Sommeruniversität in Estland

Jedes Jahr gibt es an den estnischen Universitäten in Tallinn und Tartu die Möglichkeit, einen Estnischkurs zu absolvieren. Um einen Teil der Kosten abzudecken, kann man sich auf verschiedene Stipendien bewerben.

Als ich im Sprachkurs an der Universität Göttingen von dieser Möglichkeit hörte, habe ich mich beworben und einen Platz für den zweiwöchigen Sprachkurs in Tartu erhalten.

Das Rathaus in Tartu

Insgesamt waren wir 52 Kursteilnehmer aus 17 verschiedenen Ländern. Darunter waren nicht nur europäische Länder (z. B. Italien, Irland, Großbritannien, Schweden, Frankreich, Lettland), sondern auch weiter entfernte Länder (z. B. Kanada und Neuseeland) vertreten. Die Altersspanne reichte von 17 Jahren bis über 60 Jahre. Aufgeteilt wurden wir auf fünf unterschiedliche Kurse, an denen ca. 10 Personen teilnahmen – eine gute Gruppengröße zum Lernen. Während die höheren Kurse nur auf Estnisch stattfanden, war die Vermittlungssprache in den anderen Kursen Englisch.

In den kleineren Gruppen hatten wir montags bis freitags immer von halb zehn bis halb vier Unterricht. Anschließend wurde ein Kulturprogramm angeboten, bei dem wir noch mehr über die estnische Geschichte, das Leben in Estland und über die Filmgeschichte Estlands lernen konnten. Die Nachmittagsprogramme waren dann für alle fünf Gruppen zusammen, sodass man sich über die unterschiedlichen Kurse und Themen austauschen konnte (meistens auf Estnisch).

Nach dem Programm der Sommeruniversität ließ sich das Gelernte dann auch direkt in Läden, Cafés und ähnlichem ausprobieren und man konnte sofort feststellen, wieviel man doch in so kurzer Zeit lernen kann.

Die Sicht auf Tallinn von einer Aussichtsplattform

Am Wochenende wurde ein Ausflug in die Hauptstadt Tallinn angeboten, bei dem wir neben der Altstadt von Tallinn auch ein Freilichtmuseum besucht haben, bei dem uns erklärt und gezeigt wurde, wie sich das bäuerliche Leben innerhalb von 200 Jahren verändert hat.

 

Insgesamt waren es zwei sehr lehrreiche Wochen, die sehr gut organisiert wurden.

Für alle, die die estnische Sprache erlernen möchte und nicht unbedingt die Möglichkeit haben, einen längeren Kurs zu machen, bietet es sich an, einen Kurs an der Sommeruniversität in Tartu oder Tallinn zu machen.

Das meistgeküsste Mädchen der Welt

In Göttingen gibt es viel zu sehen: Verwinkelte Straßen, Fachwerkhäuser, Statuen und Gedenktafeln prägen das Bild der Innenstadt. Vor dem Rathaus gibt es jedoch etwas, das ein besonders beliebtes Motiv für Touristenfotos ist.

Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit, die gleichzeitig ein Wahrzeichen der Stadt ist, ist das Gänseliesel auf dem Rathausplatz. Es ziert Postkarten und Souvenirs und ist ein allgegenwärtiges Symbol. Liesel gilt auch als das meistgeküsste Mädchen der Welt. Warum? Das liegt an einer berühmten Tradition, die eng mit der Universität verknüpft ist.

Das Gänseliesel steht bereits seit Juni 1901 auf einem Brunnen auf dem Marktplatz vor dem alten Rathaus der Stadt. Es hatte eine Ausschreibung für einen Brunnenentwurf gegeben und obwohl das Gänseliesel nur den zweiten Platz erlangte, entschied sich die Bevölkerung trotzdem gegen den Sieger, einen großen Löwenbrunnen.
Die Statue erfreute sich großer Beliebtheit und es entwickelte sich der Brauch, dass die frisch eingeschriebenen Studierenden den Brunnen erklimmen und das Gänseliesel küssen mussten. Da diese Tradition mit Anstieg der Studierendenzahlen nach dem ersten Weltkrieg irgendwann Überhand nahm, erließ die Polizei ein sogenanntes Kussverbot, dessen Missachtung sogar mit zehn Reichsmark Strafe geahndet wurde. Doch niemand wollte sich daran halten. Das Verbot hatte bis 2001 Bestand und wurde erst zum 100-jährigen Geburtstag der Statue aufgehoben. Seit 1990 steht auf dem Brunnen nur noch eine Kopie des Gänseliesels. Das Original kann man im Museum der Stadt Göttingen bestaunen.

Im Laufe der Zeit hat sich die Tradition übrigens ein wenig verändert: Frisch promovierte Doktoranden und Doktorandinnen erklimmen nun den Brunnen, schenken dem Gänseliesel einen Blumenstrauß und geben ihm – ganz wie es der Brauch verlangt – einen Kuss.

Quellen: Göttinger Tageblatt und Uni Göttingen.