Allgemeine Saunariten

An unserem Institut gibt es nicht nur sprachwissenschaftliche Kurse. Die Studierenden befassen sich auch mit der Kultur und Folklore der finnougrischen Völker und den wesentlichen Themen der materiellen und immateriellen Kultur. In der nächsten Zeit wollen wir euch Einblicke in dieses Themengebiet geben und bringen euch daher das wohl bekannteste Kulturgut der Finnougrier näher: die Sauna.

Ursprünglich ging man nach Geschlechtern getrennt in die Sauna, was einen praktischen Hintergrund hatte: erst waren der Bauer und seine Knechte nach der Arbeit dran, später (nach dem Melken) die Bäuerin und die Mägde.

Die Sauna dauerte den ganzen Tag, da man sie reinigen musste, Holz hacken und Wasser herantragen, den Ofen bzw. die Sauna langsam aufheizte. Dann wurde der Rauch abgelassen und anschließend machte man mehrere Saunagänge. Zur Vorbereitung der Sauna gehörte auch das Binden der Birkenquaste (vihta). Zu den Quasten sind verschiedene Aberglauben überliefert, beispielsweise, dass die Birkenzweige am besten vor Mittsommer gesammelt werden müssen, um gut zu werden, und dass man keine Sumpfbirken verwenden sollte.

Die Sauna fand in der Regel samstags statt, bei Krankheit oder staubigen Arbeiten (wie Heumahd) auch an Werktagen, und die Vorbereitung der Sauna und die Durchführung der Riten ist traditionell Aufgabe der Frauen.
In der Sauna wird anständiges Benehmen gefordert: „Saunassa ollaan kuin kirkossa“, wie ein finnisches Sprichwort besagt. Das bedeutet, man soll sich benehmen wie in einer Kirche, beipielsweise nicht laut reden, nicht fluchen, lästern oder furzen.

Bis zum 2. Weltkrieg war der Saunaraum der Ort der Geburt, da Hitze und Rauch dort regelmäßig Keime abtöten und es sich somit um den hygienischsten Raum eines Hofes handelte, auch wenn der wissenschaftliche Hintergrund noch nicht klar war.

Aus der Zeit der Schwendbauern ist die Initiationssauna, ikäkylpy, bekannt. Dabei handelt es sich um die symbolische Waschung von Mädchen beim Eintritt ins heiratsfähige Alter: danach dürfen Männer ihnen den Hof machen.

Von mehreren finnougrischen Völkern ist der symbolische Saunabesuch vor der Bärenjagd bekannt, um Kräfte zu sammeln.

Weitere Aberglauben sind beispielsweise, dass man immer barfuß zur Sauna gehen sollte, solange noch kein Schnee liegt, damit man Winter nicht so friert, oder dass es Unglück bringt, wenn einem auf dem Weg zur Sauna ein Mann entgegen kommt, aber Glück, wenn einem eine Frau entgegenkommt.

Text: Marina Loch

Quellen:
Helamaa, Erkki; Pentikäinen, Juha: FInfo-Broschüre Sauna – eine finnische Nationalinstitution. Helsinki.
Sarmela, Matti. 2009: Finnisch Folklore Atlas. Helsinki.

Bildquelle: Lassi auf Unsplash

Die Sauna – Nutzung und Riten

An unserem Institut gibt es nicht nur sprachwissenschaftliche Kurse. Die Studierenden befassen sich auch mit der Kultur und Folklore der finnougrischen Völker und den wesentlichen Themen der materiellen und immateriellen Kultur. In der nächsten Zeit wollen wir euch Einblicke in dieses Themengebiet geben und bringen euch daher das wohl bekannteste Kulturgut der Finnougrier näher: die Sauna.

Die Nutzung der Sauna

Die Sauna hat die Hauptfunktion der (porentiefen) Körperreinigung sowie zahlreiche soziale, praktische und spirituelle Nebenfunktionen. Dazu zählen die rituelle Reinigung, die Unterstützung der Gesundheit – sowohl durch die Stärkung des Immunsystems als auch heilend bei Erkrankungen z. B. des Bewegungsapparates – und soziale Funktionen. In privaten wie öffentlichen Saunen kann man sich über Klassengrenzen hinweg unterhalten, persönliche und politische Gespräche führen und Abmachungen treffen.

Die Reinigung findet durch das Schwitzen und anschließende Abwaschen mit klarem Wasser statt, die Durchblutung der Haut wird durch das (gegenseitige) Massieren mit dem vihta angeregt.

Traditionell wurde die Sauna auch zum Trocknen von Malz benutzt sowie (in Võrumaa bis heute) zum Räuchern von Schinken. Diese Arbeiten können zu Zusammenkünften der Dorfjugend führen und soziale Aktionen sein.

Saunariten

Riten, also Traditionen, die nicht primär der Reinigung dienen, sondern auch spirituelle Bedeutung haben, sind bei den meisten finnougrischen Völkern bekannt. Die Überlieferungslage ist vor allem bei den Ostseefinnen sehr gut.

Man findet Saunariten namentlich erwähnt bei den Finnen, Esten (und Setu), Kareliern, Wepsen, Liven, Woten und Ingriern. Bei den Völkern auf russischem Boden ist meist unklar, ob die Traditionen finnougrischer oder russischer Herkunft sind, da sie sich stark ähneln. Dies wird dann häufig als „großrussische Saunakultur“ bezeichnet. Quellen gibt es zu Komi, Mordwinen und Mansen. Bei den Mari und Udmurten handelt es sich um eine relativ junge Kultur mit starkem russischem und christlichem Einfluss. Die Ungarn haben keine eigene Saunakultur, sondern Thermalbäder, die zuerst im 2. Jahrhundert nach Vorbild der Römer gebaut wurden und unter türkischem Einfluss im 16. Jahrhundert neu auflebten. Diese noch heute sehr beliebten Thermen haben eine soziale und eine Hygienefunktion, jedoch keine spirituelle. Ebenso sind diese Anlagen immer öffentlich, nie privat.

Zu den Sami liegen keine spezifischen Quellen vor, die werden meist in einem Atemzug mit den Finnen erwähnt.

Text: Marina Loch

Quellen:
Sarmela, Matti. 2009. Finnisch Folklore Atlas. Helsinki.
Vahros, Igor. 1966. Zur Geschichte und Folklore der Grossrussischen Sauna. Helsinki.
https://web.archive.org/web/20100608113726/http://cyberbohemia.com/Pages/russianbaniahistory.htm, zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Bildquelle: Santtu Perkiö auf Unsplash

Wie sieht eine Sauna aus?

An unserem Institut gibt es nicht nur sprachwissenschaftliche Kurse. Die Studierenden befassen sich auch mit der Kultur und Folklore der finnougrischen Völker und den wesentlichen Themen der materiellen und immateriellen Kultur. In der nächsten Zeit wollen wir euch Einblicke in dieses Themengebiet geben und bringen euch daher das wohl bekannteste Kulturgut der Finnougrier näher: die Sauna.

Ursprünglich handelte es sich bei der Sauna um ein freistehendes kleines Gebäude, das etwas abseits des viereckig konstruierten Hofes lag. Es befand sich in Wassernähe. Beides dient dem Brandschutz, letzteres hat jedoch auch den praktischen Hintergrund der einfacheren Versorgung mit Waschwasser. Diese Konstellation findet sich unter anderem in Setomaa. Das Saunahaus kann jedoch auch in das Viereck des Hofes integriert sein (weiterhin freistehend) oder eine Scheune wurde zusätzlich als Sauna genutzt. Für Setomaa liegen beispielsweise genaue Beschreibungen zum Aufbau des Saunahauses vor. Es besteht aus einem Vorraum zur Ablage von Kleidung und Handtüchern, der zusätzlich als Wärmespeicher dient, und dem eigentlichen Saunaraum. Dieser ist mit einem 30 auf 50 Zentimeter großen Glasfenster ausgestattet, kleinen Luken zum Ablassen des Rauches, dem 20 Zentimeter von der Wand abgerückten Steinofen, den Pritschen oder Bänken (fin./est. lava) sowie Waschbottichen.

Innenraum einer finnischen Sauna (Foto: privat)

Grundsätzlich werden zwei Typen der Sauna unterschieden. Erstens die Sauna mit Schornstein (est. korstnaga saun), durch den der Rauch kontinuierlich entweichen kann, und deren Ofen vom Vorraum aus erreichbar ist, sodass ein kontinuierliches Nachheizen leicht und gefahrlos möglich ist. Der zweite Typus ist die Rauchsauna (fin. savusauna/est. suitsusaun/võru savvusann) ohne Schornstein. Dabei handelt es sich um den ursprünglichen Typus. Der Ofen ist aus Stein, manchmal nur ein Steinhaufen, der beheizt wird, bis die Sauna die erwünschte Nutzungstemperatur erreicht hat. Dann wird der Rauch aus dem Gebäude abgelassen. Danach kann die Sauna genutzt, aber nicht mehr nachgeheizt werden. Bis um zweiten Weltkrieg war dies die am mesiten verbreitete Sauna. Im estnischen Regierungsbezirk Võrumaa wird sie noch heute genutzt und zählt zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. Beide Saunatypen können als eigenständiges Holzhaus, als Anbau, oder als Erdhügelsauna (est. maasaun) vorliegen.

Die Lage des Ofens im Saunaraum unterscheidet sich je nach Region. Am häufigsten befindet sich der Ofen in der Türecke mit der Öffnung zur Tür gewandt, diese Bauweise ist unter anderem bei den Kareliern, Esten, Wepsen und Woten belegt. Die archaische Position ist jene in der Hinterecke mit der Öffnung in Richtung Tür, die sich bei Mordwinen, Mari und Komi findet.

In Städten gab es statt privaten Saunen meist öffentliche, die von (männlichen) Saunameistern geleitet wurden.

Text: Marina Loch

Quellen:
Külvik, Helen. 2014. Setomaa Traditsioonilise arhitektuuri põhijooni. SA Seto Instituut. 41-45.
Vahros, Igor. 1966. Zur Geschichte und Folklore der Grossrussischen Sauna. Helsinki.
https://monistemuuseum.ee/saunalugu/saunade-ajaloost/, zuletzt aufgerufen am 12.07.2020
https://ich.unesco.org/en/RL/smoke-sauna-tradition-in-voromaa-00951, zuletzt aufgerufen am 14.07.2020

Bildquelle (Titelbild): Anne Nygård auf Unsplash

Woher kommt eigentlich die Sauna?

An unserem Institut gibt es nicht nur sprachwissenschaftliche Kurse. Die Studierenden befassen sich auch mit der Kultur und Folklore der finnougrischen Völker und den wesentlichen Themen der materiellen und immateriellen Kultur. In der nächsten Zeit wollen wir euch Einblicke in dieses Themengebiet geben und bringen euch daher das wohl bekannteste Kulturgut der Finnougrier näher: die Sauna.

Die Sauna ist in der finnougrischen Welt allgegenwärtig und global bekannt und beliebt. Die finnische Sauna und der finnische Begriff dazu sind in aller Munde.
Doch für die Finnougrier ist die Sauna nicht einfach ein Raum im Hotel oder Schwimmbad, in den man geht, um sich schwitzend und schweigend zu entspannen. Es ist ein Ort des Austauschs, kulturell und auch spirituell bedeutend. Man kennt das Bild eines Saunahäuschens am See, es wirkt gemütlich und gesellig.

In der kommenden Serie soll die folkloristische Bedeutung der Sauna bei den finnougrischen Völkern herausgestellt werden, das Vorhandensein und die Durchführung von Riten bei den einzelnen Völkern werden analysiert, Glauben und Aberglauben werden zusammengetragen sowie die Bauweise und Herkunft der Sauna erläutert.

Herkunft

Es ist davon auszugehen dass die Finnen der Sauna, wie wir sie heute kennen, zum weltweiten Siegeszug verholfen haben. Sowohl Finnen als auch Esten beanspruchen die Erfindung dieser Schwitzkultur für sich. Doch woher stammt die Sauna wirklich?

Bereits Herodot (ca. 490-420 v. Chr.) beschreibt eine Sauna bei den Skythen. Unter deren Einfluss entstand offenbar die russische banya, die namentlich 1113 erwähnt wird. Dabei handelt es sich um einen Raum oder eine Hütte mit Ofen und Bänken auf mehreren Ebenen, in der man schwitzt, sich mit Birkenquasten (russ. venik, веник, fin, vihta/vasta, est. viht) massiert und sich wäscht. Man trägt dabei häufig spezielle Kopfbedeckungen aus Filz, die der Thermoregulation dienen, wie sie auch bei den Finnougriern bekannt sind. In der banya werden ebenfalls Gespräche mit Freunden, Familie oder Politikern bzw. Geschäftsleuten geführt.

Insgesamt vermutet man aufgrund der Ähnlichkeiten die Herkunft der russischen bzw. finnougrischen Sauna am Ural. Ähnliche Institutionen finden sich jedoch auch in den römischen und türkischen Thermalbädern sowie Schwitzhütten in Japan und bei indigenen Völkern Südamerikas.

Etymologisch wurde lange Zeit eine germanische Entlehnung angenommen, da die semantische Entwicklung von stakna („Holzstapel“, „Holzhütte“) zu „Badehaus“ jedoch fraglich ist, ist man davon heute bereits abgekommen.

Text: Marina Loch

Quellen:
Häkkinen, Kaisa. 2004. Nykysuomen etymologinen sanakirja. Helsinki. 1131–1132.
Kulonen, Ulla-Maija. 2000. Suomen Sanojen Alkuperä III. Helsinki.
Vahros, Igor. 1966. Zur Geschichte und Folklore der Grossrussischen Sauna. Helsinki.
https://web.archive.org/web/20100608113726/http://cyberbohemia.com/Pages/russianbaniahistory.htm, zuletzt aufgerufen am 12.07.2020
https://monistemuuseum.ee/saunalugu/saunade-ajaloost/, zuletzt aufgerufen am 12.07.2020

Bildquelle: Estonian Saunas auf Unsplash

Von Anne Vabarna und meiner ersten Hausarbeit

Alles ist neu, ungewohnt, aufregend. Und groß, die Uni ist so groß. Das sind die Eindrücke, die ich als Ersti in Göttingen habe. Jetzt, ein halbes Jahr später, ist nicht mehr alles ganz so fremd und überwältigend, aber ganz souverän laufe ich immer noch nicht auf dem Campus herum…

Und dann ist plötzlich wieder alles ungewohnt und anders, denn es ist 2020 und alle Vorlesungen finden online statt.

Zwei Dinge gefallen mir an diesem Studium besonders: dass ich mir meine Kurse größtenteils selbst aussuchen kann, weshalb ich mich direkt für Kultur der Finnougrier: Setumaa angemeldet habe, und dass wir in der Finnougristik so wenige Leute sind, sodass man schnell alle Namen kennt. In diesem Kurs sind wir zu dritt, eine Dozentin und zwei Studentinnen. Uns verbindet die Liebe zu dem kleinen baltischen Staat namens Estland und natürlich die Tatsache, dass außerhalb des Gebäudes quasi niemand unser Studienfach aussprechen kann, geschweige denn weiß, was sich dahinter verbirgt. Und ein paar Wochen später stehe ich in der größten Bibliothek, in der ich je war, der SUB, und hoffe, dass das mit dem Bestellen der Zeitschrift geklappt hat. Ich gebe zu, mein Herz pocht aufgeregt, als ich eintrete und nach der richtigen Nummer im Abholregal suche. Ja, da ist sie, die estnische Literaturzeitschrift aus dem Jahre 1928. Und ja, um den Artikel zu lesen, um den es mir geht, muss mein Wörterbuch ganze Arbeit leisten. Ich bereite die erste Hausarbeit meines Lebens vor, und es geht um Anne Vabarna, die “Nationaldichterin” der Setu (oder Setukesen), die auf estnischem und russischem Boden leben und eine ganz eigene Kultur haben.

Anne Vabarna

Über Anne zu schreiben, ist gar nicht so leicht. Abgesehen davon, dass die meisten Quellen auf Finnisch oder Estnisch sind und ihre eigenen Texte natürlich im Setu-Dialekt, fängt es schon damit an, dass man sich bei ihrem Geburtsdatum nicht ganz einig ist.

Berühmt ist Anne für ihr Epos “Peko”. Anne ist eine tolle Improvisationssängerin und Dichterin. Als der finnische Musikforscher Armas Otto Väisänen beschließt, dass die Setu ein Nationalepos haben sollten, fällt seine Wahl auf Vabarna als Autorin. Sie verarbeitet Väisänens Vorschläge, alte Setu-Sagen und biblische Themen, singt ihrem Sohn vor (da sie selbst nicht schreiben kann) und Väisänen veröffentlicht das Ergebnis in Finnland.

Das Epos

Peko ist von Geburt an sehr groß und stark und besiegt die Feinde im Krieg dank seiner magischen Gegenstände (ein besonderes Schwert, ein magischer Eichenknüppel und schützende Kleidung) problemlos. Jesus macht ihn daraufhin zum König. Gemeinsam mit seiner Frau regiert er gut und weise über sein Volk. Und auch nach seinem Tod steht er seinem Volk zur Seite und hilft, wenn es in Not ist – man muss nur seinen Namen rufen.

Fazit

Der Peko als Gott des Getreides ist zwar bei den Setu bekannt und am jährlichen Königreichstag wird auch ein stellvertretender König und Sprecher Pekos auf Erden gewählt – doch mir scheint, dass Anne Vabarna als Gesangmutter bekannter ist als ihre epische Figur.

Während der Recherchen bin ich immer tiefer in die Welt der Setu eingetaucht und konnte kaum damit aufhören, alte Texte von und über Anne Vabarna zu lesen. Klar, meine erste Hausarbeit ist nicht perfekt, aber wie sich herausstellt, war es gar nicht so schlimm wie erwartet und mit der Note bin ich auch zufrieden. Hoffen wir mal, dass dieses digitale Semester ebenfalls ein gutes Ende gibt. Und wenn ich Sorge habe, versuche ich es mal damit, Pekos Namen zu rufen, vielleicht taucht er ja wie im Epos auf und hilft mir.

Text: Marina Loch

Quellen:
Hagu, Paul und Suhonen, Seppo, Helsinki, 1995: Peko: Setu rahvuseepos. Snellman-Instituutti A-Sarja, 18/1995
Hasselblatt, Cornelius, Berlin, 2006: Geschichte der estnischen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, (Seiten 75-89)
Kalkun, Andreas, 2008: A woman’s Voice in an Epic: Tracing Gendered Motifs in Anne Vabarna’s Peko, Journal of Ethnology and Folkloristics, Volume 2 2008, number 2, S. 25-45
Viidalepp, Richard Voldemar: Anne Vabarna 1877-1964, Keel ja kirjandus, Ausgabe 2, 1965 (Seiten 122-124)
Voolaine, Paulopriit: Seto lauluema Vabarna Anne „Peko (Pekolanõ)”, Eesti kirjandus, Ausgabe 1, 1928 (Seiten 6-21)
Voolaine, Paulopriit: Setu lauluema Anne Vabarna „Peko laulu“ II osa. Eesti kirjandus, Ausgabe 8, 1930 (Seiten 378-389)

Internetquellen:
Hagu, Paul: Setu lauluema Anne Vabarna, auf http://www.folklore.ee/rl/pubte/ee/setu/anne/anne.html, zuletzt aufgerufen am 16.02.2020
Vesik, Liisa, Hagu, Paul, Tartu, 2002: “Peko laul” II auf http://www.folklore.ee/rl/pubte/ee/setu/anne/peko2/, zuletzt aufgerufen am 18.02.2020
Vesik, Liisa, und Hagu, Paul, Tartu, 2002: Comment to the Seto epic: second part of the “Peko song” (4318 verses) auf http://www.folklore.ee/rl/pubte/ee/setu/anne/peko2/peko_0_en.html, zuletzt aufgerufen am 18.02.2020
http://www.unesco.org/archives/multimedia/document-369, zuletzt aufgerufen am 18.02.2020 https://visitsetomaa.ee/et/seto-kuningriik,  zuletzt aufgerufen am 18.02.2020

Titelbild: chuttersnap auf Unsplash

Master Cheng in Pohjanjoki

Der Meisterkoch Cheng (Chu Pak Hong) aus Shanghai steigt mit seinem kleinen Sohn Nunjo (Lucas Hsuan) in dem finnischen Kleindorf Pohjanjoki im dünnbesiedelten Lappland aus dem Bus. Er geht in das lokale Gasthaus – viel Anderes gibt es in dem Ort auch nicht – und fragt höflich nach Fongtron. Aber niemand scheint Fongtron zu kennen. Abends, als die Wirtin Sirkka (Anna-Maija Tuokko) ihr Gasthaus schließen will, sitzt der Chinese mit seinem Sohn immer noch vor seiner Teetasse und hofft, Fongtron zu finden. Sirkka bietet Cheng und Nunjo eine Unterkunft an und versucht zusammen mit weiteren Dorfbewohnern das Fongtron-Rätsel zu lösen. Cheng landet in Sirkkas Gasthausküche und begeistert mit seinen Köstlichkeiten nicht nur die chinesischen Touristen, sondern nach Überwindung der Vorurteile auch das ganze Dorf, das bisher nur Sirkkas Kartoffelbrei und Würstchen gewohnt war. Bald spricht es sich herum, dass sein Essen nicht nur köstlich ist, sondern sogar heilsame Kräfte hat.

Der finnische Regisseur Mika Kaurismäki wollte einen positiven Film über die Begegnung der Kulturen machen. In einer Welt voller Hassrede und Populisten wollte er einen Feelgood-Film drehen, der Menschen verbindet. Das ist Mika Kaurismäki mit der Dramakomödie Master Cheng in Pohjanjoki sehr gut gelungen. Es ist ein warmherziger und ruhiger Film ohne Gewalt und überflüssige Wendungen oder Schnickschnack im Plot. Er ist langsam und baut auf die Präsenz der Schauspieler, auf Stimmung und Landschaft und auf kleine Details. Die schönen, nordfinnischen Landschaften kombiniert mit den nicht weniger schönen Köstlichkeiten der chinesischen Küche bieten einen ästhetisch perfekten Ausgangspunkt für Völkerverständigung.

Chu Pak Hong, Kari Väänänen und Mika Kaurismäki

Meister Cheng wurde 2018 in Raattama, einem kleinen Dorf in Kittilä, Lappland gedreht. Die Dreharbeiten dauerten ca. sechs Wochen, was etwa eine Woche länger ist als normalerweise. Die Filmcrew integrierte sich in die Dorfgemeinschaft, wie Cheng im Film, so dass bei den Arbeiten mehr oder weniger die gesamte Dorfbevölkerung, 120 Menschen, beteiligt war. Das Budget betrug 2,9 Millionen Euro, was etwa doppelt so viel ist, wie bei einem finnischen Durchschnittsfilm.

Mit dabei sind natürlich Kaurismäkis Vertrauensschauspieler Vesa-Matti Loiri und Kari Väänänen als alte Stammkunden. Zu hören gibt es auch Loiris Interpretation des Gedichts Lapin kesä (Sommer in Lappland) von Eino Leino, das seit den 1960ern zu den beliebtesten Liedern in Finnland gehört. Sonst ist die sehr gut zu der ruhigen Stimmung passende Filmmusik von Anssi Tikanmäki komponiert, der bereits in den 1980ern für die Musik bei Kaurismäkis frühen Werken zuständig war.

Die finnisch-chinesische Gemeinschaftsproduktion hatte ihre Premiere im September 2019 in Finnland. Auf den 61. Nordischen Filmtagen in Lübeck wurde Master Cheng mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Der deutsche Verteiler MFA+ Filmdistribution hat den Kinostart in Deutschland für den 30. Juli 2020 festgelegt.

Das Fongtron-Rätsel wird im Übrigen gelöst.

Quellen:

https://yle.fi/uutiset/3-10989464

https://yle.fi/uutiset/3-10980545

http://www.film-o-holic.com/haastattelut/mika-kaurismaki-mestari-cheng/

https://www.mfa-film.de/kino/id/master-cheng-in-pohjanjoki/

Bilder: Marianna Films Oy 2019

Szabó Magda – zwischen Unterdrückung, Unverständnis und Unachtsamkeit

Ein Beitrag von Kristina Dabernig

Mit ihrem Roman Az ajtó (Hinter der Tür) erlangte die bekannte ungarische Autorin Szabó Magda im deutschsprachigen Raum Berühmtheit. Bereits mit 10 Jahren verfasste sie ihren ersten Roman. In diesem spielten die Motive des Todes und der Trauer bereits eine entscheidende Rolle. Szabós Werke sind von echten Lebensgeschichten geprägt, so auch das Werk Az ajtó. Die zwei Protagonistinnen, die Schriftstellerin Magda Sza-bó und deren Haushälterin Szeredás Emerenc, basieren auf Szabó selbst und ihrer Haushälterin Juliska. Mit ihrem Roman Az ajtó schildert Szabó nicht nur autobiografisch ihr Leben, sondern schafft den „selbstklagenden Frauentypus“ in der Literatur. Männer spielen für die Handlung nur eine untergeordnete Rolle.

So wie die Schriftstellerin im Roman, schreibt auch Szabó selbst „sehr viel für die Schublade“. Szabó promovierte mit 22 Jahren, war viele Jahre als Lehrerin tätig und kurze Zeit arbeitete sie im Ministerium für Religion und Bildung. Sie vertrat nicht den politischen Kurs in Ungarn und so wurde sie aus dem Ministerium entlassen. Wegen ihrer Einstellung dem politischen Regime gegenüber erhielt sie bis einschließlich 1958 Publikationsverbot, sodass ihre Texte vorerst in der Schublade blieben. Diese Tatsache hielt Szabó allerdings nicht davon ab zu schreiben. Sie schrieb, um ihre Erfahrungen zu verarbeiten. In Az ajtó könnte man sogar von einer Rechtfertigung und Verteidigung ihrer Entscheidungen sprechen. Darin beschreibt Szabó das Verhältnis zwischen der beiden Frauen Emerenc und Magda als einfühlsam und mitfühlend, aber gleichzeitig als zurückweisend. Es entsteht ein Mutter-Tochter-Verhältnis, das seinen Höhepunkt erreicht, als Emerenc Magda Magduska nennt. Emerenc versucht, Magda ihre Liebe und Zuneigung so gut wie möglich zu zeigen, doch Magda interpretiert die Gesten falsch. Der Roman endet mit dem Verrat Magdas an Emerenc, als Magda die Tür zu Emerenc Wohnung aufbrechen lässt. Diese Tat kann durch Worte nicht gut gemacht werden, weil es im Leben auf Taten ankommt und nicht auf Worte. Erst nach dem Tod Emerenc‘ erkennt Magda, wie sehr Emerenc sie geliebt hat.

Wie bereits der Titel sagt, ist die Tür ein wichtiges Motiv des Romans. Niemand außer Magda darf durch die Tür in Emerenc‘ Wohnung eindringen. Die Tür wird zur symbolischen Grenze der persönlichen Selbstbestimmung. Die Türschwelle ist das Bindeglied. Indem man die Tür öffnet, dringt man in Emerenc‘ Welt ein. Emerenc‘ höchster Wunsch ist es, ihre Welt zu schützen. Szabó stellt die Verletzlichkeit der Gefühle Emerenc‘ bzw. des Menschen dar, wenn die Tür, die den Eingang zu unseren Erinnerungen und Erlebnissen symbolisiert, unerlaubt aufgestoßen und in den nur uns gehörenden Raum eingedrungen wird.

Kölcsönös kötődésünk olyan, majdnem meghatározhatatlan eredők eredménye volt, mint a szerelem, holott rengeteg engedményt kellett vállalnunk ahhoz, hogy elfogadjuk egymást. Emerenc szemében minden nem kézzel, testi erővel végzett munka naplopás volt, majdnem szemfényvesztés, én mindig elismertem a test teljesítményét, de nem éreztem a szelleminél rangosabbnak, erről a személyi kultusz esztendei akkor is leszoktattak volna, ha életem folyamán bármikor is túl nagy hatással lett volna rám a gionói sugárzás. Világom talapzatát könyvek alkották, az én mértékegységem a betű volt, de nem éreztem egyedül üdvözítőnek, mint az öregasszony a maga mércéjét[1]

Quellen

Primärliteratur:

Szabó, Magda (2016) Az ajtó. Jaffa Kiadó. (eKönyv)

Szabó, Magda (20195) Hinter der Tür. Aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke. Frankfurt am Main und Leipzig: Suhrkamp.

Sekundärliteratur:

Istvanits, Kerstin (2010) Titel der Diplomarbeit: „Die Jugendromane von Szabó Magda – Álarcosbál (Maskenball) & Abigél (Abigail)“. Wien: Universität Wien.

Leibermann, Doris (2017) Vor 100 Jahren geboren – Die ungarische Schriftstellerin Magda Szabó. Köln und Berlin: Deutschlandrundfunk. (Zugegriffen am 20.05.2020: https://www.deutschlandfunk.de/vor-100-jahren-geboren-die-ungarische-schriftstellerin.871.de.html?dram:article_id=397399.)

Bildquelle: Pixabay und Kristina Dabernig


[1] Unsere wechselseitige Zuneigung war fast so etwas wie Liebe, obwohl wir enorm viele Zugeständnisse machen mußten, um uns gegenseitig zu akzeptieren. Jede Arbeit, die nicht mit den Händen und dem Einsatz körperlicher Kraft verbunden war, kam Emerenc wie Nichtstun vor, ja sogar wie ein Schwindel. Ich meinerseits habe die Leistung körperlicher Arbeit immer anerkannt, konnte sie aber gegenüber geistiger Tätigkeit nie als höherwertig begreifen. Selbst wenn ich im Verlauf meines Lebens gar zu sehr unter den Einfluß vorhandener Rotlichtbestrahlung geraten wäre, hätten mich die Jahre des Personenkults eines Besseren belehrt. Bücher waren das Fundament meiner Welt, Buchstaben waren meine Maßeinheit, doch empfand ich sie keineswegs als alleinseligmachend, wie für die alte Frau die eigene Vorstellung vom Leben das Maß aller Dinge war. (S. 125)

Jaan Kross

Jaan Kross gilt als einer der wichtigsten estnischen Autoren seiner Zeit. Er wurde am 19. Februar 1920 in Tallinn geboren und studierte 1938-1944 an der Universität Tartu Jura. Während der Besatzung Estlands durch die Deutschen 1944, wurde Kross für einige Monate gefangen genommen, kam aber wieder frei. 1946-1951 war er politischer Gefangener der Sowjets und wurde in ein Lager in der Komi ASSR deportiert, wo er in einer Steinkohlegrube arbeitete. 1951-1954 verbrachte er als Verbannter im Gebiet Krasnojarsk.

1954 kehrte Kross nach seiner Kriegsgefangenschaft und Verbannung nach Tallinn zurück und war als freier Schriftsteller tätig. Er schrieb Gedichte und Romane mit historischen Themen sowie Novellen. In der Zeitschrift Looming veröffentlichte der Autor bereits ab 1955 einige Gedichte. Sein eigentliches Debüt machte er schließlich 1958 mit der Gedichtsammlung Söerikastja (z.Dt. Kohleanreicherer), dessen Titel auf seine Lagerarbeit anspielt. Kross’ erster Roman mit historischem Stoff, Kolme katku vahel (dt. Das Leben des Balthasar Rüssow) erschien in Estland zwischen 1970 und 1980 in mehreren Bänden. Es ist eines der umfangreichsten Prosawerke der estnischen Literaturgeschichte. Die Schauplätze in Kross’ Romanen sind zumeist in Estland, haben aber auch außerhalb davon immer einen deutlichen Bezug zum estnischen Gebiet. Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt, viele davon auch ins Deutsche.

1989 bekam Kross die Ehrendoktorwürde der Universität Tartu, 1990 die der Universität Helsinki. 1992-1993 war er sogar Abgeordneter des estnischen Parlaments.
Kross war insgesamt dreimal verheiratet, seit 1958 mit der Schriftstellerin Ellen Niit. Aus seinen Ehen gingen insgesamt vier Kinder hervor. Der Autor starb am 27. Dezember 2007 im Alter von 87 Jahren in Tallinn.

Quellen:
Hassleblatt, Cornelius. 2006. Geschichte der estnischen Literatur. Berlin/New York.
Tonts, Ü. 1995. Jaan Kross. In: Kruus, Oskar. 1995. Eesti Kirjarava Leksikon. Estnisches Schriftstellerlexikon. Tallinn. 228-230.
https://www.perlentaucher.de/buch/jaan-kross/wikmans-zoeglinge.html
http://www.ra.ee/apps/andmed/index.php/matrikkel/view?id=16957
https://et.wikipedia.org/wiki/Jaan_Kross

Bildquelle: Julius Jansson on Unsplash

Busójárás in Mohács – Karneval in Südungarn

Wie ist denn Karneval so in Ungarn? Das durfte ich letztes Wochenende endlich mal am eigenen Leib erfahren. Und diese Erfahrung möchte ich natürlich mit euch teilen. Busójárás heißt der Karneval in der knapp 20.000-Seelen-Stadt Mohács nahe der kroatischen Grenze. Zu den Einwohnern kamen noch etwa 30.000 Gäste (inkl. uns etwa 100 Erasmus-Studenten aus Szeged), die die Straßen der kleinen Stadt an der Donau füllten. Busójárás dauert insgesamt sechs Tage und endet am Tag vor Aschermittwoch. Am letzten Tag wird das große Karnevalsfeuer angezündet. Der große Holzhaufen für das Feuer steht aber schon während der Feierlichkeiten davor. Busójárás steht auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Auf den Feierlichkeiten sind etwa 1000 Busós unterwegs, das sind mit volkstümlichen Masken und Fellkostümen gekleidete Männer. Oft haben sie ein Schokatz*-Mädchen an der Hand; ansonsten begegnet man immer wieder einem Jankele**. In der Stadt sind überall Stände aufgestellt, an denen Essen, Getränke oder Souvenirs verkauft werden und es gibt mehrere Bühnen, auf denen Volksmusik- oder –tanzgruppen ihre Künste präsentieren. Durch die Straßen ziehen Szekér (Wagen) mit Busóleuten drauf, die Lärm machen. Auch die Busós sind darauf aus, möglichst viel Lärm zu machen, zum Beispiel mit Kuhglocken an ihren Kostümen. Mit ihren Masken und dem Lärm wollen sie den Winter vertreiben, um Platz für den Frühling zu machen.

Die Busós sind immer auf der Suche nach Mädchen, die sie umarmen oder jagen können. Das Fest hat eine nicht so schöne Komponente, die man als Frau besonders spürt. Von den verkleideten Frauen bekommt man mit der Fliegenklatsche eins auf den Hintern und von den Männern mit dem Stock zwischen die Beine. Ab und zu bekommt man auch eine Hand voll Mehl oder Federn ab.

Als wir vormittags in Mohács ankamen, war noch nicht so viel los. Doch ab Mittag kamen immer mehr Leute, immer mehr Busós und immer mehr Bühnenprogramm. Die Stimmung war heiter, was vor allem an der ungarischen und kroatischen Volksmusik lag. Und am Alkohol, der hier und dort mal für umsonst ausgeschenkt wurde. Das Essen, das angeboten wurde, waren vor allem Fleischgerichte oder Backwaren, unter anderem der für die Festlichkeiten typische Kürtőskalács (ein aus Hefeteig über offenem Feuer gebackenes, rundes längliches Gebäck) in allen Variationen. Der Spaziergang zur Donau wurde jedes Mal zum Abenteuer, wenn ein Szekér vorbeifuhr oder eine Gruppe Hexen die Menge aufmischte. Überall wurden Fotos und Videos gemacht, denn der Samstag war der Tag, an dem die meisten Touristen kamen. Am Nachmittag konnte man auf dem Széchenyi-Platz noch ein bisschen ungarischen Volkstanz lernen: den Csárdás mit etwa 100 Leuten im Kreis zu tanzen ist schon beeindruckend.

Insgesamt war dieser Samstag ein aufregender Tag und alle, die zum ersten Mal beim Busójárás waren, schwärmen heute noch davon.

*Die Schokatzen (ung. sokácok, kroatisch šokci) sind eine kroatische Bevölkerungsgruppe, die in Kroatien, Serbien, Rumänien und im Süden Ungarns beheimatet ist.

**Die Jankele sind ebenfalls maskierte, in Lumpen gekleidete Menschen, deren Aufgabe es ist, Spaziergänger – insbesondere Kinder – von den Busós fernzuhalten. Sie haben einen Sack voller Lumpen, Mehl, Sägemehl, Asche oder Ruß dabei, womit sie auf Menschen – früher bevorzugt auf die eigenen Feinde – einprügeln.

Text: Karin Fichtner

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Karkauspäivä – eine Tradition für etwas andere Heiratsanträge

Am 29. Februar findet der Schalttag statt. Die eigentliche Funktion dieses Tages besteht nur daraus, den Kalender mit der Erdrotation um die Sonne, und somit auch den Jahreszeiten, im Gleichgewicht zu halten. Aber in Finnland gibt es eine eher ungewöhnliche Tradition. Denn in Finnland wird es gefeiert, dass am 29. Februar die Frauen den Männern Heiratsanträge machen und nicht umgekehrt.

Nach dem früheren Kalender war der Schalttag am 24. Februar, aber seit der Kalenderreform liegt er auf dem 29.02. In Finnland blieb der Tag dieser Tradition allerdings bis 1998 trotzdem der 24.02. Zum ersten Mal am 29.02. gefeiert wurde der Tag also im Jahr 2000 und danach natürlich alle vier Jahre.

Obwohl es früher eher ungewöhnlich war, dass die Frau den Heiratsantrag machte, gibt es diese Tradition schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Laut dieser Tradition muss der Mann, wenn er den Heiratsantrag nicht annimmt, der Frau Stoff für einen Rock oder ein Kleid kaufen. Diese Tradition ist aber keineswegs veraltet, in Finnland gibt es sogar Veranstaltungen, bei denen Anträge gemacht werden können und man kann dafür sogar Preise gewinnen. So zum Beispiel auch in der finnischen Gemeinde Lapinjärvi. Dort bekommt man zum Beispiel wenn man einen Heiratsantrag macht und ein Jahr später verheiratet ist, ein Grundstück zum halben Preis.

Quelle:

https://yle.fi/uutiset/osasto/news/finnish_winter_runs_away_on_leap_day/5298929

https://yle.fi/aihe/artikkeli/2012/02/28/karkauspaivana-nainenkin-saa-kosia

Bildquelle:

https://pixabay.com/de/photos/bl%C3%BCte-blumenstrau%C3%9F-braut-zeremonie-1836315/

Chiara Stephan, HG Göttingen, Praktikantin