Themenabend Spaßgesellschaft

Der letzte Themenabend für dieses gregorianische Jahr ging um unser Verhältnis zu Themen wie Mäßigung, Materialismus und Keuschheit. Also im Kern um den Umgang untereinander sowie unser Verhältnis zu unserer Umwelt.
Einher ging eine Diskussion um den Begriff der Spaßgesellschaft, wer was damit verbindet und welchen Ursprung dieser hat. So wurde klar gestellt, das es nicht Guido Westerwelle war der diesen Begriff prägte sondern der 1980er-Jahre Song „Ich will Spaß“ von Markus Mörl. Spaßgesellschaft beschreibt eine Gesellschaft in der die Menschen mehrheitlich sich mit mehr materiellen Gütern versorgen können als sie zum Überleben benötigen. Diese materielle Sicherheit kehrt sich vielmehr zu einem Überfluss, so dass im Wesentlichen nicht die Frage vorherrschend ist was kann ich mir leisten sondern was will ich mir Leisten was gibt mir den nächsten Kick. In unserer Diskussion stellten wir für uns fest, dass wir dem Begriff des Spaßes der dem der Freude entgegenstellen, wobei Spaß für uns etwas eher materielles vergängliches Einschließt wohingegen Freude nachhaltig und mit einer geistigen Komponente verbunden ist.
Das einleitende Zitat konfrontierte uns auch genau mit diesem Bild, mit dem Aufruf nicht dem Spaß hinterher zu rennen sondern zur Mäßigung und damit für Zeit zur Freude. Wir diskutierten kontrovers ob die relativ strickte und für unsere Ohren auch sehr radikale Aufforderung aus dem Zitat wörtlich zu nehmen ist bzw. in aller Strenge, fanden für uns aber annehmlicher es sinngemäß zu nehmen, da unsere Gesellschaft nun mal viele Dinge bereit hält die zwar zu anderen Weltregionen absoluten Luxus darstellen, ein Verzicht in unserer Gesellschaft jedoch auch eine Selbstausgrenzung bedeuten würde. Wichtig ist uns in diesem Zusammenhang jedoch ein bewusster Umgang mit materiellen Dingen und ein selbstloser Umgang mit ihnen.
Die von Bahá’u’lláh angesprochene Gefahr durch die ins übermaßgesteigerte Freiheit und Zivilisation im Zusammenhang mit Kunst und Wissenschaft sahen wir in der pervertierenden Kriegsmaschinerie sowie den auch sonst teils sehr egoistischen und profitorientierten Einsatz von Technologien.
Den vierten Absatz der sich mit der Bedeutung von Keuschheit und Mäßigung befasst sahen wir als wichtige Basis und als Leitkredo für ein gelungenes Leben miteinander. Welche Reichweite die Verurteilung der „erniedrigenden Verwendung von Kunst und Literatur“ hat und wie Cabarete und Karikaturen in diesem Zusammenhang einzuordnen sind, war uns dabei nicht ganz klar. Wir waren uns aber sicher, dass diese Kunstformen schnell Gefahr laufen können in diesen Bereich zu fallen, sie jedoch auch vielfach eine Aufzeige- bzw. Hinweisfunktion übernehmen.
Im Verlauf entwickeln sich unser Dialog und unsere Erkenntnis schon fast in die Richtung des siebten Abschnitts und der von Shoghi Effendis aufgegriffene Aufruf zu einem „keuschen und heiligen Leben“ erscheint uns in dessen Folge nur vernünftig. Wobei wir die Beobachtung der „beinahe schon verzweifelten Hingabe an Vergnügen und Zerstreuung“ und so weiter auch von uns im Verlauf mehrfach als Sorge genannt wurde. Zum Ende hin überlegen wir uns, ob das oftmals in den Bahá’í-Schriften so düster gezeichnete Bild einer fast schon Weltuntergangsstimmung nicht destruktiv sein könnte oder ob es vielleicht nicht vielmehr die Menschen tröstet und ermutigt trotz ihrer schwierigen Situation viele Jahrzehnte nach der Offenbarung Bahá’u’lláhs an weinen Maßstäben und Werten festzuhalten.
Die Wichtigkeit dabei nicht über andere zu Urteilen und sie mit eigenen Maßstäben zu messen war immer wieder Teil des Diskurses und wurde zum Abschluss in dem Zitat von ‘Abdu‘-Bahás nochmal sehr passend zum Ausdruck: „Hütet euch, eine Seele zu kränken, ein Herz zu betrüben oder einen Menschen mit euren Worten zu verletzen.“

Beitragsfoto: VisitCentralFL

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