Wie diszipliniert ist der Mensch?

Kaum hat der erste, dauerhafte Schnee die Straßen bedeckt und der Weihnachtsmarkt seine Pforten geöffnet, zieht es manch einen Studenten nach dem Ende des letzten Seminars zu einer Tasse Glühwein neben das Gänseliesl.  Nachdem ich nach einem solchen Genuss gemächlich mit dem Bus nach Hause fuhr, fragte ich mich bei einem nachdenklichen Blick nach draußen, wie diszipliniert ich eigentlich bin.

Nachdem das Semester inzwischen seinen gewohnten Gang geht, ich meinen Stundenplan auswendig kenne, mir all die Räume aber wohl nie merken werde, habe ich auch einen Überblick über das wöchentlich zu bewältigende Pensum gewonnen. Während ich in Erdkunde wahrscheinlich mehr für Kartographie tun sollte, als meine Weltkarte über dem Schreibtisch zu bewundern (obwohl ich nun weiß, dass sie zylindrischer Darstellung ist und mit starker Verzerrung zu den Polen hin gestaltet wurde), lese ich in Deutsch fleißig Werke zu Epik, Lyrik und Dramatik und bewundere meine Fähigkeit zum Neologismus in Mediävistik.

Als würde dies aber noch nicht genügen, hatte ich mir zum Ziel gesetzt eine bestandene Klausur aus dem SoSe erneut zu schreiben. In der Geographie erhält jeder Student pro Modul einen Freiversuch, sodass er eine Klausur erneut schreiben kann, auch wenn er diese bestanden hat. Da ich in den Sommermonaten unglaublich motiviert war und mir dachte, meine nicht so berauschende Note leicht verbessern zu können, nahm ich mir vor erneut zu schreiben. Wer konnte auch ahnen, dass der Nachschreibtermin auf Dezember angesetzt werden würde. So stellte ich Mitte November überrascht fest, dass „Relief und Boden“ nicht strahlend in einer Ecke meines Langzeitgedächtnisses auf mich gewartet hatte, sondern beleidigt von dannen gezogen war. Also hieß es erneut Exkursionsprotokolle wälzen, Bodentypen anschauen und Schneegrenzen zu berechnen und während all dieser Zeit fragte ich mich immer wieder: Willst du das wirklich? Da waren all die anderen Dinge, die liegen blieben- denn eine Klausur mitten im Semester nachzuschreiben ist nicht so leicht, wie man sich das vielleicht denken mag. Irgendwie schaffte ich es dennoch einigermaßen zu lernen (auch wenn ich munter Abstriche machte) und mich an diesem Montagmorgen in den Hörsaal zu schleppen. Die Moral von der Geschicht? Nun, ein Kunstwerk ist es wahrscheinlich nicht geworden, aber ich bin dennoch froh es versucht zu haben. So kann ich mich nun wenigstens vor der Was-wäre-wenn-Frage drücken.

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