Kalevala

Am Anfang war das offene Meer, im Meer eine Frau — die Tochter der Lüfte — und auf ihrem Knie ein Taucherentenei, das ins Wasser herrunterrollt. Daraus entsteht die Welt.

Mit dieser Schöpfungsgeschichte beginnt das Kalevala, das finnische Nationalepos. Im Kalevala abenteuern der weise Väinämöinen, der tapfere Joukahainen, die eigensinnige Aino, der liebe Lemminkäinen, die entzückende Kyllikki, der fleißige Ilmarinen, die listige Louhi und viele andere mehr. Sie kämpfen, verlieben sich, schmieden Ränke, nehmen Rache und sterben. Und erwachen gelegentlich von den Toten. Dann gibt es noch das Wundergerät Sampo, das Reichtümer ausspuckt und um das gekämpft wird.

Das Kalevala erschien 1835, als Finnland noch ein Teil Russlands war. Es erhöhte das nationale Selbstbewusstsein der Finnen und stärkte den Glauben an die eigene Sprache und Kultur. Es wurde von Elias Lönnrot zusammengestellt, der in Finnland, Karelien und Estland herumreiste, sich alte Sänger anhörte und die Lieder aufschrieb. Einiges dichtete er auch selber dazu.

Das Kalevala besteht insgesamt aus 50 Liedern und über 20 000 Versen. In der Zeit, wo Finnisch noch nicht geschrieben wurde, wurden die Geschichten mündlich als Lieder von Generation zu Generation überliefert. Deswegen beinhaltet das Kalevala auch nicht die Buchstaben B, C, D, F, Q, W, X, Z und Å, denn sie kamen erst später ins Finnische. Als Gedächtnisstützen dienten das Kalevala-Versmaß, Alliterationen und die ständige Wiederholung:

Das Kalevala ist bis heute eine wichtige Inspirationsquelle für viele Musiker: Sibelius, Viikate, Värttinä, Kotiteollisuus, Amorphis… Kein Wunder, denn der alte Väinämöinen ist so ein talentierter Kantelespieler, dass selbst die härtesten Kerle bei seinem Gespiele zu Tränen gerührt werden. Kantele? Ja, die Kantele ist das finnische Nationalinstrument und im Kalevala das Symbol für schöpferische Kraft und Kultur.

Das Kalevala ist das meist übersetzte finnische Buch. Man kann es in über 60 Sprachen lesen: Deutsch, Plattdeutsch, Latein, Tamil, Suaheli usw.

Am 28. Februar, an dem Elias Lönnrot die erste Ausgabe des Kalevala unterschrieb, hisst man in Finnland die Fahnen und feiert den Tag des Kalevala und die finnische Kultur.

Quelle: https://areena.yle.fi/1-3329271

Aleksis Kivi und der Tag der finnischen Literatur

Am 10. Oktober werden überall in Finnland die Fahnen hochgehisst. Es ist der Geburtstag von Aleksis Kivi.

Aleksis Kivi war der Schriftstellername von Alexis Stenvall, der 1834 als Sohn eines Dorfschneiders in Nurmijärvi geboren wurde. Die Familie war finnischsprachig und arm, aber Alexis schaffte seinen Weg durch das damals schwedischsprachige Bildungssystem und machte das Abitur mit 23 Jahren. Danach beschloss er, finnischsprachiger Schriftsteller zu werden und war also der Erste, der das Schreiben von Literatur auf Finnisch zum Beruf machte. Reich wurde er mit seiner Berufswahl allerdings nicht; er lebte in erster Linie von der Unterstützung guter Freunde. Die Bücher verkauften sich nicht, weil die gebildete Bevölkerung schwedischsprachig war. Das Finnisch sprechende, einfache Volk las keine Bücher.

Seine Schaffensphase dauerte etwa 10 Jahre an. In der Zeit schrieb er unter anderem 15 Dramen, von denen nur eins, Lea, zu seinen Lebzeiten die Premiere hatte, und den ersten finnischsprachigen Roman, Die sieben Brüder, der 1870 veröffentlicht und gleich derart vernichtend von dem damaligen Professor für Finnisch August Ahlqvist kritisiert wurde, dass der Verlag ihn wieder aus dem Markt zog. Kivis Sprache und Ausdruck wurden aber auch gelobt und er erhielt mehrere Literaturpreise für seine Texte.

Aleksis Kivis Leben war geprägt von Geldmangel, Schulden, Krankheiten und Alkoholismus. 1871 verschlechterte sich sein Zustand und er wurde in die Psychiatrie eingeliefert. Dort wurde ihm „chronische Melancholie“ diagnostiziert, die unerfolgreich mit u.a. Chinin und Morphin behandelt wurde. Er wurde entlassen und lebte seine letzten Monate bei seinem Bruder, der dafür ein paar Säcke Getreide bekam. Er starb mit 38 Jahren an Silvester 1872. Über die Todesursache wird heute noch spekuliert.

Auf Grund seiner Pionierarbeit, der Dramen, die heute noch aufgeführt werden, und des ersten auf Finnisch geschriebenen Romans wird Aleksis Kivi als Nationalschriftsteller Finnlands betrachtet. Die sieben Brüder gilt heute als ein Grundstein der finnischen Literatur, der in über 30 Sprachen übersetzt worden ist. In den Charakteren der Brüder finden auch die modernen Finnen sich und ihre Wurzeln wieder. Er verband Realismus mit Humor und entwickelte so einen Stil, der auch heute noch in der finnischen Literatur sehr beliebt ist.

Deshalb wird sein Geburtstag als Tag der finnischen Literatur gefeiert.

 

Quelle: Kansallisbiografia.fi