Sieben Gründe Finnougristik zu studieren

Die Finnougristik ist ein Studienfach, das einem nicht jeden Tag begegnet. Wir wollen euch heute sieben Gründe vorstellen, warum es sich lohnt, ein solches Studium aufzunehmen!

  1. Spannende Sprachen, die nicht jeder spricht
    Wie viele Menschen kennst du, die Finnisch, Ungarisch oder gar Estnisch sprechen? Bei uns in Göttingen kann man alle drei Sprachen studieren und man lernt auch noch einige der sogenannten “kleinen Sprachen” kennen – zum Beispiel Udmurtisch, Karelisch, Livisch oder Mordwinisch. Von diesen spannenden Sprachen haben die meisten Leute noch nie etwas gehört und bei uns gehören sie zum Fachgebiet.
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  3. Sehr großes Fachgebiet
    Die Sprachwissenschaft ist bei uns in Göttingen der Hauptschwerpunkt, aber die Finnougristik hat auch noch weitere Themenfelder zu bieten: In den Landeskundekursen beschäftigt man sich mit der Kultur und Geschichte der Länder. Es gibt auch Kurse zu Literatur und Folklore, sodass jeder bei uns auf sein Kosten kommt.
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  5. Immer ein interessantes Gesprächsthema
    Wer sich für ein Finnougristik-Studium entscheidet, hat immer ein Gesprächsthema parat. Wenn die Verwandten auf dem nächsten Geburtstag oder die Freunde auf der nächsten Party fragen, was man so macht, hat man direkt viel zu erklären – und zu erzählen!
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  7. Auslandsaufenthalte
    Bei uns hat man auch die Möglichkeit, für ein bis zwei Semester im Ausland zu studieren. Wir haben Partneruniversitäten in Estland, Finnland und Ungarn und diese Austauschprogramme können sogar mit Stipendien gefördert werden. Sie sind immer eine gute Möglichkeit, Land, Leute und Sprache direkt und vor Ort besser kennenzulernen und man knüpft viele neue Kontakte. Erst im letzten Monat haben wir hier einen Bericht zu einem Erasmusaufenthalt in Finnland veröffentlicht.
    Zusätzlich gibt es auch Sommerkurse in allen drei Ländern und teilweise bei den kleinen finnougrischen Völkern in Russland. Auch bei derartigen Kursen nehmen viele unserer Studierenden regelmäßig teil, um ihre Sprachkenntnisse vor Ort zu verbessern. Auch darüber kann man auf unserem Blog Berichte nachlesen.
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  9. Andere Länder – andere Sitten
    Man lernt bei uns nicht nur fremde Sprachen, sondern auch neue Kulturen kennen. Wie ticken die Finnen? Was ist das Nationaltier der Esten und was steckt hinter den Klischees, die wir über Ungarn kennen? Aus den verschiedensten Themenfeldern ist für jeden etwas dabei: Geschichte, Literatur, Kunst, Geographie, Wirtschaft oder auch Brauchtum.
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  11. Vielseitige Kenntnisse
    Bei uns erwirbt man nicht nur sprachwissenschaftliche Kenntnisse und die Fähigkeit, eine neue Fremdsprache zu sprechen. Man trainiert im Studium seine Auffassungsgabe und das Verständnis von neuen Inhalten. Man lernt, mit neuen Sprachen zu arbeiten, selbst wenn man sie bisher nicht oder nicht so gut beherrscht. Man lernt Texte zu verarbeiten, selbst zu schreiben und entwickelt seine Methodikkompetenzen.
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  13. Mehr als nur Inhalte
    Ein Studium der Finnougristik bedeutet mehr als nur Inhalte zu lernen, denn es ist eine Bereicherung. Wer Interesse an besonderen Sprachen, die nicht mit Sprachen wie Englisch oder Französisch verwandt sind, und fremden Kulturen hat, ist in der Finnougristik genau richtig. Neben den Vorlesungen gehören auch gemeinsame Unternehmungen wie regelmäßige Treffen zum Mölkky zu unserem Programm. Die Studierenden besuchen zusammen die jährlich stattfindende Studierendenkonferenz IFUSCO (International Finno-Ugric Students’ Conference), die in Göttingen ihre Wurzeln hat, und organisieren gemeinsam Sommer- und Weihnachtsfeiern, sowie Veranstaltungen zu den wichtigsten Feiertagen der drei großen finnougrischen Nationen.

 

Wenn du jetzt Lust auf ein Studium bei uns bekommen hast, kannst du dich auf unserer Homepage über die genauen Inhalte informieren oder dich noch bis zum 30. September direkt bei uns an der Universität einschreiben. Wir freuen uns auf dich!

 

Bildquelle: pixabay

Auslandssemester in Finnland

Im Herbstsemester 2017 war ich für vier Monate in der südwestfinnischen Stadt Turku und habe dort an der finnischsprachigen Universität studiert. Dort hatte ich die Möglichkeit, Kurse für die Finnougristik und auch mein Zweitfach Skandinavistik zu belegen, auch wenn ich schlussendlich fast ausschließlich in Finnischkursen war.

In Turku habe ich im Retrodorm gewohnt, ein Wohnheim, in dem ausschließlich Austauschstudierende untergebracht sind. Deswegen hat es ein besonderes internationales Flair. Es gab eigentlich immer jemanden, mit dem man sich unterhalten konnte, aber wenn man sich zurückziehen wollte, war das auch kein Problem. Da ich mit so vielen internationalen Studierenden zusammengewohnt habe, konnte ich dort kaum Finnisch sprechen, aber dafür hatte ich ja die Kurse in der Uni.

Dort waren auch zum größten Teil Studierende aus anderen Ländern als Finnland, aber ich habe trotzdem einiges von meinen Dozentinnen und auch von meinen Kommiliton_innen gelernt. Wenn ich nicht gerade in einem Kurs oder im Retrodorm war, habe ich viel Zeit in der Bibliothek verbracht. Die Turun yliopisto hat mehrere Bibliotheken, aber ich war meistens im Feeniks, da dort die Sprachen untergebracht sind. Die Bibliothek ist zwar etwas ungewohnt sortiert, aber dafür sehr gemütlich.

In der Freizeit waren wir häufig in einer Sauna direkt an der Ostsee oder in Cafes oder Bars, aber wir haben auch gerne Ausflüge in Städte in der Nähe oder den Nationalpark gemacht.

Während des Semesters hatten wir auch die Möglichkeit, größere Touren zu unternehmen, sodass ich mit ein paar Freund_innen nach Estland, Lappland und sogar Sankt Petersburg reisen konnte. Durch diese recht spontanen Reisen habe ich noch einmal ganz andere Erfahrungen sammeln können und Ecken gesehen, an die ich vermutlich ohne das ERASMUS-Semester nie gekommen wäre. Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt, noch mehr zu reisen, wenn nur mehr Zeit dagewesen wäre.

Im Großen und Ganzen habe ich während meines Auslandssemesters tolle Erfahrungen gemacht und nette Leute kennengelernt, zu denen ich auch jetzt nach meiner Rückkehr noch Kontakt habe. Natürlich läuft nicht immer alles so, wie es eigentlich geplant ist, aber dafür öffnen sich viele andere Türen. Daher würde ich jederzeit wieder ein oder zwei Semester ins Ausland gehen um dort zu studieren. Gerne auch wieder nach Turku!

Foto: Patrick Wachs

Die finnische Minderheit in Schweden

Vielen ist bekannt, dass das Schwedische in Finnland die zweite Amtssprache ist. Dass es jedoch in Schweden eine finnische Minorität gibt, wissen außerhalb von Schweden und Finnland die wenigsten Menschen.

Das Finnische hat seit dem Jahr 2000 den Status einer offiziell anerkannten Minderheitensprache in Schweden, auch wenn sich die Statistiken im Hinblick darauf unterscheiden, wie viele Menschen dieser Minderheit wirklich angehören. Die Zahlen variieren zwischen 70 000 und 450 000 Menschen, je nachdem wie eng die Kriterien gefasst werden. Geschätzt wird, dass es in ganz Schweden etwa 200 000 Menschen gibt, deren Muttersprache Finnisch ist. Auch hier variieren die Annahmen.

Im Laufe der Zeit gab es verschiedene Einwanderungswellen von Finnland nach Schweden. Bereits zu Zeiten Gustav Vasas wurden finnische Arbeitskräfte in Schweden gebraucht; es gab die Kriegskinder, die von ihren Eltern während des zweiten Weltkriegs nach Schweden geschickt wurden, aber auch die Einwanderungswelle, die in den 1960ern begann und lange Zeit nicht abriss. Schätzungsweise rund 40 000 Menschen wanderten Ende der 1960er und Anfang der 1970er jährlich aus Finnland nach Schweden aus, um dort Arbeit zu finden und nur ein Teil kehrte irgendwann wieder in seine Heimat zurück. Für die in Schweden gebliebenen Finnen war das Leben nicht immer leicht. Repression und Diskriminierung waren an der Tagesordnung, die Frage nach der eigenen Identität nur schwer zu beantworten. Dies galt für die Elterngeneration wie die Generation ihrer Kinder gleichermaßen.

Die Situation hat sich in der heutigen Zeit gebessert: es gibt besonders geförderte Unterrichtsstunden für Kinder in ihrer Muttersprache, die Diskriminierung hat nachgelassen und Autoren, Musiker und Filmschaffende beschäftigen sich intensiver mit der Frage nach der schwedenfinnischen Identität. Doch wie sieht die Situation für die Finnen in Schweden heute wirklich aus? Welche Erfahrungen machen Angehörige dieser Minderheit und wie gehen sie damit um? Antworten auf diese und viele weitere Fragen sollen im Rahmen der Lesung mit Kristian Borg am kommenden Donnerstag, den 16.11.2017, um 18.15 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Zentrum, Raum 1.601, gegeben werden. Borg wird aus der Artikelsammlung Finnjävlar ‘Scheißfinnen’ lesen und über seine persönlichen Erfahrungen als Schwedenfinne sprechen. Borg ist Chefredakteur der Zeitung Stockholms fria Tidning und Verleger beim Verbal förlag. Er lebt in Stockholm, wo er 1975 geboren ist. Seine Eltern haben sich auf der Finnlandfähre getroffen und haben u. a. in der Reinigungs- und Restaurantbranche gearbeitet.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Tervetuloa & välkomna!

Quellen:
Borg, Kristian (Hrsg.). 2016. Finnjävlar. Verbal förlaget. Stockholm.
Parkvall, Mikael. 2009. Sveriges språk – vem talar vad och var? Rapporter från Institutionen för lingvistik vid Stockholms Universitet. Stockholm.
Bild: pixabay.de

Sommeruniversität in Estland

Jedes Jahr gibt es an den estnischen Universitäten in Tallinn und Tartu die Möglichkeit, einen Estnischkurs zu absolvieren. Um einen Teil der Kosten abzudecken, kann man sich auf verschiedene Stipendien bewerben.

Als ich im Sprachkurs an der Universität Göttingen von dieser Möglichkeit hörte, habe ich mich beworben und einen Platz für den zweiwöchigen Sprachkurs in Tartu erhalten.

Das Rathaus in Tartu

Insgesamt waren wir 52 Kursteilnehmer aus 17 verschiedenen Ländern. Darunter waren nicht nur europäische Länder (z. B. Italien, Irland, Großbritannien, Schweden, Frankreich, Lettland), sondern auch weiter entfernte Länder (z. B. Kanada und Neuseeland) vertreten. Die Altersspanne reichte von 17 Jahren bis über 60 Jahre. Aufgeteilt wurden wir auf fünf unterschiedliche Kurse, an denen ca. 10 Personen teilnahmen – eine gute Gruppengröße zum Lernen. Während die höheren Kurse nur auf Estnisch stattfanden, war die Vermittlungssprache in den anderen Kursen Englisch.

In den kleineren Gruppen hatten wir montags bis freitags immer von halb zehn bis halb vier Unterricht. Anschließend wurde ein Kulturprogramm angeboten, bei dem wir noch mehr über die estnische Geschichte, das Leben in Estland und über die Filmgeschichte Estlands lernen konnten. Die Nachmittagsprogramme waren dann für alle fünf Gruppen zusammen, sodass man sich über die unterschiedlichen Kurse und Themen austauschen konnte (meistens auf Estnisch).

Nach dem Programm der Sommeruniversität ließ sich das Gelernte dann auch direkt in Läden, Cafés und ähnlichem ausprobieren und man konnte sofort feststellen, wieviel man doch in so kurzer Zeit lernen kann.

Die Sicht auf Tallinn von einer Aussichtsplattform

Am Wochenende wurde ein Ausflug in die Hauptstadt Tallinn angeboten, bei dem wir neben der Altstadt von Tallinn auch ein Freilichtmuseum besucht haben, bei dem uns erklärt und gezeigt wurde, wie sich das bäuerliche Leben innerhalb von 200 Jahren verändert hat.

 

Insgesamt waren es zwei sehr lehrreiche Wochen, die sehr gut organisiert wurden.

Für alle, die die estnische Sprache erlernen möchte und nicht unbedingt die Möglichkeit haben, einen längeren Kurs zu machen, bietet es sich an, einen Kurs an der Sommeruniversität in Tartu oder Tallinn zu machen.

Der Ungarisch-Crashkurs 2016

Wie bereits im letzen Sommer, wird auch dieses Jahr ein Ungarisch-Crashkurs an der Georg-August-Universität Göttingen angeboten. Als Teilnehmerin des letzten Kurses kann und will ich diesen nur weiterempfehlen!

Um an dem Kurs teilnehmen zu können, schickte ich meine Bewerbung an Dr. Judit Molnár, die Lektorin für Ungarisch am Finnisch-Ugrischen Seminar, die auch den Sommerkurs leitete. Der Kurs bestand aus zwei Teilen: dem dreiwöchigen Sprachkurs in Göttingen und einer einwöchigen Fahrt in die ungarische Stadt Debrecen, wo wir unsere neu erlernten Sprachkenntnisse gleich anwenden konnten.

Ungarisch ist eine ganz andere Sprache als die, die man bisher so aus der Schule kennt, da es keine indoeuropäische, sondern eine finnougrische Sprache ist. Sie ist also unter anderem entfernt mit dem Finnischen verwandt. Wer kann schon von sich behaupten, eine Sprache zu können, die mehr Fälle besitzt, als man mit seinen Fingern zeigen kann, und wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit, so eine Sprache zu lernen? Auch wenn das mit den vielen Fällen vielleicht etwas kompliziert klingt, hat es sehr viel Spaß gemacht, sich gemeinsam mit den anderen langsam in der Sprache vorzutasten, und war gar nicht so schwierig wie gedacht. Dass der Kurs in Göttingen aus jeweils sechs Stunden pro Tag bestand, mag vielleicht auch anstrengend klingen. Da man aber in so kurzer Zeit wenig vergessen konnte und der Unterricht anders aufgebaut war als Sprachkurse, die während des Semesters laufen, war auch das kein Problem. Der Sommerkurs war also eine großartige Möglichkeit, etwas über ein Land, über das man vermutlich sonst selten nachdenkt, und dessen Sprache zu lernen und dieses Land auch einmal selbst kennenzulernen, da der Kurs und die Fahrt nach Ungarn kostenlos waren.

 

Auf den Spuren von Kurt Fischer durch Debrecen

Wir waren ein sehr gemischter Kurs, der zwar zu einem Teil aus Studierenden der Finnougristik bestand, aber auch zur anderen Hälfte aus Studierenden der Slavistik, Allgemeinen Sprachwissenschaft oder sogar Medizin. Unter anderem haben wir uns auch außerhalb des Kurses getroffen, um gemeinsam ein paar ungarische Gerichte zu kochen und zu genießen.

Im Kurs haben wir mit dem Buch Hungarolingua gearbeitet, das den Österreicher Kurt Fischer auf seiner Reise durch Debrecen begleitet. Als wir dann selbst in Debrecen waren, haben wir einige Orte, die auch im Buch bereits vorgestellt worden waren, wiedererkannt. Unter anderem haben wir die Universität besucht und wurden von einem Dozenten der Sommeruniversität, die jedes Jahr Ungarischkurse in Debrecen anbietet, willkommen geheißen. Außerdem haben wir die Reformierte Großkirche, Debreceni Református Nagytemplom, und die Innenstadt bei größtenteils gutem Wetter erkundet. Debrecen ist eine schöne Stadt, die aber vermutlich leider selten als Reiseziel gewählt wird, obwohl sie wirklich eine Reise wert ist.

 

Wer jetzt auch Lust bekommen hat, die ungarische Sprache kennenzulernen und im Sommer eine Woche in Ungarn zu verbringen, hat auch in diesem Jahr wieder Gelegenheit dazu. Nähere Informationen und das Anmeldeformular gibt es auf der Homepage des Finnisch-Ugrischen Seminars.

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Ungarisch-Intensivkurs 2017 in Göttingen

Im Sommer noch nichts vor?

 

Auch in diesem Jahr bietet das Finnisch-Ugrische Seminar in Göttingen wieder einen Ungarisch-Intensivkurs für Anfänger an. Der Kurs findet im Rahmen des NMWK-Projektes Sprachen für Europa. Förderung des Erlernens kleiner europäischer Sprachen statt und ist für Studierende aller niedersächsischen Hochschulen offen. 

Das Programm besteht aus einem dreiwöchigen Intensivkurs vom 07.08.2017 bis zum 25.08.2017 in Göttingen und einem einwöchigen Aufenthalt vom 26.08.2017 bis zum 31.08.2017 in Debrecen.

Das Programm in Debrecen

Die Universitätsstadt Debrecen liegt im Osten Ungarns und ist die zweitgrößte Stadt des Landes. An der dortigen Sommeruniversität werden seit 1927 Ungarisch-Intensivkurse abgehalten. Wir möchten die Universität kennenlernen und am Probeunterricht der Sommeruniversität teilnehmen. Auf dem Programm stehen außerdem die Besichtigung der reformierten Großkirche, des reformierten Kollegiums und ein Besuch im 25 km entfernten Hortobágy-Nationalpark. In Debrecen sollen die neu erworbenen Sprachkenntnisse in echten Kommunikationssituationen angewendet werden (Hotelbuchung, Wochenmarkt, Bestellen im Restaurant, Informationsschilder verstehen).

Für den Kurs gibt es ein Auswahlverfahren. Anmeldeschluss ist der 08.07.2017. Detaillierte Informationen und das Anmeldeformular gibt es auf unserer Seminarhomepage.

Fragen, die Finnougristik-Studierende immer wieder beantworten müssen…

… und die passenden Antworten dazu!

suomimainittu

Du studierst Finnowas?!

Finnougristik oder Finnisch-Ugrische Philologie. Das ist eine Sprachwissenschaft, die sich mit der finnisch-ugrischen Sprachfamilie befasst, also Finnisch, Estnisch und Ungarisch, um mal die etwas bekannteren Sprachen zu nennen.

 

Finnisch, das ist doch wie Schwedisch, oder?

Nicht wirklich. Sicherlich findet man Wörter, die sich ähneln und die das Finnische aus dem Schwedischen übernommen hat, aber mehr als dies haben die beiden Sprachen nicht gemeinsam.

 

Estland? Ist das überhaupt ein eigenes Land?

Ja! Estland ist ein Land, das im Baltikum liegt und die Hauptstadt ist Tallinn. Die Esten sind sogar Mitglied der Europäischen Union, also ist Estnisch eine der EU-Sprachen.

 

Und was kann man mit sowas mal machen?

Finnougristik ist eine ganz normale Geisteswissenschaft, die ein vielseitiges mögliches Berufsfeld bietet: Wissenschaft, Forschung, Tourismus, Wirtschaft, EU, Museen, Sprachinstitute etc. sind nur einige der Möglichkeiten, die sich aus diesem Studium ergeben können.

 

Warum lernst du Sprachen, die sonst kaum jemand spricht?

Man muss nicht unbedingt das studieren, was alle anderen auch machen. Davon abgesehen gibt es rund 22 Millionen finnougrische Muttersprachler und das sind nicht ganz so wenig, wie manch einer denkt.

 

Gibt es dieses Wort da aus den sozialen Medien wirklich?

Kalsarikännit – sich Zuhause in Unterhosen betrinken. Diese passenden Emojis hat das finnische Außenministerium (finland.fi) in seinem Adventskalender 2015 vorgestellt.

Ja, kalsarikännit (sich Zuhause in Unterhosen betrinken) gibt es wirklich. Es zeigt doch, wie innovativ und vielseitig die finnougrischen Sprachen sein können!

 

Ist das auf Lehramt?

Nein. Finnougristik kann man nicht auf Lehramt studieren.

 

Hat Finnisch wirklich 15 Fälle?

Ja. Das reiche Kasussystem, wie man in der Sprachwissenschaft sagt, ist ein besonderes Merkmal der finnougrischen Sprachen, die man bei uns studieren kann. Das macht das Lernen der Sprachen besonders spannend – man muss sich auf andere Dinge einstellen, als man es beispielsweise aus dem Englisch- oder Französischunterricht gewohnt ist.

 

Ist das nicht voll schwer?

Kein Studium ist einfach. Dank unserer motivierten LektorInnen lernt man die Grundlagen der Sprachen gründlich und zügig und schon nach dem ersten Semester kann man weit mehr, als im Land seiner Erstsprache nach dem Weg zu fragen.

Ihr habt noch andere Fragen zum Studium, die ihr gerne beantwortet bekommen würdet? Dann schreibt doch gleich einen Kommentar direkt hier unter den Beitrag!

Die Emojis in diesem Beitrag stammen vom finnischen Außenministerium (finland.fi).

Was ist Finnougristik?

Üblicherweise teilt man die Sprachen der Welt in Sprachfamilien ein, das heißt, man fasst sie aufgrund von Verwandtschaft zusammen. In Europa ist die größte Sprachfamilie die indogermanische, zu der die germanischen, romanischen, slawischen, baltischen und keltischen Sprachen sowie das Griechische und das Albanische gehören. Mit deutlichem Abstand dazu steht die zweitgrößte Sprachfamilie, die finnisch-ugrische, die sich aus dem Ungarischen, Finnischen und Estnischen sowie zwölf kleineren Sprachen zusammensetzt, die vor allem in Russland gesprochen werden. Diese Sprachen sind neben den mit ihnen verknüpften Kulturen der Gegenstand der finnisch-ugrischen Philologie (oder Finnougristik).
Was ist das Besondere an diesen Sprachen? Und warum sich mit diesen Sprachen und Völkern beschäftigen?
Das Besondere an diesen Sprachen ist ihr Aufbau, der agglutinierend, d.h. anklebend, genannt wird. Dies besagt, dass diese Sprachen für jede Kategorie (bzw. Funktion) ein eigenes Suffix haben – im Gegensatz zum Deutschen, wo im Falle von ‘der Häuser’ der Genitiv durch den Artikel ‘der’ und der Plural durch die Endung -er (plus Umlaut) ausgedrückt wird; im Finnischen wäre das talojen, wobei -j- den Plural und -en den Genitiv ausdrückt. Solche Sprachen können Wörter mit einer Menge von Endungen bilden, die im Deutschen mit mehreren Wörtern, manchmal auch mit einem ganzen Satz wiedergegeben werden müssen. Ein Beispiel: talo-i-ssa-ni-ko-s (die Bindestriche trennen die einzelnen Endungen), auf Deutsch ‘in meinen Häusern?’.
Natürlich unterscheiden sich die finnisch-ugrischen Sprachen auch deutlich im Wortschatz vom Deutschen und den Schulsprachen, was die Sprachen sehr exotisch wirken lässt. Ist dies für den Erlerner eher eine Schwierigkeit, so lassen sich aber auch einige Vorteile benennen wie z.B., dass immer gesprochen wird, wie es geschrieben ist (man vergleiche dagegen das Englische, z.B. house) oder dass die Sprachen in aller Regel sehr regelmäßig sind, also nicht so viele Unregelmäßigkeiten aufweisen wie die uns bekannten Sprachen (z.B. gehen, ging, gegangen oder Vater, Väter).
Die finnisch-ugrischen Sprachen haben in Europa aufgrund ihrer Sprecherzahl (ca. 20 Mill. Sprecher) auch eine Sonderstellung: Sie sind immer von indoeuropäischen Sprachen umgeben, sie sind immer in der Minderheit (z.B. in der EU), die meisten finnisch-ugrischen Völker haben kein eigenes Staatsgebiet (z.B. das Samische) und sie leben zumeist in der Peripherie Europas – ausgenommen Ungarn. Dies geht einher mit deutlichen Unterschieden in der Kultur, der Literatur, der Mentalität und in den Gebräuchen.
Die Finnougristik beschäftigt sich nicht nur mit diesen Fragen, sondern auch mit der Geschichte dieser Völker: Woher stammen die Finnougrier? Wie kommt es dazu, dass die Finnen in Skandinavien und die Ungarn in Mitteleuropa leben? Auch die Frage, wie man die oftmals nicht offen sichtbare Verwandtschaft (z.B. zwischen Finnisch und Ungarisch) ermittelt, ist Gegenstand des Faches. Diese besondere Mischung der Forschungsfelder, verknüpft mit der Exotik der Sprachen, macht den Reiz des Studiums der Finnougristik aus.

Prof. Dr. Dr. h. c. Eberhard Winkler

Über den Blog

Dieser frisch ins Leben gerufene Blog der Finnougristik Göttingen soll als Plattform für Studierende und Studieninteressierte der finnisch-ugrischen Philologie dienen. Hier wird es nicht nur Informationen zum Fach und zu den einzelnen Sprachen und Völkern geben, sondern auch Eindrücke der Studierenden, Berichte von Veranstaltungen und den Dingen, die die Studierendenschaft in Göttingen bewegen.