Büchereien in Finnland

Lesen ist das Lieblingshobby der Finnen. Sie gehören nicht nur zu den Spitzenreitern der Welt in Lesefertigkeit, in der Anzahl der jährlichen Neuveröffentlichungen sowie in der Zahl der publizierten Zeitungen, sondern auch zu den fleißigsten Bibliotheksbesuchern. Es gibt 817 öffentliche Büchereien in Finnland, 134 davon sind mobil und fahren über 10.000 Haltestellen an. Sie sind kostenlos und werden von den Kommunen mit staatlicher Hilfe finanziert. Ihre Aufgaben wurden bereits in den 1920ern durch Gesetz geregelt. In der jungen Republik hat man kommunale Büchereien als Voraussetzung für die Erhaltung der eigenen Sprache und Kultur betrachtet, und selbst in den wirtschaftlich schwierigsten Jahren hat man auf die Gebührenfreiheit der Büchereien nicht verzichten wollen.

Das Büchereigesetz garantiert der gesamten Bevölkerung gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Kultur und Information. Dass Informationen und Wissen allen zur Verfügung stehen müssen, bildet einen der Grundsteine des nordischen Wohlfahrtsstaatsmodells. Die Büchereien haben die Aufgabe, Materialien, Informationen und Kulturinhalte zu bieten, eine vielseitige und ständig aktuelle Sammlung aufrechtzuerhalten sowie Räumlichkeiten für das Lernen, für Hobbys und Arbeiten anzubieten.

https://fi.wikipedia.org/wiki/Tiedosto:Oodi_double-helix_staircase.jpg CC-By-TuukkaH

Das alles bietet auch Oodi, die neue Zentrumsbibliothek der Stadt Helsinki, die sich Finnland zur Feier der 100-jährigen Unabhängigkeit geschenkt hat. Sie steht auf dem zentralen Platz zwischen Bahnhof, Parlamentsgebäude, Musikhaus und Finlandia-Haus. Neben Büchern und sonstigen gedruckten Materialien kann man sich Hörbücher, Filme, Musik, Noten, Computer- und Konsolenspiele, Karten, Brettspiele aber auch Werkzeug oder eine Nähmaschine ausleihen bzw. diese vor Ort alleine oder mit Freunden benutzen.

Oodi wurde am 05.12.2018 eröffnet. In den ersten Wochen war die Bibliothek so beliebt, dass man bei Wind und Wetter Schlange stehen musste, um hereinzukommen. In den ersten acht Monaten gab es bereits weit über 2 Millionen Besucher. Ende August 2019 wurde Oodi bei der internationalen Fachkonferenz des Dachverbands des Bibliothekswesens in Athen zur besten neuen öffentlichen Bibliothek gewählt.

Quellen:
https://www.stat.fi/tup/suomi90/huhtikuu.html
https://fi.wikipedia.org/wiki/Kirjasto
http://www.lukukeskus.fi/
https://finland.fi/de/leben-amp-gesellschaft/finnland-liestsich- gut/
https://www.sanomalehdet.fi/sanomalehtitieto
http://tilastot.kirjastot.fi
https://yle.fi/uutiset/3-10940050

Quelle des Titelbildes:
https://fi.wikipedia.org/wiki/Tiedosto:Oodi_July_2019_2.jpg, CC-By-Vadelmavene





Die estnischen Liederfeste

Im Juli 2019 haben sich zigtausende Esten auf dem Tallinner Liederfestplatz getroffen, um das 150-jährige Jubiläum der estnischen Liederfeste zu feiern.

Zum ersten allgemeinen Liederfest 1869 in Tartu trafen sich 51 Männerchöre und Orchester mit insgesamt 845 Teilnehmern. Der Anlass war das 50-jährige Jubiläum der Entlassung aus der Leibeigenschaft in der mittleren Ostseeprovinz Livland. Dieses große Ereignis bot in der Zeit des nationalen Erwachens eine gute Möglichkeit, Einheit zu demonstrieren. Auf dem Fest waren drei estnische Originallieder vertreten – zwei Gedichte von Lydia Koidula und das Gedicht ihres Vaters Voldemar Janssen Mu isamaa, mu õnn ja rõõm (‘Mein Vaterland, mein Glück und meine Freude‘), das sich im Laufe der Zeit zur estnischen Nationalhymne entwickelte.

Nationalgefühl wollte man auch 1988 während der Jahre der singenden Revolution demonstrieren, als sich in Tallinn über 300.000 Menschen aus dem ganzen Baltikum versammelten und die in der Sowjetzeit verbotene Nationalhymne sangen. Die Melodie war den Esten, trotz Verbotes, nicht in Vergessenheit geraten, denn die finnische Nationalhymne, die zur selben Melodie gesungen wird, wurde
vom finnischen Rundfunk jeden Abend zum Sendeschluss über die Ostsee ausgestrahlt.

Die Tradition des Liederfestes gehört heute zum wichtigen Bestandteil der estnischen Identität und ist seit 2003 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Das Thema des Liederfestes im Sommer 2019 war mit Lydia Koidulas Worten Minu arm „Mein Vaterland ist meine Liebe“.

Quellen:
Hasselblatt, Cornelius (2006): Geschichte der estnischen Literatur. Berlin/New York.
https://et.wikipedia.org/wiki/Laulupidu
http://2019.laulupidu.ee

Bildquelle:
https://et.m.wikipedia.org/wiki/Fail:Laulupidu_07072019.jpg

Finnish weird

Auf dem riesigen deutschen Buchmarkt ist der Anteil finnischer Literatur verschwindend klein – dank der Ehrengastrolle auf der Frankfurter Buchmesse 2014 allerdings zunehmend. Für die finnische Literatur ist die Bedeutung des deutschen Marktes sehr wichtig: Ins Deutsche werden jährlich fast doppelt so viele finnische Bücher übersetzt wie in die zweithäufigste Übersetzungssprache, Schwedisch. Anders als die Bücher der skandinavischen Nachbarn, gehören die aus dem Finnischen übersetzten Titel nicht überwiegend zu dem Genre nordic noir. Sie sind oft Kinder- oder Jugendbücher, oder sie zählen in letzter Zeit immer häufiger zu dem sog. Finnish weird.

Finnish weird verbindet den traditionellen finnischen Realismus mit Elementen aus der Science-Fiction- und Fantasyliteratur. Es ist magischer Realismus mit Schnee, Dunkelheit, Melancholie und ewigen Wäldern, aber auch Realfantasy oder spekulative Fiktion mit finnischer Folklore und Themen aus der Mythologie. Auf Deutsch kann man Finnish weird u. a. von Johanna Sinisalo, Emmi Itäranta, Pasi Ilmari Jääskeläinen und Seita Vuorela lesen.

Quellen:
https://yle.fi/uutiset/3-6224605
https://www.kirjasampo.fi/fi/node/2876
Bildquelle: bäume-wald-lichtstimmung-503930 by blickpixel [CC0 1.0] (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de), via Pixabay

Ostern in Ungarn

Fleisch nehmen, Frauen begießen, Ostereier verteilen

Húsvét ‚Fleisch nehmen‘ heißt in Ungarn das Fest zu Auferstehung Christi. Am Ostersonntag gehen die Gläubigen mit Körben voller Lammfleisch, Schinken, Osterbrot, Eier und Wein in die Kirche, um die Speisen dort vom Priester segnen zu lassen. Die gesegneten Speisen werden anschließend im Familienkreis verspeist. Nach der vierzigtägigen Fastenzeit bereiten auch die Nichtkatholiken ein großes Frühstücksbuffet mit Schinken, Osterbrot, Paprika, Radieschen, Tomaten, Frühlingszwiebeln, Kuchen und Eiern vor. Der Schnaps darf natürlich auch nicht fehlen.

Vorher werden die Eier gefärbt und mit schönen Mustern versehen. Es wird z. B. flüssiges Wachs mit einem Gänsefederkiel auf das Ei aufgetragen, so dass es an dieser Stelle beim Färben keine Farbe annimmt.

Am Ostermontag findet das größte und spannendste weltliche Ereignis des Osterfests, das „Ostergießen“ (ung. húsvéti locsolkodás), statt. Die Frauen bleiben an diesem Tag zu Hause und warten auf die Männer, die in Gruppen von Haus zu Haus ziehen und nach den Frauen suchen, um sie dann mit einem Eimer Wasser – heutzutage eher mit Kölnischwasser oder Sodawasser – zu begießen, damit sie nicht „verwelken“. Vorher aber müssen sie ein kleines Gedicht aufsagen und die Frauen um Erlaubnis bitten.

Zöld erdőben jártam,
Kék ibolyát láttam,
El akart hervadni.
Szabad-e locsolni?

Ich ging in den grünen Wald,
Ich sah ein blaues Veilchen,
Es wollte verwelken.
Darf ich es gießen?

Zum Dank werden die Männer von den Frauen mit Schinken, Osterbrot, gekochten Eiern, Kuchen und Schnaps bewirtet und bekommen ein gefärbtes Ei geschenkt. Für Kinder gibt es Schokoladeneier oder -hasen und von den Verwandten auch etwas Geld.

Der Ursprung dieses Osterbrauchs ist nicht ganz klar. Einerseits wird er auf ein heidnisches Fruchtbarkeitsritual zurückgeführt. Das Begießen mit frischem Wasser war eine symbolische Reinigung zum Frühlingsbeginn. Anderseits war es auch ein Spiel der Geschlechter: das Mädchen, das trocken blieb, würde in diesem Jahr nicht mehr heiraten. Andere Deutungen dieser Tradition stehen mit der christlichen Taufe in Verbindung.

Osterschinken-Rezept

Den rohen Schinken gut abwaschen und für einige Stunden in reichlich kaltes Wasser legen. Dann mit viel kaltem Wasser aufsetzen, langsam zum Kochen bringen und solange köcheln lassen, bis man mit einem Messer leicht in die Schwarte stechen kann. Es empfiehlt sich, das Kochwasser mindestens einmal zu tauschen. Anschließend den Schinken im Kochwasser abkühlen lassen. Dazu Weissbrot, Meerrettich und in der Schinkenbrühe gekochte Eier servien.

Quellen:
https://www.arcanum.hu/en/online-kiadvanyok/Lexikonok-magyar-neprajzi-lexikon-71DCC/h-7297A/husveti-locsolas-72BC2/
http://debrecen.imami.hu/husvet/mi-husvet-szokasok-hagyomanyok-es-eredetuk
http://mek.oszk.hu/02100/02115/html/2-1455.html


Busójárás in Mohács

Jedes Jahr in der Faschingszeit findet in der südungarischen Stadt Mohács nahe der kroatischen Grenze das größte Faschingsfest Ungarns, der Umzug der Busó (ung. busójárás), statt. Seine Tradition geht auf die südslawische Bevölkerungsgruppe der Schokatzen (kroatisch šokci, ung. sokácok) zurück, die in Kroatien, Serbien, Rumänien und Ungarn beheimatet ist. Das Spektakel dauert sechs Tage und gehört seit 2009 zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Wort Busó ist südslawischer Herkunft. Die Busó sind furchterregende Männer, die zottelige Schafspelze, mit Stroh ausgestopfte Hosen und gehörnte Holzmasken tragen. Während des Festes dürfen sie tun und lassen, was sie wollen. Alles ist erlaubt. Ihre Identität decken sie niemals auf.


“Am Schweif des Faschings” (von Faschingssonntag bis Dienstag) ziehen die Busó umher, um mit Viehglocken, Knarren und Gestampfe den Winter zu vertreiben. Sie versammeln sich in Kismohács auf der anderen Seite der Donau und setzen dann mit Booten ans Festland über. Dort angekommen, ziehen sie zu Fuß und mit Pferdekutschen weiter. Begleitet werden sie von in Lumpen verkleideten Männern und Kindern (Jankele) und von Schaulustigen, die in diesen Tagen zu tausenden in die Stadt strömen. Die Busó machen Lärm, erschrecken die Menschen.

Eine Gesandtschaft aus 100 Busó zieht vor das Rathaus, wo sie vom Bürgermeister mit Schnaps und Wein bewirtet werden. Es beginnt die Herrschaft der Busó: Sie tanzen, umarmen die Frauen und scherzen mit ihnen. In der Stadt ist es laut: überall wird musiziert, Kanonen werden angezündet. Die tapfersten Busó werden von einem Pferd auf dem Teufelsrad sitzend oder stehend durch die Straßen der Stadt gezogen: das Teufelsrad ist ein Holzrad, das auf einer langen Stange waagerecht fixiert ist und während der Fahrt auf der Straße kippelt.

Abends wird ein riesiger Scheiterhaufen entzündet und von den Busó umtanzt. Ein Sarg, der den Winter symbolisiert, wird auf den Scheiterhaufen geworfen und verbrannt.

Woher kommt dieses Fest?


Es gibt zwei Theorien zur Entstehung der Busójárás. Der Legende zufolge sollen die Busó die Türken in Angst und Schrecken versetzt und vertrieben haben. Nach der Schlacht bei Mohács (1526) besetzten die Türken große Gebiete Ungarns, vertrieben oder versklavten die Einwohner. Immer mehr Ungarn versteckten sich im Sumpfgebiet an der Donau. Die Türken trauten sich nicht, dieses Gebiet zu betreten. Viele ihrer Soldaten kamen hier ums Leben. Die hier lebenden Ungarn wurden aber immer mutiger: sie konnten sich hier tagsüber frei bewegen, abends haben sie sich am Feuer gewärmt.

Eines Abends, als die Ungarn beim Feuer saßen, erschien ein alter Schokatze und sagte den Ungarn, dass sie die Hoffnung nicht verlieren sollen, denn die Befreiung werde bald kommen. Sie sollten Waffen und furchteinflößende Masken aus Holz schnitzen und solange warten, bis eine stürmische Nacht komme und mit ihr ein goldbekleideter, maskierter Reiter, um sie dann in den Kampf gegen die Osmanen zu führen.


Am nächsten Tag fingen die Menschen mit den Vorbereitungen an: sie fertigten Gewehre, Masken, Kleidung und warteten auf den Reiter.

Einmal während eines Gewitters erschien tatsächlich ein stolzer, junger Reiter und winkte, ohne ein Wort zu sagen, den Männern zu. Die Mohácser standen auf, um dem Reiter zu folgen. Die Türken, die in ihren Häusern schliefen, wurden von einem fürchterlichen Lärm geweckt und als sie zum Fenster hinausschauten, sahen sie viele maskierte Männer, die sie für Dämonen hielten. Die Osmanen ergriffen die Flucht und verließen Mohács Hals über Kopf.


Das ist zwar eine sehr interessante Geschichte, aber die zweite Theorie ist wahrscheinlicher. Der Maskenkarneval dient der Vertreibung des Winters und die Busójárás gilt als ein altes Fruchtbarkeitsritual südslawischen Ursprungs. Kroatische Siedler, die nach der Vertreibung der Türken ins Land gezogen sind, sollen die Tradition mitgebracht haben. Zum ersten Mal wurde das Fest im 18. Jh. erwähnt, seinen endgültigen Charakter entfaltete es im Lauf der Jahrhunderte im Zusammenleben von Ungarn und Südslawen. Die Gestaltung der Kostüme und Masken ist seit Jahrhunderten unverändert erhalten geblieben.


Quellen:

www.mohacs.hu/info/buschofest

www.mohacsibusojaras.hu



Kalevala

Am Anfang war das offene Meer, im Meer eine Frau — die Tochter der Lüfte — und auf ihrem Knie ein Taucherentenei, das ins Wasser herrunterrollt. Daraus entsteht die Welt.

Mit dieser Schöpfungsgeschichte beginnt das Kalevala, das finnische Nationalepos. Im Kalevala abenteuern der weise Väinämöinen, der tapfere Joukahainen, die eigensinnige Aino, der liebe Lemminkäinen, die entzückende Kyllikki, der fleißige Ilmarinen, die listige Louhi und viele andere mehr. Sie kämpfen, verlieben sich, schmieden Ränke, nehmen Rache und sterben. Und erwachen gelegentlich von den Toten. Dann gibt es noch das Wundergerät Sampo, das Reichtümer ausspuckt und um das gekämpft wird.

Das Kalevala erschien 1835, als Finnland noch ein Teil Russlands war. Es erhöhte das nationale Selbstbewusstsein der Finnen und stärkte den Glauben an die eigene Sprache und Kultur. Es wurde von Elias Lönnrot zusammengestellt, der in Finnland, Karelien und Estland herumreiste, sich alte Sänger anhörte und die Lieder aufschrieb. Einiges dichtete er auch selber dazu.

Das Kalevala besteht insgesamt aus 50 Liedern und über 20 000 Versen. In der Zeit, wo Finnisch noch nicht geschrieben wurde, wurden die Geschichten mündlich als Lieder von Generation zu Generation überliefert. Deswegen beinhaltet das Kalevala auch nicht die Buchstaben B, C, D, F, Q, W, X, Z und Å, denn sie kamen erst später ins Finnische. Als Gedächtnisstützen dienten das Kalevala-Versmaß, Alliterationen und die ständige Wiederholung:

Das Kalevala ist bis heute eine wichtige Inspirationsquelle für viele Musiker: Sibelius, Viikate, Värttinä, Kotiteollisuus, Amorphis… Kein Wunder, denn der alte Väinämöinen ist so ein talentierter Kantelespieler, dass selbst die härtesten Kerle bei seinem Gespiele zu Tränen gerührt werden. Kantele? Ja, die Kantele ist das finnische Nationalinstrument und im Kalevala das Symbol für schöpferische Kraft und Kultur.

Das Kalevala ist das meist übersetzte finnische Buch. Man kann es in über 60 Sprachen lesen: Deutsch, Plattdeutsch, Latein, Tamil, Suaheli usw.

Am 28. Februar, an dem Elias Lönnrot die erste Ausgabe des Kalevala unterschrieb, hisst man in Finnland die Fahnen und feiert den Tag des Kalevala und die finnische Kultur.

Quelle: https://areena.yle.fi/1-3329271

Der Nationalfeiertag der Samen

Der 6. Februar ist der Nationalfeiertag der Samen. An diesem Tag im Jahre 1917 kamen die Samen aus Norwegen und Schweden das erste Mal zusammen, um Lösungen für gemeinsame Probleme zu finden. Bei der 15. samischen Konferenz 1992 wurde der 6. Februar zum Nationalfeiertag bestimmt.

Die Samen (Sámi) sind das einzige indigene Volk der EU. Sie wohnen im nördlichen Fennoskandien und in Russland, in Sápmi, dem Kulturraum der Samen. Traditionell waren die Samen Nomaden und lebten von Rentierzucht, Robbenjagd und Fischerei. Die Anzahl der Samen kann nur geschätzt werden und beträgt etwa 50 000–100 000 Menschen. Die große Variation kommt dadurch zustande, dass die Definition eines Samen auf Merkmalen wie z. B. Sprache, nationale und kulturelle Identifizierung oder Ausübung der traditionellen Berufe basiert.

Bild: Ningyou/Drieakko

Samisch wird von etwa 24 000 Menschen gesprochen. Es handelt sich nicht um eine Sprache, sondern eine Gruppe von samischen Sprachen. Sie zählen zu den finnisch-ugrischen Sprachen und ihre nächsten Sprachverwandten sind die ostseefinnischen Sprachen. Die größte samische Sprache ist Nordsamisch (5), das von etwa 70%–80% der Sprecher des Samischen gesprochen wird. Weitere samische Sprachen mit bis zu 800 Sprechern sind Südsamisch (1), Lulesamisch (4), Skoltsamisch (6), Inarisamisch (7) und Kildinsamisch (8). Fast ausgestorben sind Umesamisch (2), Pitesamisch (3) und Tersamisch (9), als ausgestorben gelten Akkalasamisch und Kemisamisch.

Bild: Juanjo Marin

Zur samischen Kultur gehören eng die samischen Trachten, auf die die Samen sehr stolz sind. Häufig sind sie von Familienmitgliedern, Verwandten oder Bekannten gemacht worden und einzigartig nicht nur wegen des dekorativen Äußeren, sondern auch wegen der beinhalteten Informationen: Aus dem Anzug und seinen Teilen kann man sowohl das Geschlecht als auch die Heimat, die Familie und den Familienstand seines Trägers lesen. Die Trachten sind von großer Bedeutung und werden immer noch aktiv getragen.

Die samische Volksmusik nennt man Joik. Es handelt sich um relativ eintönigen Gesang, bei dem die Musik wichtiger ist als der Text. Traditionell hatte der Joik mehrere Funktionen im Alltag: Der Joik des Rentierhirten hat die Raubtiere von den Rentieren ferngehalten, gleichzeitig war er eine gute Erinnerungshilfe beim Denken an die Freunde oder an Ereignisse mit ihnen. In der Zeit vor der Christianisierung hat sich der Schamane mit Hilfe des Joiks und der Zaubertrommel in Ekstase versetzt. Da, wo die Joiktradition heute noch lebhaft ist, bejoiken die Menschen Orte, Plätze und Tiere aber als eine Art Guten-Tag-Gruß auch sich gegenseitig.

Wie viele Minderheiten, haben auch die Samen stark unter der Staatsgewalt der Mehrheiten leiden müssen: Bis zu den 1970ern wurde strenge Assimilationspolitik mit Internatsschulen und Wohnheimen ausgeübt, das ILO-Übereinkommen Nr. 169 der indigenen Völker wurde beispielsweise in Finnland immer noch nicht ratifiziert und die Besonderheiten der samischen Kultur, vor allem die Trachten, wurden zu Werbezwecken missbraucht.

Heute am 6. Februar empfehlen die Behörden in Norwegen, Schweden und Finnland, überall die offizielle samische Flagge mit den Farben aus den Saamitrachen und dem Bild einer Sonnen- und Mondscheibe hochzuhissen und den Nationalfeiertag der Samen zu feiern.

Quellen:

https://fi.wikipedia.org/wiki/Saamelaiskielet

https://fi.wikipedia.org/wiki/Saamelaiset

http://sanosesaameksi.yle.fi

https://www.suomenkielet100.fi/

Mikael Agricolan ja suomen kielen päivä

(Deutsche Version s. u.)

Vuodesta 1960 alkaen on 9. huhtikuuta ollut suomalaisissa kalentereissa Mikael Agricolan päivä. Myöhemmin päivän määreeksi lisättiin vielä suomen kielen päivä ja siitä tehtiin virallinen liputuspäivä.

Kuka sitten oli Mikael Agricola? Hänen tarkkaa syntymäpäiväänsä tai edes -vuotta ei tunneta eikä myöskään tiedetä, oliko Mikaelin äidinkieli suomi vai ruotsi. Hän syntyi noin vuonna 1510 Pernajassa, itäisellä Uudellamaalla. Hän kävi koulua Viipurissa, missä hän otti isänsä ammatin mukaan nimekseen Agricola. Viipurin kouluvuosien jälkeen Agricola siirtyi Turkuun piispan sihteeriksi ja sieltä hänet lähetettiin vuonna 1536 opiskelemaan Wittenbergin yliopistoon, josta hän 1539 valmistui maisteriksi. Opintojen jälkeen Kustaa Vaasa nimesi Mikael Agricolan Martti Lutherin ja Philip Melanchtonin suosituskirjeiden perusteella Turun katedraalikoulun rehtoriksi. Myöhemmin Kustaa Vaasa nimesi Agricolan Turun hiippakunnan piispaksi. Agricola kuoli Viipurin lähellä 9. huhtikuuta vuonna 1557 ollessaan paluumatkalla rauhanneuvotteluista Moskovasta.

Agricolaa pidetään Suomen uskonpuhdistajana, sillä hän toi Lutherin opit Suomeen. Hän suomensi Uuden testamentin ja runsaasti muutakin uskonnollista kirjallisuutta tarkoituksenaan tehdä suomenkieliset jumalanpalvelusmenot mahdollisiksi. Jo ennen Uutta testamenttia Agricola julkaisi vuonna 1543 suomenkielisen Abckirian, uskonnollissisältöisen aapisen. Vaikka Agricola ei ollut ensimmäinen suomen kieltä kirjoittanut, pidetään Abckiriaa suomalaisen kirjallisuuden esikoisteoksena. Koska Agricolan aikaan suomen kielellä ei ollut vakiintunutta kirjoitusmuotoa, oli Agricolan kirjoittaessaan luotava oikeinkirjoitus. Tämä toi hänelle myöhemmin lisänimen suomen kirjakielen isä.

Asiaa opiskelemattoman nykysuomalaisen on usein vaikea ymmärtää Agricolan kirjoittamia tekstejä: kieli on 500 vuodessa muuttunut ja lisäksi Agricolan oikeinkirjoitus noudattelee pitkälti germaanisten kielten oikeinkirjoituksen periaatteita, esimerkiksi suomelle tärkeitä pitkien ja lyhyiden äänteiden eroja ei merkitä kuten nykysuomessa. Agricolan tekstit saattaisivat aueta nykysuomalaiselle paremmin, jos hän laittaisi suomea osaamattoman saksalaisen lukemaan niitä itselleen ääneen. Abckirian etulehdeltä löytyy näytteeksi seuraava runo:

Oppe nyt wanha ia noori / joilla ombi Sydhen toori.
Jumalan keskyt / ia mielen / iotca taidhat Somen kielen.
Laki / se Sielun Hirmutta / mutt Cristus sen taas lodhutta.
Lue sijs hyue lapsi teste / Alcu oppi ilman este.
Nijte muista Elemes aina / nin Jesus sinun Armons laina.
 

Agricolan jälkeen suomen kielen kehitys oli hyvin hidasta, 1700-luvulla taantuvaakin, kunnes kansallisromanttisten aatteiden myötä Suomessa 1800-luvulla heräsi tarve kehittää ja uudistaa suomen kieltä. Huhtikuun 9. päivänä tasan 245 vuotta Agricolan kuoleman jälkeen syntyi Sammatissa Elias Lönnrot, joka muun muassa kokosi Kalevalan, kirjoitti sanakirjan ja kehitti suomen kieltä Agricolan luomalta perustalta monin uudissanoin ja joka laajasta elämäntyöstään on saanut ansaitun suomen kielen uudistajan lisänimen.

Lähteet:

Lehikoinen, Laila/Kiuru, Silva: Kirjasuomen kehitys. Helsinki, 1989.

https://kansallisbiografia.fi/kansallisbiografia/henkilo/14

Mikael-Agricola-Tag und Tag der finnischen Sprache

Seit 1960 ist der 9. April in den finnischen Kalendern der Mikael-Agricola-Tag. Später wurde der Zusatz Tag der finnischen Sprache hinzugefügt und der Tag wurde zu einem offiziellen Tag der öffentlichen Beflaggung erklärt.

Wer war denn Mikael Agricola? Den genauen Geburtstag oder das Geburtsjahr kennt man nicht, ebenso weiß man nicht, ob Mikaels Muttersprache Finnisch oder Schwedisch war. Er wurde ungefähr im Jahr 1510 in Pernaja, im östlichen Uusimaa geboren. Er besuchte die Schule in Wyborg, wo er dem Beruf seines Vaters entsprechend den Namen Agricola annahm. Nach den Schuljahren wurde er Bischofssekretär in Turku und von dort wurde er zum Studium an die Universität Wittenberg geschickt, wo er 1539 Magister wurde. Nach dem Studium ernannte ihn Gustav Wasa auf Grund der Empfehlungsbriefe von Martin Luther und Philip Melanchton zum Rektor der Kathedralschule in Turku. Später ernannte Gustav Wasa ihn zum Bischof von Turku. Agricola starb am 9. April in der Nähe von Wyborg, als er auf der Rückfahrt von Friedensverhandlungen in Moskau war.

Agricola gilt als Reformator Finnlands, denn er brachte die Lehre Luthers nach Finnland. Er übersetzte das Neue Testament und zahlreiche weitere religiöse Texte ins Finnische mit der Absicht, einen finnischsprachigen Gottesdienst zu ermöglichen. Schon vor dem Neuen Testament veröffentlichte Agricola im Jahr 1543 das finnischsprachige Abckiria, eine Fibel mit religiösem Inhalt. Obwohl Agricola nicht der erste war, der Finnisch schrieb, hält man das Abckiria für das Erstlingswerk der finnischsprachigen Literatur. Weil die finnische Sprache zu Agricolas Zeiten noch keine feste Rechtschreibung besaß, musste Agricola beim Schreiben eine Orthographie entwickeln. Das gab ihm später den Beinamen Vater der finnischen Schriftsprache.

Einem modernen Finnen, der Agricolas Sprache nicht studiert hat, fällt es oft schwer, seine Texte zu verstehen: die Sprache hat sich in 500 Jahren verändert und darüber hinaus folgt Agricolas Rechtschreibung weitgehend den orthographischen Prinzipien der germanischen Sprachen. Beispielsweise wird der für das Finnische wichtige Unterschied zwischen langen und kurzen Lauten nicht so wie heute markiert. Agricolas Texte könnten für den heutigen Finnen leichter zu verstehen sein, wenn sie ihm von einem deutschen Muttersprachler, der kein Finnisch kann, laut vorgelesen werden würden. Als Probe bietet sich das folgende Gedicht aus dem ersten Blatt des Abckiria an:

Oppe nyt wanha ia noori / joilla ombi Sydhen toori.
Jumalan keskyt / ia mielen / iotca taidhat Somen kielen.
Laki / se Sielun Hirmutta / mutt Cristus sen taas lodhutta.
Lue sijs hyue lapsi teste / Alcu oppi ilman este.
Nijte muista Elemes aina / nin Jesus sinun Armons laina.

Nach Agricola war die Entwicklung der finnischen Sprache sehr langsam, im 18. Jahrhundert sogar rückgängig, bis im 19. Jahrhundert mit der nationalromantischen Ideologie der Bedarf entstand, die finnische Sprache zu entwickeln und zu erneuern. Am 9. April, genau 245 Jahre nach Agricolas Tod wurde in Sammatti Elias Lönnrot geboren, der unter anderem das Kalewala verfasste, ein Wörterbuch schrieb, die finnische Schriftsprache auf Agricolas Grundlage mit vielen neuen Wörtern weiterentwickelte und der für sein umfangreiches Lebenswerk den verdienten Beinamen Reformator der finnischen Sprache trägt.

Quellen:

Lehikoinen, Laila/Kiuru, Silva: Kirjasuomen kehitys. Helsinki, 1989.

https://kansallisbiografia.fi/kansallisbiografia/henkilo/14

 

 

Tag der ungarischen Kultur

Seit 1989 wird am 22. Januar, am Geburtstag der ungarischen Nationalhymne, der Tag der ungarischen Kultur gefeiert: Ferenc Kölcsey (1790-1838), einer der wichtigsten Lyriker, Literaturkritiker und Politiker seiner Zeit, schrieb sein Gedicht Hymne. Aus den stürmischen Jahrhunderten des ungarischen Volks am 22. Januar 1823 zu Ende. Das Gedicht wurde 1829 veröffentlicht. 

Um die Hymne zu vertonen, ließ der Direktor des Ungarischen Nationaltheaters 1844 einen Wettbewerb durchführen. Der Opernkomponist Ferenc Erkel (1810-1893) verfasste die passende Musik zum Gedicht und gewann die Preisausschreibung. Zum ersten Mal wurde das Werk im Juli desselben Jahres präsentiert. Von den acht Strophen der Hymne wird nur die erste gesungen und dient bis heute als ungarische Nationalhymne. Allerdings ist sie mit dem Tonumfang von über einer Oktave recht schwer zu singen.

Der Text enthält ein Gebet an Gott, den Ungarn beizustehen und ihm eine glücklichere Zukunft zu schenken, “Denn es büsste hart genug Schuld für alle Zeiten” (Übersetzung von Annemarie Boestrom). Der zentrale Gedanke von Schuld und Sühne geht auf eines der ältesten Topoi der ungarischen Literaturgeschichte zurück: die Querela Hungariae, die Beweinung Ungarns. Die ungarische Geschichte als Strafe Gottes ist ebenfalls ein wichtiges, immer wiederkehrendes Thema der ungarischen Literatur.

Während des Aufstandes von 1848/1849 verbreitete sich das Lied schnell, doch den offiziellen Status einer Nationalhymne erhielt es erst später. Obwohl das Königreich Ungarn ein Vielvölkerstaat war und Ungarn auch im 20. Jahrhundert kein homogener Nationalstaat wurde, existiert nur eine ungarische Fassung des Textes.

Zum ersten Mal wurde die Hymne 1989 in der Verfassung erwähnt. Sie gehört zu den wichtigsten Symbnolen Ungarns und wird traditionell bei offiziellen Anlässen und auch bei Ereignissen wie Gottesdiensten und Neujahrsfeiern gesungen. Sie wird am Silvesterabend um Mitternacht im Ungarischen Fernsehen und im Radio gespielt. Wenn sie erklingt, singen die Ungarn mit oder hören sich die Hymne stehend mit dem Sektglas in der Hand an, ehe sie auf das neue Jahr anstoßen.

Quelle: http://www.nemzetijelkepek.hu/himnusz.shtml

Bildquelle: Wikipedia

Die finnische Minderheit in Schweden

Vielen ist bekannt, dass das Schwedische in Finnland die zweite Amtssprache ist. Dass es jedoch in Schweden eine finnische Minorität gibt, wissen außerhalb von Schweden und Finnland die wenigsten Menschen.

Das Finnische hat seit dem Jahr 2000 den Status einer offiziell anerkannten Minderheitensprache in Schweden, auch wenn sich die Statistiken im Hinblick darauf unterscheiden, wie viele Menschen dieser Minderheit wirklich angehören. Die Zahlen variieren zwischen 70 000 und 450 000 Menschen, je nachdem wie eng die Kriterien gefasst werden. Geschätzt wird, dass es in ganz Schweden etwa 200 000 Menschen gibt, deren Muttersprache Finnisch ist. Auch hier variieren die Annahmen.

Im Laufe der Zeit gab es verschiedene Einwanderungswellen von Finnland nach Schweden. Bereits zu Zeiten Gustav Vasas wurden finnische Arbeitskräfte in Schweden gebraucht; es gab die Kriegskinder, die von ihren Eltern während des zweiten Weltkriegs nach Schweden geschickt wurden, aber auch die Einwanderungswelle, die in den 1960ern begann und lange Zeit nicht abriss. Schätzungsweise rund 40 000 Menschen wanderten Ende der 1960er und Anfang der 1970er jährlich aus Finnland nach Schweden aus, um dort Arbeit zu finden und nur ein Teil kehrte irgendwann wieder in seine Heimat zurück. Für die in Schweden gebliebenen Finnen war das Leben nicht immer leicht. Repression und Diskriminierung waren an der Tagesordnung, die Frage nach der eigenen Identität nur schwer zu beantworten. Dies galt für die Elterngeneration wie die Generation ihrer Kinder gleichermaßen.

Die Situation hat sich in der heutigen Zeit gebessert: es gibt besonders geförderte Unterrichtsstunden für Kinder in ihrer Muttersprache, die Diskriminierung hat nachgelassen und Autoren, Musiker und Filmschaffende beschäftigen sich intensiver mit der Frage nach der schwedenfinnischen Identität. Doch wie sieht die Situation für die Finnen in Schweden heute wirklich aus? Welche Erfahrungen machen Angehörige dieser Minderheit und wie gehen sie damit um? Antworten auf diese und viele weitere Fragen sollen im Rahmen der Lesung mit Kristian Borg am kommenden Donnerstag, den 16.11.2017, um 18.15 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Zentrum, Raum 1.601, gegeben werden. Borg wird aus der Artikelsammlung Finnjävlar ‘Scheißfinnen’ lesen und über seine persönlichen Erfahrungen als Schwedenfinne sprechen. Borg ist Chefredakteur der Zeitung Stockholms fria Tidning und Verleger beim Verbal förlag. Er lebt in Stockholm, wo er 1975 geboren ist. Seine Eltern haben sich auf der Finnlandfähre getroffen und haben u. a. in der Reinigungs- und Restaurantbranche gearbeitet.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Tervetuloa & välkomna!

Quellen:
Borg, Kristian (Hrsg.). 2016. Finnjävlar. Verbal förlaget. Stockholm.
Parkvall, Mikael. 2009. Sveriges språk – vem talar vad och var? Rapporter från Institutionen för lingvistik vid Stockholms Universitet. Stockholm.
Bild: pixabay.de