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Neues Übungskonzept in der Physik

11. Mai 2010 - 20:22 Uhr

Im Dezember und Januar letzten bzw. diesen Jahres gab es an der Fakultät Physik eine Podiumsdiskussion zu aktuellen Problemen im Bachelor/Master Studiengang. Zwischen den Vertretern des Lehrkörpers, der Studenten und dem Publikum sollte das aktuelle Konzept des Physikstudiums in Göttingen bewertet und Verbesserungsvorschläge gefunden werden. Auf der Tagesordnungen standen u.a. Punkte wie der insbesondere zu Studienbeginn zu große Prüfungsdruck, die 3-Klausurenregel [1], die Form der einzelnen Prüfungen und das aktuelle Übungskonzept.

Normalerweise sieht der Übungsbetrieb zu einer Vorlesung so aus, dass man einer etwa 20 Personen starken Übungsgruppe zugewiesen wird und diese einmal die Woche für 2 Stunden besucht. Dort wird dann der vom Übungsgruppenleiter korrigierte Übungszettel der jeweiligen Woche zurückgegeben, besprochen und es werden aktuelle Fragen zur Vorlesung beantwortet, sowie Unklarheiten beseitigt. Im Rahmen der Podiumsdiskussion gab es nun den Vorschlag, den Übungsbetrieb wie folgt umzustrukturieren:

  • An Stelle der Übungsgruppe tritt die Anwesenheitsübung. Sie dauert eine Stunde und der entsprechende HiWi kontrolliert die Zettel seiner Gruppe und gibt sie hier zurück. Außerdem gibt es ein Anwesenheitsblatt, in dem es mehr um Konzepte, als um ewig lange Rechnungen geht und in Kleingruppen bearbeitet wird. Hier soll man vor allem über Physik diskutieren. Der Übungszettel wird NICHT besprochen.
  • Für die aktuellen Fragen zur Vorlesung bzw. dem Übungsblatt oder generelle Unklarheiten ist eine Art Tutorium zuständig, das zweimal die Woche zentral angeboten wird.
  • Die Besprechung des Übungszettels findet zu einem dritten Termin statt. Hier wird das komplette Blatt von einem der HiWis vorgerechnet.

Eigentlich eine ganz schöne Idee, die dann auch ausprobiert werden sollte. Und zwar im Rahmen der Quantenmechanik I Vorlesung, welche ich zur Zeit höre. In der Praxis schlägt sich das neue Konzept aber nicht ganz so gut:

  • Statt einem Termin in der Woche hat man nun ganze 3-4 Termine in den Stundenplan zu integrieren. Das ist insbesondere dann schwer, wenn man sich nicht an den »Standardstundenplan« des aktuellen Semesters hält. Konsequenz: Viele können zu den Zeiten der Tutorien und zum Vorrechentermin nicht wirklich.
  • Dies führt dazu, dass Unklarheiten und Fragen zur Vorlesung in der Anwesenheitsübung angesprochen werden. Dadurch geht enorm viel Zeit der einen Stunde verloren und der Anwesenheitszettel wird nur auf die Schnelle bearbeitet.
  • Das Vorstellen eigener Lösungswege an der Tafel fällt völlig unter den Tisch und man kommt gewissermaßen mit dem »Präsentieren« aus dem Training.
  • Durch das Trennen von Zettelrückgabe und -besprechung bekommt man nicht sofort eine Rückmeldung zu den gemachten Fehlern, sondern muss sich selbst um diese kümmern. Das könnte einige davon abhalten, die Rückmeldung überhaupt einzuholen.

Ich will das neue Konzept nicht komplett schlecht reden, die Anwesenheitsübung und der Diskurs über physikalische Konzepte ist denke ich durchaus sinnvoll und auch notwendig. Ich fände einen Mittelweg zwischen beiden Übungsarten super. Gegen die Terminflut und für mehr Diskurs!

[1] Hat man dreimal ein Pflichtmodul nicht bestanden, so kann man das Physikstudium nicht fortsetzen

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