in Nordfinnland.

Quellen:
https://www.kirjasampo.fi/fi/kulsa/kauno%253Aperson_123272667043852
http://www.rosaliksom.com/
https://www.svenskaakademien.se/en/press/the-swedish-academys-nordic-prize-for-2020
https://finnland-institut.de/events/rosa-liksom-felleshus
Liksom, Rosa. 2013. Abteil Nr. 6. München. Deutsche Verlags-Anstalt.

Bildquelle: Photo by Alexander Popov on Unsplash

Minna Canth

Minna Canth ist die wichtigste Autorin des finnischen Realismus. Sie wurde am 19. März 1844 in Tampere unter dem Namen Ulrika Wilhelmina Johnsson geboren. Sie war eine finnische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin und setze sich stets für die Rechte der Frau und gegen die sozialen Ungleichheiten ein. Aufgrund ihres sozialen Engagements wird ihr zu Ehren jedes Jahr an ihrem Geburtstag in ganz Finnland die finnische Flagge gehisst und somit war sie die erste Frau in Finnland mit einem eigenen Flaggentag.

Minna Canth kam aus einem einfachen Elternhaus. Sowohl ihr Vater Gustav William, als auch ihre Mutter Lovisa Ulrika Johnsson waren Finnlandschweden. Sie sprach also Finnisch und Schwedisch und lernte auch Französisch.

Minna Canth hatte das Glück, eine gute schulische Ausbildung genießen zu können und besuchte ab dem Jahre 1863 das Lehrerseminar in Jyväskylä. Selbstverständlich war dieses Studium nicht, denn das Seminar war das erste, welches auch Frauen zum Studium zuließ.

Ihr Studium gab Canth ein paar Jahre später auf, da sie eine Familie mit ihrem acht Jahre älteren Naturkundelehrer Johan Ferdinand Canth gründete. Das Paar bekam sieben Kinder.

Sie war eine von wenigen Frauen, welche Selbstvertrauen entwickelten und ihre Meinung frei äußerten und vertraten. Ihr Mann war bei der Zeitung Keski-Suomi angestellt und konnte dort die Artikel seiner Frau veröffentlichen, welche zu Beginn vor allem Alkoholmissbrauch thematisierten.

So wurde sie die erste finnische Journalistin, die immer mehr Kurzgeschichten verfasste und Artikel in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte.

Nicht nur der Journalismus und das Verfassen von Geschichten und Artikeln lagen ihr, sondern auch das Schreiben von Theaterstücken. Auch in diesem Bereich hatte sie viel Erfolg und wurde 1882 für ihr erstes Stück Murtovarkaus (Der Einbruch, 1878) mit dem Preis der Finnischen Literaturgesellschaft (Suomalainen Kirjallisuuden Seura) belohnt. Im Stück Työmiehen vaimo (Die Frau des Arbeiters, 1885) schildert sie, wie eine Frau ihr gesamtes Vermögen verliert, weil der alkoholabhängige Ehemann es binnen kurzem vertrinkt.

Mehrere ihrer Werke waren zeitweise verboten. Mit der Kritik der Gesellschaft lernte sie aber umzugehen und vertrat weiterhin ihre Meinung und setzte sich weiterhin für die Frauenrechte ein. Ihren Werken ist es zu verdanken, dass Finnland im Jahre 1907 als erstes europäisches Land das Frauenwahlrecht einführte.

Quellen:

https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/minna-canth/

Laitinen, Kai 1991: Suomen kirjallisuuden historia. Otava, Helsinki. 218-222.

Bild: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7826155

Text: Caroline Sophie Heimrich, OHG Göttingen, Praktikantin

Karkauspäivä – eine Tradition für etwas andere Heiratsanträge

Am 29. Februar findet der Schalttag statt. Die eigentliche Funktion dieses Tages besteht nur daraus, den Kalender mit der Erdrotation um die Sonne, und somit auch den Jahreszeiten, im Gleichgewicht zu halten. Aber in Finnland gibt es eine eher ungewöhnliche Tradition. Denn in Finnland wird es gefeiert, dass am 29. Februar die Frauen den Männern Heiratsanträge machen und nicht umgekehrt.

Nach dem früheren Kalender war der Schalttag am 24. Februar, aber seit der Kalenderreform liegt er auf dem 29.02. In Finnland blieb der Tag dieser Tradition allerdings bis 1998 trotzdem der 24.02. Zum ersten Mal am 29.02. gefeiert wurde der Tag also im Jahr 2000 und danach natürlich alle vier Jahre.

Obwohl es früher eher ungewöhnlich war, dass die Frau den Heiratsantrag machte, gibt es diese Tradition schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Laut dieser Tradition muss der Mann, wenn er den Heiratsantrag nicht annimmt, der Frau Stoff für einen Rock oder ein Kleid kaufen. Diese Tradition ist aber keineswegs veraltet, in Finnland gibt es sogar Veranstaltungen, bei denen Anträge gemacht werden können und man kann dafür sogar Preise gewinnen. So zum Beispiel auch in der finnischen Gemeinde Lapinjärvi. Dort bekommt man zum Beispiel wenn man einen Heiratsantrag macht und ein Jahr später verheiratet ist, ein Grundstück zum halben Preis.

Quelle:

https://yle.fi/uutiset/osasto/news/finnish_winter_runs_away_on_leap_day/5298929

https://yle.fi/aihe/artikkeli/2012/02/28/karkauspaivana-nainenkin-saa-kosia

Bildquelle:

https://pixabay.com/de/photos/bl%C3%BCte-blumenstrau%C3%9F-braut-zeremonie-1836315/

Chiara Stephan, HG Göttingen, Praktikantin