Archiv für Juli 2010


Einsichten eines Paukenden

11. Juli 2010 - 19:08 Uhr

Ich lerne gerade Physik 4 Stoff für die Klausur am nächsten Montag und mir ist gewissermaßen eine Art Einsicht gekommen die ich hier anhand der Geschichte der Atomphysik kurz erläutern möchte. Dazu kopiere ich einfach (ich hab gerade nicht viel Zeit) meinen per ICQ geposteten Abriss des Ganzen:

(19:11:34) jul.icq: Boh! Atomphysik is doch echt mal ne riesengroße Zwiebel!
(19:11:55)
jul.icq: Willste das Wasserstoffatom beschreiben, machstes erstmal wie Bohr, dann merkste: vll sollte der Kern sich auch mal bewegen können..nagut machste halt ne Korrektur soweit, sogut!
(19:12:14)
jul.icq: Dann kommt Sommerfeld daher und macht so komische Ellipsen, ist ja im Sonnensystem auch so, muss also auch hier so sein!
(19:13:05)
jul.icq: Dann gehts aber los: H-Atom über Schrödingergleichung is ja mal sowas von oberhässlich! Ich sag nur: Kugelflächenfunktionen und Laguerre-Polynome! Aber mit dem gesammelten Abstraktionsvermögen steckt man das auch noch mit in die Tasche….”is halt so”
(19:14:00)
jul.icq: Merkste dann aber: Irgendwas hab ich noch vergessen….Miste–> l-Entartung aufheben und dabei mit Sommerfeld’schen Tauchbahnen argumentieren. Nagut…is ja ganz plausibel. Richtig herleiten will man das aber auch nicht..
(19:14:25)
jul.icq: Aber nee: Es fehlt immer noch was! Die doofen Elektronenheinis (bei uns in der Schule immer Blau gezeichnet) haben auch selber nen magn. Moment….das koppelt auch zu allem Überfluß noch an den Bahndrehimpuls!!
(19:14:50)
jul.icq: Kommt ne Feinstruktur bei rum, meinetwegen. Die kann man vll ja auch noch so messen mitm Spektrograph
(19:15:44)
jul.icq: Kommt son Dirac dahergelaufen und sagt: “Ja…das wusste ich auch alles und der Spin, der is ja wohl sowas von logisch, dass es den gibt, der steht schließlich hier in meinem Buch!”
(19:15:56)
jul.icq: Rechnet der das ganze sogar relativistisch durch!!
(19:16:20)
jul.icq: Beachte: wir sind immer noch beim Wasserstoff und den kannste noch nichtmal trinken!
(19:17:23)
jul.icq: Kommen dann um 1950 nochmal so zwei Leute angelaufen die denken: Lass doch mal den Schiet hier durch nen GHz-Magnetfeld jagen, das bestimmt total geil!
(19:17:46)
jul.icq: Die machen dann zusammen mit anderen so QED und sagen: “Ihr vorher, ihr seid ja alle sooo doof, hier guck mal, das habt ihr übersehen! Die Hα-Linie, das sind eigentlich 7! Sag mal braucht ihr ne Brille? Wusstet ihr nicht, dass nur die QED das Wasserstoffatom vollständig beschreibt?”
(19:18:06)
jul.icq: So jetzt haste vll die vertrocknete, labberige haut der zwiebel abgeschält.
(19:18:22)
jul.icq: und: Fängste direkt an zu weinen, is ja bei der Küchenzwiebel auch so…
(19:18:53) jul.icq: Wie gesagt…bloß einfacher Wasserstoff: ein Knubbel in der Mitte, ein Blaumann drum herum. Das noch lange kein BigMac oder nen Eichhörnchen!

[no offense!]

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Vortrag – Das anthropische Prinzip

1. Juli 2010 - 21:06 Uhr

Heute gab es um 17.15 im Hörsaal 2 einen Vortrag von Christoph Behrens zum Thema seiner Bachelorarbeit an der philosophischen Fakultät. Das Thema war, wie der Titel dieses Beitrages schon vermuten lässt, das anthropische Prinzip und damit für Physiker allgemein und Kosmologen im Speziellen interessant.

Es geht dabei um die Tatsache, dass physikalische Beobachtungen durch die Existenz des Beobachtenden und die dafür notwendigen Bedingungen eingeschränkt werden. Einer, der sich damit beschäftigte, war Brandon Carter und er formulierte das sogenannte schwache anthropisches Prinzip (WAP) folgendermaßen:

“We must be prepared to take account of the fact that our location in the universe is necessarily privileged to the extent of being compatible with our existence as observers.”

Diese »schwache« Version gilt also, ganz wie man es auch aus der Mathematik kennt, lokal. Es gibt auch noch die »starke« Version (SAP):

“The Universe (and hence the fundamental parameters on which it depends) must be such as to admit the creation of observers within it at some stage. To paraphrase Descartes, cogito ergo mundus talis est.”

Nach einer kurzen Einführung und der Arbeitsdefinition des Prinzips ging Christoph dann fast 1.5 Stunden lang — immer wieder erweitert durch schöne Analogien und kurze Diskussionen — etwas näher auf die physikalischen Bedeutungen und die begrifflichen Probleme ein. Ohne hier weiter darauf einzugehen[1], ging es um die Fragen

  1. Kann das anthropische Prinzip Vorhersagen machen?
  2. Kann es Erklärungen[2] liefern?
  3. Hilft es uns eventuell bei der Formulierung von Theorien?

Um etwa 18.30 ging es dann auf die Terasse der Cafeteria, wo genügend Sitzgelegenheiten und Erfrischungsgetränke für die sich anschließende Diskussionsrunde bereit standen. Neben Christoph war auch Prof. Dr. J. Niemeyer für die Göttinger Kosmologie anwesend und es wurde lebhaft und sehr interessant mit untergehender Sonne bis um etwa 20.15 diskutiert.

Nach dem ganzen Gerechne der Quantenmechanik-Vorlesungen des vierten Semesters[3] ging es endlich mal wieder um grundlegende Prinzipien in der Physik, die mich interessierten. Ein lohnender Abschluss eines sonst recht normalen Unitages — mehr davon!

[1] Leider habe ich keine Notizen gemacht, sonst könnte ich detaillierter Auskunft geben.
[2] In der Diskussion wurde unter anderem über diesen Begriff lange gestritten, ein Konsens bzgl.
seiner Bedeutung wurde aber meiner Einschätzung nach nicht erreicht;)
[3] Es geht irgendwie mehr um pures Rechnen, als um das Verstehen von »Wahrheit« hinter den
gemalten Zeichen. Dazu vll. später mehr.

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