Fortgeschrittenenpraktikum

Mittlerweile habe auch ich mein Fortgeschrittenenpraktikum fast abgeschlossen und möchte es hier kurz und kompakt zusammenfassen. Im Bachelorstudiengang Physik muss man in Göttingen üblicherweise im Semester 5 ein weiteres Praktikum absolvieren. Nach den 30 Versuchen des Grundpraktikums, hat man nun lediglich 5 zu absolvieren, die man sich zu Beginn des Semesters selbst aussucht [1]. Wie schon im Grundpraktikum, muss man natürlich auch hier Protokolle anfertigen, die nach Vorgabe etwa 8 Seiten reinen Text + Abbildungen und Tabellen enthalten sollten. Jedes Protokoll wird benotet und die Endnote errechnet sich aus den Einzelnoten per Mittlung. Für den ganzen Spaß gibt es dann 3 lächerliche Credit Points, was der Sache nicht im Ansatz gerecht wird [2]!

Ich habe mir die folgenden 5 Versuche ausgesucht:

  1. A4 Dunkle Materie in Spiralgalaxien :
    Warum braucht man Dunkle Materie? Was gibt es für Modelle und wie würden die entsprechenden Rotationskurven aussehen? Eines der Modelle an vorgegebene Daten anpassen und das Ergebnis interpretieren.
  2. H2 Helium-Neon-und Halbleiterdiodenlaser:
    Einen Helium-Neon-Laser aufbauen, kalibrieren und den Strahl hinsichtlich Spektrum, Polarisation, Leistung und Stabilität untersuchen. Anschließend das Spektrum eines Halbleiterdiodenlasers als Funktion der Temperatur aufnehmen, indem der Laser mit flüssigem Stickstoff abgekühlt wird.
  3. G2 Angewandte Magnetik und Gravimetrie über einer Basaltintrusion:
    Im »Gelände« ein Messprofil über die Basaltintrusion legen und daran entlang die Variation der magnetischen und gravitativen Feldstärke messen. Aus den Daten mit entsprechenden Modellen auf die Form der unterliegenden Gesteinsschicht, deren Abstand zur Oberfläche und die Dichte von Basalt schließen. [3]
  4. A2 Kosmische Entfernungsbestimmung:
    Die Entfernung zur Großen Magellanschen Wolke über die Variation in der Helligkeit bestimmter veränderlicher Sterne (Cepheiden → Periode-Leuchtkraft-Beziehung) bestimmen. Ergebnis: Zwischen der LMC und uns liegen etwa 59 kpc ≈ 190.000 Lichtjahre (Literaturwert: 51 kpc)!
  5. H1 Rastertunnelmikroskopie:
    Im Wesentlichen: Kennenlernen des Rastertunnelmikroskops und wie man damit arbeitet Die Messspitze selber anfertigen, eine Graphitprobe präparieren und darauf dann die Gitterkonstante und eine atomare Stufe auf der Oberfläche vermessen. (Klingt einfach, ist aber gar nicht so einfach!)

Eigentlich haben alle Versuche Spaß gemacht, wobei natürlich einige in der Auswertung und Diskussion der Ergebnisse »umständlicher« und aufwendiger waren als andere. Dem entsprechend war auch der Umfang der Protokolle verschieden und es schien mir doch stark von den eigenen Interessengebieten abzuhängen, ob man nun ständig 15 oder 20seitige Protokolle abzugeben hatte. So gesehen könnte man die einzelnen Versuche sicher ein bisschen besser auf einander abstimmen, wobei meine Kritik sich stärker gegen die Terminvergabe und die geringe Gewichtung in der Endnote richtet.

[1] Es sei denn die Vergabe findet online während der Semesterferien statt, man selbst befindet sich im Urlaub und kann nach der Rückkehr nur noch aus einem recht begrenztem Angebot wählen…
[2] 3 CreditPoints = 90 Stunden Arbeit d.h. es bleiben abzüglich 5 Stunden Versuchsdurchführung noch etwa 13 Stunden pro Protokoll übrig. Jetzt gibt es im Wesentlichen zwei Strategien: 1) Minimaler Aufwand und schlampiges Protokoll (3 Credits zählen ja so gut wie nicht in der Endnote), dafür aber auch wenig Wissensgewinn oder 2) Gewissenhaftes Arbeiten und vernünftiges Protokoll, dafür zwar großen Wissensgewinn aber auch überdurchschnittlich hoher Zeitaufwand (umsonst gibt es schließlich nichts…). Verfolgt man die zweite Strategie (und genau die damit verbundene Arbeitsweise sollte man doch im Praktikum lernen!), so ist man sehr schnell oberhalb dieser 13 Stunden! Das passt nicht wirklich zusammen, zumal es zu Beginn des Studiums meiner Meinung nach wesentlich zu hoch gewichtete Veranstaltungen gibt, die nicht viel über den Wissensstand zum Zeitpunkt des Bachelorzeugnisses aussagen.
[3] Dieser Versuch fand am 01.12 statt: Außentemperatur  10-12° unter Null und eisiger Wind. Um 8 Uhr morgens ging es an der Physik los, gegen 2 waren wir dann völlig durchgefroren wieder da. Mit im Gepäck: Jede Menge Messwerte, die man unter hohem körperlichen Einsatz erlangte und zu denen man ein völlig anderes Verhältnis entwickelte, als zu solchen, die im warmen Labor vom Computer aufgezeichnet wurden. Trotz allem war das eigentlich mein Lieblingsversuch, was nicht nur am Grillen in der Mittagspause lag 😉

Kategorie: Physik studieren, Studieren in Göttingen 1.485 Kommentare »

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