Karkauspäivä – eine Tradition für etwas andere Heiratsanträge

Am 29. Februar findet der Schalttag statt. Die eigentliche Funktion dieses Tages besteht nur daraus, den Kalender mit der Erdrotation um die Sonne, und somit auch den Jahreszeiten, im Gleichgewicht zu halten. Aber in Finnland gibt es eine eher ungewöhnliche Tradition. Denn in Finnland wird es gefeiert, dass am 29. Februar die Frauen den Männern Heiratsanträge machen und nicht umgekehrt.

Nach dem früheren Kalender war der Schalttag am 24. Februar, aber seit der Kalenderreform liegt er auf dem 29.02. In Finnland blieb der Tag dieser Tradition allerdings bis 1998 trotzdem der 24.02. Zum ersten Mal am 29.02. gefeiert wurde der Tag also im Jahr 2000 und danach natürlich alle vier Jahre.

Obwohl es früher eher ungewöhnlich war, dass die Frau den Heiratsantrag machte, gibt es diese Tradition schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Laut dieser Tradition muss der Mann, wenn er den Heiratsantrag nicht annimmt, der Frau Stoff für einen Rock oder ein Kleid kaufen. Diese Tradition ist aber keineswegs veraltet, in Finnland gibt es sogar Veranstaltungen, bei denen Anträge gemacht werden können und man kann dafür sogar Preise gewinnen. So zum Beispiel auch in der finnischen Gemeinde Lapinjärvi. Dort bekommt man zum Beispiel wenn man einen Heiratsantrag macht und ein Jahr später verheiratet ist, ein Grundstück zum halben Preis.

Quelle:

https://yle.fi/uutiset/osasto/news/finnish_winter_runs_away_on_leap_day/5298929

https://yle.fi/aihe/artikkeli/2012/02/28/karkauspaivana-nainenkin-saa-kosia

Bildquelle:

https://pixabay.com/de/photos/bl%C3%BCte-blumenstrau%C3%9F-braut-zeremonie-1836315/

Chiara Stephan, HG Göttingen, Praktikantin

Ferenc Erkel – der Komponist der ungarischen Nationalhymne

Am 22. Januar wird in Ungarn der Tag der ungarischen Kultur gefeiert. Der Dichter und Politiker Ferenc Kölcsey schrieb am 22. Januar 1823 sein Gedicht zu Ende, das später die ungarische Nationalhymne wurde. Über das Gedicht und den Dichter haben wir hier schon berichtet. Aber wer war der Komponist, der die Hymne vertonte?

Die Melodie der ungarischen Nationalhymne stammt von Ferenc Erkel (1810-1893). Erkel, im südungarischen Gyula geboren, wuchs als Spross einer donauschwäbischen Musikerfamilie auf. Von 1822 bis 1825 besuchte er das Gymnasium des Benediktinerordens in Pressburg. Sein Musiklehrer dort war der angesehene Musikpädagoge Heinrich Klein, ein Vertrauter Beethovens. In Pressburg besuchter Erkel Opernvorstellungen und Konzerte von Franz Liszt und dem Violinisten János Bihari. Mit 18 Jahren wurde er Klavierlehrer in Klausenburg.

Seinen ersten Auftritt als Klaviervirtuose hatte Erkel im Jahre 1834. Ein Jahr später zog er nach Pest und übernahm den Posten des Kapellmeisters am Deutschen Theater und am Budaer Ungarischen Theater. In sehr jungen Jahren dirigierte er bereits berühmte Opern. 

Von 1838 an war er als Dirigent am Pester Ungarischen Theater (Pesti Magyar Színház) tätig: dort baute er das Orchester und den Chor auf und gründete später die Philharmonische Gesellschaft. Im Theater traten berühmte Persönlichkeiten der Zeit auf: die Opernsängerin Róza Déryné Széppataki und der Schauspieler, Komponist und Librettist Béni Egressy. Egressy vertonte das Gedicht des ungarischen Dichters Mihály Vörösmarty Szózat, Mahnruf, das später die inoffizielle zweite Nationalhymne Ungarns wurde.

Aber zurück zu Erkel. Am 8. August 1840 wurde seine erste Oper Báthori Mária im neugegründeten Nationaltehater uraufgeführt – die ungarische Nationaloper war geboren. Später wurde Erkel erster Dirigent des Nationaltheaters und blieb hier 30 Jahre. Er war Mitbegründer, Direktor und Klaivierlehrer der Musikakademie und später übernahm er den Posten des Obermusikdirektors am 1884 gegründeten Opernhaus.

Die ungarische Nationalhymne

Um Kölcseys Hymnus zu vertonen, ließ 1844 der Direktor des Nationaltheaters einen Wettbewerb durchführen. Preisgekrönt wurde die Musik von Erkel. Die Hymne, wie sie heute gesungen wird, ist jedoch mit dem Original nicht ganz identisch, denn die ursprüngliche Version wurde in einem etwas schnelleren Tempo gespielt. Die Melodie wurde erst nach dem Friedensvertrag von Trianon (4. Juni 1920), bei dem Ungarn ein Drittel seines Gebiets verlor, langsamer und tragischer.

Im 19. Jahrhundert wurden die beiden Nationallieder Hymne und Mahnruf abwechselnd gesungen, aber in den 1850-ern Jahren gewann die Hymne allmählich an Bedeutung.

Der Opernkomponist

Erkel komponierte insgesamt neun Opern, die den Stil Rossinis mit der im 18. Jahrhunder entstandenen ungarischen Verbunkos-Musik vereinen. Das Wort Verbunkos geht auf das deutsche Wort werben zurück: diese Tanzmusik wurde nämlich ursprünglich bei der Anwerbung von Soldaten gespielt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam der Verbunkos auch in den Operhäusern an: die bekanntesten Opern Erkels, Hunyadi László und Bánk bán, waren stark von ihm beeinflusst.

Der Schachspieler

Erkel gehörte lange Zeit zu den stärksten Schachspielern Ungarns und war 28 Jahre lang Vorsitzender des Pester Schachklubs.

Die Hymne kann man hier anhören: https://www.youtube.com/watch?v=M_1XePK1DAk

Link zum Palotás aus der Oper Hunyadi László: https://www.youtube.com/watch?v=R9S-06wV0VM

Quellen:

https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_E/Erkel_Familie.xml
http://www.fszek.hu/konyvtaraink/kozponti_konyvtar/zenei_gyujtemeny/erkel_ferenc_elete_es_muvei/?article_hid=3332
Bildquelle: pixabay

Die estnischen Liederfeste

Im Juli 2019 haben sich zigtausende Esten auf dem Tallinner Liederfestplatz getroffen, um das 150-jährige Jubiläum der estnischen Liederfeste zu feiern.

Zum ersten allgemeinen Liederfest 1869 in Tartu trafen sich 51 Männerchöre und Orchester mit insgesamt 845 Teilnehmern. Der Anlass war das 50-jährige Jubiläum der Entlassung aus der Leibeigenschaft in der mittleren Ostseeprovinz Livland. Dieses große Ereignis bot in der Zeit des nationalen Erwachens eine gute Möglichkeit, Einheit zu demonstrieren. Auf dem Fest waren drei estnische Originallieder vertreten – zwei Gedichte von Lydia Koidula und das Gedicht ihres Vaters Voldemar Janssen Mu isamaa, mu õnn ja rõõm (‘Mein Vaterland, mein Glück und meine Freude‘), das sich im Laufe der Zeit zur estnischen Nationalhymne entwickelte.

Nationalgefühl wollte man auch 1988 während der Jahre der singenden Revolution demonstrieren, als sich in Tallinn über 300.000 Menschen aus dem ganzen Baltikum versammelten und die in der Sowjetzeit verbotene Nationalhymne sangen. Die Melodie war den Esten, trotz Verbotes, nicht in Vergessenheit geraten, denn die finnische Nationalhymne, die zur selben Melodie gesungen wird, wurde
vom finnischen Rundfunk jeden Abend zum Sendeschluss über die Ostsee ausgestrahlt.

Die Tradition des Liederfestes gehört heute zum wichtigen Bestandteil der estnischen Identität und ist seit 2003 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Das Thema des Liederfestes im Sommer 2019 war mit Lydia Koidulas Worten Minu arm „Mein Vaterland ist meine Liebe“.

Quellen:
Hasselblatt, Cornelius (2006): Geschichte der estnischen Literatur. Berlin/New York.
https://et.wikipedia.org/wiki/Laulupidu
http://2019.laulupidu.ee

Bildquelle:
https://et.m.wikipedia.org/wiki/Fail:Laulupidu_07072019.jpg

Suomi 101

Zwei Jahreszahlen prägten die Geschichte Finnlands entscheidend: 1809 und 1917.

Nach einer fast 700-jährigen Zugehörigkeit zum Schwedischen Königreich (ca. 1154-1809) fiel Finnland 1809 als autonomes Großfürstentum kriegsbedingt an Russland. Der politische Status „Staat im Staat“ dauert fast 100 Jahre. In dieser Zeit führte Finnland (1906) als erstes Land in Europa das Frauenwahlrecht ein und wählte bei der Parlamentswahl (1907) die ersten weiblichen Abgeordneten der Welt.
Am 6. Dezember 1917 erklärte Finnland seine Unabhängigkeit von Russland und konstituierte sich als unabhängige Republik mit einem Präsidenten (später auch einer Präsidentin) als Staatsoberhaupt.Die sozialen Missstände waren zu Beginn der Unabhängigkeit so groß geworden, dass im Januar 1918 der Bürgerkrieg zwischen den sozialistischen „Roten“ und den bürgerlichen „Weißen“ ausbrach. Nach vier Monaten Krieg siegten die Weißen, die junge Nation war aber gespalten und die Wunden des Krieges waren nur schwer heilbar. Während des zweiten Weltkrieges verteidigte Finnland seine Unabhängigkeit gegen die Sowjetunion. Als Bedingung für den Waffenstillstand im Herbst 1944 musste der Kontakt zu den Deutschen abgebrochen werden, die an der Seite der Finnen in Lappland gekämpft hatten, was zum Lapplandkrieg zwischen Deutschland und Finnland geführt hat. Als Folge des Pariser Friedensvertrages verlor Finnland etwa 10% seines Gebietes und die Bevölkerung aus den abgetretenen Gebieten musste evakuiert werden. Eine Besatzung durch die Sowjetunion blieb den Finnen aber erspart und Finnland konnte seine Unabhängigkeit bewahren. Heute ist Finnland Mitglied der Vereinten Nationen und des Nordischen Rates (seit 1955), Mitglied der Europäischen Union (seit 1995), Mitglied der europäischen Währungsunion (seit 1999) und der Eurozone (seit 2002). 2017 feierte Finnland das einhundertjährige Jubiläum seiner Unabhängigkeit unter dem Motto „Yhdessä“ [Gemeinsam]. Das Festjahr wurde überall in Finnland sowie auch außerhalb der Landesgrenzen mit zahlreichen Veranstaltungen begangen. Die Feierlichkeiten begannen am 1.1.2017 und endeten am 6. Dezember 2017, dem Unabhängigkeitstag und zugleich Nationalfeiertag Finnlands.

 

Text: Christine Bethge, Bilder: Tiina Savolainen

Geschichte Estlands — 100 Jahre Selbstständigkeit

Die Geschichte Estlands ist lang (10.000 Jahre), die Geschichte des estnischen Staates ist kurz (100 Jahre): Nachdem Estland im 13. Jahrhundert durch die Deutschen und Dänen christianisiert worden war, herrschten dort unterschiedliche Mächte: der Deutsche Orden, die Könige von Dänemark, Schweden und Polen sowie die russischen Zaren. Stets gab es die deutschsprachige Ober- und die estnische, bäuerliche Unterschicht. In der nationalen Geschichtsschreibung wird diese Zeit gerne als „die 700-jährige Sklavenzeit“ bezeichnet. Tatsächlich wurde Estland aber in dieser Zeit auch ein Teil des westeuropäischen Kulturkreises. Im 19. Jahrhundert begann in Estland das sog. nationale Erwachen.

Am 24. Februar 1918 wurde in den Wirren des Ersten Weltkriegs und der Russischen Revolution die Republik Estland ausgerufen und anschließend im sog. Freiheitskrieg (1918-1920) verteidigt. Estland baute schnell ein selbstständiges politisches, wirtschaftliches und kulturelles Leben auf europäischem Niveau auf. Nachdem Hitler und Stalin 1939 Europa vertraglich unter sich aufgeteilt hatten, besetzte die Sowjetunion von 1944-1991 Estland. Die Bewahrung der estnischen Sprache und Kultur wurde zum Akt des Widerstandes gegen das totalitäre Sowjetregime.

Mit der sog. Singenden Revolution erlangte Estland im Jahre 1991 seine staatliche Unabhängigkeit wieder. Seit 2004 ist Estland Mitglied der NATO und der Europäischen Union, seit 2011 auch der Euro-Zone. Gerne wird das kleine Land als Musterschüler Europas bezeichnet. Im Jahr 2018 feiert die Republik Estland ihren 100. Geburtstag.

Text: Dr. Kadri-Rutt Hahn
Bilder: Katja Mattsson

Mikael Agricolan ja suomen kielen päivä

(Deutsche Version s. u.)

Vuodesta 1960 alkaen on 9. huhtikuuta ollut suomalaisissa kalentereissa Mikael Agricolan päivä. Myöhemmin päivän määreeksi lisättiin vielä suomen kielen päivä ja siitä tehtiin virallinen liputuspäivä.

Kuka sitten oli Mikael Agricola? Hänen tarkkaa syntymäpäiväänsä tai edes -vuotta ei tunneta eikä myöskään tiedetä, oliko Mikaelin äidinkieli suomi vai ruotsi. Hän syntyi noin vuonna 1510 Pernajassa, itäisellä Uudellamaalla. Hän kävi koulua Viipurissa, missä hän otti isänsä ammatin mukaan nimekseen Agricola. Viipurin kouluvuosien jälkeen Agricola siirtyi Turkuun piispan sihteeriksi ja sieltä hänet lähetettiin vuonna 1536 opiskelemaan Wittenbergin yliopistoon, josta hän 1539 valmistui maisteriksi. Opintojen jälkeen Kustaa Vaasa nimesi Mikael Agricolan Martti Lutherin ja Philip Melanchtonin suosituskirjeiden perusteella Turun katedraalikoulun rehtoriksi. Myöhemmin Kustaa Vaasa nimesi Agricolan Turun hiippakunnan piispaksi. Agricola kuoli Viipurin lähellä 9. huhtikuuta vuonna 1557 ollessaan paluumatkalla rauhanneuvotteluista Moskovasta.

Agricolaa pidetään Suomen uskonpuhdistajana, sillä hän toi Lutherin opit Suomeen. Hän suomensi Uuden testamentin ja runsaasti muutakin uskonnollista kirjallisuutta tarkoituksenaan tehdä suomenkieliset jumalanpalvelusmenot mahdollisiksi. Jo ennen Uutta testamenttia Agricola julkaisi vuonna 1543 suomenkielisen Abckirian, uskonnollissisältöisen aapisen. Vaikka Agricola ei ollut ensimmäinen suomen kieltä kirjoittanut, pidetään Abckiriaa suomalaisen kirjallisuuden esikoisteoksena. Koska Agricolan aikaan suomen kielellä ei ollut vakiintunutta kirjoitusmuotoa, oli Agricolan kirjoittaessaan luotava oikeinkirjoitus. Tämä toi hänelle myöhemmin lisänimen suomen kirjakielen isä.

Asiaa opiskelemattoman nykysuomalaisen on usein vaikea ymmärtää Agricolan kirjoittamia tekstejä: kieli on 500 vuodessa muuttunut ja lisäksi Agricolan oikeinkirjoitus noudattelee pitkälti germaanisten kielten oikeinkirjoituksen periaatteita, esimerkiksi suomelle tärkeitä pitkien ja lyhyiden äänteiden eroja ei merkitä kuten nykysuomessa. Agricolan tekstit saattaisivat aueta nykysuomalaiselle paremmin, jos hän laittaisi suomea osaamattoman saksalaisen lukemaan niitä itselleen ääneen. Abckirian etulehdeltä löytyy näytteeksi seuraava runo:

Oppe nyt wanha ia noori / joilla ombi Sydhen toori.
Jumalan keskyt / ia mielen / iotca taidhat Somen kielen.
Laki / se Sielun Hirmutta / mutt Cristus sen taas lodhutta.
Lue sijs hyue lapsi teste / Alcu oppi ilman este.
Nijte muista Elemes aina / nin Jesus sinun Armons laina.
 

Agricolan jälkeen suomen kielen kehitys oli hyvin hidasta, 1700-luvulla taantuvaakin, kunnes kansallisromanttisten aatteiden myötä Suomessa 1800-luvulla heräsi tarve kehittää ja uudistaa suomen kieltä. Huhtikuun 9. päivänä tasan 245 vuotta Agricolan kuoleman jälkeen syntyi Sammatissa Elias Lönnrot, joka muun muassa kokosi Kalevalan, kirjoitti sanakirjan ja kehitti suomen kieltä Agricolan luomalta perustalta monin uudissanoin ja joka laajasta elämäntyöstään on saanut ansaitun suomen kielen uudistajan lisänimen.

Lähteet:

Lehikoinen, Laila/Kiuru, Silva: Kirjasuomen kehitys. Helsinki, 1989.

https://kansallisbiografia.fi/kansallisbiografia/henkilo/14

Mikael-Agricola-Tag und Tag der finnischen Sprache

Seit 1960 ist der 9. April in den finnischen Kalendern der Mikael-Agricola-Tag. Später wurde der Zusatz Tag der finnischen Sprache hinzugefügt und der Tag wurde zu einem offiziellen Tag der öffentlichen Beflaggung erklärt.

Wer war denn Mikael Agricola? Den genauen Geburtstag oder das Geburtsjahr kennt man nicht, ebenso weiß man nicht, ob Mikaels Muttersprache Finnisch oder Schwedisch war. Er wurde ungefähr im Jahr 1510 in Pernaja, im östlichen Uusimaa geboren. Er besuchte die Schule in Wyborg, wo er dem Beruf seines Vaters entsprechend den Namen Agricola annahm. Nach den Schuljahren wurde er Bischofssekretär in Turku und von dort wurde er zum Studium an die Universität Wittenberg geschickt, wo er 1539 Magister wurde. Nach dem Studium ernannte ihn Gustav Wasa auf Grund der Empfehlungsbriefe von Martin Luther und Philip Melanchton zum Rektor der Kathedralschule in Turku. Später ernannte Gustav Wasa ihn zum Bischof von Turku. Agricola starb am 9. April in der Nähe von Wyborg, als er auf der Rückfahrt von Friedensverhandlungen in Moskau war.

Agricola gilt als Reformator Finnlands, denn er brachte die Lehre Luthers nach Finnland. Er übersetzte das Neue Testament und zahlreiche weitere religiöse Texte ins Finnische mit der Absicht, einen finnischsprachigen Gottesdienst zu ermöglichen. Schon vor dem Neuen Testament veröffentlichte Agricola im Jahr 1543 das finnischsprachige Abckiria, eine Fibel mit religiösem Inhalt. Obwohl Agricola nicht der erste war, der Finnisch schrieb, hält man das Abckiria für das Erstlingswerk der finnischsprachigen Literatur. Weil die finnische Sprache zu Agricolas Zeiten noch keine feste Rechtschreibung besaß, musste Agricola beim Schreiben eine Orthographie entwickeln. Das gab ihm später den Beinamen Vater der finnischen Schriftsprache.

Einem modernen Finnen, der Agricolas Sprache nicht studiert hat, fällt es oft schwer, seine Texte zu verstehen: die Sprache hat sich in 500 Jahren verändert und darüber hinaus folgt Agricolas Rechtschreibung weitgehend den orthographischen Prinzipien der germanischen Sprachen. Beispielsweise wird der für das Finnische wichtige Unterschied zwischen langen und kurzen Lauten nicht so wie heute markiert. Agricolas Texte könnten für den heutigen Finnen leichter zu verstehen sein, wenn sie ihm von einem deutschen Muttersprachler, der kein Finnisch kann, laut vorgelesen werden würden. Als Probe bietet sich das folgende Gedicht aus dem ersten Blatt des Abckiria an:

Oppe nyt wanha ia noori / joilla ombi Sydhen toori.
Jumalan keskyt / ia mielen / iotca taidhat Somen kielen.
Laki / se Sielun Hirmutta / mutt Cristus sen taas lodhutta.
Lue sijs hyue lapsi teste / Alcu oppi ilman este.
Nijte muista Elemes aina / nin Jesus sinun Armons laina.

Nach Agricola war die Entwicklung der finnischen Sprache sehr langsam, im 18. Jahrhundert sogar rückgängig, bis im 19. Jahrhundert mit der nationalromantischen Ideologie der Bedarf entstand, die finnische Sprache zu entwickeln und zu erneuern. Am 9. April, genau 245 Jahre nach Agricolas Tod wurde in Sammatti Elias Lönnrot geboren, der unter anderem das Kalewala verfasste, ein Wörterbuch schrieb, die finnische Schriftsprache auf Agricolas Grundlage mit vielen neuen Wörtern weiterentwickelte und der für sein umfangreiches Lebenswerk den verdienten Beinamen Reformator der finnischen Sprache trägt.

Quellen:

Lehikoinen, Laila/Kiuru, Silva: Kirjasuomen kehitys. Helsinki, 1989.

https://kansallisbiografia.fi/kansallisbiografia/henkilo/14