Cambodia

Dez 24 2016

Siem Reap ist eine 200.000 Einwohner Stadt im nördlichen Cambodia. Mein Hostel war recht primitiv (selbst im Vergleich zu allen anderen, die ich bisher hatte), was jedoch vermutlich auch dem unfassbaren Preis von 3USD/Nacht zu schulden war. Und ja: in Cambodia zahlt man Beträge in $ (jedoch nur Scheine). Das Rückgeld gibt es meist ebenfalls in Dollar, nur alles kleiner als ein Dollar wird in Kyat (ausgesprochen etwa „Tschiat“) gegeben. Dafür wird mit dem festen Wechselkurs von 1$=4000Ks gerechnet.

In Siem Reap traf ich nicht nur einen Freund für einen Abend (an dem wir hauptsächlich unsere Reise durch Indonesien planten), sondern konnte auch endlich mal Thomas Wanhoff vom Podcast „Wanhoffs Wunderbare Welt der Wissenschaften“ kennenlernen, der dort lebt und mir schon vorher für Bangkok viele gute Ratschläge gegeben hatte.
Wir verabredeten uns für eine Radtour durch die Reisfelder am Rande der Stadt. Die Felder hatten fantastische Farben und es gab viel zu sehen:

Und eine Pilz-Farm haben wir auch gesehen:

Nach einer kleinen Stärkung mit jungem, gestampftem Reis (schmeckt sehr gut!) und einer kleinen Kaffeepause ging es anschließend Richtung Angkor Wat. Eine verpasste Abzweigung führte uns in ein ausgesprochen interessantes und spannend zu fahrendes Gebiet, welches angrenzend zu einer „Lion Farm“ war. Diese wurde nur mit sehr altem rostigem Draht umzäunt, aber statt einem Löwen war auch nur ein Hündchen zu sehen…
An einem Punkt, wo Thomas normalerweise umkehrt und an dem Fluss wieder entlangfährt, entschlossen wir uns, in die entgegengesetzte Richtung zu Fahren. Wir waren nun merklich außerhalb der Stadt und es wurde immer waldiger. Ein kleiner Pfad führte bald zwischen Bäumen hindurch und schließlich kamen wir zu einer Straße fast bei Angkor Wat. Eine wundervolle Fahrt mit einem ausgesprochen netten Thomas. Vielen Dank nochmal!

Angkor Wat ist DER Tempel (eigentlich sind es sehr viele Anlagen) in Asien, den man besuchen sollte.

Die Eintrittspreise von 20$ für einen Tag und 40$ für drei Tage sind zwar hoch, bei dem was einem geboten wird jedoch noch akzeptabel. Ab nächstem Jahr sollen die Preise jedoch verdoppelt werden, was mit Sicherheit nicht dazu führt, dass mehr 3 oder gar 7 Tages Tickets verkauft werden…

Aber nicht nur das eigentliche Angkor Wat, sondern auch noch zahlreiche andere Anlagen sind sehenswert:

Am letzten Abend in Siem Reap ging ich noch in den Zirkus. Man wird dort keine eingesperrten Tiere sehen, doch ist er weltbekannt für seine Artisten. Für den recht stattlichen Preis von 18$ kann man die 1h 15min dauernde Vorstellung genießen. Das Programm wechselt regelmäßig und wird von den Artisten in Zusammenarbeit mit einer Kunst-Schule entworfen. Es kommt quasi komplett ohne Sprache aus, und doch gerät man immer wieder ins Staunen oder lacht laut los.

So dann ging es auf mit dem Bus nach Phnom Penh, der Hauptstadt Cambodias.
Gerade angekommen ging ich zum Kanal und setzte mich hin um die Aussicht zu genießen. Recht bald kam augenscheinlich ein Khmer (Cambodianer) an, der in recht gutem Englisch fragte, wo ich her kam. „Oh, my niece will study medicine in Dortmund. Can you come with me to talk to my sister?“. Nach einem kurzen Gespräch willigte ich also zunächst ein, mitzukommen. Er sei ein Casino-Leiter auf einem Kreuzfahrtschiff und könne mir Tricks beibringen, wie man jedes Casino ausnehmen kann (Antwort: Ich halte nichts von Glücksspiel). Er stellte mir auf der Fahrt zu ‘seiner’ Wohnung Fragen wie: Welche Kreditkarte hast du und kannst du die empfehlen? Als meine Antwort darauf (so langsam ging mir auf, in was ich da reingeraten war) lautete: „Ich bin nur ein Student ohne Einkommen. Ich habe doch keine Kreditkarte“, merkte man, wie sein Interesse abnahm. Als ich dann auch noch verlauten ließ, dass ich gerade von einem Restaurant kam und dort 1,5l getrunken hatte, da konnte seine Nichte doch recht plötzlich nicht kommen. Ich wurde also zurückgefahren und der Fahrer wollte doch tatsächlich noch Geld für die Fahrt haben. Schade aber, dass ich ich der „armen Dame“ nicht weiterhelfen konnte…

Leider regnete es quasi ständig, so dass man die Stadt nicht wirklich genießen konnte. Mein Eindruck (vielleicht etwas von den düsteren Wolken und dem Erlebnis am ersten Tag beeinflusst): eine eher drückende Stimmung.

Es gibt einige Märkte, die teilweise billige Replika und Souvenirs verkaufen, auf anderen gibt es alles, was die Menschen so brauchen. Es scheint noch immer eher ungewöhnlich zu sein, in einen Supermarkt zu gehen und die meisten waren recht teuer (da vermutlich eh nur Touristen dort einkaufen). Essen generell ist recht günstig in Cambodia. Man kann (je nach Anspruch) durchaus mit 1-1.50$ (teilweise mit Getränk) über die Runden kommen. Ach und für die Biertrinker: das geht fast überall in Cambodia ab 0.50$ los.

Das National Museum war eher weniger interessant. Es gab einige Buddha-Statuen (die man in Tempeln & Co zu genüge sieht), ein paar verzierte Türsturze, alte Ringe und das war es quasi. Da war das Museum in Yangon (Myanmar) noch umfassender und für 5$ Eintritt und nochmal optionale 5$ für einen Audioguide kann man in der Region eine ganze Menge anderer Dinge anstellen.

[ACHTUNG: Die letzten beiden zwei Absätze sind nichts für schwache Nerven (oder Kinder) und gerade der zweite Absatz ist auch eher graphischer Natur einer unschönen Art]
Zum Beispiel kann man in die ehemalige Schule Tuol Sleng gehen, welches zu Zeiten der Roten Khmer (einsmaoistisch-nationalistische Guerillabewegung von 1975-79) zu einem geheimen Hochsicherheitsgefängnis umfunktioniert wurde. In ihm wurden „Feinde der Revolution“ (also Regimekritiker, ehemalige Genossen, aber auch einfach Gelehrte, wobei Brillenträger per se als Gelehrt galten) ohne Gerichtsbeschluss gefangen gehalten, gefoltert und nach einem Geständnis hingerichtet. Von den geschätzten 17.000-20.000 Inhaftierten überlebten 7 (und ja, hier fehlen keine drei Nullen) die Zeit.
Insgesamt ein sehr bedrückendes, aber extrem informatives Museum.

Anschließend lief ich zu den etwa 10km entfernt außerhalb der Stadt liegenden Killing Fields, welche ihren Namen bekamen, da die Hinrichtungskapazität und der Platz für Gräber in dem Gefängnis nach einiger Zeit ausgereizt war. Mehrmals im Monat wurden „geständige“ Insassen in Lastern unter dem Vorwand der Verlegung hier hingefahren und hingerichtet. Lautsprecher übertönten die Todesschreie. Nicht nur Männer, sondern deren ganze Familien wurden Hingerichtet mit dem Ziel, etwaigen Racheakten von Angehörigen zu entgehen. Selbst Babys wurden ihren Müttern entrissen und so lange gegen einen Baum geschleudert, bis sie verstarben. Von den zahlreichen Massengräbern steigen noch immer (auch nach umfangreichen Ausgrabungen) Knochen, Zähne und Kleidungsstücke an die Oberfläche. Zum Gedenken der zahlreichen fast ausnahmslos unidentifizierten Opfer wurde ein riesiger Turm errichtet, in dem sich bis unter den Rand Schädel türmen.
Ohne die teilweise offenen Massengräber und diese Gedenkstätte wäre dieser Ort ein wundervoller Fleck mit einem kleinen See und idyllischen Bäumen. Nur das Erinnern an die Vergangenheit lässt einem immer wieder Schauer über den Rücken gehen.

Nach diesen Eindrücken ging es für mich nach Kuala Lumpur (von den Malaien, welche Abkürzungen von Städten offenbar gerne mögen, oftmals nur als KL genannt). Mehr davon bald (hoffentlich sehr bald). Das Hochlanden der Bilder hat mehr als 4 Stunden gedauert, bis ich verstanden hatte, dass man während des Hochlandens etwas herunterladen muss, sonst stoppt er den Upload. Aber auch mit diesem Trick dauerte es noch immer viel zu lange…

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