Sprachassistenz in Norwegen – Hei fra Norge!

Wir sind Anna, Sebastian und Marie und arbeiten zurzeit als Teaching Assistants in Norwegen. Seit August 2016 leben wir in der Nähe Oslos. Wir sind über die Akershus fylkeskommune hier, die uns Unterkunft, Nahverkehrsticket und Sprachkurs finanziert. Insgesamt sind wir sieben Sprachassistenten aus Deutschland, Spanien, Rumänien und Großbritannien. Wir drei sind an unterschiedlichen Schulen eingesetzt und assistieren hauptsächlich im Sprachunterricht, vorranging natürlich im Deutschunterricht. Hier erfahrt ihr mehr über unserer Schulpraktikum und unser Leben im Norden.

Warum seid ihr hier?

Sebastian: „Das Ziel meines Praktikums ist es, soviel Zeit wie möglich im Unterricht zu verbringen – entweder, indem ich selber unterrichte oder indem ich „unterstütze“. Ich finde, dass ich später vor allem durch Praxiserfahrung ein guter Lehrer werden kann. Natürlich möchte ich auch ein so schönes Land wie Norwegen besser kennenlernen und Norwegisch lernen.“

Anna: „Meine Hauptmotivation war es Praxiserfahrung zu sammeln, einen Einblick in ein anderes Schulsystem zu bekommen, also eine Alternative zum deutschen Schulsystem zu sehen und eine neue Kultur und Sprache kennenzulernen.“

Marie: „Das Angebot, in Norwegen als Sprachassistentin zu arbeiten, hat für mich zwei Wünsche erfüllt. Zum einen bin ich seit ein paar Jahren absolut fasziniert von Norwegen und zum anderen wollte ich eine Praxisphase haben, die länger als die üblichen Schulpraktika geht Außerdem ist es ganz schön mal aus dem Unileben herauszukommen, sich in einer fremden und neuen Umgebung weiterzuentwickeln und den Beruf praktizieren zu können, den man anstrebt.“

Was sind eure Aufgaben?

Sebastian: „Deutsch ist nach Englisch die am weitesten verbreitete Fremdsprache in Norwegen, doch in den letzten Jahren hat das Interesse an Deutsch merklich nachgelassen. Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner Norwegens, weswegen die für die weiterführenden Schulen in der Region zuständige Schulverwaltung den Deutschunterricht fördern möchte. Als Assistenzlehrer ist es nun meine Aufgabe den Deutschlehrkräfte zu unterstützen, im Unterricht auf Deutsch mit den Schülerinnenn und Schülern zu kommunizieren und ihr Interesse am Land und an der Sprache zu wecken.“

Marie: „Neben der Unterstützung im Unterricht gebe ich einmal die Woche einen Deutschworkshop, zu dem Schülerinnen und Schüler kommen können, die zusätzlich üben möchten.“

Anna: „Wir entwickeln Unterrichtsstunden zu unterschiedlichen Themen, wie z.B. Kultur, Landeskunde, Grammatik oder planen Gruppenaktivitäten und erstellen Arbeitsmaterialien. Außerdem konnte ich einige Vertretungsstunden übernehmen und mich ausprobieren. “

Welche Unterschiede zwischen Deutschland und Norwegen gibt es bezüglich der Schulorganisation und des Schulsystems?

Sebastian: „Bis zur einschließlich 10.Klasse gehen alle Schüler und Schülerinnen auf eine gemeinsame Schule. Anschließend geht der Großteil an die ‚videregående skole‘, die unserer Oberstufe entspricht. Hier kann man zwischen dem allgemeinen Zweig, der aufs Studium vorbereitet, oder einem beruflichen Zweig, wählen. Interessanterweise wird mündliche Mitarbeit nicht benotet.“

Anna: „Besonders ist, dass jede Lehrkraft einen eigenen Arbeitsplatz hat, der sich in einem Gemeinschaftsbüro befindet. Somit sind Pausenraum und Arbeitsraum getrennt. Außerdem ist die Nutzung von Computern verbreiteter als in Deutschland. Alle Schülerinnen und Schüler haben einen eigenen Laptop, mit dem jeden Tag gearbeitet wird. Außerdem habe ich das Gefühl, dass insgesamt mehr neue Medien eingesetzt werden, als an deutschen Schulen.“

Marie: „Nicht nur die Schülerinnen und Schüler haben jeweils einen eigenen Computer, sondern auch Lehrkräfte bekommen einen zur Verfügung gestellt. Zudem ist meiner Meinung nach die Zusammenarbeit der Lehrkräfte untereinander, sei es bezüglich Unterrichtsvorbereitung, Testerstellung oder Auswertung näher, als die der Lehrer und Lehrerinnen, mit denen ich in Deutschland zusammengearbeitet habe. Auch wird mehr Wert auf individuelle Rückmeldung gelegt.“

Wie sieht euer Alltag aus?

Anna: „An vier Tagen in der Woche arbeite ich in der Schule. Mittwochs habe ich meistens frei und nutze den Tag um Oslo zu erkunden und meinen Unterricht vorzubereiten. Für die Erkundung der Stadt ist nach der Schule nicht viel Zeit, da ich an drei Tagen der Woche erst 16:30 nach Hause komme und wir außerdem ein wenig außerhalb wohnen. Oslo ist eine Stadt, die viel bietet, sodass es nie langweilig wird. Heute Abend nehme ich zum Beispiel an einem Türkischkochkurs teil.“

Sebastian: „Mein Weg zur Schule dauert ca. 90 Minuten. Allerdings habe ich das große Glück, dass ich jeden Tag nach Oslo komme und auch mit dem Boot durch den Oslofjord zur Schule fahren darf, was für den langen Weg entschädigt und mir zusätzliche Arbeitszeit verschafft. Zweimal pro Woche gehe ich zum Norwegisch-Kurs. An den Wochenenden gehe ich oft laufen und bin viel mit meinem Rad unterwegs. Im Moment warte ich auf viel Schnee, damit ich endlich Skilanglauf machen kann.“

Marie: „Mein Arbeitstag beginnt in der Regel recht spät. Meistens muss ich erst 9.55 Uhr in der Schule sein. Meine Schule ist gleich nebenan, was super praktisch ist, da ich im Vergleich zu den anderen länger schlafen kann. Unterricht habe ich dann bis ca. 15.30 Uhr. Meine Nachmittage und Abende füllen sich durch Sprachkurse, Unterrichtsvorbereitung oder dem in die Stadt fahren. Am Freitagabend unternehme ich oft was mit meinen Mitbewohnerinnen (eine davon ist Anna), da gehen wir beispielsweise ins Kino oder kochen zusammen. Am Wochenende fahre ich gern in die Stadt.“

Was waren bis jetzt eure Highlights?

Anna: „Wenn ich frei habe, bin ich in Norwegen unterwegs. In den letzten vier Monaten war ich in Stavanger, Bergen, Trondheim und Tromsø und habe die norwegische Natur genossen. Ein großes Highlight waren für mich die Nordlichter in Tromsø.“

Sebastian: „Gleich nach meiner Ankunft in Norwegen bin ich mit der Bergenbahn von Oslo nach Bergen und von dort mit einem Hurtigrutenschiff nach Ålesund gefahren. Den Geirangerfjord bei Sonnenschein zu sehen war gigantisch. In den Herbstferien war ich vier Tage lang auf Svalbard, in Deutschland bekannt als Spitzbergen.“

Marie: „Es wirklich schwer das zu sagen, da ich schon so lange nach Norwegen wollte und deshalb für mich alles in der ein oder anderen Weise ein Highlight darstellt. Meine Reise nach Bergen war natürlich ein Highlight aber auch die ganz spontane Schneeballschlacht, die ich mit meinen Mitbewohnerinnen und deren Freunden hatte, war einfach was ganz besonderes. Erst gestern waren wir beim Skispringen in Lillehammer, was fantastisch war.“

Wir hoffen, dass wir euch einen kleinen Einblick in unser Praktikum im Ausland geben konnten und vielleicht habt ihr nun sogar auch Lust eins zu machen.

Mange hilsener,

Sebastian, Anna und Marie

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